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in derselben, wenn Sie es nöthig finden, das Wort zu nehmen, Vorbehalten, den Entwurf eines solchen Verfassungsgesetzes vor­legen und traue fest auf Ihre treue und eifrige Mitwir­kung, damit eine schließliche Ordnung dieser so wichtigen Ange- legenheit von der gegenwärtigen, zu diesem Zweck versammelten, Reichsversammlung vollbracht werde. Sollte dies indessen nicht gelingen, so ist es doch nicht meine Absicht, die Verfassung in Kraft treten zu lassen, ohne sie nicht vorher einer neuen Reichs- Versammlung vorzulegen. Ich wünsche Gottes Segen Ihnen und Ihrem Wirken, damit es unserm geliebten Daterlande zur Ehre, zum Heil und zum Glück gereiche."

Nach dieser Rede brach die ganze Versammlung sammt den Zuhörern in einLeve Kongen und neunmaliges Hurrah aus. Der König dankte und verließ den Saal unter lautem Jubelruf, begleitet vom Oberhofmarschall und den andern Hofbeamten, dem Kommandanten von Kopenhagen und sämmtlichen Adjutanten.

Hierauf verbreitete sich der Conseilpräsident Graf Moltke in einem laugen Vortrage über die Stellung des Reiches. Er pries natürlich die seitherige dänische Politik, wonach Holstein als deutschem Bundesstaat seine eigene Verfassung, eigene Verwaltung und enger Anschluß an Deutschlands Streben nach starker politi­scher Einheit und Schleswigs Verbindung mit dem übrigen Dä­nemark sowohl als seine provinzielle Selbstständigkeit habe gesi­chert werden sollen. Er erging sich über denschändlichen Auf­ruhr", über dieEinmischung und den Ueberfall" von Seiten Preu­ßens und Deutschlands,den die Geschichte richten werde." Zwar feierte dann der Redner den Heldenmuth des Heeres, die Sym­pathien, die Dänemark in der ganzen Welt gefunden, den Scha­den, den seine Flotte dem Feinde zugefügt. Allein doch sei bei der Unsicherheit der Hülfe, bei den gegenwärtigen Verhältnissen Europas und der Uebermacht des Feindes ein Friedensversuch nicht abzuweisen gewesen. Daß der erste Waffenstillstand nicht erfüllt, sei nicht Dänemarks Schuld. Der zweite sei treulich von seiner Seite erfüllt.In Uebereinstimmung damit hat Deutschland seine Heere aus Schleswig - Holstein gezogen. Die Ausführung der noch rückständigen Punkte der Uebcrcinkunft ist leider Gegenstand noch schwebender Unterhandlungen." Der Mi­nister sprach dann seine Freude über Nordschleswigs Treue und Hel- denmulh und die Hoffnung aus, daß diezur Revolution Verirrten" wieder in sich gehen würden. Die Rüstungen sollen fortgesetzt und der Versammlung ein Vorschlag, die nöthigen Geldmittel zu verschaffen und ein allgemeines Wehrpflichtgesetz vorgelegt werden. Freilich müßten streng genommen auch die Schleswiger an der Verfassungsbcrathung Theil nehmen. Doch dürfe man nicht länger auf sie warten und müsse es lieber auf eine spätere ge­meinschaftliche Revision ankommen lassen.

Landtag.

Sitzung vom 31. October. Berichterstattung für den Bud­get-Ausschuß über eine Mittheilung der Staatsregierung, die Un­terstützung der Friedrich-Wilhclms-Nordbahn-Gesellschaft aus Staats­mitteln betreffend. Es ist nämlich vorgestellt worden, daß das Actien- Capital jener Gesellschaft im Betrage von 8 Millionen Thalern zur Vollendung deS Baues nicht ausreichen werde, auch die Direktion außer Stande sei, die nöthigen Geldmittel anderweit zu beschaffen. Der Ausschuß beantragte deßhalb:die Zustim­mung der Uebernahme der ganzen Kosten des gemeinschaftlichen Bahnhofs bei Kassel und der Bahnstrecke von da bis Gunters­hausen auf Rechnung des Staates, sowie zur Gestattung deren Mitgebrauchs von der Friedrich- Wilhelms -Nordbahn-GeseUschast gegen Entrichtung einer angemessenen Miethe zu ertheilen , und der hohen Regierung zu überlassen, die in dieser Beziehung nö­thigen Verträge mit der genannten Gesellschaft abzuschließen, auch dabei die Entsagung derselben auf die von ihr gebildeten Ent­schädigungsansprüche zur Bedingung zu machen.Die Herren Weinzierl, Gundlach und Pfeiffer sprachen gegen die sofortige In­betrachtziehung des Antrags, weil die Sache zu wichtig und zu verwickelt sei, die Herren v. Waitz, Eissengarthen, Schwarzenberg dafür. Es wurde beschlossen, zunächst den Bericht über die Ver­mehrung des Bau-Capitals der Main - Wescrbah» und über die deßhalb vorgeschlagenen Dcckungsmittel zu vernehmen. HerrZiegler trug

