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Neue Hessische Zeitung.

JVÂ i5*>e Sonntag, den 5. November. R8-R8«

Die Nene Hessische Zeitung erscheint täqlttf), Sonntags mit einem Nnterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. Sgr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

-4- Frankfurt, 3 Nov. In der heutigen Sitzung des »erfassungsgebenden Reichstags sind folgende Anträge des Ans­chusses für die österreichischen Angelegenheiten 1) daß die Reichs­ommissäre das Ansehen und die Anerkennung der deutschen Cen- ralgewalt überall kräftigst zur vollen Geltung zu bringen sich »gelegen sein lassen; 2) daß sie die Interessen Deutschlands in Oesterreich überall zu schützen suchen; 3) daß sie ihren vollen Einfluß aufbieten, die fernere Entwicklung der österreichischen Dirren auf friedlichem und unblutigen Wege herbeizuführen; ') daß sie endlich, wie diese Entwickelung auch ausfallen möge, ie in den Monaten März und Mai zugestandenen Rechte und èrciheiten der österreichisch-deutschen Völker gegen alle Angriffe 1 Schutz nehmen; mit sehr großer Majorität angenommen wor­ein Das Nähere morgen.

Frankfurt, 2. Nov. Die Ente von den fünfzigtausend Mann cutscher Reichstruppen, welche für Italien bereit gehalten werden sol- 'N, ist bis nach Paris geschwommen und hat bei der dortigen Regierung rge Besorgniß erregt. Allein wir haben in Freiburg und Ulm keine vanzigtausend Mann und denken nicht daran, sie in Italien ir österreichische Händel zu verwenden. Deutschland kann nur Hinsehen, daß Oesterreich sich dazu versteht, den Grundsatz der Nationalität bei der Feststellung seiner Gränze nach Italien mög- chst zu berücksichtigen und sichere Gränzen bekomme. Es kann ar wünschen, daß Italien wie Deutschland sich näher vereinige, ad wenn cs auch nicht möglich ist, einen Bundesstaat zu bilden, sch zu einem Staatenbund zufammenlrete. Dadurch würde für taliens Wohlfahrt am besten gesorgt, und es hört auf, der Spiel- 1U fremder Intriguen zu fein. Von Ollmütz sind wir noch im- er ohne die so sehnlich erwarteten Nachrichten von den Reick's- esandten. Wenigstens verlautet, daß seit der Nachricht von dem ißerst artigen Empfange, welchen die Herren Welcker und Mosle im Hofe und namentlich auch bei der Erzherzogin Sophie ge- mden, kein Kourier, kein Brief von ihnen cingetroffcn sei. Fast mitte man auf den Verdacht gerathen, die Ursache, weßhalb keine riese kommen, läge darin, daß die konstitutionelle Reichsver- iffung noch nicht eingeführt ist, durch welche das Bricfgeheimniß nvährleistet wird. Jedenfalls werden die Reichsgesandtcn Alles 'ifbieten , um nach dem Siege der Truppen den Hof vor jedem Mißbrauch der Macht zu warnen.

Oesterreich. Die letzten Nachrichten von einer plötzlich »getretenen Wendung des Kampfes waren hervorgerufen durch .'n am 30. stattgefundenen Angriff der Ungarn. Darüber be- chtet die Breslauer Zeitung: Die Ungarn sind am 30. ge- älagen worden. Sie hatten 24 Kanonen, 5 Bataillone regu- re Truppen und im Ganzen 18 20,000 Mann. Die ihnen tgegengesandte Armee soll 16 18,000 Mann, mit 60 Stück Schütz und 42 Schwadronen Kavallerie betragen haben. Den berbefehl über die ganze Operations-Armee führte der Banus. a$ Hauptgefecht scheint nur ein ArtiUeriegefecht gewesen zu sein, ie Kaiserliche Kavallerie, welche die Ungarn umgehen und ihnen n Rückzug abschneiden sollte, ist zu spät gekommen. Sie irben am 31. durch den Fürsten Lichtenstein mit 4000 Mann rfolgt. Ruch Infanterie zoll gestern mit der Eisenbahn nach enerisch Neustadt abgegangen sein, um einen neuen Einfall der Ungarn zuhalten, welche wahrscheinlich wieder über die Leitha zurück sind.

