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Aber um dieses vollbringen zu können, muß Wien gerettet, muß es in seiner Kraftfüllt und Freiheit erhalten werden.

Völker Oesterreichs! vertraut denen, die ihr zur Wahrung euerer und euerer Kinder Rechte erwählt habt, vertraut denen, die euren Boden von Robot, Zehent und allen übrigen drückenden Lasten befreiten, und die so eben im Begriffe sind, jene Gesetze zu schaffen, durch welche eure volle Freiheit auf fester Grundlage gesichert wird.

Kräftigt uns daher mit eurer ganzen moralischen Kraft für das bedrängte Wien, unterstützt unser offenes Wort durch die Allgewalt eurer Stimme, helfet uns den Kaiser beschwören, daß er durch Einsetzung eines neuen volksthümlichen Ministeriums, durch Zurückziehung der Truppen aus Niederösterreich, durch Be­eidigung des Militairs auf die freien Volksrechte, der Stadt Wien und dem Reiche den Frieden gebe, damit im Segen des Friedens das neue Heil des Vaterlandes gedeihe.

Dom constituirenden Reichstage.

Wien, 20. Oct. 1848.

Auf Ambroschs Antrag sollte die Proclamation in alle Sprachen der österreichischen Völkerschaften übersetzt werden; für Mähren übernahm Sidon, für Galizien Kainski, für die Süd- slaven Ambrosch, für die Rüthener Minkowsky, für die Italiener Westen die Uebertragung der Proclamation, die auf Borroschs Antrag auch dem Kaiser durch Courier zugesandt ward.

Der Gemeinderath hat am 19. eine Adresse an den Kaiser befördert, worin die Entfernung des Banus aus der Nähe Wiens, die Vertheilung der Truppen in der früheren Weise, allgemeine Amnestie und Bildung eines volksthümlichen Ministeriums erbeten.

Am 20. ging sodann eine Deputation mit folgender Adresse des Gemeinderaths an den Reichsverweser ab: Ew. kaiserl. Hoheit! Ew. kaiserl. Hoheit haben an dem Tage Ihres Abschiedes von Wien die Bürger Wiens aufgefordert, wenn irgend ein Anliegen sie bedrücke, sich vertrauensvoll an Ew. kaiserl. Hoheit zu wenden. Dieses Wort ist tief in das Herz der Bürger Wiens gegraben, ind nur zu früh ergab sich der Anlaß, der seine Erfüllung ins Zeben rief. Der Gemeinderath der Stadt Wien hat in der Ew. 'aiserl. Hoheit nicht unbekannten traurigen Lage der Commune ine Deputation an Se. Majestät den Kaiser abgesandt, welche demselben eine Adresse zu überreichen hat, in welcher der Zustand ier Stadt Wien geschildert und an Se. Maj. jene Bitten gestellt verben, welche die Wiederherstellung der bürgerlichen Ordnnng inbahnen, der Monarchie und der Stadt Wien einen dauernden Frieden sichern, sie seiner Zeit neuer Blüthe entgegenführen ollen. Der Gemeinderath erlaubt sich, die besagte Adresse zur näheren Einsicht beizuschließen. Ew. kaiserl. Hoheit haben durch In fleckenloses und rühmliches Leben das Vertrauen des Bür- erë und die Achtung Ihrer Standesgenossen zugleich erwor- en. Ihre echt deutsche, freiheitliebende Gesinnung ist längst rprobt. Bereits einmal hat Wien den segensreichen Einfluß ihrer Vermittelung in Anspruch genommen, und es find ihm ene Tage unvergeßlich, da Ew. kaiserliche Hoheit die Pforten er Freiheit durch Eröffnung des coustituirenden Reichstages rschlosscn. Es waren Tage der Ruhe für Wien, Tage, seit reichen ein unauflösliches Band die Person Ew. kaiserlichen Hoheit und die Bürger Wiens ein Band der Liebe, die letz- eren hoffen es, beide umschlingt. Jene schönen Hoffnungen, welche damals erblühten, haben sich seitdem verdüstert. Ew. aiserl. Hoheit sind Bürgerfreund. Es ist die bürgerliche Ord- ung in Wien gestört, es ist theilweise das Recht der Bürger erletzt worden, sie wieder herzustellen ; seine Thätigkeit ist gelähmt. Lenden Ew. kaiserliche Hoheit von dem hohen Standpunkte, auf eichen Sie daS Vertrauen der deutschen Männer berief, Ihren ilick auf jene Stadt, welche auch die Wiege der deutschen Frei- eit war. Sie ist schwer bedroht in den innersten Räumen ihres nst so fröhlichen Lebens. Das Wort, der Rath Ew. kaiser- chen Hoheit ist von hoher Bedeutung in der kaiserlichen Burg, ie im Frankfurter Parlament; Europa blickt auf Sie, und ehrt hr Handeln, ehrt ihre Beschlüsse. Verwenden Sie Ihren schüz- nden Einfluß für Ihre zweite Vaterstadt, für die Monarchie hrer Ahnen, unterstützen Sie mit Ihrem gewichtigen Einfluffe e Bitten, welche die Bürger Wiens ihrem Kaiser vorzutragen h gedrungen fanden. Ihr Andenken wird in Oesterreich nicht löschen, und Ihr Ruhm, zum neuen deutschen Reich zden Grund­

stein gelegt zu haben, verherrlicht werden durch die nicht minder bedeutungsvolle That, Oesterreich und Wien Freiheit und Friede zurückgegeben zu haben. Vom Gemeinderath der Stadt Wien, am 20. Oct. 1848.