denselben vor und es ergab sich daraus, daß eine Vermehrung den Bau-Capitals (von sechs Millionen Thalern) um zwei Millionen Thaler (einschließlich der propouirtcn Vergünstigung für die Fried. rich-Wilhelms-Nordbahu und der Kosten der Schaumburger Bahn erforderlich ist und die Regierung beabsichiigt, diesen Betrag aus den ). g. Laudemialfonds, welcher bekanntlich aus veräußertem Staatsgu gebildet und bei der Landcscredit-Kasse zu 3'/2 Prozent verzins lich angelegt ist, zu entnehmen. Der Ausschuß beantragte, die ständisch Zustimmung zu der Feststellung deS Baucapitals der Main-Weser-' Bahn auf vorläufig acht Millionen Thaler und die Enlnehmuncj der zwei Millionen Thaler aus dem Laudemialfonds zu ertheilen ' Doch schien dies keinen Anklang zu finden. Die angeregte Stundung deu Diskussion bis zur Nachmittagssitzung wurde verworfen; auch erhol sich für die sofortige Berathung die nöthige Mehrheit nicht. Der Be­richt wird daher gedruckt werden und erst auf dem nächsten Landtag zur schließlichen Berathung und Erledigung kommen. Gleichet Schicksal hatte eine Proposilion wegen Auöhülfe in den Audito- ratsgeschäften. Die Versammlung schien sich zu guter Letzt ni$i noch mit Verwilligungen die Freuden des Abschieds und bezie­hungsweise des Wiedersehens verbittern zu wollen. Auch die Berathung über die Berichte des Herrn von Waitz, die Hofdota- tion und die Rückerstattung eines Vorschusses von 14,000 Thlr. an die Hoftheatereasse je. betreffend, bleibt dem nächsten Landtage Vorbehalten. Nachmittags vier Uhr wurde der Landtagsab. schied unterzeichnet und untcrsiegclt. Dann traten die Minister und sämmtliche Regierungsscommissare und Mitglieder der Ge­setzgebungs-Commission ein und nahmen an den betreffenden Ti­schen Platz. Es war inzwischen dunkel geworden und rings im Saale brannten Kerzen gleich verheißungsvollen Weihnachtslich-, tern. Ob sie uns wirklich Heil verheißen? .... Der Präsi­dent sprach in einer trefflichen Rede die besten Hoffnungen und Segenswünsche zum Schluffe des wichtigsten und bedeutungsvoll­sten Landtages seit 1831 aus; auch der Minister des Innern, der im Namen des Regenten die Versammlung entließ, heb die Wichtigkeit der vollendeten Arbeiten hervor und knüpfte an das Geschehene die freudige Zuversicht, daß es segensreiche Früchte bringen werde .... Hoffen wir denn; vertrauen wir denn, wie dunkel und drohend auch die Zukunft ist! Und verlieren wir. vor Allem nicht den Glauben an uns selbst, nicht den Glauben an die Kraft der Wahrheit, die da siegt und frei mach,! immerdar.Wachet unö betet", heißt es, wachet,daß ihr nicht in Anfechtung fallet" nicht in Anfechtung der Eitelkeit und des Eigennutzes,denn der Geist ist willig, aber das Fletsch ist schwach"! Gern widmeten wir den letzten Monden und Tagen noch einen beschaulichen Rückblick und den unermüdlichen Arbeitern, wie Nebclthau, Henkel u. A. noch ein annkenuungs- vollcs Wort, aber wegen des morgenden Tages, der ein Bettag ist, haben wir nicht Zeit, noch Raum. Sei die Frucht so reich und erquickend, wie die Arbeit rastlos war!

Gesetzgebung.

Die eben ausgegebcue Nr. XXVI des kurhessischcu Gesetzblattes enthält die Gesetze wegen Aufhebung des §.71 der Verfassungs- Urkunde , und wegen Beseitigung der Stellung desLandesherrn als obersten Milirairchefs" , beide vom 26. October d. I.

Pekanntmachungen.

Die Rechnung über die Kämmerei-Verwaltung der Stadt Kassel vom Jahre 1847 wird vom 2 November d. I. an acht Tage laug im Nachhause zur Einsicht der Gemeinde-Mitglieder offen liegen.

Kassel, am 31. October 1848.

Der Vorstand des Bürger-Ausschusses der Residenz. [228] Schwarzenberg.

Kurfürstliches Koftheater.

Donnerstag, 2. Nov.: Eine Familie. Original - Schausp. ö' 5 Act, nebst einem Nachspiele von Eh. Birch-Pfeifer.__

Kä1 Wegen des heutigen Festtages fallt du

Beilage aus.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Kassel.