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Beilage zu Str. 154 der Neuen Hessischen Zeitung.

eschwerden von Privaten hinterließ, welche vom Justizministerium lmählig erledigt worden.

Die schwierigsten Aufgaben lagen indessen dem Ministerium ?r auswärtigen Angelegenheiten vor. Die Vertretung Deutsch- inbâ nach Außen war bisher nur mittelbar, hauptsächlich durch reußische und österreichische Diplomatie geschehen. Deutschland ls solches hatte nirgends in Europa einen Gesandten. Im Früh- ng dieses Jahres geschah es zum erstenmal, daß der Bundestag ,n der ihm durch die Bundesacte eingeräumten Befugniß Ge- auch machte und Herrn Banks nach London sandte. Hier war so eine bisher nirgends gekannte neue, eine provisorische Gewalt I I den völkerrechtlichen Verkehr einzuführen. Dies ist geschehen, nd die deutschen Gesandten sind in London, Paris, Brüssel, >aag, Kopenhagen, Stockholm, Bern, Turin empfangen, die ent- wechenden Vertreter dieser Länder dagegen in Frankfurt beglau- igt. Die noch ausstehenden Missionen sind vorbereitet; zunächst erden Gesandte nach Nordamerika und Konstantinopel abgehen, wie ein Generalconsul in die Donaufürstenthümer. Unter den Männern der alten Diplomatie finden sich der politischen Rich- mg wegen, welche sie zu vertreten hatten, nicht sehr viele, deren üenste der neuen Zeit frommen können, und doch kommt nir- end mehr als in diesem Geschäftszweige trotz allem, was man «gegen sagen mag, so vieles auf Kenntniß der Personen und er allerwärts geltenden Formen an, die ein einzelner Staat für ch weder verletzen darf noch ändern kann. Abgesehen also auch «von, daß das Ministerium des Auswärtigen ein diplomatisches Personal von dem Bundestag nicht überkam, war hier auch in der andern Beziehung Alles neu zu schaffen. Gerade aber we- en dieser Neuheit glaubt sonderbarer Weise die öffentliche Kritik in so schärfer sein zu können. Aber schon jetzt hat sich die Meinung über den Werth des Waffenstillstandes von Malmoe esentlich berichtigt. Hat doch seiner Zeit der Führer der äu- ersten Linken in der Nationalversammlung auf der Rednerbühne lbst erklärt, er könnte den Waffenstillstand vielleicht gutheißen, enn nur Preußen ihn nicht abgeschlossen! Und hat doch der chleswiger, Herr Franke, der erst kürzlich sein Vaterland be- ist, vor einigen Tagen in der Nationalversammlung öffentlich stätigt, daß neun Zehntheile der Bevölkerung von Schleswig- olstein, worauf ja allein alles ankommt, mit den Bestimmungen

8 Waffenstillstandes vollkommen zufrieden seien! Die Bemü- ingen des Ministeriums, für die Ausführung dieses WaffenstiUstan- s Modifikationen eintreten zu lassen, waren bis jetzt von Erfolg gleitet, und zu den Friedensunterhandlungen sind die Einlei- ngen getroffen. Nicht minder als die schleswig-Holsteinische hat die nburger Angelegenheit und die italienische Verwicklung die Tätigkeit des Ministeriums in Anspruch genommen, und diese ziere Frage wird nicht entschieden werden ohne Mitwirkung der utschen Centralgewalt, sobald überhaupt außer den kriegführen- n Mächten noch andere Großstaaten Antheil daran nehmen, ben so wenig aber sind die Verhandlungen mit der Schweiz tzt schon zu beurtheilen. Wer dies dennoch thut, gleicht dem rtheilslosen, welcher gewohnt ist, demjenigen Recht zu geben, der 'radc im Augenblicke das letzte Wort gehabt. Vielleicht wird $ in dieser Angelegenheit die neue Diplomatie dadurch von der ten unterscheiden, daß sie, statt länger zu reden, handelt.

Das Kriegsministerium war bisher nicht minder beschäftigt, atte es auch in seiner Anordnung für den bekannten 6. August m Schwünge der Einheitsidee, da wo es eine Form galt, etwas 1 viel vertraut, so haben doch die Handlungen der Einzelstaaten ine Thätigkeit auf das kräftigste unterstützt. In Schleswig, in rankfurt am 18. Sept., an der Schweizer Grenze und nunmehr den aufgestellten fünf Lagern fanden sich die verschiedensten ruppen mit einer Raschheit ein, die vor Errichtung einer Cen- alleitung undenkbar war. Im Auslande hat diese Kampfesbe- itschaft ein heilsames Erstaunen hervorgebracht, im Jnlande aber it die Verträglichkeit und die wetteifernde Tapferkeit der ver- hiedencn Truppen in den Kämpfen gegen die Aufrührer am 'berrhein wie in Frankfurt die Ueberzeugung verschafft, daß trotz w verschiedenen Farben die deutsche Armee jetzt schon eine ein- ütliche ist und an Tapferkeit keiner nachsteht. Die von der Nationalversammlung beschlossene Erhöhung der deutschen Heeres­

kraft auf zwei Procente der Bevölkerung ist auf Anord­nung des Reichskriegsministeriums in den Einzelstaaten in Ausführung begriffen; das Ministerium hat Sorge getragen, daß dies auf die für Menschen- wie für Geldkräfte möglichst schonende Weise geschehe. Mit einem Heer von 900,000 Mann ist Deutschland im Stande, jedem Feinde die Spitze zu bieten.

