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»erben. Hohe Nationalversammlung, die Blicke von ganz Deutschland richten sich in diesem Augenblicke mit ängstlicher Spannung auf Ihre Verhandlungen. Das ganze Volk hofft mit Zuversicht, daß Sie mit derselben Entschiedenheit, mit der die Anarchie unterdrückt ist, auch der Reaction entgegentreten, und nur den Wünschen der ganzcn Nation glauben wir deßhalb einen Ausdruck zu geben, wenn wir hierdurch die Bitte stellen: daß Sie fortan bei allen Ihren.Beschlüssen Sich durch den Geist leiten lassen, die Bestrebungen der Reaction zu vereiteln, dies namentlich bei der Regelung der Wiener Angelegenheiten verwirklichen und in der möglichsten Beschleunigung der Feststellung der Reichsverfassung und Grundrechte den festesten Damm gegen Reaction, wie Anarchie aufführen. —
Die unterzeichneten Vereine sind zu einem „nationalen Vereine" zusammengetreten, um in einer, allmählig ganz Deutschland umspannenden Vereinigung Recht, Gesetz und Ordnung , vor Allem die deutsche Reichsversammlung als das höchste gesetzliche Organ gegen alle Angriffe der Anarchie und Reaction zu vertreten und. zu kräftigen. Sie werden aber auch im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt stets dahin streben, durch offene Aussprache gegen die hohe Nationalversammlung deren Verhandlungen und Beschlüsse mit der öffentlichen Meinung in Einklang zu erhalten. —
Die unterzeichneten Vereine hegen die Ueberzeugung , daß nur durch diesen Wechselverkehr der hohen Nationalversammlung und der öffentlichen Meinung die Reaction und Anarchie zu Boden geworfen und durch Kräftigung der gesetzlichen Partei unser herrliches Deutschland zu dem großen Ziele der Märzbewegung: zur Freiheit, zur Einheit, zur Wohlfahrt geführt werden kann.
Kassel, den 5. November 1848.
Der nationale Verein, und als Theilnehmer desselben: Der Kasseler Bürger-Verein:
Dessen Deputirte: (gez.) Janson. W e i b e z a h n. Dr.
Ad. Pfaff. Schnackenberg. Meyer. Hahndorf. v. B a u m b a ch - K i r ch h e i m.
Der vaterländische Verein zu Braunschweig:
Deputirter: (gez.) C. Uhde.
Der vaterländische Verein zu Seesen:
Deputirter: (gez.) H. Baumgarten.
Der vaterländische und Bürger-Verein zu Königslutter:
Deputirter: (gez.) Dr. Schwarzenberg.
Der Bürgerverein zu Wolsenbüttel:
Deputirter: im Auftrag der Herren Müller und Hoepner — (gez.) G. Claussen aus Oldenburg.
Der deutsche Clubb zu Hamburg:
Deputirter: (gez.) G. A. Schon lau.
Der deutsche Volksverein zu Oldenburg:
Deputirter: (gez.) G. Claussen.
Der Turnverein, Bürgerverein und Volksrath zu Fulda:
Deputirter: (gez.) I. Gegenbaur.
Der Bürgerverein zu Wanfried:
Deputirter: (gez.) I. Ungewitter.
Der Volksverein von Frankenau und Gemünden:
Deputirter: (gez.) Ebert, Pfr., zugleich als Bevollmächtigter sämmtlicher Zweigvereine dieses Hauptvereins.
Der politische Verein zu Hanau:
Deputirter: (gez.) Meibom.
Der Central-Ausschuß der vereinigten konstitutionellen Vereine im Großherzogthum Hessen:
Deputirte: (gez.) G. Lehrbach, vr. jur. R. H a r n i e r zu Cassel, als Substitut des Abgeordneten rc. Dr. Krafft zu Gießen.
Der Central-Ausschuß der deutschen Vereine in Sachsen:
Deputirte: (gez.) A. W. Volkmann und Dr. Fricke.
Der Volksverein zu Melsungen:
Deputirter: (gez.) Meyer.
Der Vaterländische Verein zu Hessen in Braunschweig:
Deputirter: (gez.) O. Häusler aus Braunschweig.
Der Bürgerverein zu Fritzlar:
Deputirter: in Vertretung des Abgeordneten Fabra: (gez.) Pfeiffer.
Der Bürgerverein zu Bremen:
Deputirte: (gez.) C. D. Seemann und Emil Meye
Der Volksverein zu Felsberg:
Deputirter: (gez.) Pfeiffer.
