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richtig erkannt. Wir haben in Oesterreich eine Dynastie, mit der wir Jahrhunderte hindurch in Anhänglichkeit zusammengegangen find; allein ob diese Anhänglichkeit bestehen wird bei all den Angriffen gegen die Freiheit, die man seit 6 Monaten gesehen, das ist die Frage. Der Redner geht auf die Folgen ein, welche die reine Personalunion haben würde. Er weist zuerst nach, daß Handelsnachtheile nicht zu besorgen stehen, sodann sucht er darzu- thun, daß auch politische Nachtheile nicht folgen würden. Jeden­falls werde die Kraft und der Einfluß Deutschlands bedeutender sein, als bisher Oesterreichs. Zu den Staatsschulden des Kaiser- thums haben die deutschen Staaten fast allein Alles beigetragen. Man sagt, wenn die Monarchie zerfälltdann wird das Gras iw den Straßen Wiens wachsen." Aber das Gras ist auch in den Straßen Roms gewachsen. Niemand ändert den Lauf des Schick­sals. Wien wird jedoch immer gleich wichtig bleiben als große Handelsstadt. Man spricht von deutschem Einfluß, den Oester­reich im Osten Europas habe; allein das Gegentheil fand von jeher statt. Die österreichische Politik war immer nur die Schlepp­trägerin Rußlands. Der Redner erklärt es sür einen Schurken­streich an Deutschland, wenn man nicht Deutschland, sondern Eine» der deutschen Staaten allein, auf Kosten des ganzen Vaterlandes zu heben suche. So gut übrigens die Ungarn, die Kroaten sich für ihre Nationalität erheben, so gut würden es auch die Deut­schen in Oesterreich thun, wenn man sie in ein vorwiegend slavi­sches Reich bannen wollte. Auf die pragmatische Sanktion kom­mend, sagt er: Auch Belgien, auch der Breisgau waren durch die pragmatische Sanktion gebunden; wo sind sie denn hin. Un­zählige Löcher hat dies Pergament! Um die Möglichkeit der Per­sonalunion nachzuweisen, zeigt er, daß bisher alle einzelne Provin­zen Oesterreichs ganz verschiedene Verfassungen hatten. Nur hat man in dem vorigen und diesem Jahrhundert Alles gethan , um den selbstständigen Provinzen ihre Rechte zu entziehen. Das ein­zige wesentliche Hinderniß der Personalunion ist die Centrallei- lung der Kriegsmacht; die könnte aber dennoch nicht bestehen bei dem Freiheitsdrange der Nationen, die ihre Söhne nicht mehr für fremde Interessen opfern lassen wollen. Wer verlangt eine österreichische Gesammtmonarchie? Die Slaven in Oesterreich, weil sie für sich allein, wegen ihrer zerstreuten Wohnsitze, keinen selbst­ständigen Staat bilden können. Ob das Haus Habsburg noch lange fortbestehen wird, wenn die Slaven ihre Absicht erreichen, das ist die Frage. Man schlägt uns nun statt der Personalunion. Modificationen vor. Die einen wollen die Sache vertagen, die anderen wollen eine Vermischung von Real- und Personalunion Eine solche Vermischung ist unmöglich; die eine schließt die an­dere aus. Eine Vertagung aber in einer so wichtigen Sache ist nicht zu rechtfertigen. Sie sprachen, so wendet sich der Red­ner jum Schlüsse zur Versammlung, kräftig und entschieden, als es sich um Limburg, Schleswig und Posen handelte, sprechen Sie jetzt ebenso! Kein Preußen, kein Oesterreich Ein Deutschland und wenn aller Glanz der Throne darüber verbleichen, ja wenn die Throne darüber Zusammenstürzen sollten" (Anhaltender rau­schender Beifall).

Die Verhandlung wird hierauf vertagt. Nachdem'noch Kerst und Genossen ihre gestern angezeigte Gegenverwahrung gegen die Er­klärung des Dr. Libelt zu Protokoll gegeben haben, wird die Siz- zung um 3 Uhr geschlossen. Die Linke wünschte Morgen eine außerordentliche Sitzung theils zur Berathung des Berichts über die Anträge von Nauwerk und Venedey, die Wahrung der deut­schen Interessen unter den gegenwärtigen Zuständen Oesterreichs betreffend, theils zur Fortsetzung der heutigen Berathung , jedoch ging die Mehrheit nicht darauf ein. Diese Gegenstände werden daher erst Montag auf die Tagesordnung gesetzt werden.

