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magyarische Tyrannei in dem Wiener Aufstande am 6. Oct. eine Unterstützung fand, so ist nichts natürlicher, als daß Jellachich die Urheber dieses Ausstandes ebenfalls als seine Feinde ansicht, und wenn die deutsche Reichsversammlung wirklich zu antworten hätte, so könnte sie füglich sagen: „Hätten die Ungarn nach dem Grundsätze gehandelt, den wir unsererseits ausgestellt und befolgt, nach dem Grundsätze nämlich, daß innerhalb ein und desselben Landes doch die verschiedenen Nationalitäten zu achten sind, so würden die Slaven sie jetzt nicht als Feinde bekämpfen, und hätten die Wiener Empörer die ungarische Herrschsucht nicht mit der deutschen Fahne decken wollen, so wäre nicht die Gefahr entstanden, daß die Slaven nebst den Ungarn auch noch die Deutschen als ihre Unterdrücker und Feinde betrachten." Es geht auch hieraus die Wahrheit dessen hervor, was gestern einer Ihrer Correspon- denten sagte, die traurige Wahrheit nämlich, daß die „glorreiche Wiener Erhebung" dem Deutschthum in Oesterreich mehr schaden wird als alle slavischen Bestrebungen nur irgend gekonnt.

Ein Ertrablatt zur „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 31. October bringt Nachstehendes:

Berlin, 30. Oct., Abends 9 Uhr. Soeben geht folgende telegraphische Depesche vom preußischen Gesandten an den Minister des Auswärtigen hier ein:

Hietzing (bei Wien), 29. Oct., 1 Uhr Mittags: Diese Nacht wurden fast sämmtliche Vorstädte Wiens von den k. k. Truppen mit Sturm genommen. Der Kanonendonner sowie das Schießen hat aufgehört. Die Stadt capitulirt.

Nach den in Berlin am 1. Nov. eingelaufenen Nachrichten hat der Gemeinderath capitulirt. Die Vorstädte wären genommen und hatten die Truppen zum Theil mit Jubel, Blumen rc. aus­genommen. Viele Nationalgarden hätten ihre Waffen weggewor­fen, die Studenten seien verschwunden, General Bem, dem man nicht getraut habe, ermordet.

Auch bis „deutsche Reform" vom 3 t. v. M. theilt mit, llnter- Handlungen seien angeknüpft, der Erfolg aber noch nicht bekannt. Jellachich sei in die Jägerzeil am 28. um 8 Uhr Abends Unge­zogen und habe die Nacht im Gasthofe „zur gyldnen Birne" zu­gebracht, wie er Tags zuvor vorausgesagt haben soll. Dann heißt es weiter: Am Morgen des 29. begann der Angriff auf die zum Widerstande entschlossenen Vorstädte Wieden, Mariahilf und Schot­tenfeld. In Wieden wurde der meiste Schaden angerichtet.

Gleichzeitig stieg aus dem Innern der Stadt eine Rauchsäule hervor, ein Nothsignal, das die Ungarn, wiewohl vergeblich, zu Hülfe rief. Der ungarische Vortrab hatte sich zwar gezeigt, aber ohne allen Angriff sich sogleich wieder nnch Bruck zurückgezogen.

Am Vormittage des 29. ließ Windifchgrätz den Kampf ein­halten und gewährte eine Frist. Augenblicklich kamen zahlreiche Parlamentaire, denen gegenüber er auf die schon früher geforderte Entwaffnung der Arbeiter und Studenten bestand.

Die Mitglieder des Reichstages: Pillersdorf und Potozki, die von Olmütz zurückkehrtcn, ohne den Kaiser gesprochen zu haben, verlangten eine Unterredung mit Windifchgrätz; er ließ sic jedoch nicht vor sich.

Wien, 27. Oct. Gestern ging es arg her; ich war den größten Theil des Tages im Parke von Schönbrunn auf einer Anhöhe, woselbst man die ganze Gegend überblicken kann, Von allen Seiten hörte man Kanonendonner; ein Gottesacker bei Ler- chenfcld, worin sich die Wiener und übergegangene Soldaten ver­schanzt hatten, wurde erstürmt und Jedermann darin niedergc- metzelt. Gestern Nachmittag sahen wir an verschiedenen Orten sechs Feuersäulen bei Wien oder in den äußersten Vorstädten auf- steigen; es war ein grausenhafier Anblick. Das Feuern dauerte den ganzen Tag fort ohne Unterbrechung bis tief in die Nacht. Heute früh ist Alles ruhig, —• man hört keinen Schuß. Ich vermuthe, daß die Stadt mit Windifchgrätz unterhandelt und zu capituliren geneigt ist. Wir sind ohne alle Nachrichten vom Aus­lande — alle Posten fehlen oder können nicht eintreffen. Nach­träglich melde ich auch noch, daß Jellacic den Theil der Land­straße (eine der Vorstädte), welcher an die Donau grenzt, besetzt hat. — Die Dampfmühlen an der Donau sind abgebrannt. Die Feindseligkeiten sind in der Nacht eingestellt — man erwartet jedoch einen allgemeinen Angriff auf die Stadt noch im Laufe des Ta­ges. In einen Straßenkampf wird sich jedoch die Armee nicht einlassen.

