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in seinen Mauern behalten wird. Die Besatzung von Wien soll auf 30,000 Mann vorläufig bestimmt sein und Fürst Windisch- grätz die Entscheidung wegen der dem Kriegsrechte Verfallenen auf drei Tage hinausgcschoben haben.

Der Reichstag hat sich von selbst aufgelöst, da am Montag nur noch 60 Mitglieder vorhanden waren. Fürst Windischgrätz und Ban Jellachich sind mit ihren Hauptquartiren, ersterer in Schönbrunn und letzterer in dem Palast des Erzherzogs Mari- milian d'Este. Die innere Stadt, so wie ein Theil der Vor­städte, bietet an mehreren Orten ein Bild der Zerstörung dar. Seit gestern gehen die Posten ab, und man hofft, daß die Oeff- nung der Stadtthore bald stattfinden dürfte. Von Vcrurthei- lungen der Schuldigen weiß man bis heute nichts. Die meisten Gefangenen sind in den Kasernen und auch im Hauptquartier.

Aus dem Hauptquartier Hetzendorf, 1. Nov. ^Offizieller Berichts Absichtliche Entstellungen und Verdrehun­gen aller Thatsachen sind gegenwärtig so sehr an der Tagesord­nung, daß es den Freunden der Wahrheit willkommen sein muß, nachstehend eine getreue Darstellung der Vorgänge bei der Ein­nahme der Stadt Wien durch die k. k. Truppen zu erhalten.

Am 23. Ociober Abends war der mit außerordentlichen Voll­machten versehene k. k. Herr Feldmarschall Fürst Windischgrätz zu Heckendorf nächst Wien eingetroffen. Se. Durchlaucht erließen eine Aufforderung an die Bevölkerung der Stadt, die Waffen abzuliefern und sich unbedingt dem kaiserlichen Befehle zu unter­werfen, widrigenfalls die Stadt mit Gewalt der Waffen dazu ge­zwungen werden würde. Zur Bekanntmachung der gestellten Forderungen wurden der Stadt 24 Stunden, und zur Ausführung derselben weitere 48 Stunden, nämlich bis zum 26. October Abends, eingeräumt. Obschon dieser Termin nicht nur erfolglos verstrichen, sondern auch am 26. während der vollendeten Ein­schließung der äußern Umgebungen der Stadt aus derselben ohne Anlaß auf die k. k. Truppen gefeuert wurde, ließen Se. Durch­laucht der Feldmarschall auch noch den 27. October ohne An­wendung von Gewaltmaßregeln verstreichen. Einigen Deputationen aus der Stadt, welche mit dem Fürsten über seine gestellten For­derungen verhandeln und Concessionen erlangen wollten, konnten diese nicht gewährt werden.

Obwohl mittlerweile die Nachricht von dem Abmarsche eines ungarischen Heeres zur Unterstützung der Wiener Rebellen einge­troffen war, welche den Fürsten nöthigte , einen Theil seiner Truppen gegen selbes zu entsenden, so wurde dennoch mit den übrigen für die Verwendung gegen die Stadt schon im Voraus bestimmten Truppen am 28. October der Angriff gegen dieselbe unternommen.

Während nämlich alle Zugänge der Stadt mit Geschützfeuer genommen wurden, lag es blos in der Absicht des Feldmarschalls, an diesem Tage die Vorstädte Landstraße und Leopoldstadt einzu- nehmen. Diese Aufgabe wurde auch bis zum Abende dieses Tages nach Erstürmung der äußern Linienthore, vieler Barrikaden und Eroberung von 4 Kanonen von den von Muth und Zuver­sicht durchdrungenen Truppen ohngeachtet der verzweifelten Gegen­wehr der Insurgenten so vollständig gelöst, daß sic noch vor dem Eintritte der 9la$t auf dem Glacis vor der innern Stadt und am Donauarme standen, der diese von der Leopoldstadt scheidet, und das Jnvalidenhaus, das Münzgebäude, die neue Haupt­mauth, die Heumarkt-Kaserne und den fürstlich Schwarzenbergi- schen Sommerpalast besetzten und behaupteten.

Allenthalben wurden die Truppen von den friedlichen Be­wohnern dieser Vorstädte als Erretter und Befreier von dem Terrorismus der Anarchisten und ihrer Werkzeuge, der bewaffne­ten Proletarier, mit Jubel empfangen.

Se. Durchlaucht der Feldmarschall gaben sich der Hoffnung hin, daß die Stadt nach solchen Erfahrungen von der Ueberlegen- Heit einer wohldisciplinirten Streitmacht über zahlreichere Jusur- gentenschaaren Ueberzeugung erlangt haben mußte, rechnete daher auf ihre nunmehrige Unterwerfung, und ließ den 29. Octo­ber, um ihr Zeit zu lassen zur Besinnung zu kommen, ohne An­wendung weiterer Gewaltmaßregeln ruhig vorübergchen. Es kam auch wirklich in der Nacht vom 29. auf den 30. October eine Deputation des Gemeinderathes der Stadt mit der schriftlichen Erklärung zum Feldmarschall, daß sie sich unbe­

dingt unterwerfen und den auferlegten Belagerungszustand an­nehmen wolle, wornach somit am 30. October die Stadt und die Vorstädte von den Truppen besetzt werden sollten.

