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Beilage zu Nr. 157 der Neuen Hessischen Zeitung.

»errn Nyholm an den Minister des Auswärtigen über die schles- ügsche Angelegenheit an. Herr Nyholm: Die letzten Nachrich- >n aus Schleswig und namentlich die unerwartete Ankunft der eiden Commissarien Reedtz und Stedmann haben allgemeine Unruhe und Bekümmerniß erweckt. Er wende sich darum an en Minister des Auswärtigen um Aufklärungen, so weit solche utgetheilt werden konnten. Der Minister der auswärtigen lngelegenheiten, Graf Knuth, erwiderte: Die Regierung habe be- 'its durch öffentliche Blätter vorläufige Nachrichten gegeben und erde das Ausführlichere folgen lassen. Alles, was er jetzt mit- -eilen könne, sei, daß, da die neue Regierungscommission bei gellem ihre Kompetenz überschritten, Cammerherr Reedtz sich so­leich bestimmt habe, Schleswig zu verlassen, woran er vollkom- len Recht gethan, und Einheit zwischen sie, zwischen seinem und iner Regierung Auftreten herbeigeführt habe. Der Minister sah j dabei als günstig an, daß der deutsche Regierungscommissair ch an den dänischen angeschlossen.

Frankreich.

Paris. Nationalversammlung. Sitzung vom 28. Oct. )ie Berathung des Gesetzentwurfs über die Präsidentenwahl ist is zu Art. 6 ohne alles Interesse. Zu Arr. 6 beantragt Des- mgraiö den Zusatz:Art. 6. Der Präsident tritt sogleich nach !rüfung der Wahlprotokolle und seiner Installation in die Aus- )ung der ihm durch die Verfassung verliehenen Rechte. (Zusatz.) Dennoch behält sich die Nationalversammlung die Unverletzbarkeit rer Souverainetätö - und Constituirungsreckte bis zum Zusam­mentritt der nächsten gesetzgebenden Versammlung vor."

Bucher, katholischer Demokrat, stellt den Antrag: daß der Präsident einen Eid schwöre. (Oho! vom Berge.) Cremieur kämpft den Antrag. Seit 60 Jahren seien schon so viele po- tische Eide geschworen und gebrochen worden, daß man diese candale nicht erneuern dürfe. Fayct, Bischof von Orleans, ver­eidigt den Eid und eifert heftig gegen die Atheisten. (Zur Ab- immung!) 436 gegen 281 Stimmen bestehen auf den Eid. locon stellt einen letzten Zusatz:Jeder Präsident, der gegen rt. 50 der Verfassung verstößt, soll sofort abgcsetzt und als aterlandsverräther erklärt werben " Vivien bekämpft ihn und öchte denselben an die Verfassungscommission gewiesen wissen. Man lle aber doch endlich über die Präsidentenwahl abstimmen, eslongrais sieht die permanente Jnsurrection in diesem Anträge, tumult.) Der Artikel wird an die Verfassungscommission ge- iesen. St. Romme will noch sprechen, alle Welt greift aber ich dem Hut und will nichts von der Verantwortlichkeit des räsidenten und seiner Minister, die er beantragt, hören. Es lingt ihm doch einiges zu sprechen. Sein Antrag wird aber rworfen. Das Gesammtdecret um 6'/r Uhr endlich angenommen.

Paris, 29. Oct. Nachdem am 28. die Nationalversamm- ng sich für die zeitweilige Fortdauer der Ausnahmsgesetze in lgier und den Colonien ausgesprochen hatte, beschloß sie über e Art und Weise, wie die Verfassung soll geändert werden kön- n. Nur nach einem Zeitraum von 5 Jahren kann die gesetz- bende Versammlung (doch bloß mit einer Mehrheit von wenig- ms drei Vierteln der Abstiinmcnden) eine Aenderung für wün- Mswerth erklären. In der entscheidenden Sitzung müssen dessen mindestens 500 Mitglieder gegenwärtig sein. Noch in :ei Sitzungen mit je einem Zwischenraum von einem Monat der Wunsch wiederholt werden. Dann erst wird die Ver- mmlung für die Verfassungsdurchsicht ernannt, und diese darf W 3 Monate tagen.

Mehrere Bischöffe haben in ihren Diözesen allgemeine ebete verordnet bei Gelegenheit der Präsidentenwahl.

Die Regierung hat eine Verfügung erlassen, wonach in dem athhaussaale jeder französischen Gemeinde eine Marmortafel, orauf die Verfassung eingegraben ist, ausgestellt werden soll.

Paris, 29. Oct. v. Lamartine beeilt sich, aus seinem ommersitz bei Macon folgendes Schreiben an die hiesigen Jour- üe zu richten, in dem er gegen di» Behauptung protestirt, daß auf die Präsidentschaft der Republik verzichte:

Saint-Point, 26. Ockober.