Auch von der Nationalgarde wurde eine Deputation mit einer Adresse an den Kaiser gesandt. Die Bitten bestehen darin, daß Auersperg mit 10,000 Mann in Wien garnisonire, daß das Militair auf die kaiserlichen Parente vom 15. März und 15. Mai beeidigt werde, daß der Kaiser sich sechs Männer aus der Na- tionalgarde zum Adjutantendienste in die Hofburg nehme, daß die Generale Windischgrätz und Jellachich nicht nach Wien kommen, daß die Nationalgarde auf Grundlage der Ehrenhaftigkeit sogleich organifirt, ein freisinniges Ministerium gebildet werde und der Kaiser nach Wien zurückkehre.

— Messenhauser beschwert sich in einer Note an Windisch­grätz über die Hemmung der Zufuhr, eine Maßregel der Feind­seligkeit, die jetzt um so verhängnißvoller werden könne, da neue Deputationen an den Kaiser abgegangen seien, um eine friedliche Ausgleichung herbeizuführen. Er werde seine Aufgabe der passiven Vertheidigung getreulich erfüllen; sollte aber das nahe Fricdens- ziel nicht erreicht werden, so wälze er die ungeheure Verantwort­lichkeit denen zu, welche durch offenbaren Verfassungsbruch daran gehindert haben.

Die deutschen Studenten in Prag haben eine Adresse an ihre Brüder in Wien erlassen, bei deren Veröffentlichung das constitutionelle Blatt aus Böhmen mit Recht bemerkt, daß die Vor­gänge der letzten Tage, der den Wienern bevorstehende Druck, die Nachrichten aus dem Hoflager in Olmütz, das Manifest des Kaisers an seine Landleute, die ausweichenden Antworten, die den Deputationen ertheilt wurden, schon Manchem die Augen geöffnet haben. Mögen die tschechischen Demokraten bedenken, daß in Oesterreich die Freiheit in erster Linie, die «Nationalität erst in zweiter Linie gelten darf, da jene das gemeinsame Band der Einigung, diese der Grund des Zwiespalts ist. — Jin Lcitme- ritzer Kreise soll der Landsturm organifirt sein, um Wien zu Hülfe zu kommen. In Prag fürchtete man gewaltsame Unter­drückung desselben und die daraus entstehenden Folgen, Bürgerkrieg.

Auch aus Bielitz in Oesterreichisch Schlesien wird von De­monstrationen zu Gunsten der Wiener Revolution berichtet.

— Die nach Olmütz gelangten ungarischen Unterwerfungs­vorschläge werden in magyarischen Blättern noch nicht erwähnt: sind sie wirklich von Pesth abgegangen, so sind sie nur durch eine Umwälzung im Innern des Landes zu erklären. Der „Spe- nerschen Ztg." geht folgende Notiz aus Wien, 20. Oct., zu: „Das Dunkel, welches über die Ursachen des Abfalls Kossuths herrschte, beginnt sich aufzuhellen. In Nieder-Ungarn hat sich eine Jnsurrection gegen seine Dictatur gebildet, die ihm gefährlich zu werden droht. In dieser Lage hat er sich hinter den Rücken seiner demokratischen Feinde unmittelbar nach Olmütz gewendet, um mit dem Hof zu unterhandeln.

Dagegen schreibt die „AUg. Oest. Z." aus Pesth, 17. Oct. Koffuth gehe auf Veranlassung des Wiener Demagogen Tausenau ins ungarische Lager, wo nicht die beste Harmonie unter den Officieren herrsche und eine Purification dringend Noth thue.

Prag, 21. Oct. Ueber die Neugestaltung unseres Mini­steriums vernimmt man noch immer nichts Gewisses. Ein Ge­rücht sagt, Wessenberg werde das Conseitpräsidium ohne Porte­feuille übernehmen, Bach (bet sich in Trieft befindet) bleibt Justizminister. Dobblhoff erhält ein anderes Portefeuille; Meyer übernimmt das Ministerium des Innern, doch nur unter der Be­dingung, daß Brauner und Lasser Staatssecretäre werden. Ueber die Besetzung der übrigen Posten sei noch nichts entschieden. — Der Redacteur der „Constitution," Häfner, welcher als Prediger des Landsturmes in der Umgegend von Krems verhaftet wurde, ist unter starker Bedeckung von Feldjägern und Kürassieren nach Josephstadt gebracht.

Breslau, 23. Oct. Nachmittags '4 Uhr. Der Wiener Postzug, welcher gestern eintreffen sollte, ist so eben erst ange- kommen, und hat sich also um 24 Stunden verspätet. Der heut fällige Postzug ist ausgeblieben, und wir sind daher mit den Nach­richten aus Wien immer noch um einen vollen Tag im Rück­stände. — Auf dem soeben angelangten Zuge befand sich kein Reisender aus Wien, wohl aber eine Person, welche gestern von