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Neue Hessische Zeitung.

J\oe 158* Sonntag, den 29. Oktober. 1848«

Die Nene Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird Vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 13 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten. Deutschland.

-7- Frankfurt, 27. Oct. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ist, nachdem von Gagern und Sommaruga hre Anträge bis zur zweiten Abstimmung zurückgezogen hatten, 3er Ausschußantrag mit 318 gegen 104 Stimmen angenommen worden. Ein aufschiebender Antrag v. Kellers wurde verworfen, 'benso das Minoritäts-Erachten zu §. 2 und der Zusatz - Antrag >on Kaiser. Auch §. 3 des Entwurfs ward mit 316 gegen 90 Stimmen angenommen.Hat ein deutsches Land mit einem nicht-deutschen Lande dasselbe Staatsoberhaupt, so ist das Ver­hältniß zwischen beiden Ländern nach den Grundsätzen der reinen Personalunion zu ordnen."

Wiener Revolution. Die Berliner Reform gibt unterm 56. Oct. ein Extrablatt aus mit der Ueberschrift:Wien steht n Flammen." Alle Reisende, die von Wien kommen, sollen mriit übereinstimmen, daß Wien den 25. von 7 Uhr Morgens ns Abends 8 Uhr bombardirt worden sei und 3 Vorstädte bereits n Flammen stehen. Selbst die Berliner Zeitungshalle, welche edoch Aehnliches gehört haben will, findet das zu stark und un- flaubhaft. Wir möchten wissen, auf welchemWege diese angeblich ms Wien kommenden Reisenden nach Berlin gelangt sind urch Breslau sind keine Reisenden gekommen.

Wien. Da die Stadt vollständig abgesperrt ist und selbst in galizischer Reichstagsdeputirte, der hinein wollte, zurückgewic- -n wurde, ebenso wenig auch Reisende und Packete herausge- rssen werden, so ist an einigermaßen zuverlässige Nachrichten nicht u denken. Die letzten Nachrichten aus dem Reichstag sind vom 12. Ueber ihren Verlauf wird Folgendes gemeldet: Die sieichècommissaire Welcker und Mosle notificiren von Krems, sie, nachdem sie sich auf der Reise über die Zustände Wiens mterrichtet, sofort an das Hoflager des Kaisers abgereist seien, st der Hoffnung, bald wieder als Friedensboten zurückzu- ehren. Um jeden Preis möge so lange ein bewaffneter Zusam- renstoß vermieden werden! Umlauft beklagt sich, daß sich die iommissaire nicht hier informirt haben, sondern mit einseitig ein- eholten Anschauungen sofort nach Olmütz abgereist seien. Er eantragt: dagegen Verwahrung einzulegen und die Commissaire rr urch das Präsidium aufzufordern, sich hierher zu begeben und ich hier über die Lage der Stadt durch persönlichen Augenschein, ücht aus den Angaben und Berichten der Geflüchteten zu unter- ichten. Wir bemerken, daß nach einem glaubhaften Berichte die sommissaire ihren bestimmten Entschluß, ein Zusammentreffen mt Mitgliedern der Linken hier zu vermeiden, erklärt haben sol- m. Dies muthmaßlich der geheime Anstoß des grollenden An­cages Umlauft's. Gschnitzer wünscht, da die Commissaire bereits n Olmütz sein werden, daß der eine dort bleiben , der andere ierher kommen solle. Schufelka erkennt die Gründe des An- rages als stichhaltig an, glaubt jedoch, es sei der Würde des Reichstages nicht angemessen, in dieser Beziehung eine warnende Stimme zu erheben. Er müsse offen den Tadel aussprechen, daß es ie Commissaire nicht der Mühe werth gehalten, hierher zu kommen, nd daß sie ih>e hohe Aufgabe ohne eigene Wahrnehmung zu erfüllen edächten. Er beantragt die Tagesordnung, welche die Kammer ist einstimmig annimmt. (193 Mitglieder sind anwesend.) -chuselka: Im Ausschuß ist wenig vorgegangen. Aus Linz nd 150 Bewaffnete mit Gefahren und Beschwerden hierher ge­lt. In Krems mußten sie das Dampfschiff verlassen, dort war er Befehl ertheilt, auf das Schiff zu schießen. Minister 'ornbostl hat geschrieben, daß er sich in stiller Zurückgezogen- eit in Oberösterreich befinde. Die Comiè für Unterstützung mit- lloser Gewerbtreibenden ist unausgesetzt in voller Thätigkeit. Die

Kammer und der Ausschuß empfangen häufig anonyme Zuschrif­ten und Drohbriefe, großentheils auf die ungarische Frage bezüg­lich, mit dem Begehr, sie in der Sitzung bekannt zu geben. Be­sonders werde die Politik der Kammer beklagt, die Ungarn nicht um Hülfe gerufen zu haben. Der Ausschuß erklärt, daß er diese anonymen Briefe nicht berücksichtigen werde.

