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Frankfurt. Der amtliche Teil der O.-P.--A.-Ztg. ent« hält ein Rundschreiben der Reichs-Ministerien des Krieges und des Innern, wonach die Verpflegung der im unmittelbaren Reichs- dienste befindlichen Reichstruppen vom ganzen Reiche bestritten werden soll. Die Verpflegung und der Transport derselben habe demnach bis zur Erlassung eines allgemeinen Reglements nach den Gesetzen und Gebräuchen des betreffenden Landes zu geschehen, ebenso werde die dafür zu leistende Vergütung nach den dort gül­tigen Tarifen geleistet werden. Hiernach werden die Regierungen der Einzelstaaten ersucht, sowohl für die tarifmäßige Naturalver- pflegung gegen Empfangsbescheinigung, als für die nachträgliche, möglichst zu beschleunigende Vergütung dieser Verpflegung zu sorgen.

Wiener Revolution. (Allg.Z.) Die vom Commandanten Mesffenhauser neulich angeschlagene Proclamation der Ungarn scheint leider nichts weiter gewesen zu sein, als ein Ermuthigungsmittel. Messenhauser fügte selbst hinzu: die Unterschriften scheinen ächt. Die Proclamation trug das vage Datum aus dem ungarischen Feldlager, 19. October. Daß in Wien die Stimmung wesentlich sich modificire, davon finden wir nicht bloß in dem veränderten Ton der uns zukommenden Briefe einen Beweis, sondern auch in oen Verhandlungen des Wiener Gemeinderaths. (Man bemerke Die in der neuesten Adresse des Gemeinderaths an den Kaiser be­deutend herabgestimmten Forderungen.) In diesem erklärte schon am 17. Ur. Stift, einer der Sprecher der Revolution: „Die sVor- fälle des 6. Oct. gingen aus einem Mißverständniß hervor. Die Truppen die nach Ungarn geschickt werden sollten, waren nur zu einem Observationscorps, zu nichts anderem bestimmt; es hätte Den HH. Ministern nur belieben sollen offen zu sagen wozu jene Truppen bestimmt waren, und der Vorfall wäre vermieden wor­den. Wenn die Ungarn ihre Schlacht hier schlagen, so konnte 's dann bald kommen, daß die Polen, die Italiener, dasselbe :hun!" Wir unsrerseits, bemerkt die Allgem. Ztg. mit fltecht, wünschten nichts, als daß der Wiener Reichstag, die Wiener stresse sich unumwunden über das Verhältniß zu Deutschland lussprächen, da jetzt ja beide durch keinerlei Rücksicht mehr ge­funden sind. Wir harrten bis jetzt vergebens auf ein offenes Dort in dieser Lebensfrage; man blieb dort stumm, obgleich man n Frankfurt in diesem Augenblick das entscheidende Votum ge- 'kn will.

Die Ostdeutsche Post (20 Oct.) sagt: „Wir rufen die Auf- nerksamkeit unserer Leser auf die Verhandlungen des ungarischen Reichstags vom 14. d. M., die wir unten mittheilen. Während nan Wien von Stunde zu Stunde mit Gerüchten und positiven !lnzeigen von dem Angriffe des ungarischen Heeres fütterte, hat ikossiith bereits am 14. im Pesther Reichstag erklärt, die Armee ferde nicht angreifen. Wie man sieht ist nicht Meuterei, nicht jufälligkeit, keine russische Note die Veranlassung — die einzige lrsache ist: Herr Koffnth hat keine „diplomatische" Anzeige er- alten; wir kannten dieses diplomatische Zartgefühl bisher an Herrn Kossuth nicht, und es ist wunderbar, daß so zarte Beden- en gerade in dem Augenblick bei ihm erwachen! Wir wollen Herrn Koffnth es gerade in's Gesicht sagen, seine „diplomatische" soketterie ist eine unverschämte Lüge! Die ungarssche Armee, je, wie sich's jetzt osficiell herausstellt, nur aus 30,000 Mann Regulären und Irregulären besteht, konnte es nicht wagen, den lngriff auf das vereinte Armmeccorps Jellachich's und Auers- ergs zu unternehmen. Aber es galt Zeit zu gewinnen und Jel- rchich solange als möglich außer Landes zu halten. Darum ^ppte man die Wiener, spiegelte ihnen ein ewiges: „sie kommen" or, hielt sie in steter Bewegung, damit sie den Blitzableiter ma­len. Nun Wien so tief darin steckt, läßt man es stecken und wicht von Mangel an diplomatischer Mittheilung, schiebt alles uf den Reichstag, und wischt sich den Mund ab. Wir aber lgen euch, von dem Augenblick an, wo ihr das Verlangen ge- ellt habt, der österreichische Reichstag soll euch rufen, haben wir «er lügenhaftes Spiel durchschaut, ihr habt wohl gewußt, der Reichstag konnte euch nicht rufen, ihr habt wohl gewußt, daß w nicht kommen werdet, nicht kommen könnt, und habt euch eine interthüre geöffnet! Die Geschichte wird euch richten — sagte ich gestern die Allgem. österr. Ztg. — wir sagen euch aber, ir werden nicht erst die Geschichtschreiber abwarten — ihr seid hon gerichtet, euer schändlicher Egoismus richtet euch selber hin."