Innsbruck, 23. Oct. Aus sicherer Quelle kann ich Ihnen melden, daß heute eine Zuschrift der österreichischen Stände von Linz an die hiesige ständische Aktivität gelangt, welche eine Ein­ladung zu einem von sämmtlichen deutschen Provinzen zu be­schickenden Kongreß in Salzburg enthält, um unabhängig von Wien, dessen Neigung zu revolutionären Erschütterungen in immer bedrohlicherer Weise hervortrete, die eigenen gemeinsamen Interessen zu berathen. Schon früher wurden ähnliche Schreiben von Seite des hiesigen permanenten ständischen Ausschusses nach Gratz, Lai­bach und Klagenfurt erlassen, worüber jedoch die Antwort erst gewärtigt wird. — Man befreundet sich hier immer mehr mit t der Idee, sich gegenüber den neuesten Wiener Vorfällen unter den Schutz der deutschen Centralgewalt zu stellen, wozu die lebhaften Sympathien, die das gegenwärtige Reichsoberhaupt in unserm Lande genießt, nicht wenig beitragen.

Lemberg, 26. Oct. [Aufregung. — Die Polen eilen den Ungarn zu Hülfe,] Die ungarischen Soldaten, deren Kaser­nen noch bis jetzt mit Kanonen umgeben sind, entfliehen einzeln. In der Stadt herrscht große Aufregung, was möglicher Weise dazu benutzt werden wird, um die Russen ins Land zu bringen. Dwernicki ist an der Spitze von 8000 Mann Soldaten, die zum größten Theil aus der österreichischen Armee desertirt sind, den Ungarn zu Hülfe geeilt. (Brest. Ztg.)

Berlin, 27. Oct. In der heutigen Sitzung des Verfas­sungslandtages führte die Tagesordnung zur Berathung der Nr. 11 des §. 1 des Gesetzes über unentgeltliche Aufhebung u. s. w.: „11) Der Fleisch- oder Blutzehnt, das heißt die Berechtigung, von dem gesainmten in einer Wirthschaft geborenen oder aufge­zogenen Vieh oder von einzelnen Gattungen desselben gewöhnlich das zehnte, bisweilen auch das nach einem andern Zahlenverhält- niß bestimmten Stück in Natur, oder an dessen Statt einen Geld­betrag zu fordern, desgleichen der Bienenzehnt."

In unserer Nationalversammlung sind die Stürme jetzt an der Tagesordnung. Heute war es ein Amendement Walvecks und Genossen zu obigem Paragraphen, was die Sitzung zu einer der bewegtesten machte. Es lautet: „Alle Zehnten sind aufgehoben, nur die Entschädigung wegen der Kirchenzehnten wird ein beson­deres Gesetz bestimmen." Der Antragsteller dachte zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er will die Bauern gewinnen, und die katholische Geistlichkeit, deren Stimmen er bedarf, sich verbinden. Das Amendement wurde mit Erfolg bekämpft, insbe­sondere von Walter. Er sagte u. a.: der heilige Crispinus habe doch nur Leder gestohlen, um Schuhe für die wirklich Armen zu machen, hier aber wolle man in das Eigenthum eingreifen, um ankere Besitzende zu bereichern. Er schloß: Die Moral, in der ich erzogen bin, fußte noch auf den alten zehn Geboten, von denen das siebente vielfach in alten Zeilen coinmentirt worden ist. Eine. Nationalversammlung eristirte aber noch nicht, welche das 7. Ge­bot dahin auslegen konnte, daß es recht und erlaubt sei, des Näch­sten Eigenthum aus dessen Taschen hinaus und in die eigener Hineinzudeeretiren. Man trug darauf an, die zweite Hälfte dec Amendements zu streichen. So wie aber Hrn. Waldeck dies Zug­mittel für die Stimmen der Geistlichkeit gestrichen war, zog ei das ganze Amendement zurück, verleugnete also die Demokratie um nicht bei anderer Gelegenheit von der Geistlichkeit verleugne zu werden. Indeß sollte sein Amendement der Niederlage bod nicht entgehen. Die Herren v. Meusebach, Bornemann, Pelze und Fleischer machten dasselbe zu dem ihrigen, weil die Versamm lung das Recht hat, über Anträge, welche einmal in die Welt gc schleudert sind, abgestimmt zu sehen, damit ein entschiedenes I oder Nein darüber sich herausstelle. Das Amendement blieb bi der namentlichen Abstimmung in großer Minorität, indem 22 dagegen, 103 dafür stimmten. — Der Finanzminister, der eben falls kräftig gegen Waldeck sprach, theilte mit, daß der Stac durch Aufhebung der Zehnten nur etwa 30,000 Thaler verliert

Berlin, 28. Oct. (Sitzung des Verfassungslandtags. Man ging heute zuerst zur Präsidentenwahl über. Es stimmte 348 Mitglieder; Stimmen haben erhalten v. Unruh 177, PH lipps 70, Jonas 1. Demnach ist v. Unruh Präsident. Er wa Candidat der Rechten und der Centren. Durch das Ausscheide des nunmehrigen Präsidenten ist die Stelle eines Bicepräsidente erledigt; es mußte daher eine neue Wahl vorgenommen werde,