Eine Deputation des Gemeinderaths hat dem Ausschusse den (schon gestern mitgetheilten) Ausfall der an den Kaiser ent­sendeten Friedenscommission berichtet. Der Ausschuß ist dadurch schmerzlich betroffen. Er hat gerade auf die Deputation des Ge- meiuderathes, weil bestehend aus den angesehensten, besonnensten, loyalsten Bürgern der Stadt, großes Gewicht gelegt, geglaubt, daß ihnen der Kaiser sein Ohr leihen und mit ihnen das Frie- denswcrk vollenden werde. Und diese Deputation ist in das Kriegslager vor den Thoren verwiesen! Eine officielle Ernennung des Fürsten Windischgrätz ist bis zu diesem Augenblick nicht be­kannt. Der Ausschuß hat sich mit überwiegender Majorität da­hin entschieden, daß es der Würde der Kammer nicht entspreche, mit dem Fürsten in Verbindung zu treten.

Die obenerwähnte Antwort, welche der Ministerpräsident Wessenberg auf die Adresse des Wiener Gemeinderathes in Olmütz ertheilte, lautet vollständig also:Die Adresse des Gemeinderathes der Stadt Wien ist Sr. Maj. vorgelegt worden. Da sie aber Bitten enthält, worauf Se. Maj. nicht entgegen kann, so habe ich den Auftrag, der Deputation zu bedeuten, daß alle derlei An­träge Hinfort an den Fürsten Windischgrätz zu stellen sind, welcher hierzu die nöthigen Vollmachten erhalten hat. Uebrigens glaubt Se. Maj. durch die Kundmachung vom 19. den billigen Wün­schen der Wiener zu entsprechen." Es heißt, die nach Wien ge­reiften Mitglieder der Frankfurter Linken seien wieder abgereist.

Berlin. In Betreff der Beseitigung einer neuen Ministerkrisis heißt es: Herr V. Pfuel sei nur durch die ihm gewordene bestimmte Zusicherung zum Bleiben bestimmt worden, daß man die nächste schickliche Gelegenheit, welche der Ministerpräsident selbst nachzu- weisen habe, benutzen wolle, um einen General aus einer Stel­lung zu entfernen, welche nicht bloß die Bevölkerung der Haupt­stadt zu stets neuen Besorgnissen fortwährend aufreitzt und die Wiederkehr des Vertrauens zur Regierung unmöglich macht, son­dern auch die verantwortlichen Vertreter der Krone in ihren Maß­nahmen zur Verwirklichung und Versöhnung der Gegensätze hemmt. Es wird uns bestimmt versichert, daß dies der ungefähre von Herrn v. Pfuel selbst vorgeschriebene Wortlaut einer ihm ertheilten Zusicherung sei.

In der Sitzung der constituirenden Versammlung vom 25. Oct, ward auf den Antrag von Arends fast einstimmig beschlossen:daß drei Tage vorläufig ausschließlich der Berathung des Vcrfassungsentwurfs, die drei andern ausschließlich der Be­rathung der übrigen Vorlagen und Commissionsberichte in der am 2. Oct. festgesetzten oder noch festzustellenden Reihenfolge gewid­met werden. Außerdem aber zwei ober nach Bedürfniß mehrere Abendsitzungen zur Berathung dringender Anträge oder Inter­pellationen festzusetzen." Es folgte diehöchst dringende Inter­pellation" von Schöne, Schulze-Delitzsch, das Ministerium wolle darüber Aufschluß geben: 1) ob es von der hohen Versammlung in der 74. Sitzung am 13. b. M. beschlossene Jagdgesetz der Krone zur Bestätigung vorgelegt habe? 2) Sofern dies geschehen ist, ob und wann die Bestätigung erfolgen werde? Der Minister des Innern erklärt, nachdem die Unterstützung und Zulassung der Interpellation erfolgt ist, daß das Ministerium noch nicht im Stande sei, auf die Interpellation jetzt schon zu antworten. Er werde heute über 8 Tage antworten. (Oh!)

Es wurden dann zwei von der Prioritäts-Commission zuge­lassenen Anträge rücksichtlich der noch immer nicht, "^Mstteß Ko-

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