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entliche Abstimmung wurde verzichtet — mit sehr großer Ma- ritât angenommen. Er lautet: (f. oben) Die Zusatzanträge von Bigard und Giskra wurden — letzterer mit 228 gegen 176 -timmen ab gelehnt. Sie lauten: 5) Daß der Fürst Win- schgrätz in Anklagezustand wegen Aufhebung der Volks- und Menschenrechte und wegen Widersetzlichkeit gegen die Anordnungen er Centralgewalt versetzt werde. 6.) Daß alle die in gleichen Anklagestand versetzt werden, welche den Fürsten Windischgrätz zu ner solchen Maßregel autorisirt haben. — (Dieser Zusatzantrag ar auch von Vischer, PH. Schwarzenberg, Hildebrand u. A. iterzeichnct. —) Giskra: 7) daß der Reichstag geschützt erde in seiner konstituirenden Wirksamkeit gegen jede willkürliche Vertagung und Verlegung. Neumann aus Carlsbad erklärt i Protokoll, daß er für die Tagesordnung und gegen alle an- ?ren Anträge gestimmt habe, weil er die Centralgewalt nicht für efugt erachte, sich in die innern Angelegenheiten der Einzelstaaten, Ler Oesterreichs, einzumischen, ohne von der Regierung einerseits, )er von der Volksvertretung andererseits dazu aufgefordert zu in. An die Stelle des Hauptmann Moring ist Neumayr ls München zum Schriftführer erwählt. Schluß der Sitzung 72 Uhr. Nächste Sitzung Montags in der reformirten Kirche, egen der zur Herstellung der Beleuchtung und Heizung nöthigen eränderung in der Paulskirche. Tagesordnung: Berathung meh­rer heute nicht zur Berathung gekommener Berichte.

Kassel, 5. Nov. Die mehrtägigen Verhandlungen der aus rschiedenen deutschen Gauen zusammengetretenen Abgeordneten lben heute zu einem höchst erfreulichen Resultate, zur Gründung aes allgemeinen nationalen Vereines geführt. Das ähere Morgen.

Wien betreffend. Es scheint, daß Windischgrätz die nach der innahme Prags getroffene Maßregel auch in Wien wiederhole ab die Posten noch um einige Tage zurückhalte. Die Briefe ld Blätter aus dieser Stadt bleiben nach wie vor aus, und die l und für sich unzuverlässigen Breslauer Blätter bringen Wi- rsprechendes. Nur der Pr. Staatsanz. wiederholt aufs bestimm­te die Nachricht von der völligen Besiegung der Hauptstadt und eilt Actenstücke mit, welche die gesetzlichen Gewalten von der chuld am Vertragsbrüche freisprechen. Die Berliner messen frei- $ den Winvischgrätzschcn Depeschen wenig Glauben bei. Selbst e Vosstsche Zeitung hat neben den kaiserlichen Siegesbülletins eine eihe von Mittheilungen, welche über den Ausgang der Dinge )ch immer Zweifel lassen

Berlin, 3. Nov. Der heutige Frühzug aus Breslau hat er die Unterwerfung Wiens, welche gestern Abend schon durch ^graphische Depesche von dorther gemeldet war, folgende nähere etails gebracht. Es war am 31. Oct. Abends, als die kaiserlichen uppen in die innere Stadt einrückten, nachdem sie alle Vor- idte genommen hatten. Als sie zuerst, in Folge des Aufsteckens nßer Fahnen auf allen Basteien, gegen die letzteren vorrückten, urden sie mit Kartätschen empfangen. Darauf begann die scharfe eschießung mit Granaten und Raketen. Schon in demselben ugenblick sah man die kaiserliche Hofbibliothek und einen Theil r Burg brennen; man sagte außerhalb der Stadt, durch Anle- n des Feuers von Seiten des Volkes, auf welche Pläne in fentlichen Reden vorher hingedeutet worden sein soll. Nach der eschießung ergab sich noch am 31. die Stadt, und die Truppen setzten zunächst die Burg, die Kärnthnerstraße, Stephansplatz, o noch aus den Fenstern auf sie geschossen wurde. Das Burg- or und Kärnthnerthor waren mit Gewalt gesprengt und die Burg n den Soldaten erstürmt worden. Dieselbe scheint bis auf das aturalieneabinet nicht gelitten zu haben; die Kuppel der Biblio- ck sah man in Helle Flammen aufgehen; und noch am I.Nov. rrde daselbst gelöscht und man war nicht ganz ohne Besorgniß; doch ffte man die unersetzlichen Schätze dieser Sammlung zu retten. Am rgsten vertheidigten sich die Studenten und ein Theil des Volkes in n Stadttheile, worin sich die Aula befindet. Noch am 1. Nov. wen dieselben in Besitz der Salzgrieskaserne; die Aula aber war n kaiserlichen Truppen besetzt und um Mittag soll auch jene »ferne erstürmt und viele mit den Waffen in der Hand gefangen n. Man behauptete, der Gemeinderath habe in der Nacht vom . Oct. den Feldmarschall bewegen wollen, noch 3 Tage zu

warten, indem er 2 Millionen aus der Bank nehmen und dem Volke damit die Waffen abkaufen wolle. Aus der Stadt kom­mende Leute erzählten, Bem habe sich nur krank gestellt und sogar einen Geistlichen rufen lassen, sei aber darauf entwichen; einige behaupteten, er habe eine bedeutende Summe aus der Kriegskasse mitgenommen. Dr. Schütte dagegen soll schon am 30. Oct. im Gemeinderathe erklärt haben, daß er sich stellen würde, wenn seine Auslieferung ein Anstand gegen die Unter­werfung sei. Pulski sollte längst fort sein. Am 31. v. M. sollen die Truppen 500 Gefangene gemacht haben. Die Ungarn waren am 31. v. M. über die Leitha zurückgegangen.

