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Haltung „eines patriarchalischen Verhältnisses" durchaus nicht entspricht. Von groben Gewaltthätigkeiten höre man nicht, wohl aber von Vorfällen der Art, daß z. B. einem Stallknechte ein schönes Reitpferd abgenommru wird und er dafiir mit einem Zettel nach Hause kehrt, auf welchem der Herr Legionär N. N. dem Herrn N. N. ein eingeliefertes Pferd quittirt. Herr Bondi ward auch gefragt, ob denn von den Wiener Bürgern das Einrücken von Truppen gewünscht werde? Allerdings entgegnete er, aber von deutschen Truppen, d. h. von deutsch-österreichischen Regimentern. Und eine starke Garnison werde Wien in Zukunft nöthig haben. Endlich nahm anstatt des bisherigen Fragstellers im Ausschusse Herr Venedey das Wort, welcher bekanntlich das Minoritätserachien unterzeichnet hat, welches die Wiener Bewegung unbedingt als eine deutsche betrachtet und unter den Schutz der Reichsgewalt gestellt sehen wollte. Man kann sich demnach denken, wie empfindlich diese Minorität des Ausschusses von den Eröffnungen des Wiener Gemeinderathsmitglieds betroffen worden war, besonders als Herr Bondi noch erklärte, er sei an den „Erzherzog" Johann, den Freund der Wiener Stadt, nicht aber an den Reichsverweser geschickt und das etwaige Erscheinen nichtösterreichischer Truppen — seiens Baiern , Sachsen oder Preußen — würde ein bedenkliches Aufsehen in seinem Heimath- lande erregen. Herr Venedey also fragte darnach, was die Meinung des Herrn Bondi sei, welche Maßregeln die Reichskommissäre zur Herstellung des Friedens in Oesterreich zu ergreifen hätten? Herr Bondi erwiederte nicht ohne diplomatische Feinheit: er müsse sich begnügen, einfache Thatsachen zu berichten. Die daraus hervorgehenden Konsequenzen abziileiten, das habe er einem Jeden nach seinem Standpuncte zu überlassen. ■—
Frankfurt, 31. October. So eben verlassen 2 Procla- mationen die Presse, die nachfolgende von Giskra, eine zweite „Ansprache an das Volk in Oesterreich" von Berger verfaßt. Die Schwerthelden sollen auch mit Abfassung einer Ansprache beschäftigt sein.
Oesterr kicher! Brudergruß von den deutsch-gesinnten Männern Eurer Wahl zu Frankfurt.
Ihr habt uns nach Frankfurt gesandt, um mit den andern Männern aus Deutschlands Gauen zu schaffen das Werk neuer Größe und Freiheit von Deutschland! Ihr habt uns gesandt, daß wir zusammenfügen auf ewige Zeiten die Stämme von Deutschland, die die Fürsten getrennt, in einen Bund der Völker. Ihr habt uns gesandt, die Freiheit zu gründen, die die Fürsten lange versagt, die dem Volke gebührt! Wir haben gefühlt und erkannt was das deutsche Volk bedarf, wir haben ihm Rechnung getragen frei von allem äußern Einfluß, wir haben gefühlt unv erkannt, daß wir alle zusammengehören zum großen deutschen Volke, das berufen ist zu sein eins der freiesten und mächtigsten der Erde! Darum haben wir jetzt in Frankfurt bet der Frage über die Stellung der deutschösterreichischen Lande zum übrigen Deutschland mit der großen Mehrheit der ganzen Versammlung erklärt, daß alle deutschen Lande Oesterreichs, dessen Prinzen Johann das deutsche gleich jüngst zum Reichsverweser sich gewählt, wie ehcbe- vor zum deutschen Reiche gehören; wir haben erklärt, daß die Freiheit deutscher Männer im Herzen von Deutschland auch werden müsse, die gleiche Freiheit an den Grenzen von Deutschland, wie sie das Volk allein sich gegeben, wie sie sich stützt auf den Willen und die Kraft von 45 Millionen. Wir haben darum erklärt, daß deutsches Wesen und deutsche Freiheit auf deutschem Boden unabhängig bleiben muß von fremdem Uebergewicht, daß nur jenes Recht und Gesetz im deutschen Oesterreich sein darf, was seine Männer als solches erkennen und erklären, und wir sagen: so wie der Deutsche keine andre Nation beherrschen iviU, so muß auch er frei sein von aller Uebermacht andrer Nationen, und wie der Deutsche Niemandes Freiheit bedroht, so müssen auch sie, allesammt, einer für alle und alle für einen einstehen mit starker Hand zum Schutz ihrer gemeinsamen Freiheit. Darum haben wir erklärt, daß die deutschen Lande von Oesterreich fortan vereinigt mit den nichtdeutschen unter unserm Kaiser, doch ihr eignes Recht und Gesetz, ihre eigne Verfassung und eigne Verwaltung haben sollen, ein gleiches den nichtdeutschen Ländern gönnend und wünschend. — Wir haben es erklärt in der tiefen Ueberzeugung, daß hierdurch allein der Weg gebahnt wird, auf
dem alle Stämme Oesterreichs ohne Eifersucht brüderlich nebe! einander gehen können, unter dem Schutze desselben constitu tioncllen Kaisers und Königs; daß hierdurch allein das lose ge wordene Band um vir Stämme in Oesterreich sich wieder fes schlingt in der Hand des Monarchen; daß hierdurch zur Tha werde die Gleichberechtigung aller Stämme, vom Kaise und den Reichstagen zu Wien und zu Frankfurt, ebenso i: Deutschland wie im übrigen Oesterreich erkannt un unwiderruflich erklärt. Wir haben es erklärt in der tiefen Ueber zeugung, daß darin allein der wahre Schutz gegeben sei gegen den Kampf des Bürgers mit dem Bürger; daß darin allein wahr Bürgschaft liege für die Wiederkehr der Ordnung, für den Frieden, fü den Fortschritt und den Wohlstand in unserem schönen Oesterreich daß darin allein liege der bleibende Schirm für die Frei heit des Einzelnen, für die Freiheit des Stammes gegen Ver kümmerung oder Bedrohung durch alte Willkürherrschaf oder Stamm es Unterjochung! Wir thun Euch dieses offei kund, ihr Männer, die Ihr wahrhaft wißt, waS wir gewollt uni immer wollen — die Freiheit des Mannes, die Freiheit alle. Stämme, die Größe, die Macht des Vaterlandes!
