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GescLäftstag an solcheLumpereien" hängen konnten, oder aus Indifferenz. Man erzählt sich sogar, daß einige Wähler trotz dem, Paß sie mit dem gelben Zettel sich bei den Außenstehenden legi- timirten, den Ruf:Solche Geldsäcke sollten gar nicht wählen!" Hinter sich hätten vernehmen müssen. Kurz und gut, die Demo­kraten setzten 24, das Wahlcomito 8 Wahlmäniier durch und das Resultat der Wahl war das eben angegebene. Da es für das Land von einigem Interesse sein dürfte, seine zukünftigen Vertreter, etwas näher kennen lernen, so soll es an einer demnächstigen Cha­rakteristik derselben nicht fehlen.

Wiener Revolution. Aus Mangel au Raum und Zeit können die durch den Ausfall der Sonntagsarbeit hart bedrängten Setzer nur folgende gedrängte Uebersicht aufnehmen: Der Reichstag hat eine neue Adresse an den Kaiser gesandt, in der entscheidende Befehle zum Abmarsch der Kroaten verlangt werden. Die Provinzen treten mehr und mehr entschieden auf. Italien schöpft wieder Muth und in Wälsch- Tirol sind Unruhen ausgc- brochen. Das Gleiche ist übrigens auch den Ungarn von Seiten der Sachsen und Wallachen in Siebenbürgen begegnet. In Böhmen ist die deutsche Bevölkerung natürlich für Wien, die ezechische Don Agitatoren aufgeregt. Mährens Stimmung ist getheilt. Truppen rücken von allen Seiten, namentlich aus Böhmen und Gallizien gegen Wien. Dennoch ist im Reichstage die Hoffnung einer friedlichen Ausgleichung noch vorherrschend. Das Neben­parlament in Brünn kommt nicht zu Stande. Bei Kalisch ist eine russische Armee von 60,000 Mann zusammengezogen.

Wien, 18. Oct. Seit heute Morgen verkündet der Donner der Kanonen die Annäherung der Magyaren, welche in Schwe- chard (zwei Stunden von Wien), Halt gemacht haben. Jellachich steht bei Larenburg.

Abends 6 Uhr. Weder Windischgrätz, noch die Ungarn er­scheinen. Der Anmarsch der Letzteren sollte durch eine weiße Rauchsäule von St. Stephan verkündet werden, allein bis jetzt ist dies Phanal nicht gegeben worden. Im Gegentheile verbreitet sich in der Stadt das Gerücht, daß die Ungarn überhaupt nicht anlangen würden, da eine russische Kundgebung hiergegen Ein­spruch gethan habe.

München, 18. Oct. Diese Nacht hatten wir Ercesse der äußersten Rohheit zu beklagen. Schon seit mehreren Tagen wurde präludirt durch Katzenmusiken der stärksten Sorte, die u. a. dem aus Frankfurt zurückgekehrten Abgeordneten Ruhwandl und dem Minister des Inneren gebracht wurden. Der revolutionäre Stoff entlud sich endlich, wie schon öfter, nach der Seite des nächsten Interesses hin: das souveräne Volk setzte die Bierpreise auf 4 kr. Per Maß herab, zwang die Brauer zur Einwilligung und ver­langte zuletzt das Bier für heute umsonst. Die Brauer und Wirthe fügten sich Angesichts der drohenden Lebensgefahr. In den Wirthsstuben, auf den Straßen, vor den Schenklokalen be­gann nun ein kannibalisches Saufgelage. Als die Masse durch den Uebergenuß unzurechnungsfähig geworden war, begann sie von Neuem das Werk der Zerstörung. Wenige, vielleicht keines der Brauhäuser hat noch ein ganzes Fenster, eine ganze Thüre, einen ganzen Tisch, Stuhl re. Von da drangen die Tumultuanten in die Bäckerläden und verübten dort gleiche Ercesse. Als in den Schenk- und Bäckerlokaleu nichts mehr zu zertrümmern war, er­brach man bei mehreren der als wohlhabend bekannten Bäcker die Thüren zu ihren Privatwohnungen. Was sich vorfand, wanderte durch's Fenster auf die Straße: Spiegel, Kisten, Betten, Alles, was nicht niet- und nagelfest war, zersplitterte auf dem Pflaster. Kassen wurden erbrochen, deren Inhalt theils gestohlen, theils durch's Fenster geworfen. Auf den Straßen warteten andere Haufen des liederlichsten Gesindels; was nicht ganz durch den Sturz zerschellte, wurde unter Geschrei noch ganz zu Trümmern geschlagen; Wasch- und Leinengeräth theils in hundert Fetzen zer­rissen, theils gestohlen, die Federn aus den Betten herausgerissen und in den Wind zerstreut. Wer sich von Hausbewohnern wider­setzte, wurde mißhandelt; wir hören, daß in einem Brauhause der Besitzer mit seinen Knechten den Räubern den Eingang wehrte und zwei derselben, zwei Soldaten, erschlug; in den meisten Häu­sern fügte man sich ohne Widerstreben. Auch in andere Läven

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.

wurde eingedrungen, und namentlich sind es Tabak und Cigarren, die geraubt wurden. Die Läden, sowie überhaupt fast alle Loka­litäten zu ebener Erde, sind geschlossen.

