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Standrechte für ungesetzlich, folglich für ungültig erklärt. Wir müssen erwarten, ob der Ausspruch der aus unserer freien Wahl hervorgegangcncn Vertreter und Gesetzgeber von dem Minister Herrn Wessenberg zu Olmütz und von dem Herrn Fürsten Win- vischgrätz respectirt werden wird. Mitbürger! noch ist der Kampf nicht unvermeidlich; noch ist eine friedliche Lösung der Dinge möglich; aber das Wohl unserer schönen Stadt, die Zukunft seiner Bewohner vom absterbenden Greise bis zum bewußtlosen Kinde, unsere Ehre, unsere Freiheiten erfordern doppelte Wachsamkeit, verdoppelten Eifer! Jetzt erst trete ich in den Mittelpunkt meines Auftrages: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungö- ;ustand zu setzen. Mitbürger! Es werden die größten und um­fassendsten Maßregeln genommen werden. Jedes Zaudern, jede Halbheit fällt hinweg. Sie wäre unser offenbares Verderben. Was nur meine aufrichtige Friedensliebe Versöhnliches an die Hand gab, ist von allen unseren Körperschaften versucht worden. Blickt jetzt auf das Beispiel der heldenmüthigen Bewohner von Budapest! Männer, Frauen, Kinder aller Alter und Geschlechter haben gezeigt, wie man zwischen Morgen und Abend Wälle baut. Hauptquartier: Schwarzenberg Palais, 22. Oct. 1848. Messen- lauser. Leider sah sich der Obercommandant an demselben Tage zenöthigt, nach der geschehenen Plünderung eines Staatsgebäudes ms Standrecht zu verkündigen.

Inzwischen hat der Kaiser aus Olmütz unter dem 22. durch üe nachstehende Proklamation den Reichstag nach Krem­ier, einem mähri sche n St âd tchen verlegt und dessen Sitzung bis zum 1 5. November vertagt:Wir Ferdi­nand der Erste, konstitutioneller Kaiser von Oesterreich, König >on Ungarn rc. Die unserm Herzen so schmerzlichen Ereignisse n der Hauptstadt der Monarchie, und die Fortdauer des anarchi- chen Zustandes daselbst, haben uns zur Wahrung des Thrones md des Glückes unserer Völker in die traurige Nothwendigkeit ersetzt, die offene Empörung durch die Gewalt der Waffen zu nterdrücken, wie wir dieses in unseren Manifesten vom 16. und 9. Okt. l. I. unsern Völkern verkündiget haben. Bei dem ge- törten Zustande der gesetzlichen Ordnung in der Hauptstadt, und ei dem bevorstehenden Eintritte militärischer Maßregeln ist es ir den Reichstag unmöglich geworden, daselbst seine Berathungen srtzusetzen. Wir finden uns daher bewogen anzuordnen, daß der ikichötag seine Sitzungen in Wien alsobald unterbreche, und wir erufen denselben auf den 15. Nov. L I. nach der Stadl Krem­er, wo er in der Lage sein wird, sich ungestört und ununter- rochen seiner großen Ausgabe, die Ausarbeitung einer den Jnte- 'ssen unserer Staaten entsprechenden Verfassung, ausschließlich üdmcn zu können. Es werden demnach alle zum constitui- 'nden Reichstage erwählten Volksvertreter aufgefordert, sich bis lm 15. Nov. in der Stadt Kremsier zuverlässig einzufinden, um 'selbst die unterbrochenen Berathungen in Beziehung auf die Ver- issnng fortzusetzen, und solche mit Beseitigung aller Nebenrück- chten in Bälde einem gedeihlichem Ende zuzusühren. Wir -rsehen uns, daß alle zum constituirenden Reichstage gewählten lertreter des Volkes, ihrer Pflichten gegen das Vaterland einge- 'nk, sich angelegen sein lassen werden, pünktlich zur oben be- immtrn Zeit an bem bezeichneten zeitweiligen Sitze des Reichs­tes zu erscheinen, um sich daselbst ungesäumt mit der baldigen Hsung der ihm gewordenen großen Aufgabe ernstlich zu beschäf- zen. Olmütz, den 22. Okt. 1848. Ferdinand. Wessenberg.

Am 23. sodann hat der Gemeinderath von Wien die sol- ndc Proclamation erlassen: Mitbürger! Nachdem Se. k. k. oheit Herr Erzherzog Johann durch die Reichscommissaire lelcker und Mosle, Namens der deutschen Centralgewalt, so wie r hohe österreichische Landtag, die friedliche Lösung der Wiener rgelegenheiten eingeleitet haben, so müssen wir Euch dringend s Herz legen, jeden feindlichen Zusammenstoß mit dem k. k. ilitär zu vermeiden, damit nicht durch voreiliges Einschreiten s große Friedenswerk, welches über das Wohl und Weh unser ler entscheidet, in Vorhinein unmöglich gemacht werde. Dom meinderathe der Stadt Wien am 23. Oct. 1848.

Neben diesem tröstlichen Erlaß nimmt sich hingegen die er- sene, nachfolgende Proklamation des Fürsten Windischgrätz sam auS:

In Befolg des Mn mir in meiner ersten Proklamation vom

20. d. M. verkündigten Belagerungszustandes und Standrechtes für die Stadt Wien, die Vorstädte und nächste Umgebung.