Herr Redacteur des Journal des Debats! Ich lese in dem üirnal des Debats einen dem Courier de la Gironde entnom­

menen Artikel, den zu berichtigen ich Sie um Erlaubniß bitte. Ich antwortete in der Tbat einem Korrespondenten aus Bor­deaux in einem Briefe folgende Worte:

Ich trete nicht als Kandidat für die Präsidentschaft vor. Ich bitte Gott und meine Freunde, eine meinen Kräften so unangemes­sene Bürde fern zu halten. Aber wenn das Land meint, mich für dieses Amt bezeichnen zu müssen, so glaube ich für die Ver­weigerung desselben kein größeres Recht zu haben, als ich am 24. Februar gegen den Volkswillen hatte, Paris ohne Regierung zu lassen.

Ich glaube mich keineswegs von einer solchen Gefahr bedroht, und ich berichtige den Artikel des Courier de la Gironde blos deshalb, um für die Folge jedem Mißverständniß vorzubeugen. Mich um die Präsidentschaft eifrig bewerben, wäre lächerlich; sie zu wünschen, wäre verwegen, sie zu verweigern, hieße gegen die Republik und sein Vaterland fehlen. Ich bin eines solchen Ehr­geizes unfähig, aber auch unfähig einer solchen Feigheit. Geneh­migen Sie, Herr Redakteur u. s. W. (gez.) Lamartine."

Es giebt fast keine Stadt, die nicht ihr demokratisch-sociali­stisches Banket haben wollte. Heute finden deren in den ver­schiedenen Städten der Republik nicht weniger als 42 statt, wie wir aus einer uns zu Gesicht gekommenen polizeilichen Notiz er­sehen. Ledru Rollin führte gestern den Vorsitz in Aubenas.

Italien

Der Föderative ongreß zu Turin hielt am 17. eine öffent­liche Sitzung, in welcher der Abg. Sterbini darauf autrug:alle italienischen Minister, welche ihren Fürsten nicht rathen, den Un­abhängigkeitskrieg zu erklären und alle die Mittel anzuwenden, welche Gott und das Volk in ihre Hände gelegt haben, für Va- terlandsverräther zu erklären." Sein Antrag wurde zurückgewie- sen, da er nur die Zwietracht in Italien fördern werde; jedoch ward beschlossen, eine Commission niederzusetzen, welche sich mit der Frage beschäftigen soll, wie der Kongreß am ehesten mit Rück­sicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse Oesterreichs zum Triumph der italienischen Waffen beitragen kann.

Der italienische Bundescongreß zu Turin setzt seine Berathungen fort. Er ist eben jetzt mit der Abfassung einer Bundesacte für sämmtliche italienische Staaten beschäftigt. Auf­fallender Weise werden die Verhandlungen von den Italienern mit großer Lauheit ausgenommen.

Mailand, 22. Oct. Außer einem Tagesbefehl, durch welchen das Heer vor falschen Nachrichten gewarnt wird, hat der Fkldmarschall so eben Sr. Majestät dem Kaiser eine Ergebenheits- adresse int Namen der italienischen Armee übersendet. Sie lautet: Majestät! Mit Entrüstung hat die Armee in Italien die Ereig­nisse von Wien vernommen! Tiefer Schmer; ergriff die wackern Männer derselben; Soldaten der österreichischen Armee haben ihre Pflicht vergessen, ein tapferer General früherer Zeiten wurde vor den Augen der ihn beschützen sollenden Wache feige gemordet, sein Leichnam geschändet! Länder und Völker haben die unerschütter­liche Anhänglichkeit und Treue Eurer Majestät kund gegeben sie schaaren sich um ihren Kaiser, der wie sie Oesterreich und seine Freiheit liebt! Die Armee von Italien, begeistert im Hin­blick auf jene Güter, hat siegreich die Angriffe eines frechen Feindes zurückgewiesen, und steht zu fernerem Kampfe bereit eine starke Schutzwehr an der Grenze des Reiches. Nicht Zwietracht, nicht Haß und Zerstreuung herrscht in ihren Reihen: Der Gedanke an Kaiser und Vaterland beseelt die Glieder dieser großen Familie, einem Zeichen nur, dem alten Aare Oesterreichs, dem Zeugen so vieler herrlicher Thaten, folgen sie im Kampfe, folgen sie zum Siege. Im edlen Wetteifer in Treue und Auf­opferung für den gütigsten Monarchen, werden unsere Brüder dem Beispiel der Armee von Italien folgen und Oesterreich und seine Freiheit werden glänzend aus diesem Kampfe hervor- gehen. Geruhen Eure Majestät diese Gesinnungen der Armee von Italien, welche ich als deren Organ, alter Führer und älte­ster Genosse aussprechen mußte huldvollst den täglichen Be­weisen von Treue und Ergebenheit der Völker aller Länder des Reiches anzureihen! Radetzky, Feldmarschall.