18. Oct. Mitternacht. Die um 2*/2 Uhr durch ihre Hornsignale zusammengerufene Landtvehr fand sich rasch auf ihren Sammelplätzen ein; bedeutende Massen Linienmilitair erschienen zu gleicher Zeit. Ein Zug von 24 Mann Bürgerwehr, deren em­pörtes Gefühl über die Klugheitsregel, das Ansammeln einer größeren Menge von Landwehrmännern abzuwarten, den Sieg da­von trug, eilte zuerst auf den Schauplatz der Verwüstung, und drang in das Pschorr'sche Brauhaus; über ihren Köpfen stürzten eben die Frevler ein kostbares Klavier, das letzte Stück der Mo­biliarschaft, aus den Fenstern des ersten Stockes auf die Straßen. Alle Ein- und Ausgänge wurden besetzt und 51 Gefangene nach und nach heraus und auf die Studentenhauptwache gebracht. Un­ter den Gefangenen befanden sich 8 Soldaten und ein Geistlicher (!), erst kürzlich zum Feldcaplan ernannt. Manche, mitunter werthvolle Gegenstände, fanden sich in den Taschen der Frevler. Seit dieser Zeit bis jetzt ist keine weitere Ruhestörung vorge­fallen, und die um 5V2 Uhr erfolgte Verlesung der Aufruhracte, welcher die Drohling angefügt war, bei Wiederholung so uner­hörter Auftritte das Standrecht zu verkünden, fand außer fried­lichen Neugierigen nur noch die bewaffnete Macht auf den Stra­ßen. Im Laufe des Nachmittags und Abends sind jedoch in vielen Localitäten noch zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Das war ein trauriger Tag, und fürwahr, ich weiß nicht, ob man sich mehr über die Bestialität der Tumultuanten, oder über das Benehmen der Behörden verwundern und betrüben soll, welche die linholde sechs Stunden lang ruhig gewähren ließen.

Angekommene Fremde vom 24 n 22 October.

Im König von Preußen (Schainbeck): Geh. Hofrath v. Schel­ling mit Gemahlin und Dienerschaft aus Berlin; Apotheker Constantini aus Rotenburg; Fabrik. Golderer aus Augsburg; Entrepreneur Steinmetz aus Koblenz; Architekt Knichle aus Wolfenbüttel; Rentier v. Oberberg aus Madeburg; Kaust. Gerber aus Frankfurt u. Liebmann aus Tirschen­reuth; Landrath Groos aus Berleburg; Pfarrer Blochmann ans Dresden; Oekonom Pfau aus Steinbach; Studenten Pörwitz und Heineberg aus Gießen; Oberamtmann Hühne aus Hofgeismar.

In der goldneu Krone (F. Schade): Revierförster Geher aus Fredelsloh; Stud. Fabericius aus Hamburg, Häcker aus Marburg, Meyer aus Gießen, Flotho aus Marburg u. Stock aus Königsberg imNausau; Oeconomen Plattermann aus Ziegenhain, Wiegand aus Wüllmersen u. Kaiser aus Detmold; Gastwirth Kleinschmidt aus Homberg; Kaust. Schanz aus Witzenhausen, Paulmann aus Lüdenscheid, Heimann aus Lügde, OreniuS aus Mannheim und Hasselbach aus Braunschweig; Eisenbahn­beamter Heiderich aus Liebenau; Rentiers Hammerstein ans Stade und Normann ans Hofgeismar; Rentmeister Bolmar ans Philippsthal; Cand. Raßmann auS Ziegenhain; Bauverwalter Schwarz aus Weimar; Part. Plitt aus Ziegenhain; Landrath Wagner aus Melsungen; Fräulein Ransky aus St. Petersburg.

Im Römischen Kaiser (I. L. Lang): Kaust. Francke aus Bre­men, Freudenthal aus Hannover, W. Mühlen auS Rheydt und Borner aus Lüdenscheid; Oeconom Deichmann auS Greene; KammermusicuS Kel- lermann mit Frau aus Sondershausen; Assessor v. Freidorf aus Linz; Laudrath Schumacher aus Arolsen; Oberingenieur MonS aus Münden; Part. Niedmann aus Nordhausen; Gutsbesitzer Onestenbach mit Familie aus Magdeburg.

Im Hotel de Russie (C. Klein): Kaust. Valentin auS Würz­burg, Stouse auS Malmedy, Bilsing aus Münster, Rupp aus Gladbach u. Aldhoff auS Braunschweig; Sieuten. v. Eschwege auS Kassel; Frau Oberstlieuten. Mensing auS Bückeburg.

Repertoire des Kurfürstlichen Kostheaters.

Dienstag, 24. Oct.: Franenwerth. Lustsp. in 1 Act nach Dupin von A. Kosmar. Hierauf: Tanz. Zum Beschluß, zum ersten Male: Jeder fege vor seiner Thür! Lustsp. in 1 Act nach dem Französ. von L. Schneider.

Donnerstag, 26. Oct.: Marie, oder: Die Regimentstochter. Komische Oper in 2 Acten nach St. George und Bayard von Earl Gvll- mick. Musik von Donizetti.

Sonnabend, 28. Oct.: Die beiden Figaro. Lustsp. in 4 Acten von Martelli. Neue Bearbeitung von M. Lefranc.

Sonuta, 29. Oct.: Aloise. Romantische Oper in 2 Acten mit Tanz, von Frau; v. Holbein. Musik von L. Maurer.

Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Kassel.