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faktischen Berichtigung, daß er nach dem Austritt der Deputation aus dem Zimmer des Königs zu dem Flügeladjutanten geäußert: er bäte dringend, ihn wieder einzuführen, um Sr. Majestät zu sagen, daß Las Gefühl Sr. Majestät den Ausdruck der Gesinnung der Deputation von der persönlichen Bemerkung eines einzelnen Deputirten zu unterscheiden wissen werde. Reichensperger: (zur schließlichen faktischen Bemerkung). Die Deputation der Majorität war später nicht der Ansicht, duß die erste Entfernung Sr. Majestät als ein Zeichen der Entlassung anzusehen gewesen, und daß Se. Majestät nur auf die Aeußerung des Abgeordneten Jakoby es vorgezogen habe, nicht wieder zurückzukehren. —■ Der Präsident schneidet eine Menge persönlicher Bemerkungen mit der Proclamirung der Vertagung der Sitzung bis um 3 Uhr ab. — Wir bemerken schließlich, daß die Minister bereits mittelst telegraphischer Depesche von diesem Beschlusse benachrichtigt sind und ihnen zu verstehen gegeben ist, daß sie sich zur rechten Zeit einzufinden hätten.
Vertagung der Sitzung um 11 Uhr. Wiedereröffnung um 3 Uhr.
Nachmittags-Sitzung 3 Uhr. Vorsitzender v. Unruh. Von den Ministern sind gegenwärtig die HH. Eichmann, v. Bonin und Graf Doenhoff. Es ist eine königl. Botschaft eingegangen, welche verlesen wird. Ihr Inhalt ist folgender:
„Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen u. f. w. haben die am gestrigen Tage uns durch eine Deputation überreichte Adresse der zur Vereinbarung der Verfassung berufenen Versammlung in reifliche Erwägung gezogen und erwidern darauf Folgendes: Fest entschlossen den in Uebereinstimmung mit den Wünschen des Volkes betretenen constitu- tionellen Weg rinverrückt zu verfolgen, haben Wir den General- Lieutenant Grafen Brandenburg mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt, weil Wir nach seinen Uns wohlbekannten Gesinnungen überzeugt sind, daß er sich der festen Begründung Ler konstitutionellen Freiheiten widmen werde. Wenn ihm dies gelingt, wird er sich wie Wir hoffen, das Vertrauen des Landes erwerben. Einem andern Minist. als einem solchen, von welchem wir das erwarten können, werden wir, davon dürfen sich die Vertreter unsers getreuen Volkes überzeugt halten, niemals Lie Regierung des Landes anvertrauen. Wir können uns daher auf die ohne nähere Begründung angedeuteten Gerüchte durchaus nicht entschließen, den dem Grafen Brandenburg gegebenen Auftrag zurückzuziehen. Mit Genugthuung haben wir übrigens die Anerkennung vernommen, daß unser Herz für das Wohl des Volkes stets geschlagen hat, und hoffen Wir, daß wir Uns in der gewissenhaften Verfolgung dieses Ziels stets im Einklang mit Len Wünschen unsers getreuen Volks befinden und daß die Vertreter desselben uns darin unterstützen werden. —
gez. Friedr. Wilhelm, contras. Eichmann."
Der Präsident bemerkt: er habe mit dem Grafen Brandenburg eine Unterredung gehabt, in welcher derselbe sich nach den obwaltenden Verhältnissen erkundigt und gesagt habe, daß er sich seine Entschließung noch vorbehalten habe. Elsner fragt: ob das Gespräch privater oder ofsicicller Natur gewesen? v. Unruh meint, daß er es nicht als amtlich betrachte. — Einem dringenden Anträge von Waldeck, Temme, Schulz (Wanzleben) Jacoby hat die Prioritäts-Commission den Vorrang vor der morgigen Tagesordnung eingeräumt. — v. Berg stellt den Antrag: die heutige Sitzung auf morgen 10 Uhr zu vertagen und für die Sitzung morgen die Anwesenheit der Minister zu verlangen. Er bemerkt, Laß er und seine Freunde mit aller Festigkeit die Rechte des Volkes wahren würden, daß sie aber auch die größtmöglichste Mäßigung obwalten lassen wollten. Der Antrag wird zum Beschluß erhoben. (Nur die äußerste Linke stimmt dagegen). Schluß Ler Sitzung 4*/2 Uhr.