Es wurde demnach eine Kommission zusammengesetzt, welche die Modalitäten über die Ausführung dieser Maßregeln genauer bestimmen sollte. Mittlerweile bestätigte sich am 29. Morgens die Nachricht von dem Anmärsche der ungarischen Rebellen, gegen welche sich nunmehr der Feldmarschall zu wenden genöthigt war. Er fand den Feind in einer günstigen Aufstellung hinter der Schwechat, 2 Meilen von Wien, ließ denselben sogleich durch das Armee-Korps des Vanus von Kroatien und die ihm beigegebene zahlreiche Kavallerie des 3. Korps anqreifen, warf ihn noch an diesem Tage bis über die Fischa zurück und ließ ihn am 31. bis an die Gränze von Ungarn verfolgen.

Durch das von der Höhe des Stephansthurmes beobachtete Anrücken der ungarischen Bundesgenossen ließen sich die Wiener Aufrührer zu neuen Hoffnungen und zum treulosen Bruche der eingegangenen Kapitulation verleiten. Der Ober-Kommandant der Nationalgarden, Messenhauser, erließ von dem hohen Observato­rium herab zwei Aufrufe, in welchen er die f. k. Truppen von den Ungarn geschlagen erklärte und zur wiederholten Ergreifung der Waffen aufforderte.

Es wurden demnach auch von Seite der Stadt in dem Au­genblicke die Feindseligkeiten wieder begonnen, in welchem die ein­gegangene Kapitulation in Erfüllung gehen sollte.

Dieser Treuebruch mußte somit auch durch das Wiedereröffnen des Bombardements einiger, wegen ihrer feindlichen Gesinnung bekannter Vorstädte bestraft werden, mit welchem bis zum Abende des 30. Oktober fortgefahren wurde.

Die Stadt erklärt hierauf zum zweiten Male ihre Unterwer­fung, die somit am 31. Oct. zur Wahrheit werden sollte.

Aber schon am Morgen dieses Tages erschienen Abgeordnete des Gemeinderathes mit der Erklärung, daß die Mehrzahl der Bürger zwar den besten Willen habe, alle Bedingungen des Feld­marschalls ohne Weigerung einzugehen, daß sie aber gegen die zur Schreckensherrschaft angewachsene Macht des demokratischen Klubs, des Studentenkomites und ihrer Werkzeuge, der bewaffneten Pro­letarier, viel zu machtlos seien, um ihrem Willen nur einige Gel­tung zu verschaffen, daß sie demnach selbst den Schutz des Feld- marschalls für ihre Personen und ihr bedrohtes Eigenthum an­flehen müßten, nachdem die Rotte gesonnen sei, sich unter den Trümmern der durch sie in Brand zu steckenden Stadt zu begraben.

Der Feldmarschall ließ nunmehr am 3l. Oktober Nachmittags noch mehr Truppen durch die Vorstädte einrücken, welche bei ihrem Erscheinen auf dem Glacis von den Wällen der inneren Stadt lebhaft beschossen wurden, und diese, in welche sich die Auf­rührer alle zurückgezogen hatten, eng umschließen. Abends noch wurde das stark verbarrikadirte Burgthor eingeschossen, sodann von zwei Bataillons erstürmt, und acht Kanonen wurden erobert. Die Proletarier hatten bereits Feuer in das kais. Bibliothek-Gebäude ge­legt, von dem das Dach abbrannte, der übrige Theil dieses Ge­bäudes aber, sowie die ganze Burg, wurden durch das Einrücken unserer Truppen gerettet.

Das Militair hat nunmehr die ganze Stadt besetzt, deren voll­ständige Unterwerfung —■ nachdem sie jeden mildern Ausweg mit Hartnäckigkeit, und selbst mit Hintansetzung von Treu und Glauben von sich wies, mit Gewalt der Waffen vollendet worden ist. —

Die Zeitungen enthalten die ausführliche Proclamation von Windischgrätz, welche die traurigen Details des Belagerungszu­standes verkündet, aber für unsere Spalten zu lang ist. Dagegen lassen wir die gestern erwähnte Adresse des Reichstags an den Kaiser hier folgen:

W i e n. Die vom Reichstag in seiner Sitzung vom 25. beschlossene und an den Kaiser gesendete Adresse lautet:

„Ew. Majestät! Der constituirende Reichstag hat Ew. Maj. niemals sprechendere Beweise von seiner unerschütterlichen Treue für die Freiheit, für das Wohl des Gesamnitvaterlandes und für den constitutionellen Thron zu geben vermocht, als er sie in der aufopfernden Thätigkeit der letzten Tage darlegte, wo er, verlassen von Ew. Maj. und den Trägern der Erecutivgewalt, allein durch durch das Gewicht seiner Autorität den herandrohenden Gefahren der Anarchie und des Zerfalls der Monarchie entgegentrat. Mit-

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