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am 31. machte Windischgrätz bekannt, die Ungarn, 21,000 Mann stark, seien bei Schwechat geschlagen und Fürst Lichtenstein ver­folge sie mit 15,000 Mann. Um 12 Uhr fielen neuerdings Schüsse von der Bastei dem Lamm gegenüber; der Kampf hatte indeß nur die Natur einer Plänkelei angenommen. Das Lamm und das Stier- becksche Caffee lagen voll kaiserl. Jäger, welche auf die Bedienung der städtischen Batterien schossen. Um 3 Uhr begann eine furchtbare Kano­nade, besonders in Mariehilf und Schottenfeld. Sie hörte auf, als es hieß, die Linie sei genommen. Nunmehr eilten die Garden gegen 4 Uhr auf die Basteien zur Vertheidigung, worauf es bis 6 Uhr still blieb. Da gerieth die kaiserliche Burg in Brand, ohne daß der Entstehungsgrund des Feuers bekannt geworden ist. Eine Bombe war nicht hineingefallen, dahingegen waren das fürstliche Ko- lowratsche Haus und die Kapuzinerkirche durch Bomben zerstört. Neun Compagnien Nationalgarden löschten das Feuer in der Burg. Gegen 1 Uhr Nachts ward das Burgthor mit einigen Schüssen aus 24Pfündern gesprengt, und die Truppen rückten in die Stadt, ohne daß ein großes Gefecht stattgefunden hatte. Die Kroaten standen auf dem Graben. Da man gestern früh in der Leopoldtsstadt nichts von dieser Besetzung der Stadt erfahren hatte, erwartete man in den Wieden den Wiederbeginn des Kampfes. Allein zwischen 10 und 11 Uhr rückten die Truppen in großer Masse ein, ohne daß eine weitere Vertheidigung stattgefunden hätte. Das Gerücht als wollte die Legion mit 10,000 Mann die Uni­versität auch dann noch vertheidigen, bestätigt sich nicht. General Bem soll gefangen sein.

Berlin, 3. Nov. Ueber die Auftritte in der Berliner Na­tionalversammlung und ihrer an den König gesandten Deputation lassen wir hier den Bericht des demokratischen Organs, der Ber­liner ultra Zeitungs-Halle selbst folgen. Es mag sich Jeder da­nach sein Urtheil selbst entnehmen. Die Versammlung hatte sich gestern bis zur Rückkehr der Deputation für permanent erklärt. Um IO1/» Uhr verbreitet sich im Saale der Abgeordneten die Nachricht, es liege dem Präsidenten die Abschrift einer telegraphi­schen Depesche aus Potsdam vor, wonach der König der Deputa­tion erklärt habe, daß er ohne einen Minister nicht antworten könne. Der Präsident Phillips verliest die telegraphische De­pesche, welche vom Präsidenten v. Unruh an die Minister Eich­mann und v. Bonin gerichtet und um 10 Uhr 24 Minuten ein- gegangen ist. Sic lautet:

Zur Ertheilung der Antwort vom Könige ist die Anwesenheit wenigstens eines Ministers hier in Potsdam dringend erforderlich. Die Deputation wartet bis 11 Uhr Abends hier auf telegraphische Antwort. v. Unruh.

An den Vice-Präsidenten der Nationalversammlung, Herrn Philipps.

Die Rechte, welche sich ohnehin spärlich eingefunden hat, springt wieder auf, um herauszulaufen, damit die Versammlung nicht beschlußfähig werde. Auf Antrag El sner's und Sch nei­de r's wird der Namensaufruf veranlaßt. Er ergiebt die Ab­wesenheit von 211 Mitgliedern, so daß die Discussion über den Antrag, die Sitzung nicht eher zu schließen, bis die Deputation zurückgekehrt ist, angenommen wird. Darauf wird ein Schrei­ben des Ministers v. Bonin verlesen, worin derselbe erklärt, es werde der Minister Eichmann und er selbst morgen auf Befehl Sr. Majestät mit dem ersten Zuge sich nach Sanssouci begeben. Schulze (Delitzsch) erklärt, daß er den Antrag zwar unter den obwaltenden Umständen zurücknehme, indessen könne er nicht den Wunsch unter­drücken, daß während die Nationalversammlung und die Bürgerwehr sich die Mühe nicht hat verdrießen lassen die Herren Minister nur durch Unmöglichkeiten an der sofortigen Abreise verhindert sein mögen. Elsner und Temme nehmen den Auftrag auf. Parrisius spricht sich gegen den Antrag und gegen ein längeres War­ten aus. Außerdem richtet er sich an die Linke und bittet sie, zu be­denken, daß sie eine Majorität erlangen würde, die eine Partei­lichkeit involviren könnte. Elsner: Die Antwort der Minister ist ein Hohn gegen die Versammlung (Bravo), und was die Provocation auf den Edelmuth der Linken beträfe, so gestehe er, daß aller Edelmuth aufhören müsse, wenn das Vaterland tvie in diesem Augenblick in Gefahr ist. v. Meusebach:

