Einzelbild herunterladen
 

Keue Hessische Zeitung.

y t«o.

Montag, den 6. November.

1848.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben, r Abounementspreis beträgt 1 Thlr. 18 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern, tätigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

-r- Frankfurt, 3. Nov. 108. Sitzung der d. R.-V. r Vorsitzende v. Gagern zeigt den Austritt von Pogge Mecklenburg) an. Mittermaier zeigt den Bericht des -rfassungs-Ausschusses über den ihm gestern gewordenen Auftrag , mehrere, die Behandlung des Abschnitts III. des Verfassungs- üwurfs betreffende präjudiciclle Anträge zu prüfen. Der An- g des Ausschusses geht dahin, mit Beseitigung dieser Anträge ort die Berathung der §§. 12 20 des Entwurfs zu begin- n. Venedey verliest unter einigenHört! hört!" von 'chts und Links bei den betreffenden Stellen den Bericht über in der Wien-Oesterreichischen Angelegenheit gestellten Anträge, offen zeigt Namens des völkerrechtlichen Ausschusses einen richt über den Antrag von Schulz an, die Niedersetzung eines anderen Ausschusses für Begutachtung der Donaufrage betref- ib. Der Antrag von Schulz möge zurückgewiesen werden. Der lkcrrechtliche Ausschuß beantragt durch den Berichterstatter Za- ariä über Juchos Antrag, die Absendung eines Gesandten ch Petersburg betreffend, zur motivirten Tagesordnung Überzu­yen. Es werden mehrere Interpellationen von Eckert (Brom- :g) Dunker (Halle) Kerst (Birnbaum im Gr. Posen) und rrdan von Berlin, sämmtlich wegen der Posener Frage, an« zeigt. Die Interpellation Jordans lautet: Welche Maßregeln t das Ministerium getroffen, um die Demarkationslinie zwischen i deutschen und polnischen Theilen Posens dem Reichstagsbe- lusse vom 27. Juli gemäß zur Ausführung zu bringen? Welche hritte sind gethan, oder vorbereitet, um die Deutschen in Posen, lche durch den Beschluß der Berliner Landes-Versammlung vom . Oct. in große Bestürzung versetzt sind, und sich durch den­ken in ihren wichtigsten materiellen Interessen und ihrer Na- nalität gefährdet glauben, zu beruhigen und dahin aufzuklären, 3 jeder Beschluß einer Landesversammlung, welcher einem Be­lasse der Reichsversammlung widersprichtan und für sich null o nichtig ist und erforderlichen Falls als ungesetzliche Äuf­nung zurückgewiesen wird." (Rechts und in den Centren Bei- .) Die Antwort auf diese Interpellationen wird Montags den Nov. erfolgen. Es wird zur Tagesordnung übergegangen. egert und Höfken u. A. beantragen, den heute von Ve- >ey erstatteten Bericht vor allen übrigen Gegenständen der Ta­tordnung in Berathung zu nehmen. Die Versammlung geht auf ein, und nachdem noch Pattai den Minister v. Schmer- g gefragt hat, ob er seit dem 24. Oct. keine weitere Depesche r den Reichscommiffairen erhalten habe, worauf v. Schmerling neinend antwortet, erhält Eisenmann unter den Rednern, iche gegen den Ausschußantrag sprechen wollen, zuerst das Mt :Der Minister des Innern wird Ihnen bald melden: ie Ordnung herrscht in Wien." Allein ich fürchte, der Schutt i Wien wird das Mausoleum einer Dynastie werden (der Dy- tie derDemokraten?") Eine Partei dieses Hauses hat Alles han, was sie konnte, um die traurigen Ereignisse zu verhüten, nn wir nicht gehört wurden, so wird dasVolk" urtheilen, n die Schuld beizumessen ist. Fragen wir uns vor Allem, hhalb wurden Tausende in Wien hingemordet, weßhalb cde Wien in einen Trümmerhaufen verwandelt? (Rechts derspruch.) In den Zeitungen steht's; da können Sie cs le-

