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Auftrage des Reichstages und im Namen des souveränen Volks, das zu seinem Kaiser sprechen will und ich fürchte, wenn man es nicht anhört, es könne von seinem Hausrechte Gebrauch machen." Desselben Tages erhielt er Audienz beim Erzherzog Franz Karl; er hatte sich früher vergeblich darum bemüht. Diese Mittheilung ist ganz zuverlässig.
Olmütz, 17. Oct. Das „Con st. Blatt" theilt die Reden mit, welche die böhmischen Abgeordneten Helfert und Brauner am 17. bei Hofe hielten. Sie versicherten den Kaiser der unwandelbaren Treue Böhmens und baten ihn, den Reichstag aus Wien fort in eine, bessere Garantien bietende Stadt zu verlegen. Der Kaiser antwortete u. A.: „Ich werde dafür Sorge tragen, daß dem Reichstage jene Sicherheit gewährleistet wird, welche nöthig ist, um seine Arbeiten ungehindert fortsetzen zu können, indem es mein Wunsch ist, daß derselbe sich ununterbrochen mit dem Verfassungswerke beschäftige, zu welchem er einberufen ist." — Die Prager Stadtverordneten boten unter den loyalsten Versicherungen an, als Vermittler nach Wien zu gehen, um eine Versöhnung anzubahnen, aber der Kaiser antwortete: „Ich verkenne nicht die edle Absicht ihres Antrages. Der Zustand der Hauptstadt ist aber ein solcher, daß ich mich veranlaßt fühle, Mir vorzubehalten, zur zur Herstellung der Ruhe und Sicherheit in derselben alle Mir zustehenden Mittel nach Umständen anzuwenden, wobei cs mein sehnlichster Wunsch ist, daß hiezu der möglichst geringe Aufwand von Kräften und Meine väterlichen Ermahnungen hinreichen mögen."
Gestern verbreitete sich das Gerücht, in Italien sei der Friede abgeschlossen und vom ungarischen Ministerium seien Unterwerfungsanträge angelaugt.
Die Abgeordneten des Wiener Reichstags haben dem Minister Wessenberg ein Manifest vorgelegt, in welchem der Kaiser das Bestehen der Verfassung und des Reichstags verbürgt. Wesfen- berg gab es ihnen heute zurück, mit der Erklärung, man habe schon ein ähnliches unter der Presse, d. h. der Hof weißt die Vermntelungsvorschläge des Reichstages zurück. — Die Generäle Schönhals und d'Aspre werden hier erwartet.
Olmütz ist öde und still, trotz der zahlreichen Wiener Flüchtlinge. Bei Hofe trägt alles Trauer.
Heute kam eine große Deputation Hanaken, alle zu Pferde und eine Musik an der Spitze, um Sr. Majestät für die ihnen sowohl mündlich als schriftlich gegebene Versicherung der Aufhebung der Robot, des Zehntens u. s. w. zu danken.
Die Stellung Kossuths wird immer mehr die eines Dictators; seine Maßregeln nehmen einen durchaus rcvolutionairen Charakter an, und erinnern an die Decrete des französischen Convents. So die Zurückberufung aller Ungarn aus dem Auslande, die Emitti- rung ungeheurer Summen Papiergeld. welches indeß freilich etwas besser verbürgt ist als die weiland Assignaten, die Androhung Des Todes gegen jeden Ungehorsamen. Endlich kommen dazu die Einziehungen der erzherzoglichen Güter; auch 33 ungarische Güter des Baron Sina, der mit Jellachich in Briefwechsel gestanden haben soll, sind der Breslauer Zeitung zufolge, sammt der neuen Kettenbrücke zwischen Ofen und Pesth confiscirt worden. Die Noth mag solche Schritte entschuldigen, welche es den Magyaren immer mehr zur Nothwendigkeit machen, zu siegen. Denn ein furchtbares Strafgericht würde über sie hereinbrechen, wenn sie geschlagen würden. Im eignen Lande haben sie allerdings Aus- stcht auf erfolgreichen Kampf, ob sie aber stark genug sein werden, den bei Wien zugleich gegen sie geführten Schlag zu pariren, bezweifeln wir noch immer. Ihre allerdings große Streitmacht hat im Lande selbst noch genug zu thun. Die Festungen Te- meswar, Sceben, Munkacz, Essec und andere kleinere Plätze sind noch in den Händen kaiserlicher Kommandanten; der serbische Aufstand in Banat, die Wallachen Unruhen in Siebenbürgen sind noch nicht gedämpft; ein österreichischer General Simonowitz ist mit 4000 Mann von Gallizien her in das Abnzwarer Komitat eingefallen. Freilich soll dagegen in Kroatien eine Gegenrevolution gegen die Camarilla ausgebrochen sein, aber diese Nachricht bedarf noch der Bestätigung. Das gefangene Rothsche Armeekorps kann man nicht entlassen, da die freigegebenen Kroaten trotz ihres Eides sofort zu den Serben übergehen, jenen tapfern Feinden Ungarns, „welche noch fechten, wenn ihnen schon ein Bajonett im Leibe steckt." Die Bewachung dieser 8000 Gefangenen ist unter gegenwärtigen Umständen eine doppelte Last. —
Von allen Slaven sind nur die Polen der magyarischen Sache geneigt, nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie für den Fall einer Niederlage der um Wien zusammengezogenen Truppen voraussetzen, daß die Herausgabe Galliziens und die Herstellung eines polnischen Reiches sich ganz von selbst Verstehe. In Krakau herrscht nach Briefen vom 16. d. die lebhafteste Aufregung und nur die Furcht vor einer russischen Besetzung hält einen Ausbruch noch zurück. Am 17. bat eine Deputation der Krakauer Bürgerschaft den Gouverneur um Organisirung der Nationalgarde, unter der Erklärung, die Bürger könnten sonst' leicht versucht werden sich selbst zu bewaffnen. Herr Vou Zaleski antwortete ihnen mit einem lakonischen Nein und bemerkte ihnen, daß auf das erste Signal vom Schlosse aus ein russisches Corps in wenigen Stunden Stadl und Gebiet besetzen würden. Das geheime Bündniß zwischen dein österreichischen Hofe und dem Petersburger Cabinct gehört indeß augenscheinlich nicht in das Gebiet der Ta- gesmährchen. Man spricht sogar von einer russischen Note, wonach die Russen in Ungarn einmarschiren würden, sobald die Magyaren östcrreich. Gebiet beträten.