Während die Schlacht mit den Ungarn geschlagen wurde, iffen die Wiener, welche größtentheils schon die Waffen nieder- !egt hatten, wieder zu denselben, schickten die Geißeln, die sie rsprochen hatten, nicht, lieferten die Kanonen nicht ab, sondern

feuerten aus allen Kräften auf die k. Truppen. In Folge dessen haben die Letzteren die Nacht hindurch die Vorstädte Mariahilf und Lerchenfeld beschossen, mehr als 100, wie man glaubte, kleine und nicht zündende Bomben hinringeworfen, während vom Stephansthurme Signale über Signale gegeben wurden, um die Ungarn wieder herbeizurufen. Bem soll inzwischen wieder bei den Kämpfern erschienen sein und sie durch heftige Reden ange­feuert haben. Als man aber die Niederlage der Ungarn in der Stadt erfuhr, kam wieder eine Deputation des Gemeinderaths in der Nacht zum Feldmarschall, um ihm die Unterwerfung der Stadt auf Gnade und Ungnade anzuzeigen. Die bewaffneten Corps haben sich indessen auch da nicht ergeben wollen, und um 12 Uhr Mittags hatte das Bombardement der Vorstädte wieder begonnen. Gestern Abend hatte der Fürst nachfolgende Kund­machung erlassen:

Kundmachung. Ein Corps der ungarischen Insurgenten hat cs gewagt, österreichischen Boden zu betreten und heute früh bis gegen Schwechat vorzudringen. Ich habe solches mit einem Theile meiner Truppen, vereint mit jenen des Banus, angegriffen und zurückgeworfen, wobei sie beträchtlichen Verlust erlitten. Ei­nige Abtheilungen sind in Verfolgung derselben begriffen. Die­ses zur beruhigenden Kenntniß für alle Gutgesinnten, die viel­leicht aus dem Erscheinen dieses Corps Besorgnisse schöpfen könn­ten; aber eben auch zur Warnung für jene Uebelgesinnten, die hierin allenfalls neue Hoffnung für ihre Pläne zu finden glaub­ten uns in der That sich nicht scheuten, die bereits eingegangene Unterwerfung auf das schmählichste hinterlistig zu brechen. Haupt- quartier Hetzendorf, 30. October 1848. Fürst zu Windischgrätz, Feld mar schall.

Es scheint somit und nach der officiellen Depesche des Fürsten an Wessenberg, welche die unbedingte Unterwerfung der Stadt meldet, zweifellos, daß Wien von den kaiserlichen Truppen unter­worfen wurde. Es frägt sich nun, wie diese dort hausen werden. Es scheint Arges bevorzustehen, wenn selbst die Slaven und Tschechen um Schonung bitten: doch vergessen wir nicht, daß dieies listige Volk nichts politisch Klügeres thun kann, als wenn es jetzt vielleicht sehr unnötiger Weise gegen das deutsche Wien den Großmüthigen spielt.

Ueber den Kampf selbst lieferte ein Berichterstatter der Brest. Ztg., der im Mittelpunkt des Kampfes wohnte, folgenden Bericht:

11 Uhr früh. Heftiger Kanonendonner, der in diesem Augen­blick von allen Seiten der Stadt herüberhallt, läßt vermuthen, daß der wirkliche Angriff nunmehr erfolgt ist. lP/4 Uhr. Berittene Ordonnanzen rufen im Vorbeisprengen den aufgestellten Posten zu, daß der Angriff erfolgt fei, und zwar von allen Sei­ten. Der Kanonendonner wird immer heftiger, besonders in der Leopoldstadt. Die Truppen machen nicht allein vom Prater her auf die Jägerzeil zu, sondern auch vom Augarten auf die Tabor­straße einen lebhaften Angriff. 1 Uhr. Das Geschützfeuer kracht fürchterlich, man hört bereits auch das kleine Gewehrseuer, ein Beweis, daß das Militair Fortschritte macht. 2 Uhr. Schon fallen Kugeln von allen Seiten auf den freien Platze vor dem Gasthofezum Lamm" nieder und fliegen auch einzeln in die Stuben. 3 Uhr. An mehreren Stellen der Vorstadt erheben sich starke Rauchsäulen. Die Truppen müssen schon einen großen Theil der Vorstadt inne haben, denn man sieht einzelne flüchtige Nationalgarden, die heim eilen und sehr mißmuthig aussehen. Das schwere Geschütz ist sehr thätig; bei jedem Schuß erbebt das Haus, in dem ich schreibe. Man hört dann und wann massen­haftes Zischen und Pfeifen in der Luft, woraus ich auf Feuern mit Schrapnells Seitens des Militairs schließe. In vielen Stadt­theilen erheben sich ebenfalls Rauchsäulen. 5 Uhr. Die Vor-