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ammer (Hofrath) Krieg, Graf Breda Justiz, Mayer öffentliche lrbeiten, Bruck Handel, Helfert Unterricht.
Berlin. Nachträglich geben wir hier den vollständigeren Gericht über die Sitzung vom 31. Oktober. Die Sitzung oird um 5 Uhr unter dem Vorsitze des Präsidenten er- ffnet, es liegt ein Antrag des Abgeordneten Waldeck vor. .Die hohe Nationalversammlung wolle beschließen: daß das Staats- ainisterium auszufordern sei, zum Schutze der in Wien gefährdeten Holksfreiheit alle dem Staate zu Gebote stehenden Mittel und fräste schleunigst aufzubieten." Gleichzeitig ist ein Antrag des lbgeordneten Rodbertus eingebracht, welcher lautet, die Versamm- ing wolle beschließen: Sr. Majestät Regierung aufzuforvern, bei er Centralgewalt schleunige und energische Schritte zu thun, da- üt die in den deutschen Ländern Oesterreichs gefährdete Volks- ceiheit und die bedrohete Eristcuz des Reichstags in Wahrheit nd mit Erfolg in Schutz genommen und der Friede hergestellt .'erde. Ferner ist ein Amendement des Abgeordneten Dunker estellt: Die Regierung Sr. Maj. aufzufordern, bei der deutschen -eutralgewalt mit Entschiedenheit dahin zu wirken, daß nicht in olge der neuesten Wiener Ereignisse die Freiheit und Nationali- it eines deutschen Bruderstammes gefährdet werde. Bei Eröfs- ung der Sitzung wird ein Schreiben des Ministerpräsidenten nlesen, welches lautet: Se. Majestät der König haben den von -r Nationalversammlung berathenen Entwurf, betreffend die .unsinnig des Jagdrechls auf fremdem Grund und Boden, völligen und wird der Abdruck in der Gesetzsammlung veranlaßt erden. (Anhaltendes Bravo.) Auch wird eine königl. Bot- -aft, betreffend die Vorlage eines Gesetzentwurfs über die Re- ilirung der mit Mühlengrundstücken verbundenen Abgaben und istungen verlesen. Hieraus beginnt die Debatte über den An- ag Waldecks, Rodbertus und das Amendement Dunker.
Waldeck motivirt seinen Antrag. In seiner von stürmischem pplaus begleiteten Rede entwickelt er, wie der Belagerungszu- inb in Wien ungesetzlich sei, weil die Volksvertretung, der eichstag, ihn nicht genehmigt habe. Wenn man Wien, also esterreich jetzt helfe, so mache man die alte Schuld in Betreff .chlesiens gut. Es gebe fein Deutschland ohne Oesterreich, aber cht ohne jenes Oesterreich, das durch fremde Nationalitäten an- re Nationalitäten knechtet. Die reactionaire Partei in Oester- ch werde sich in Betreff Wiens täuschen; Wien sei kein Nea- I und die Deutschen keine Lazzaroni. Demnächst spricht v. Berg c das nachfolgende Amendement Rodbertus. In glänzender, n Beifall unterbrochener Rede sucht er darzuthun, daß die von n österreichischen Kaiser nach Wien gesandten Truppen r nicht von dem deutschen Kaiser, sondern von einem mden Fürsten, der sich an die Spitze seiner Völkerschaften gelt, daß es Truppen des deutschen ReichSfeinves waren. Er !l die Centralgewalt aber bet einer Hülfe, die man Wien bringe, ht übergehen. Elsner spricht für Waldecks Antrag: wenn ien unterliege, werde in Berlin dasselbe Schauspiel aufgeführt rden. Rodbertus: es sei ein erhebender Moment gekommen, welchem Preußen sich an die Spitze Deutschlands stelle; man lle die Freiheit, aber nicht ohne Einheit. Er glaube nicht, ; ein deutscher Fürst ein zweiter Nero sei. Wien brenne, das genug. Man sei in Wien bemüht nicht blos die Freiheit, dern^die Hoffnung der Freiheit zu vertilgen, aber man täusche . (Stürmischer Beifall.) Minister Dönhoff verlieft verschiedene annte Proklamationen, worauf er auf die „begütigenden" Worte Kaisers aufmerksam macht. Schulze (Delitzsch) tadelt die chskommissäre, die wie Hofschranzen in den Vorsälen der kai« ichen Residenz verweilten, ihr Platz sei in Wien, mitten im lke und schlimmsten Falls auf den Barrikaden; aber diese mner seien Reichspolizeikommissäre, Reichskonstabler. Trotzdem le er wie sein Freund Rodbertus den letzten Hoffnungsanker ' nicht fortwersen, bis man dazu gezwungen werde. (Siürmi- r Beifall.) Minister v. Bonin: Man fasse die Sache sehr chieden an, es hätten in Wien anarchische Zustande geherrscht man dürfe glauben, daß in Frankfurt bessere Nachrichten r als hier. Der Präsident und ein Theil der Mitglieder ' den Reichstag verlassen. Der Kaiser verheiße übri- ; die Aufrechthaltung der gewährten Freiheiten. Schulze litzsch) protestirt gegen die „allergnädigst gewährten Freiheiten" dem donnernden Beifall der Linken. Baumstark spricht in
sehr langer Rede gegen Waldeck und Rodbertus: der Reichstag allein sei nicht die fouveraine Gewalt. Er spricht in heftigen Ausdrücken gegen Wien, dem er den Mord Latours zur Last legt. Jung tadelt unter dem stürmischen Beifall seiner Freunde Baumstark, der ein stammverwandtes Volk in Todesnoth bekrittele. Die Versammlung entscheidet sich für den Schluß und d'Ester als Mit- antragsteller für den Waldeckschen Antrag sagt noch: hier habe man ein verantwortliches Ministerium, in Frankfurt nicht. Man müsse dem Geiste Metternichs einen Damm entgegensetzen und der Reaktion ein Memento mori entgegenhalten. (Die hierauf erfolgte Abstimmung haben wir schon gestern mitgetheilt.)