Reisende haben in den Tagen vom 29. — 31. Oct. eine Reihe erschienener Proclamationen mitgebracht, aus denen wir für heute die untenstehenden geben:

Mitbürger! Ich habe die Vertrauensmänner der Com­pagnien versammelt gehabt, ich habe mit ihnen gesprochen, ob ein Verzweiflungskampf stattfinden solle oder die Unterwerfung unter die nun einmal nicht zu leugnende Uebermacht des Gegners. Der Verzweiflungskampf, um es mit der nackten Wahrheit des Soldaten zu sagen, hieße so viel, als die Blüthe der Bevölkerung unter den gegenwärtigen Verhältnissen auf die Schlachtbank füh­ren. Jetzt, da es kein diplomatisches Geheimniß mehr ist, das ich mit bekümmertem Herzen in meiner Brust zu verschließen hatte, kann ich unsere Schwäche offen darlegen, nämlich: mit der angestrengtesten Thätigkeit, mit der Schwindung von Geldmitteln haben wir nur so viel Munition erzeugen können, daß für vier Stunden allgemeiner Vertheidigung Vorrath mehr da ist. Unter solchen Verhältnissen kann man es auf keinen Sturm ankommen lassen. Die Verantwortung vor Gott und Menschen wäre zu unermeßlich, ich kann sie nicht auf mein Gewissen nehmen. Mit­bürger! vertraut mir, als ehrlicher Mann habe ich bloß den Ver­hältnissen gemäß gestimmt. Es wird jetzt meine Angelegenheit sein, mit männlicher Offenheit mich an den Herrn Felvinarschall zu wenden und ihm beim Abschlusse der Convention den vollen Inhalt der Verheißungen Sr. Maj. zu Gemüth zu führen. Wien, 29. Oct. 1848. Messenhanser, prov. Obercommandant.

Kundmachung. Das unterzeichnete Obercommando der Wiener Nationalgarde protestirt hiermit feierlichst gegen jede Zu- mulhung, als seien die am 31. Oct. Nachmittags von Seiten einzelner mobiler Corps gegen die kaiserlichen Truppen begonnenen Feindseligkeiten auf seinen Befehl geschehen. Es fordert den löb­lichen Gemeinderath auf, ihm zu bezeugen, daß es im Gegentheil seit früh Morgens fortwährend mit der Entwaffnung der Garden beschäftigt, mehre Geschützpiecen mit Lebensgefahr der Betheiligten von den Basteien schaffen und sich die Herstellung des Friedens und der Ruhe mit aller möglichen Energie angelegen sein ließ. Es erklärt sich daher nochmals entschieden gegen jede Anschuldigung, als hätte es einen Capitulationsbruch begünstigt oder gar anbe­fohlen. Wien, 31. Oct. 1848. Messenhauser, provisorischer Obercommandant. Fenneberg, Stellvertreter.

Das einzige Positive der Wiener Nachrichten enthält folgende gestern in Berlin eingetroffene und von den dortigen Blättern ver­öffentlichte telegraphische Depesche:

„Der ssönigl. Gesandte in Wien an den Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten: Hietzing, 1. November. Die kaiserlichen Truppen sind Herren der ganzen Stadt."

Aus Ratibor vom 2. d. schreibt die „Börsenhalle": „Soeben (10 Uhr Vormittags) kommt der Wiener Zug und bringt Fol­gendes: Wien hat sich ergeben am 31., 472 Uhr. Windischgrätz hat zwei Breschen in die Burg gebrochen und ist dadurch einge­drungen. Die Aula hat sich am 1. ergeben. Allgemeine Ent­waffnung. In der Aula waren noch 50 Studenten, diese find entlassen worden. Windischgrätz ist heute selbst nach Olmütz ge­fahren."

Breslau, 2. Nov. Endlich erhalten wir zuverlässige Nach­richten aus Wien vom 1. Nov. Gegen 11 Uhr Mittags ist Wien vollständig von den Kaiserlichen besetzt worden. Trotz der Capi- tulation vom 30., und obwohl in der Leopoldfladt die Entwaff­nung begonnen hatte, wurden bei Annäherung der Ungarn statt der weißen Fahnen rothe ausgehängt und in Wieden, Mariahilf und dem Schottenfelde begann ein heftiges Feuern. Am Nach­mittage und am 31. Morgen blieb Alle- still. Gegen 9 Uhr