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rufen; ich würde diesen Antrag begreifen, wenn er von einem Schwarzgelben käme." Der Redner beruft sich auf die Aussagen des Wiener Gemeinderathmitglicds Bondi und widerlegt die Verdächtigungen , welche man von der linken Seite gegen diese Aussagen erhoben hat. Der Abgeordnete für Leipzig (Blum) habe keine Sympathie in Wien gefunden, und sei deshalb nach Hause gegangen. Die Freiheit werde zum Siege kommen, aber über dem Grabe der Anarchie.
Reichsminister v. Beckerath erklärt, daß er Eisenmann'sAnsichten ohne Widerlegung dem Urtheile der Versammlung überlasse. Es giebt eine Ansicht, welche die Bestürmung der Paulskirche nur für einen Irrthum, eine Verwechselung der Thüren ansieht, welche den Bau von Barrikaden ein Kinderspiel nennt, und in der Aufforderung „man müsse den Abgeordneten daheim vor die Häuser und hier vor die Leiber rücken" nur eine harmlose Redefigur sieht. Solche Ansichten werden freilich auch gegen die Plünderungen und Mordthaten in Wien nichts haben! Wenn Hr. Löwe verlange (siehe den Antrag Baucrnschmieds), daß Oesterreich seine nicht-deutschen Truppen aus seinen deutschen Provinzen wegziehe, so müsse er konsequent auch verlangen, daß die nicht- deutschen Mitglieder sich aus dem österreichischen Reichstage entfernen. Der Redner erörtert die schwierige Mission der Reichs- kommisfäre und verlangt, daß man vor beendigter Mission sie nicht verurtheilen möge. — Vogt kommt alsbald, wie gewöhnlich, auf das Ministerium zu sprechen. Es gebe Minister, welche den Wagen der Zeit nicht lenken, sondern von ihm nachgeschlcift werden. Man sei zwar belehrt worden, in welchem Verhältnisse das Ministerium zur O. P. A. Zeitung stehe, allein wenn man Jemand kennen lernen wolle, so müsse man sehen, mit wem er umgehe. (Sehr wahr!) (Bravo links —heftigeres Bravo rechts) Hr. Schneer hat gesagt, er gehöre zu der Partei, welche nur alsdann die Regierung übernehmen wolle, wenn die äußerste Noth da sei. Wenn Sie aber, meine Herrn, jetzt nicht das Vorhandensein der äußersten Noth anerkennen, so haben sie nie ein Herz für das „Volk" gehabt. Die Neichskommissaire haben ein Verbrechen begangen, indem sie mit ihrer Friedensbotschaft so lange zögerten, bis es zu spät war. Sie hielten sich in München auf, um die Verwendung der bairischen Armee gegen Italien zu erwirken! Während dessen erklärt ein österreichischer General, daß er sich um die Centralgewalt nicht kümmere, und derselbe General befolgt nicht einmal die Befehle seines Ministeriums, sondern nur des Kaisers. Ist das konstitutionell oder absolutistisch? Das Reichsministerium habe erklärt, es werde reaktionären Maßregeln entgegentreten; wenn es aber bei der Camarilla keine Reaktion findet, so weiß ich nicht, wo es sie finden wird, und wenn cs auch mit der Laterne in Rußland und Asien suchen sollte! Die Geschichte wird darüber richten, daß wir vierzehn Tage lang taub blieben für den Nothschrei unserer Brüder im Südosten. Aber wundern Sie sich nicht, wenn auch das „Volk" sich von Ihnen abwendet. Der Redner sucht nun die aus Wien gekommene Deputation als parteiisch darzustellen. Er fürchte nicht, wie man gesagt, daß die Trümmer Wiens das Mausoleum der Dynastie werde; er fürchte es nicht, denn er hoffe es. — Er erinnert daran, daß nach dem mißlungenen Freischaarenzuge der Sonderbundökrieg statt hatte; er und seine Partei wisse zu warten; man kenne das Wort Franklin's: „der Weg zur Freiheit geht durch Blut." (Links Beifall.) Gis kra: Er möchte die Leidenschaften, aber die edlen entfesseln. Er bemüht sich, die Maßregeln von Windischgrätz als freiheitsfeindliche darzustellen; er zeigt die Bedrohung der Freiheit in Oesterreich. Die Nationalversammlung habe nichts für Wien gethan; das Ministerium noch weniger; die Reichskommissäre, wenn auch ehrenwerthe Männer, hätten nicht gethan, was sie gesollt. Der Redner setzt dies in seinem lebhaften Vortrage, jedoch ohne sonderliches Glück aus einander. Er weist sodann nach, daß der Wiener Reichstag nicht zur Vereinbarung, sondern zur Konstituirung berufen sei. Der Reichstag müsse in Wien bleiben, wenn er nicht slavisch gemacht werden solle. — Bassermann widerlegt zunächst Mehreres aus den Reden der Mitglieder von der Linken. Er möchte, sagt er u. A., wohl einmal sehen, wie es würde, wenn die linke Seite einmal 8 Tage regierte! Als in der Nationalversammlung verlangt wurde, sie solle ein von ihr gegebenes Gesetz auf alle deutschen