L. Frankfurt, 21. Oct. Das Ministerium macht heute durch ein Plakat bekannt, daß der Belagerungszustand seit gestern für unsere Stadt aufgehört hat, daß jedoch das Ministerium, wie es dies bereits in der Sitzung vom 16. Octbr- «»kündigte, alle Maßregeln, welche es zum Schutze der Reichsversammlung für angemessen halte, in vollem Umfange werde fortbestehen lassen. Eine Hauptrücksicht für die Aufhebung des Belagerungszustandes lag für das Ministerium wohl darin, daß es der Wahlagitation für unsere constituirende Versammlung kein Hinderniß in den Weg legen wollte. Das heutige Amtsblatt theilt das Gesetz vom 19,

gibt, daß Oesterreich anstatt eines streng-deutschen Reichslandes ein vorzugsweise slavisches Reich werde.Lieber die russische Knute als die deutsche Freiheit" habe einer der slavischen Häupt­linge (Hawlicek) in Prag gesagt, dem gegenwärtig der Hof sein besonderes Vertrauen schenke. Sechs Monden hätten wir auf Oesterreich gewartet, die Zeit des Wartens sei vorüber, und end­lich müsse das Ausland erfahren, daß das neue Deutschland kein bloßes ossianisches Rebelreich sei. Die Beispiele der Bedrângniß und Unterdrückung des deutschen Elementes im Vaterlande des Redners, welche derselbe aufgezählt, werden von dem wiederholten Hört! Hört!" der Linken begleitet und der Redner sucht nicht nur nachzuweisen, daß man sich täusche, wenn man den deutschen Geist vorherrschend glaube in den gemischten Ländern, denn die Slaven seien Meister derselben, sondern auch, daß die Schwierig­keiten der völkerrechtlichen Auseinandersetzung durch die Personal­union eher vermindert als vermehrt würden. Schließlich er­mahnt der Redner, die Frage nicht als eine Parteifrage, sondern als eine deutsche Frage zu behandeln, wenn auch die meisten Mitglieder der Linken sich für die Personalunion aus­gesprochen hätten. (Links Beifall.) Eine kleine Völkerwande­rung bringt das Erscheinen Wiesners auf der Rednerbühne hervor und beraubt dadurch den größten Theil der Versammlung das Anhören eines geistreichen Wortspiels. Früher habe es ge­heißenKein Oesterreich, kein Preußen Ein einiges Deutsch­land" jetzt habe aber Preußen die Erlaubniß von Oesterreich er­halten, Deutschland zu verschlingen und so müsse es heißenKein Oesterreich, kein Deutschland Ein einziges Preußen !"

Waitz von Göttingen erinnert an die Verhältnisse von Schleswig und der polnischen Theile Posens. Er erklärt, er halte es unter seiner Würde, auf die Gründe Wiesners zu ant­worten. Oesterreich ist eine eigenthümliche Erscheinung, eine Mischung von Nationalitäten, wie sie noch nicht da war. Oester­reich war bestimmt, die deutsche Civilisation im Osten zu ver­breiten; aber statt dessen will man es jetzt als überwiegend sla­vischen Staat gelten lassen. Ich glaube nicht, daß diese Nationa­litäten noch lange zu Einem Staate Zusammenhalten werden. Die Slaven, die Ungarn werden nicht lange mehr die Herrschaft des Deutschen dulden. Es ist für die Oesterreicher nur die Wahl, entweder ein einiges österreichisches Kaiserreich, oder die österrei­chisch-deutschen Provinzen müssen ganz bei Deutschland bleiben. Der Redner führt nun die Folgen dieser beiden Zustände aus und erklärt, die deutschen Lande Oesterreichs müßten bei Deutsch­land bleiben, die anderen Gebiete Oesterreichs würden mit Oester­reich nicht nur, sondern mit ganz Deutschland in inniger Verbin­dung bleiben. Deutschlands Neubau würde leichter sein ohne Oesterreich; aber Niemand würde den leichten Bau wollen ohne Oesterreich. (Beifall.) v. Würth aus Wien, Unterstaats- sekretär: Daö Minoritätserachten erfülle ihn mit tiefem Schmerze; daß nur etwas der Art ausgesprochen werden konnte, sei schon schmerzlich. Eine Einheit Deutschlands sei ohne Oesterreich nicht möglich. Aber auch der Antrag des Verfassungs-Ausschusses sei nicht möglich, da eine bloße Personalunion das Fortbestehen des österreichischen Staates nicht gestatten werde. Dir pragmatische Sanktion sei mehr als Eisenmann meine; es sei ein Vertrag zwischen den verschiedenen Völkern Oesterreichs, dessen Abschließung und Ratifikation sieben Jahre Zeit erforderte. Deutschland kann kein Interesse dabei haben, eine große, seit Jahrhunderten bestehende Monarchie zu zerstören. Der alte Feind Deutschlands, Frankreich, hat schon oft versucht und zu diesem Zwecke gerade auch die Ungarn zum Aufstande mehrmals aufgeregt, z. B. zu den Zeiten Rakoczy's. Oesterreichs Aufgabe war, den deutschen Geist nach Osten zu

verbreiten; und das hat es gethan, so weit es möglich war. Es ist höchst wichtig für Deutschland, daß ein Oesterreich besteht; denn so wie es zerfiele, würden seine Völkerschaften sich feindselig gegen Deutschland gestalten, oder feindlichen Reichen zufallen. Der Redner schließt sich dem Amendement von Mayfeld an: statt der §§ 2 u. 3 zu sagenDeutsche Länder dürfen mit nicht deut­schen Ländern nur in der Art zu Einem Staate verbunden sein, daß die für ganz Deutschland gesetzlichen Bestimmungen in solchen deutschen Ländern durch ihren Verband mit nichtdeutschen Ländern durchaus keine Modifikation erleiden dürfen." Giskra (Mähren): ^Der Ausschuß hat in §§. 2 u. 3 das Nothwendig«