Ein Correspendent der Weser Zeitung bemerkt bei dieser Gelegenheit Folgendes: So eben nach einstündiger Dauer wird die Sitzung geschlossen, oder vielmehr, wie es nach dem Anträge des Hrn. V. Berg beschlossen ist, „vertagt" bis morgen um 10 Uhr. Die Antwort, welcher der Kammer auf ihre Adresse geworden ist, hat natürlich den Unmuth nur steigern können. Wir glauben dessenungeachtet nicht an eine gewaltsame Lösung der Wirren dieses Augenblicks. Unsere Meinung ist in dieser Beziehung unterstützt Lurch den Eindruck, welchen die Physiognomie der Kammer während dieser Nacht auf jeden Unbefangenen gemacht hat. Nüch
ternheit lag auf den Gesichtern aller Mitglieder in einem Maaße wie es die Leser der Berichte kaum für möglich halten werden. Di Linke echauffirte sich zu emphatischen Ausrufungen. Die „Gefahr bei Vaterlandes", die Nothwendigkeit sofortiger „entscheidender Schritte' wurden, so oft sie diese Seite der Kammer von der Tribüne Hera verkündete, von der anderen Seite stets mit Hohnlachen angehört Das Manöver der Rechten endlich, die sich entfernte und di Versammlung beschlußunfähig machte, enthob alle Theile sichtliü einer drückenden Verlegenheit. Jeder Zuhörer nahm die Ueber zeugung mit sich, daß, wenn das Vaterland in Gefahr ist, dies Versammlung es schwerlich retten wird.
Die Berliner Zeitungen sind seit gestern in Kassel ausgc- blieben. Doch soll, Privatnachrichten zufolge, die Krisis überstanden, Brandenburg zurückgetreten und Grabow mit der Bildunc eines Ministeriums beauftragt sein.
Schweiz.
Bern, 3. Nov. Herr Raveaur ist noch nicht auf seiner Gesandtschaftsposten zurückgekehrt; statt seiner übergab deßwegen Herr Legationsrath von Neuwall dem Präsidenten des Vororts, Herrn Negierungsrath Funk, eine vom 23. Oktober datirte Note der deutschen Centralgewalt, eine Erwiederung der Antwortsnote des Vororts am 5. Oct. Der Inhalt der deutschen 9lote ist noch nicht dem Wortlaute nach bekannt. Nur soviel weiß man, daß die deutsche Reichsgewalt auf den vom Vorort verlangten Nachweis für die Behauptung, als ob schweizerische Kantonalbeamte dem badischen Aufstande Vorschub geleistet hätten, nicht eingehen will, „da es gegen die völkerrechtliche Ehre und Gebrauch sei, ein contradictorisches Verfahren zwischen Regierungen einzuleiten und die Beweiskraft über Thatsachen zu übernehmen, die weltkundig seien." Auch soll, wie man hört, das Reichsministerium in der Note erklären, hiermit die Unterhandlungen abzubrechen und gegen die Eidgenossenschaft handelnd aufzutreten. Sie werde aber ihre bereits ungeordneten Maßregeln aufhören lassen, sobuld die Eidgenossenschaft eine Sinnesänderung an den Tag lege.
Frankreich.
Paris, 1. Nov. Die Börse und die meisten Handelshäuser sind heute geschloffen. Das Allerheiligenfest ist einer der größten Feiertage für den Pariser. Nationalversammlung und alle übrigen Behörden halten heute keine Sitzungen. — Der „Moniteur" enthält heute eine Liste neuer Präsecten. Alle gehören der politischen Farbe der Rue de Poitiers an. — Die äußeren Boulevards, namentlich die Barriere Poissonniere, Lr Chapelle rc., sind seit einigen Abenden der Schauplatz bedenklicher Ereignisse. Es kommt dort zu regelmäßigen Raufereien zwischen der Mobilgarde und den Arbeitern, die dort in Menge wohnen. In den letzten Abenden zogen die Mobilgardisten sogar ihre Säbel, die Arbeiter schossen mit Terzerolen gegen sie und seit vorgestern durchziehen starke Streifwachen jene Oertlichkeiten mit Anbruch des Abends. Seit den verhängnißvollen Junitagen ha- ben die Arbeiter der Mobilgarde den Tod geschworen. Sie bezeichnen sic nicht anders als unter dem Namen „Henker Ca- vaignc's, Leibeigene der Bourgoisie, Schutzwächter des Kapitals. Dies ärgert natürlich einen großen Theil der Mobilgarde, von der ein Bataillon in jener Gegend kasernirt ist. Vorgestern Abend brach abermaliger Krawall los, der den General Lamori- ciere veranlaßte, militairische Vorsichtsmaßregeln zu treffen. — Es ist Proudhon gelungen, sein Journal wieder erscheinen zu lassen, unter dem Titel: „LePeuple." Die erforderliche Caution ist durch freiwillige Beiträge der Socialistenpartei zusammenge- bracht worden. — In letzter Zeit ist eine nicht geringe Zahl Familien aus Wien hier angekommen. Man weiß, daß das Fort auf dem Mont-Valerien mit 100 Kanonen ausgerüstet worden, und daß Ingenieure, Pionire und Artilleristen Tag und Nacht in demselben arbeiten. „Bien Public" zeigt heute an, daß man mit der Vollendung eines großen Saales beschäftigt sei, “in welchem die Nationalversammlung bei etwaigen neuen Volksstürmen ihre Sitzungen zu halten beabsichtige. — Der „Moniteur" wiro bald eine Erklärung aus Bastides Feder bringen, daß er nie den Gedanken gehabt, Venedig aufzuopfern. Mehrere Blätter wollen nämlich das Gegetheil behaupten. — Die Post aus Turin verkündet einen Ministerwechsel in etwas liberalerem Sinne.
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