Wien, 18. Oct. Auch der Börsenhalle wird von Berlin geschrieben, daß der Kaiser von Rußland energisch für das österr. Kaiserhaus auftreten wolle lind eine Note habe nach Wien gelangen lassen, daß er die österr. Gränze überschreiten würde, sobald die Ungarn gegen Wien vorrückten. Ebenso will das Journal des österr. Lloyd wissen, daß in Budapesth eine russische Note gegen den Ueberlritt der Ungarn auf österr. Gebiet angelangt sei. Aus St. Petersburg selbst hat diese Note aber schwerlich nach Pesth gelangen können, da der Beschluß den Wienern zu Hülfe zu kommen, erst am 8. im ungarischen Reichstage gefaßt ist
Nach der Breslauer Zeitung bestätigt es sich, daß Wien von kaiserlichem Militair gänzlich eingeschlossen ist; ferner, daß eS mit der bewußten russischen Note gleichfalls kein leeres Gerücht gewesen sei. — Die Stimmung in Wien sei eine traurige urd zwar um so niederschlagendere, als die neuen Erlasse des Kaisers in Ollniütz so manche Hoffnung Vernichtet haben. Mittelst Procla- mation vom 16. und 19. d. M. hat nämlich der Kaiser den > Feldmarschall-Lieutcnant Fürsten Windischgrätz zum Generalissimus seiner Armee ernannt und demselben den gemessenen Auftrag ertheilt, den Tod Latours zu rächen und seine Mörder zu bestrafen. In derselben Proklamation erklärt der Kaiser ferner, daß er alle Beschlüsse der Reichstagssitzung in Wien für die Dauer der Zeit, in welcher der Reichstag versammelt und das Ministerium Vollzählig gewesen, anerkennen wolle, daß mithin auch Windisch- grätz derartige Conclusa aufrecht zu erhalten und zu schützen Verbunden sei, daß hingegen alle später gefaßten Beschlüsse des ungesetzlich versammelten Reichstages, welche ohne Zuziehung eines verantwortlichen Ministerii gefaßt worden, ungültig, und sonach von Windischgrätz in ihren Folgen aufzuheben seien. Die Reichstags-Commissare sollen von Wien nach Olmütz gereift sein.
Berlin. In der Sitzung der conftituirenden Landesver- sammlung vom 19. vereinigte man sich über die wichtige und schwierige Frage wegen Posens (bei der Feststellung des Verfassungs-Artikels üaer das Staatsgebiet) endlich dahin, die Discus- sion zu vertagen.
In der Sitzung vom 20. ward ein von Krause eingebrachtcr Gesetzentwurf zur Einkommensteuer der Finanzcommission überwiesen und ein Antrag von Bergmann und Pilet gegen den ferneren Zusammentritt von Communallandtagen der Organisations- Commission zur schleunigen Berichtserstattung überwiesen. Dieser Antrag war veranlaßt worden durch den auf den 6. November ausgeschriebenen Communallandtag der Altmark, wodurch die Bevölkerung namentlich die ländliche, in große Aufregung und Besorgniß versetzt sei. Unter dem Gelächter der Versammlung erinnerte Pilet an die Zusammensetzung dieses Coinmunallandtags, der aus etwa 120 Rittergutsbesitzern (welche sich vertreten lassen und aus Unmündigen und Frauen bestehen dürfen), dann aus 8 städtischen und endlich 4 bäuerlichen Deputaten gebildet sei. Wenn wir, bemerkte der Antragsteller, die Geschäfte des Landtages in die Hände der Re- gierung legen, so haben wir gewiß eine eben so volksthümliche Behörde für die Fortsetzung der laufenden Geschäfte, und eine Behörde, die uns verantwortlich ist. Uebrigens würde nichts im Wege stehen, daß diese Geschäfte cominissarisch besorgt werden.
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