Dem Kriegsminister aber im Verein mit dem Reichsminister des Innern gebührt vor Allem das Verdienst der Rettung der Vertreter Deutschlands vor dem frevelhaften Angriff verbrecheri­scher Banden. Ohne das rasche und energische Handeln am 17. und 18. September wäre Deutschlands Freiheit untergegangen in der blutigen Ueberwältigung der Mehrheit zu Gunsten einer mit Gewalt zur Herrschaft emporgehobenen Minderheit. Aber nicht bloß die Freiheit ward an diesem Tage gerettet, auch die Gesit­tung, deren Feinde in dem Raubzuge Struve's, in dem caniba- lischen Morde zweier Abgeordneten und in der an verschiedenen Orten darüber laut gewordenen entsetzlichen Freude jedem Vater­landsfreunde nun warnend genug vor Augen schweben müssen. Daß solchen Grundsätzen, deren Symbol nach eigner Wahl die Farbe des Blutes ist, nicht die Zukunft gehöre, dafür müssen alle Recht­schaffenen zusammenstehen. — Wollen wir aber die Thätigkeit des Reichsministeriums des Innern verfolgen, so liegt es in der Natur dieser Thätigkeit, daß sie aus allzu vielen Einzelverfügun­gen besteht, als daß sie in diesen Spalten genauer dargestellt werden könnte. Es bleiben daher nur einige Anordnungen allge­meineren Interesses zu berühren übrig. Wir erwähnen hiervon die Negulirung des Verkehrs der Centralgewalt mit den Bevoll­mächtigten der Einzelstaaten, die Abschaffung aller Titel für den amtlichen Verkehr mit der Centralgewalt, die mit Erfolg gekrön­ten Verhandlungen mit Hannover über die unbedingte Anerken­nung der Centralgewalt und die Aufforderung an die Einzelre- giecungcn, die von der Nationalversammlung beschlossene Befrei­ung von Grund und Boden schon jetzt vorzubereiten. Die wich­tigste Aufgabe, die dem Reichsministerium des Innern in Ver­bindung mit dem der Justiz geworden, ist aber unstreitig die Bekämpfung der Anarchie und die Herstellung eines gesetzlichen Zustandes. Die Freiheit der Ueberzeugung, der Person und des Eigenthums muß gesichert sein nicht bloß gegen Unterdrückung von Oben, sondern auch gegen Gewaltthätigkeit von Unten. Die Deutschen würden sich der Freiheit unwürdig erweisen, wenn da­mit die Freiheit des Verbrechens proclamirt wäre, wenn es einer frevelhaften Partei freistehen dürfte, diejenigen zu verfolgen, die nicht ihrer Meinung find. Was von Regierungen nicht mehr er­tragen wurde, wollen wir nun auch nicht von neuen Tyrannen ertragen. Die wahre Freiheit besteht nur, wenn sie für Alle be­steht, und die Freiheit Aller schützt nur das Gesetz. Wer das Gesetz stärkt, stärkt die Freiheit und darum hat es das Reichs- Ministerium des Innern wie der Justiz als seine wichtigste Auf­gabe erkannt, die Regierungen zur Handhabung der Gesetze auf­zufordern, und sie darin durch Absendung von Reichscommissären und Militärkräften zu unterstützen. — Aber nicht bloß zur Er­langung einer gesetzlichen Freiheit hat sich das deutsche Volk im März erhoben; auch nicht bloß die Einheit sollte damit errungen werden. — Deutschland sollte auch ein mächtiger Staat werden, geachtet und wenn nöthig, gefürchtet vom Auslande. Ein solches Verlangen ehrt das deutsche Volk. Wie könnte aber ein Staat stark werden gegen Außen, wenn in seinem Innern beständig Auf­ruhr und Bürgerkrieg geschürt werden dürften? — Das früher mächtige Polen ging an innerem Streite zu Grunde. Wie lange waren Frankreichs Armeen durch den Aufruhr in der Vendöe ge­lähmt ! Die verbrecherische Wühlerei, die kein Mittel der Lüge und Verleumdung scheut, Gesetzlosigkeit als Freiheit predigt, Schandthaten zu Heldenthaten verkehrt und alle edlere Sitte und Religion verleugnet, sie ist es, die nicht allein, weil sie alles Vertrauen untergräbt, Handel und Gewerbe vernichtet und das ganze Land verarmt, sondern sie ist es auch, die Deutschland an dem Aufschwung zu Stärke und Macht nach Außen hindert. Rus­sen und Franzosen mögen sich über unsere inneren Erschütterungen freuen, aber alle guten Deutschen sollten endlich zusammenstehen um sie für alle Zukunft unmöglich zu machen.