Berlin, 1. Nov. Der Erfolg des gestern gefaßten Beschlusses, Wien zu helfen, wird ein ganz ohnmächtiger sein. Die Regierung wird ihn allerdings der Centralgewalt mittheilen, aber die große Wirkung, welche er auf Deutschland machen sollte, wird ausbleiben, wenn man hört, daß diese zügellosen Arbeiterbanden, angeführt von Hrn. Arnold Ruge, Hrn. Professor Bayrhofer, dem berüchtigten Lindenmüller und Karbe, die Nationalversammlung belagerten und mit Aufhängen bedrohten, wenn sie nicht die Befehle des souverainen Volks erfüllte. Ruge besonders wird von allen Seiten verwünscht. Unpraktisch und unvernünftig zu gleicher Zeit, ein Ideolog von der schlimmsten Sorte, ist er in Frankfurt ausgelacht worden und der Verspottung endlich gewichen. Hier findet er nun den Tummelplatz für seine unverdauten junghegelschen Phantasien, die mit Brocken des französischen Soeialismus aufgeschwänzt sind, nicht allein in der von ihm gestifteten Reform, sondern er verbündet sich auch mit der Rotte unserer Straßen-Demokraten, um das Volk zum Verständniß seiner Ideen heranzubilden, d. h. es ganz und gar zu verwirren. Heut Abend ist wieder Krawall am Schauspielhause, obwohl keine Sitzung stattfindet. Die Bürgerwehr ist zusammengeblasen, wie fast alle Tage, denn aus dem Krawall kommen wir nicht eher heraus, bis endlich Gesetz und Ordnung siegen, indem man unerbittlich sie Handhabt, oder — die 50,000 Soldaten vor unsern Thoren der Sache ein Ende machen, weil man es dahin bringt, daß alle ehrlichen Leute es wünschen müssen, um den Pöbel nicht Herr werden zu lassen.
Das Jagdgesetz ist gestern Abend als vom König bestätigt erklärt worden, was die höchste Zeit war. Denn überall warteten die kleinen Grundbesitzer nicht länger, sondern jagten und kehrten sich nicht an die Klagen der bisher Jagdberechtigten. Für die großen Grundbesitzer und die ganze Reaktion ist diese Bestätigung der Jagdgesetzes in allen seinen Theilen ein harter Schlag. Sie hatten sicher darauf gerechnet, es würde nicht geschehen und der Bruch zwischen Krone und Kammer dadurch entschieden sein.
Berlin, 2. Nov. Die von der durch die Nationalver- sammlung niedergesetzten Commission entworfene Adresse lautet: „Majestät! In Folge der Benachrichtigung, daß der Graf Brandenburg mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt ist, hat die Nat.-Versammlung in ihrer heutigen Sitzung den Beschluß gefaßt, aus ihrer Mitte eine Deputation an Ew. Maj. zu entsenden, um Sie davon in Kenntniß zu setzen, daß dieser Schritt Ew. Maj. die größte Besorgniß im Volke erregt und unabsehbares Unglück über das Land zu bringen droht. Schon seit Wochen haben unheilvolle Gerüchte Ew. Maj. treues Volk über die Absichten der Reaktion erschreckt, und die Ernennung des jetzt abgetretenen Ministeriums hatte diese Gerüchte nicht zu schwächen vermocht. Eine Regierung unter den Auspicicu des Grafen Brandenburg, welche wiederum ohne Aussicht ist, eine Majorität in der Nationalversammlung und Vertrauen im Lande zu gewinnen, würde die Aufregung unzweifelhaft zum Ausbruch steigern und unendlich traurige, an das Geschick des Nachbarstaates erinnernde Folgen für Ew. Maj. Hauptstadt und Land nach sich ziehen. Ew. Maj. sind von Ihren bisherigen Räthen über den Zustand des Landes nicht wohl unterrichtet worden, wenn man Ihnen diese Gefahr für Thron und Land verschwiegen hat. Wir legen daher die eben so ehrfurchtsvolle als dringende Bitte an Ew. Maj. Herz, ein Herz, das stets für das Wohl des Volks geschlagen hat, dem Lande durch ein volksthümliches Ministerium eine neue Bürgschaft zu geben, daß Ew. Maj. Absichten und die Wünsche des Volks in Einklang stehen."
Die Adresse ward fast einstimmig angenommen. — d'Ester und Temme haten den dringenden Antrag gestellt, den Hrn. Mi«