Länder ausdehnen, wurde von der linken Seite geantwortet: „ma werde sich blamiren; das deutsche Volk werde nicht gehorchen. Und jetzt verlangen dieselben Redner, die Neichskommissaire sollte der Armee von Windischgrätz Befehle ertheilen! Glauben Sb daß etwa Hr. Wiesner dem Feldmarschall mehr imponirt Hätt, als Welcker? Der Redner schildert nun nach seiner Ansicht, de Charakrer der Wiener Bewegung, welche er in Veranlassung un Verlauf als Verbrechen schildert. Er widerlegt mit Erfolg Vogt' Aeußerungen. Er spricht sodann sein Mißfallen über die Anfein düngen der slavischen Nationalität aus und zeigt das Gefährlich solcher Angriffe. Der Redner erklärt offen, daß er immer den Sie der gesetzlichen Gewalt, den Sieg des Heeres über die Wiene Anarchie gewünscht habe (Wer nicht?); erst wenn man ihm nachweist daß man gegen die Presse, gegen den Reichstag verfahre, erst dann werd er glauben, daß die „Reaktion", die „Camarilla" mehr sei, als bloße Gerede. (Bassermann schließt unter lebhaftem Beifalle.) — De Schluß der Debatte wird ausgesprochen. Bauern sch mied be hält sich die namentliche Abstimmung vor. Venedey, der h seinem Berichte von Freund und Feind angegriffen, scheint dadurck so verwirrt worden zu sein, daß seine Vertheidigung des Aus schußberichtes, die ihm als Berichterstatter oblag, eines klaren Ge dankengauges völlig ermangelte und er unter mehrmaligem Rufe zur Sache zu kommen, schließt, ohne daß die Versammlung weiß, wa er gewollt hat. Eine schriftliche Reklamation Eisenmanns gegen bei Ordnungsruf des Vorsitzenden, den dieser jedoch nicht zurücknehmen zi, wollen erklärt, wird auf den Antrag Rösler's an den Ausschuß fü die Gesetzordnung verwiesen. Der zunächst zur Abstimmung kom mende Antrag, für den Bauern schmied die namentliche Ab stimmung durch Stimmzettel verlangt, ist der Antrag von Det mold und Genossen: „In Erwägung, daß die Frage, welch vorzugsweise Gegenstand der Anträge ist und die Niedersetzun eines Ausschusses veranlaßt hat, nämlich die Zustände von Wien durch die neuesten Ereignisse ihre Erledigung gefunden hat; i Erwägung, daß die dem österr.-deutschenVolke im März und Mc zugesicherten Rechte und Freiheiten nach dem neuesten Reskript des Ministers von Wessenberg vom 26. Oct. aufs Neue garan tirr sind, also nicht gefährdet erscheinen, am wenigsten auf ein Art, daß die Versammlung einen Anlaß nehmen könnte, sich ii die Erekution und die innern Angelegenheiten von Oesterreich z mischen; in Erwägung, daß das Ministerium durch Absendun von Reichscommissären die Interessen Deutschlands hinlänglich ji wahren wissen wird — geht die Nationalversammlung zur Tages Ordnung über. — Der Antrag wird mit 354 gegen 69 Stim men abgelehnt. Der weitere Antrag von Bauernschmief wurde bei namentlicher Abstimmung durch Namensalifruf voi 305 gegen 108 Stimmen ebenfalls verworfen. „Das Reichs Ministerium hat aufs fchleunigste zu erwirken: 1) Die unum wnndene Anerkennung der Centralgewalt Seitens der österrcichi scheu Regierung bezüglich der sämmtlichen deutsch-österreichische! Lande. 2) Die sofortige Aufhebung des Belagerungszustände von Wien. 3) Die schleunigste Räumung Wiens und deffe! Umgebung nicht nur von den kroatischen, sondern von allen frem den, nicht zu den deutschen Reichslanden gehörenden Truppen 4) Die unverkümmerte Aufrechterhaltung der gesetzlichen Frcihei und wohlerworbenen Volksrechte, wie im ganzen deutschen Oester reich, so in Wien. 5) Die Absendung zweier neuer Coinmiffair an der Stelle der früheren Welcker und Mosle. Das Reichsmi nisterium hat ndthigenfaUs durch Reichstruppen obige Beschlüss unter 1 — 4 in Ausführung zu bringen." Der Eisenmann'sch Antrag (s. oben) wird abgelehnt. Der Antrag von Macko wiczka bei namentlicher Abstimmung durch Zettel mit 250 gegen 163 Stimmen ebenfalls. Er lautet: „Die Nationalversammlung beschließt das Ministerium aufzufordern, schleunige uni energische Schritte zu thun, 1) damit das Ansehen und die Anerkennung der Centralgewalt in Oesterreich zur vollen Geltuns komme, 2) damit die in den deutsch - österreichischen" Landen gefährdeten deutschen Interessen und die durch Ausnahmemaßregelr bedrohten Volksfreiheiten mit starker Hand gewahrt werden, 3] damit der in seiner Freiheit und Eristenz durch die beabsichtigt« Verlegung bedrohte Reichstag kräftig geschützt werde und endlich damit der Friede in Oesterreich hcrgesteUt werde. Der bereits gestern mitgetheilte Ausschußantrag wird hierauf — auf die na-