die Anstrengung ist zu groß, wir können sie nicht aushalten. Außerdem schließe ich mich den Gründen des Herrn Parrisius an. Temme und Schramm sprechen sich entschieden gegen Aufhebung der Sitzung aus; worauf Schimmel die Ansicht äußert, wenn die Versammlung auf die Fortsetzung der Sitzung bestehe, so könne sie in den Verdacht kommen, als sei es ihr um Erhaltung der Aufregung zu thun. Elsner als An­tragsteller : Wenn man an dem praktischen Nutzen des An­trags zweifle, so bemerke er darauf, daß, wenn auch von Seiten der Berliner Bevölkerung Nichts zu befürchten ist, da wir uns überzeugt haben, daß wir uns auf sie durchaus verlassen können, so könnten wir doch leicht Beschlüsse für Verhältnisse außerhalb Berlins zu fassen erhalten. Aber selbst angenommen, daß gar kein praktischer Nutzen damit verbunden sei, einen moralischen Erfolg werde die Annahme des Antrags gewiß haben. Die Abstimmung ergiebt ein zweifelhaftes Resultat, so daß zur Zählung geschritten wird, wonach der Antrag mit 114 gegen 106 Stimmen angenommen ist. Da die Differenz geringer als 15 Stimmen ist, so trägt v. Meusebach auf namentliche Ab- i stimmung an, welche um 12 72 Uhr Mitternacht vollendet ist: 115 haben für, 68 gegen den Antrag gestimmt; da jedoch die Gesammtzahl der Votirenden nur 183 beträgt, so ist der Beschluß ungültig. Der Präsident vertagt deßhalb die Sitzung bis 9 Uhr Vormittags.

Hannover, 1. Nov. (Das Wahlgesetz.) Das proviso­rische Gesetz über die Wahlen zur Ständeversammlung, zu dessen Erlassung die vorigen Stände die Regierung ermächtigten, ist am 26. Oct. vom Könige unterzeichnet und heute ausgegeben. Wäh­rend die Grünve noch immer nicht bekannt sind, weshalb das neue Verfassungswerk, nachdem es mit den Standen vereinbart war, erst nach Monaten publicirt wurde, soll die so lange Ver­zögerung des Wablgesetzes nur in der verspäteten Einlieferung der statistischen Nachrichten, namentlich von städtischen Behörden, liegen

Attgekommene ^rembc vom 4. u. 5. November.

Im König von Preßen (Schambeck): Buchdrucker Teidhert aus Königsberg; Negociant Heydecker aus Augsburg; Stud. med. Schott u. Eger aus Marburg; Privat. Lachfeld mit Gattin aus Eisenach; Kaust. Birckhahn aus Schweidnitz, Meyer aus Frankfurt u. Ludorf aus Kreuz­nach; Oeconom Türck aus Eschwege; Partie. Rittberg mit Gattin aus Altenburg; Arzt Dr. Bach mit Sohn aus Hannover;Rent. Brohn aus Braunschweig.

Im Hotel de Russie (C- Klein): Amalie Landvogt aus Fulda; Bürger Theodor Lümman aus Berlin; Forstmeister v. Willerhoff aus Münster; Assessor Glaußen aus Oldenburg; Kaust. Eckert aus Stettin n. Dönninger aus Halle; Part. Tasch aus Stettin.

In der goldnen Krone (8 Schade): Candidat Maus aus Mar­burg; Postpractik. Hoffmann aus Witzenhausen; Gutsbesitzer Fahrenbach aus Hebenshausen; Apotheker Frank aus Bingen; Kaust. Kunth aus Münden, Lippe aus Aachen, Kackel mit Gemahlin aus Witzenhausen u. Gunenberg aus Mainz; Ingenieure Petri aus Neustadt u. Rohns aus Karlshafen; Oeconom Bergenburg aus Wilhelmshöhe; Kürschner Teutor ans Marburg; Rechtspraktik. Hahn u. Baueleve Fischbach aus Eschwege; Rector Raßmann aus Hofgeismar; Student Müller aus Marburg; Par- ticulier Fuchs aus Frankfurt a. M.; Mechaniker W. v. Beauvais aus Bockenheim u. Hasselbach aus Hannover.

Im Römischen Kaiser (I. L. Lang): Stud. med. Wiedemeyer aus Göttingen; Kaust. Vogelsang auS Hannover, Meyer aus Vlotow, Schlitte auS Frankfurt, Pfister aus Leipzig und Amann auS Augsburg; Part. v. Leoprechting aus München; Gerichtsaffessor Raimond a. Gotha.

Repertoire des Kurfürstlichen Hostheaters.

Dienstag, 7. Nov.: Alvise. Rvmant. Oper in 2 Acten mit Tanz. Musik von Maurer.

Donnerstag, 9. Nov.: Voltaires Ferien. Lustsp. in 2 Acten nach dem Franz, von B. A. Herrmann. Hierauf: Der Quäker und die Tänzerin. Lustsp. in 1 Act von Stawinsky.

Freitag, 10. Nov.: Abonnement suspendu. Zum Vortheile der PensionS-Anstalt des Hoftheaters: Der Templer und die Jüdin. Große romant. Oper in 3 Act. mit Tanz. Musik von Marschner.

Sonnabend, 11. Nov.: Franenwerth. Lustsp. in 1 Act nach Dupin von A. CoSmar. Hierauf: zum ersten Male: Badekuren. Lustsp. in 1 Act von G. zu Putlitz.

Sonntag, 12. Nov.: Die Nachtwandlerin. Oper in 2 Acten mit Tanz. Musik von Bellini. Amina: Mad. Schreiber-Kirchberger, vom Hoftheater zu Schwerin, als Gast.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Kassel.