Neue Hessische Zeitung.
J\'o 1541. Dienstag, den 31. Oktober. 1848«
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Politische Nachrichten.
Deutschland.
Frankfurt, 25. Oct. Die Centralgewalt festigt sich im- ter mehr und mehr. Während Preußen sein Heer zur Ver- igung stellt, hat Baiern, wie ich höre, auf das Circular des seichsministeriums des Auswärtigen wegen Uebertragung der Vertretung im Ausland an die Gesandten der Centralgewalt, ine volle Uebereinstimmung und Bereitwilligkeit der Ausführung usgesprochrn. Die baierische Regierung zeigt damit in ehren- erthester Weise, wie es ihr Ernst ist bei dem Werke das hier -gründet werden soll. Ein anderer erfreulicher Umstand ist, daß Oesterreich seine bisher rückständigen Matricularbeiträge (gegen 00,000 fl.) nun, trotz aller inneren Zerwürfnisse, abgetragen rben soll.
Wiener Nachrichten. Die Nachrichten aus Wien un 24. melden übereinstimmend, daß Windischgrätz zum Kaiser ich Olmütz gerufen sei.
Der Reichs - Iustizminister Robert Mohl hat ein Schreiben t die Reichsversammlung gerichtet, in welchem er sein Befremden nüber ausdrückt, daß die Mörder Latours nicht nur straflos eiben, sondern sich sogar unter dem Beifall eines Theils der ädemischen Legion ihrer That öffentlich rühmen dürfen. Er eist mit Ernst auf die schweren Folgen hin, welche die Straf- sigkeit von Verbrechen für ganz Deutschland haben müsse.
Wien, 25. Oct. % Uhr Nachmittags. So eben wird der linifter Kraus zu Windisch-Grätz ins Lager berufen. Man knüpft eran die Hoffnung, daß letzterer versöhnlich gestimmt sei. Diese achricht hat angenehme Sensation erregt.
Ein Schreiben aus Wien vom 24. Oct. in der Regensb. tg. sagt: „Unsere Lage wird immer bedenklicher. Der Kampf, r beginnen wird, dürfte fürchterlich werden. Der Belagerungs- Pand nimmt eine ganz ernsthafte Miene an. Heute schon war r Mangel an Lebensmitteln sehr fühlbar; morgen dürfte er untrüglich werden. Das Entfernen aus der Stadt ist nun für vermann eingestellt. Das Nationalgarde -Obercommando spricht n außerordentlichen Vertheidigungsmaßregeln, und behauptet, üen könne sich gegen einen Angriff von 200,000 Mann halten. Siv werden sehen, inwiefern sich dieses bewahrheitet. Ein großer 9"l der Nationalgarde verhält sich jetzt schon neutral. Eine ompagnie derselben mußte entwaffnet werden, weil sie sich zum ienst nie stellte. Die unerträgliche Lage dauert zu lange; jeder ill seine Existenz retten; die Zahl der wahren Freiheitshelden ird immer geringer. Anarchie? Auch sie ist im Anzuge. Das bercommando mußte bereits Befehle gegen Plünderungen wegen ^gekommener Fälle erlassen.
Heute sollen dieBedingnisse erscheinen, die Windischgrätz der Stadt Zien vorschreibt. Man spricht von gänzlicher Entwaffnung, Gei- n «. s. w. Wir würden einen friedlicheren Weg Vorschlägen id wollen den Erfolg verbürgen daß, wenn Windischgrätz Ent- rffnung des Proletariats und Rückstellung aller Waffen in das kughaus, Schließung der Aula, Räumung der Casernen ver- igt, ;einr Aimee zurückzieht, und für Wien nur eine schwache arnnon bestimmt, die Stadt nach der heutigen Stimmuna ohne iut sein ist." J 7
Einer Deputation (unter welcher Pillersdorf) hat Windischätz eine Proclamation mitgegeben, welche mit den Worten be- ant: Es ist mir der Antrag gestellt worden, eine friedliche Vergnüg mit der Stadt einzugehen und mit meinen Truppen in ten einzurücken, um die von mir vorgeschriebenen Bedingungen selbst Ausführung zu bringen, und dann die Gründe auseinandersetzt, wes- lb er seine Truppen nicht ohne Garantie in die Stadt senden könne.