Der Volksverein zu Carlshafen:
Deputirter: (gez.) I. Baurmeister.
Der Bürgerverein zu Holzminden:
Deputirte: in Vertretung der Abgeordneten w. Vorwerk i
Apfel (gez.) O. Häusler. Dr. Schwarzenbek
Die vaterländischen und Bürger-Vereine zu Gandersheim Blankenburg, Hasselfelde, Warberg und Vechelde:
Deputirte: (gez.) O. Häusler, Dr. Schwarzenberg
aus Braunschweig.
Wien. Die Bresl. Ztg. vom 3. bringt folgenden Artike über die Besetzung Wiens durch Windischgrätz. Mittags 5 Uhl Indem wir heute zum zweitenmale die Einnahme Wiens durs die kaiserlichen Truppen melden, bemerken wir, daß sich dies Meldung nicht blos auf amtliche Kundmachungen, durch welch 1 wir schon einmal getäuscht wurden, sondern auch auf glaubwürdige Privat-Nachrichten gründet.
Es folgen dann die bekannten, schon in unserem gestrige» Blatte mitgetheilten Nachrichten. Aus Olmütz gehen der Bresl Ztg. folgende amtliche Mittheilungen zu:
1) Telegraphische Depesche des Feldmarschall-Lieutenant Ram berg aus Wieu an den Minister-Präsidenten Wessenberg.
Ich lasse so eben die Verrammlung des rothen Thurmthorei wegräumen, und werde binnen einer halben Stunde die rothi Thurm-, Bieber- und Dominikaner - Bastei mit Infanterie uni Geschütz besetzt haben.
Widerstand findet durchaus keiner statt, das Proletariat uni Studenten erscheinen nirgends.
Die feindlichen Geschütze werden eben von den Wällen in daè Zeughaus abgeführt, ein großer Haufe niedergelegter Gewehre liegt bei der rothen Thurinthorwache aufgeschichtet.
In der Burg, im Naturalieiikabinet und der Bibliothek hat der Brand keine Verheerungen von Bedeutung angerichtet.
Olmütz, am 1. Nov. 1848.
Lazanzky, k. k. mährisch-schlesischer Gub.-Vice-Prästdent?
2) Telegraphische Depesche 12 Uhr 10 Minuten am 1. November 1848. FML. Ramberg aus Wien.
Die Salzgries-Kassrne, k. k. Zeughaus in der Renngasse und das Kriegsgebäude nebst den Wällen und Thoren der Burg sind von uns besetzt.
Sämmtliche Vorstädte sind besetzt und werden entwaffnet.
Es herrscht volle Ruhe. Die Entwaffnung in der Stadt beginnt. Olmütz, am 1. November 1848.
Lazanzky, k. k. mähr, schles. Gub.-Vice-Präsident.
Andere Nachrichten wollen im Widerspruche mit unseren gestrigen Mittheilungen wissen, die Aula sei zusammengeschossen und eingestürzt. Die Studenten nebst Arbeitern und Deserteure, welche letzteren doch nicht auf Amnestie hofften, seien im Belvedere und Schwarzenbergischen Palais verschanzt und entschlossen, sich bis zum Tode zu vertheidigen. Es liegen uns verschiedene amtliche Proklamationen vor, welche in Wien am 29., 30. und 31. erlassen wurden. Der Commandant Messenhauser macht am 29. bekannt, daß ein Verzweiflungskampf bei dem Mangel an Munition Wahnsinn sei, am 30 , daß die Ungarn geschlagen seien und man keine Aussicht auf den Sieg habe; die Nationalgarde möge daher erklären, ob sie die Waffen niederlegen wolle oder nicht; am 31. daß die einzelnen Angriffe auf die Truppen nicht auf seinen Befehl erfolgten, daß er vielmehr sich jedem Bruche der Capitulation widersetzte. Die Kapitulation war nach einer Erklärung des Gemeinderaths vom 31. Dec. am 29. wirklich geschlossen. Am 30. hat Fürst Windischgrätz folgende neue Bedingungen gestellt: 1) Aufziehen einer kaiserl. österr. Fahne auf dem St. Stephan; 2) ehrenvolles Ausgeleit des Baron Recsei und aller gefangenen Militairs; 3) Auslieferung der Waffen und Munition binnen 12 Stunden; 4) Kassenablieferung aller bewaffneten Körper an den Gemeinderath. Letzterer macht unterm 31. bekannt, daß er diese Bedingungen ausführen werde. Unter demselben Datum zeigt der Commandant Messenhauser noch Folgendes an: