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Neue Hessische Zeitung.

J^o, 1ÄV. Freitag, den 3. November. 1848*

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 13 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. - berechnet.

Politische Nachrichten. Deutschland.

Frankfurt, 31. Oct. Wir können die wahrscheinlich jetzt durch alle Zeitungen laufende Nachricht, als sei, durch Meinungs- oerschiedenheit über die österreichische Frage veranlaßt, im Reichs- ninisterium eine Spaltung entstanden, für völlig unbegründet er- lären. Das Reichsministerium ist auch in dieser Frage voll- ommen einig, und daß esdas deutsche Interesse in Oesterreich licht ohne Unterstützung von Seiten des Reiches lassen" will, -eht aus den heute in der Nationalversammlung veröffentlichten Depeschen an die Reichscommissäre wohl zur Genüge hervor.

(O. P. A. Ztg.)

Wien. Die Wiener Presse vom 25. apostrophirl Herrn kobert Blum, wegen der Rede die er in der Aula gehalten, fol­endermaßen:Hr. Robert Blum spricht in seiner Rede, wie die )stdeutsche Post und das Journal des österreichischen Lloyd be­ichten, von den inneren Feinden, der Zaghaftigkeit, dem Mangel n Muth uud Ausdauer; sollte es aber außer diesen inneren einten auch andere geben er hoffe es gebe deren nicht der sollten noch Leure in der Stadt eristiren die den Sieg des Mitairs lieber wollten als den Sieg der Freiheit, so müsse sich er Vernichtungskampf gegen die Schaaren vor der Stadt mit harfer Waffe auch gegen sie kehren. Wir sind weit entfernt, ne Partei vertheidigen zu wollen, welche die Militairherrschaft r Freiheit vorzieht. Wir wollen die Freiheit, die volle unver- rzte Freiheit des Volks. Im Interesse dieser Freiheit aber üssen wir eine solche Sprache, wie sie Hr. Robert Blum führt, il Abscheu zurückweisen, die Gutgesinnten aller Parteien ohne usnahme müssen darin Übereinkommen, daß Humanität und esittung von der Freiheit unzertrennlich sind. So wenigstens it man heutzutage allenthalben die Freiheit begriffen. Unter r Republik in Frankreich genießen Legitimisten denselben Schutz r Gesetze wie die Anhänger der Schreckensherrschaft von 1793. 5er Gesinnungen und Meinungen mit scharfer Waffe bekämpfen, n Gegner durch rohe Gewalt zu Boden schlagen, ist nicht bloß -rrath an der Freiheit, es ist politische Kurzsichtigkeit. Noch erjeit haben die Gräuel politischer Rachsucht der Freiheit das cab gegraben, und der Knechtung Thür und Thor geöffnet. Un- e Lage ist ungewiß. Niemand kann bestimmen ob und wie sich s Blatt wendet. Wir sind den Gefahren der Belagerung aus- etzt; aber nicht die Bombe, durch welche der äußere Feind den -and in die Stadt wirft, ist das schrecklichste, das uns bedroht; c innere Feind, der die Fackel der Zwietracht, der Verdächtigung d des politischen Hasses im Momente der Krisis in die Ge- lther wirft, ist mehr zu fürchten. In Herrn Blums Rede gt Der Wahnsinn eines Septembristen, die Perfidie der politi- en Denunciation. Die unbestimmte Weite des Ausdrucks läßt e Gemäßigten vielleicht auch die edelsten und besten runter begriffen erscheinen. Gräuel und Verbrechen sind nicht eignet, die Partei der Gegner zu schwächen; sie stärken sie. d wir stehen keinen Augenblick an, diese Wahrheit demjenigen, lchcr aus dem Kampfe als Sieger hervorgehen wird welcher rtei er auch angehören möge warnend zuzurufen. Hat ! r Robert Blum Muth und Lust den Danton zu spielen, dann enke er, daß dieser die Gefahr der blutigen Gewaltherrschaft ilte, die er herbeigeführt. Hr. Blum ist in Wiens Mauern ; Fremder, als Mitglied des deutschen Parlaments unverletzlich, hat die Mittel zu Handen, dem Sturme, den er heraufbeschwö- will, jeden Augenblick zu entweichen. Darum ist sein Ver- an der heiligen Sache der Gesittung ein doppelt strafbarer.

ens Bevölkerung hat in den letzten Tagen eine anerkennungs-

werthe, eine bewundernswürdige Haltung gezeigt: sie hat die Freiheit begriffen, denn sie hat sie mitten unter den Leidenschaften der Parteien aufrecht zu erhalten gewußt. Wer hat Herrn Robert Blum das Mandat gegeben, das Volk Wiens zum Wahnsinn des Terrorismus aufzustacheln, damit den Blättern der Geschichte, auf welchen die Ereignisse der letzten Tage verzeichnet stehen, Flecke von Blut und Schmach aufgedrückt werden? Hat Hr. Ro­bert Blum diese Worte gesprochen, dann hat er wir sagen es unumwunden sich entehrt."

Prag, 24. Oct. Ein vom Banus Jellachich an die Slo- wanska lipa gesandter Courrier hat folgenden Brief des Banus überbracht: Meine bisherigen Thaten zeigen euch, wohin mein Bestreben geht und was ich wünsche. Sowie ich von Liebe zum Slaventhum beseelt bin, so bin ich auch im Innersten meines Herzens überzeugt, daß das Slaventhum die festeste Stütze Oester­reichs, daß aber auch Oesterreich für das Slaventhum eine noth­wendige Bedingung ist; wenn es kein Oesterreich gäbe, so müßten wir eines schaffen. Es giebt gewiß keinen vernünftigen Menschen, der nicht wüßte, daß das Bestehen Oesterreichs mit dem Bestehen des Slaventhums, und dieses mit jenen am innigsten verknüpft ist. Es war demnach meine, als eines treuen Slaven Pflicht, die anti-österreichische Partei, die sich feindlich gegen das Slaven­thum erhob, in Pesth zu demüthigen und zu vernichten. Als ich aber gegen Pesth, das Nest der magyarischen Aristokratie zog, da erhoben unsere gemeinsamen Feinde ihr Haupt, und wenn sie in Wien gesiegt hätten, wäre mein Sieg in Pesth nur halb, und die Stütze unserer Feinde nach Wien verrückt. Ich wandte mich demnach mit meinem Heere gegen Wien, damit ich den Feind der Slaven in der Hauptstadt Oesterrreichs bändige. Groß war meine Freude, als ich sah, wie die böhmischen Brüder, von derselben Ueberzeugung geleitet, die durch die Rückkehr ihrer Reichstagsdeputirten noch gekräftigt wurde, die siegreichen Banner vor Wien brachten, daß sie mir und meinen Kriegern die Bru­derhand reichen, um dort entweder heldenmüthig zu siegen oder ruhmvoll zu fallen. Nur die Ueberzeugung, daß ich gegen den Feind des Slaventhums ziehe, führte mich vor Wien, und ich hege die Hoffnung, daß ihr Männer nicht nur meine That ver­steht, sondern auch unterstützen werdet. Gegeben im Hauptlager des kroatisch -slawonischen Heeres in Zwolfring, den 22. October 1848. Meinen Gruß ! Jellachich, Dan m. p.

Ein Correspondent der O. P. A. Zeitung berichtet über diesen Brief 6.6. F r a n k fu r t, 30. Oct. Folgendes: Ein Abdruck der auch in Ihrem heutigen Hauptblatte mitgetheilten angeblichen Zuschrift Jellachich's an dieSlowanska Lipa" ist heute in der Nationalversammlung vertheilt worden, mit dem von einer Anzahl Mitglieder der Linken unterzeichneten Zusatze:Was sagt die deutsche Centralgewalt, was sagt die deutsche Reichsversaminlung, was sagen die Correspondenten derOberpostamts Zeitung" und derAugsburger Allg. Zeitung" zu dieser offenen Erklärung des kroatisch - slavonischen Heerführers auf deutschem Bundesbo­den?" Dazu erlaubt sich einer Ihrer Leser, da vielleicht die angerufenen Behörden und Correspondenten sich nicht dazu ver- müßigt sehen, zu sagen, daß eben aus dieser Zuschrift, wenn sie ächt ist, recht deutlich hervorgeht, daß alles Unrecht auf Erden sich rächt, was indeß nur diejenigen überraschen kann, die weder die Geschichte, noch die menschliche Natur kennen. Wenn der Druck ein ungerechter ist, so steigert er die Liebe zu dem Unter­drückten. So konnte auch die herrschsüchtige magyarische Unter­drückung der slavischen Sprache die Liebe der Slaven zu ihrer Nationalität nur erhöhen und einen Slavenführer wie Jellachich für die Sache seines Volkes nur um so mehr begeistern, und den Haß gegen die Feinde des Slaventhums erhöhen. Da nun die