Linz, 21. Oct. Die Augsburger Allgemeine Zeitung berichtet
über den Empfang der nach Oesterreich gesandten Reichs - Commission in Linz am 20. Abends. Die durch böswillige Aufreizung und die Gerüchte von großen Truppensendungen aus Deutschland gegen Wien früher sehr aufgeregte Stimmung der dasigen Einwohner war durch die Proclaniation der Reichscom- missaire vollkommen beschwichtigt. Diese Proclamation, durch Eilboten ihnen vorangeschickt, war nicht bloß überall angeschlagen, sondern auch in mehrern Tausenden von Eremplaren abgedruckt und weiter verbreitet worden. Die Folge hievon war ein sehr freundlicher Empfang der beiden Herren von Seite der Linzer Nationalgarde. Dieselbe hatte schon seit 4 Uhr bis 9 Uhr Abends auf die Ankommenden gewartet, begrüßte sie mit einem Fackel- ständchen und gab ihnen eine Ehrenwache. Die Offiziere begleiteten die Commissaire auf ihren Wegen und holten sie heute früh in ihrem Gasthofe zum Dampfschiffe ab. Am Landungsplatz präsentirte eine Compagnie Nationalgarde das Gewehr, wie auch vom Linienmilitair an der Stadthauptwache geschehen war; das Musikcorps begrüßte die Abreisenden abermals, während die Bürger und die sehr zahlreich versammelten Zuschauer in wiederholte Lebehoch ausbrachen, welche von den Scheidenden mit Schwenken ihrer Hüte erwiedert wurden. Die Freude der Oesterreicher war groß, eine Aussicht auf friedliche Lösung der Verwickelungen in Wien zu bekommen. Die beiden Reichseommissaire, die im Begriff waren, sich nach Wien zu begeben, hatten sich bei dem Eintreffen der neuesten kaiserlichen Proclamationen entschlossen, zuvörderst in das Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Windischgrätz, und von da in das Hoflager des Kaisers zu eilen, um wo möglich blutige Ereignisse zu verhindern oder zu mildern.
Berlin, 26. Oct. Robert Blum, schreibt die „Voss. Ztg.", der sich unter den nach Wien geeilten Abgeordneten zur Nationalversammlung befand, ist hier eingetroffen. Man sah ibn gestern mit mehreren bekannten Personen der demokratischen Partei unter den Linden spazieren gehn.
Die Polen - Commission schreitet mit der Untersuchung der Verhältnisse der Provinz Posen rüstig fort, und es unterliegt schon jetzt kaum einem Zweifel mehr, daß ihr schließlicher Antrag dahin gerichtet sein werde, die ganze Provinz Posen in den deutschen Bund aufzunehmen; von der Schädlichkeit unb Gefährlichkeit einer Theilung der Provinz selbst ist dieselbe wenigstens auf das Tiefste durchdrungen. Auch die Polen werden sich wohl in diesen Vorschlag bereitwillig fügen, da er von den beiden ihnen drohenden Uebeln doch jedenfalls das kleinere enthält, und werden vielleicht höchstens bei dieser Gelegenheit die Zahl ihrer seit der ersten Theilung Polens so oft wiederholten Proteste um einen vermehren.
Breslau. Der in Breslau am 23. d. abgehaltene schlesische Demokraten-Congreß hat in Betreff der vom Ministerium angeordneten amtlichen Berichterstattung über die politischen Vereine beschloßen, dem Wunsch der Regierung in soweit entgegenzukommen, als dieselbe unzweifelhaft berechtigt fei, sich über die Gesinnungen der Majorität des Volks zu belehren. Auch ward anerkannt, daß die Regierung nothwendig Kenntniß von den Vereinen nehmen müsse, weil sich ja möglicher Weise auch verbrecherische Gesellschaften bilden könnten. — Die Breslauer Mitglieder sprachen entfliehen gegen eine provocirende Anfrage einiger Abgeordneten aus der Provinz, welche wissen wollten, wie die Demokraten der Hauptstadt sich verhalten würden, wenn irgend ein Landescheil durch Maßregeln der Regierung zur Empörung gedrängt würde. Besonders kräftig wies Dr. Asch nach, wie gefährlich eine Revolution gerade für die Freiheit werden könne.
Mainz. (Katholicismus). Bekanntlich fand am 3. d. M. zu Mainz ein öffentliches Auftreten der kirchlich katholischen Partei in Deutschland, welche jetzt, vermittelst der Piuö-