1) die Stadt Wien, deren Vorstädte und nächste Umgebung haben 48 Stunden nach Erhalt dieser Proklamation ihre Unter­werfung auszusprechen, legions- und compagnieweise die Waffen an einen zu bestimmenden Ort an eine Commission abzuliefern, so wie alle nicht in die Nationalgarde eingereihten Individuen zu entwaffnen, mit Bezeichnung der Waffen, welche Privateigcn- thum sind; 2) alle bewaffneten Corps und die Studentenlegion werden aufgelöst, die Aula geschlossen, die Vorsteher der akade­mischen Legion und 12 Studenten werden als Geißeln gestellt; 3) mehrere von mir noch zu bestimmende Individuen sind aus- zuliefern; 4) auf die Dauer des Belagerungszustandes sind alle Zeitschriften zu suspendiren, mit Ausnahme derWiener Zeitung", welche sich bloß auf officielle Mittheilungen zu beschränken hat; 5) alle Ausländer in der Residenz sind mit legalen Nachweisungen ihres Aufenthaltes namhaft zu machen, die paßlosen zur alsoglei- cher Ausweisung anzuzeigen; 6) alle Klubbs bleiben während des Belagerungszustandes geschlossen und aufgehoben; 7) ein Jeder, der sich a. obigen Maßregeln entweder durch eigene That oder durch aufwieglerische Versuche widersetzt; wer b. des Aufruhrs oder Theilnahme an demselben überwiesen wird, c. mit Waffen ergriffen wird, verfällt der standrechtlichen Behandlung. Die Er­füllung dieser Bedingungen hat 48 Stunden nach Veröffentlichung dieser Proclamation einzutreten, widrigenfalls ich mich gezwungen sehn werde, die allercnergischsten Maßregeln zn ergreifen, um die Stadt zu unterwerfen. Hauptquartier Hetzendorf, den 23. Oet. 1848. Alfred, Fürst zu Windischgrätz, Feldmarschall.

Die Weserzeitung sagt, die akademische Legion sei durch De­sertion auf 800 gelichtet und ein Theil habe erklärt, die Waffen strecken zu wollen. Von Soldaten seien im Ganzen drei deser- tirt. Die an Windischgrätz gesandten Deputationen hätten ihn insgeheim beschworen, die Stadt von den bewaffneten Proletariern zu erretten.

Der Weser-Zeitung aus Frankfurt wird den 25. Folgendes mitgelheilt: Von den Commissarien der Centralgewalt, die nach Wien und Olmütz gesandt wurden, dem Hofrath Welcker und Oberst Mosle, sind schon befriedigende Nachrichten hier eingelau­fen, welche die Hoffnung verkünden, daß die dortigen Wirren sich am Ende doch noch auf friedlichem Wege lösen werden. Die Centralgewalt wird wahrscheinlich eine vermittelnde Rolle zwischen allen dort sich so schroff gegenüberstehenven Parteien übernehmen, womit auch Ungarn gern -einverstanden sein wird. Ueberhaupt empfängt die Centraigewalt jetzt fast täglich aus allen Gegenden Deulschland's, ja selbst Europa's, neue Beweise, wie sehr sich immer mehr und mehr ihr Ansehen und ihre Macht zu befesti­gen anfängt.

Neuestes: Einer aus Wien in Olmütz eingetroffenen tele­graphischen Nachricht vom 24. d. M. zufolge haben die kaiser­lichen Truppen nach einer kurzen Kanonade die Taborbrücke ge­nommen und sind in die Leopoldstadt vorgerückt. Man erwartet ehestens weitere Nachricht.

Wien, 24. Oct., Mittags 12 Uhr. In Folge des Aufrufs des Kommandanten Messenhauser bauen Weiber und Kinder in den Vorstädten in diesem Augenblick Barrikaden. Ein Angriff ist noch nicht erfolgt, man hört nur dann und wann Kanonen­schüsse fallen. Das Studenten-Comitè soll beschlossen haben, in dem Augenblicke, in welchem die Truppen wirklich angreifen, aus der kaiserlichen Burg den Thronseffel zu holen und denselben auf öffentlichen Platze zu verbrennen. Die preußische Post fehlt seit dem 18. dieses Monats. (BreSl. Ztg.)

Wien, 25. Oct. (Zeit.-Halle.) Das Bombardement, welches gestern schon begonnen hatte, dauerte heute von allen Seiten her, mit geringen Unterbrechungen von 510 Minuten, den ganzen Tag fort und wurde von den Wienern lebhaft, aber ohne großen Erfolg erwidert, da diese einen ausgezeichneten Ober-Feuerwerker, aber schlechte Kanoniere haben. Zum Glück haben sie so unge­heure Munitionsvorräthe, daß sie mit ihren Schüssen nicht zu sparen brauchen. DaS Feuer der Kaiserlichen scheint dagegen großen Schaden angerichtet zu haben. Dieselben eröffneten das Feuer zuerst vom Prater aus; zogen sich sodann nach der Grünan und setzten von dort aus das Feuer fort. Der Reichstag hat die