Frankfurt a. M., 30. October 1848.
Die österreichischen Abgeordneten zur deutschen conftituirender Nationalversammlung: Dr. Archer (Steiermark), C. E. Bauern schmidt (N. Oesterreich), I. N. Berger (Diähren), I. Deine (Schlesien), C. Giskra (Mähren), G. N. Groß (Böhmen), F Hedrich (Böhmen), A. L. Jeitteles (Mähren), L. Jordan (Böh- men), Kotschy (Schlesien), J. H. Kudlich (Schlesien), F. Ma kowiczka (Böhmen), T. Mareck (Steiermark), M. Maifeld (N Oesterreich), E. Melly (N Oesterreich), F. Möller (Böhmen) H. Neugebauer (Böhmen), G. Pattai (Steiermark), J. Ran (Böhmen), W. Raus (Mähren), F. Rapp (Böhmen), H. Reitte (Böhmen), A. Riehl (N. Oesterreich), E. Rösler (Böhmen), Ei Schilling (N. Oesterreich, Wien), I. Schneider (Mähren), G Stremayr (Steiermark), C. Wagner (O. Oesterreich), A. Wies- ner (N. Oesterreich).
Frankfurt, 2. Nov. Die O -P.-Ztg. enthält im amh lichen Theile Folgendes: Die in Paris erscheinende Zeitung „Lst Presse" enthält in ihrer Nummer vom 28. Oktober d. J. einer als Mittheilung bezeichneten Artikel über die Schritte der provi-: sorischen Centralgewalt, hinsichtlich ver Friedensvermittlung inJtalien
Dieser in mehrere andere Zeitungen, unter anderm auch ii das „Journal de Francfort" übergegangene Artikel, ist in wesentlichen Punkten unrichtig.
Frankfurt, 2. Nov. Der k. k. österreichische Minister Präsident, Freiherr v. W-ffenberg, hat an alle österreichischen Gesandten an den deutschen Höfen nachstehendes Rundschreiben erlassen ' „Die letzten Wiener Ereignisse haben in Deutschland eine zuni Theil irrige Auslegung gefunden. Zur richtigen Beurtheilung der Frage dürften folgende thatsächliche Umstände zu beherzigen sein."
„Die in diesem Augenblicke unter den Mauern Wiens statt- findenden militairischen Operationen haben nur einen Zweck die Bekämpfung der Anarchie und die Wiederherstellung einet gesetzlichen Zustandes. Die gewährleisteten Freiheiten zurückzu- nehmen, den unter bem Namen „Reaction" von der Umsturzpartei als Schreckbild ausgestellten Popanz zu verwirklichen, ob el gar für eine der österreichischen Nationalitäten über die anderer die Hegemonie zu erobern, liegt außer ver 'Absicht des Kaisers und seiner Regierung. Es ist kein Kampf der Nationalitäten/ keine Umbildung der Monarchie in ein slavisches Oesterreich, wie die deutsche Presse glaubt, oder zu glauben vorgibt, sondern der Kampf der Ordnung gegen die Anarchie, der gesetzlichen Gewalt ohne die es keine Regierung gibt, gegen die Schreckensherrschaft der Erhaltung gegen den Umsturz. Wir müssen es als eim Verwirrung der Begriffe, als eine Verkennung der Thatsachen bezeichnen, wenn man diesem Kampfe eine andere Deutung gibt.'
„Die Revolution hat ein deutsches Gewand angelegt: Die deutschen Farben sind die Wahrzeichen der Partei des Umsturzes geworden. Nicht der Freiheit, der Größe und dem Wohle Deutschlands, welche zu wahren der Kaiser von Oesterreich sich vorzugsweise für berufen hält, gilt cs, mit Waffengewalt entgegen zu treten, sondern nur gegen die jene Farben und jene Sachen zu ihren verderblichen Zwecken mißbrauchende Partei sind die Be-