Botzen, 21. Oct. (Allg. Ztg.) Der Feldmarschall Graf Radetzky hat aus dem Hauptquartier Mailand den 16. Oct. an die Soldaten der Garnison von Wien folgende Worte gerichtet: „Ich bin nicht Euer commandirender General, Ihr seid nicht gewohnt auf meine Stimme zu hören und ihr im Kampfe zu folgen; aber als Feldmarschall und ältester Soldat der Armee steht mir das Recht zu, ein ernstes Wort an Euch zu richten. Unerhörte Dinge haben unter Euern Augen stattgefunden, Oesterreichs makel­lose Fahne ist durch Verrath und Blut befleckt. Zum zweiten- male hat Euer Kaiser aus seiner Hauptstadt fliehen müssen; der Kriegsminister, Feldzeugmeister Graf Latour, ward grausam er­mordet, sein Leichnam entehrt. Ein tapferer General fiel, wie man sagt, durch die Hand eines Grenadiers! Ein Grenadier­bataillon vergißt in Orgien und schändlicher Trunkenheit seine Pflicht, verweigert den Gehorsam und feuert, o ewige Schmach! auf seine eigenen Waffenbrüder. Soldaten der Wiener Garnison, sagt mir, im Namen der Armee von Italien, Eurer Waffenbrüder, frage ich Euch — habt Ihr Eure Pflicht gethan ? Wo war die Wache, die den Feldzeugmeister Latour vertheidigen sollte, die eher zu seinen Füßen sterben mußte, als ihn der Wuth eines blutdürstigen Pöbels preiszugeben? Wo weilen die Verräther, die unsere Fahne mit Schmach bedeckten? Hat sie die gerechte Strafe schon ereilt ? Oder schleppen sie ihr verächtliches Dasein noch in den Reihen der Empörung fort? Soldaten! Schmerz ergriff mich, Thränen erfüllten mein altes Auge, als ich die Kunde dieser in den Annalen der österreichischen Armee unerhörten Schandthaten erfuhr. Ein Trost blieb mir noch, daß es nur ein kleiner Haufe war, der seine Ehre so schändlich vergaß, feine Pflicht so schmach­voll verletzte. An Euch, Ihr treugebliebenen wackern Männer, ist es nun, den Thron Eures Kaisers und die freisinnigen Insti­tutionen zu schützen, die seine väterliche Güte seinen Völkern ver­lieh, und die eine Horde von Empörern so schändlich mißbraucht. Soldaten! öffnet die Augen vor dem Abgrunde, der sich vor Euren Füßen aufthut; alles steht auf dem Spiele, die Grund­festen der bürgerlichen Ordnung sind erschüttert, das Besitzthum, Moral und Relegion mit Untergang bedroht, alles was dem Men­schen heilig und theuer ist, was die Reiche gründet und erhält, will man vernichten — das, und nicht die Freiheit ist der Zweck jener Aufwiegler, die Euch mit in Schande und Verderben reißen wol­len. Soldaten! In Eurer Hand liegt jetzt der Schutz des Thro­nes und mit ihm die Erhaltung des Reiches. Möge Gottes Gnade mir gestalten, den Tag zu erleben, wo man sagen wird: „Die Armee hat Oesterreich gerettet," dann, erst dann wird der 6. und 7. Oct. dieses unheilschwangern Jahres gesühnt sein und in Vergessenheit sinken, dann reicht Euch die Armee von Italien, die jetzt die Gränzmarken der Monarchie gegen äußere Feinde schützt, die Bruderhand, (gez.) Radetzky, Feldmarschall. — Ein zweiter Armeebefehl, Hauptquartier Mailand den 18. Oct. 1848, lautet wie folgt: Soldaten! Ich habe Euch den Aufruf bekannt gemacht, den ich an die Garnison von Wien erließ. Ihr werdet daraus ersehen haben, daß das Grenadierbataillon Richter im Rausche seiner Pflicht vergaß, den Gehorsam verweigerte und auf seine Kammeraden feuerte. Es ist mir die Nachricht zugekommen, daß dieses Bataillon reumütig zu seiner Pflicht zurückgekehrt und, damit es seine Reue durch die That beweisen könne, den Kom- mandirenden gebeten habe, es an die Spitze der ersten Sturm­colonne zu stellen. Soldaten! Ich habe Euch mit der Schmach dieses Bataillons bekannt gemacht, ich muß Euch auch seine Reue mittheilen. Ich bin dieses insbesondere der Ehre der tapferen Reginienter schuldig aus denen dieses Bataillon zusammenge­setzt war. Zwar kann diese späte Reue die Makel nicht auslöschen, die dieses Bataillon seiner Fahne, die auch die Eure ist, aufgedrückt hat, aber doch thut es einem alten Soldatenherzen wohl, zu hören, daß die Pflicht über den Verrath die Oberhand gewonnen. Bald hoffe ich Euch sagen zu können, daß Eure unglücklichen und verführten Kameraden ihren Fehler mit Blut und Leben ausgelöscht haben, (gez.) Graf Radetzky m. p., FeldmarschaU." Das Grenadierbataillon Richter bestand aus Soldaten der Regimenter Hrabowsky, Heß und G. H. Baden.

Wien, 22. Oct. Die Deputation des Gemeinderaths ist beim Kaiser gar nicht vorgelassen worden und das ganze Ergebniß der Sendung beschränkt sich darauf, daß Wessenberg den Depu-