Warum hat man zu solchen Mitteln gegriffen? Wenn man Wien die Republik ausgerufen hätte, wenn man gestrebt hätte, Thron umzustürzen, dann hätte ich solche Mittel wohl bc- ifiich gefunden; denn Niemand giebt gern ein lang besessenes t auf. Allein was hat das Wiener Volk verbrochen? Ich " nur zwei Daten: Man hat die deutschen Truppen nicht

zum Schergendienste gegen eine andere Nationalität wollen miß­brauchen lassen und man hat Latour ermordet. Wer hat diesen Mord aber begangen? Die Studentenlegion, die Nationalgarde, die Arbeiter? Dieser Mord war die That Weniger, nicht der ganzen Bevölkerung oder einer Klasse derselben. Das ist nicht der erste Mord in Oesterreich, und wird nicht der letzte sein. (Sehr tröstlich.) Seit dem Morde Wallensteins sind viele zwei­deutige Morde in Oesterreich begangen. Hat man nicht auch vier Studenten mit ausgestochenen Augen im Lager Auerspergs aufgehängt gefunden, und hat nicht das Organ des Ministeriums, die O-P-A-Z., dies mit einem gewissen Wohlgefallen erzählt?" (Der Redner wird vom Vorsitzenden über diese Beschuldigung zur Ordnung gerufen.) Der Redner geht dann auf die Thätigkeit der Reichskommissaire über, die von Windischgrätz, deutsch gespro­chen, zur Thür hinausgeworfen seien und vom Hofe freundlich em­pfangen seien, aber weiter auch nichts. Solle man dieser Komis- fairen neue Instruktionen geben, die zu nichts helfen würden. Er beantragedas Ministerium aufzufordern, die beiden Reichskom- missaire zurückzurufen und das Benehmen der österreichischen Re- gierung, den Kommissairen gegenüber, als eine Auflehnung gegen die Centralgewalt zu bezeichnen, und solches der österreichischen Regierung zu eröffnen." (Links Beifall.)

Schneer will, daß die Versammlung nicht eher sich in die (Regierung einmische, als im Falle der höchsten Noth. Die Ab- sendpng der Reichscommissäre sei das beste Mittel gewesen, wel­ches das Ministerium habe ergreifen können. Der Redner tadelt dann den Bericht, daß er so leicht über die Eröffnungen des Wiener Gemeinderathsmitglieds hingehe und nur sage, derselbe habe ein dunkles Bild der Wiener Zustände gegeben. Dies Bild sei nach dem, was man höre, mehr als dunkel und in Wien herrsche nach der Aussage des Gemeinderathmitgliedes die plumpste Anarchie und ungarisches Geld habe den Aufstand veranlaßt. Das Ministerium habe durch Absendung der Commissaire vollständig seine Pflicht erfüllt. Der Redner ist deshalb für den Antrag des Ausschusses in allen seinen Punkten. Löwe von Calbe: So gewiß wie sich der Protestantismus aus den Trümmern Magdeburgs erhob, so gewiß wird auch die Freiheit aus den Trümmern Wiens erstehen. Was uns seit dem März geschadet hat, ist, daß die Phrase herrschte, statt der That. Auch die An­träge des Berichts enthalten nur Phrasen. Die Reichscommissaire haben in Oesterreich ganz und gar nichts gethan und jetzt will man ihnen neue ebenso unbestimmt gefaßte Instruktionen wie die früheren geben. Die Versammlung der Abgeordneten in Berlin läßt die Centralgewalt zum Schutze Wiens auffordern, folgen wir der von Berlin gegebenen Anregung. Daß wir einen auf­rührerischen Feldherrn zur Verantwortung gezogen, daß wir auch die österreichische Regierung der Centralgewalt unterworfen wissen wollen, hält vielleicht Mancher für komisch. Allein dann kommt mir auch die Einheit Deutschlands komisch vor." Der Redner schließt sich dem Anträge von Bauernschmied (s. unten) an und will noch einen weiteren Punkt ausgenommen haben, worin auch der Schutz für den österreichischen Reichstag ausgesprochen wird. Reitter von Prag, Mitglied des Ausschusses spricht für den Antrag desselben. Bei Wiesners Erscheinen auf der Tribüne entfernen sich, wie gewöhnlich, sehr viele Mitglieder. Die Ungarn, behauptet er, hätten Niemand mitGold" wie man gesagt habe, bestechen können, weil sie nur Papiergeld hätten. Das Benehmen der Neichscommissäre wird einer harten Kritik unterworfen und der Redner findet darin sogar fast Landesverrath. Rüder: Der Wiener Reichstag steht wie der Berliner, auf dem Boden der Vereinbarung (Links Widerspruch). Der Abgeordnete für Würz­burg (Eisenmann) meint, man solle die Reichscommissaire zurück-