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Beilage zu Str. 144 der Neuen Hessischen Zeitung.

Schleswig-Holstein. Nach einem Berliner Briefe vom 15. Oct. in denW. G. N." sind die Verhandlungen über Einsetzung der neuen Regierung für die Herzogchümer am 14. in Berlin zu Ende gebracht worden und der Reichstagscommis­sarins Stedmann wird die neue Regierung in diesen Tagen in- staUiren. Die Mitglieder derselben sind: Landvogt Boysen, Etats­rath Preusser, Amtmann v. Heintze, Graf Reventlow-Jersbeck, Graf Adam Moltke.

DieSchlesw'. -Holst.-Ztg." veröffentlicht das Gesetz über die Einrichtung der Ministerien. Das Staatsministerium besteht aus 5 Mitgliedern. Die Abtheilungen, welchen dieselben vorstehen, sind 1) das Ministerium der Justiz; 2) das Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten; 3) das Ministerium des Kriegswesens; 4) das Ministerium deS Innern; 5) das Mini- sterium der Finanzen. Die Leitung der auswärtigen Angelegen­heiten wird einem der Minister übertragen. Bis zum Abschluß eines Friedens mit Dänemark bestellt die den Herzog vertretende Regierung verantwortliche Departementschefs und vertheilt unter diese die Ministerialgeschäfte.

Gotha, 4. Oct. Heute wurde der Landtag, welcher auch diesem Ländchen eine Verfassung geben soll, durch den Herzog eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt sich in allgemeinen Wendun­gen, da der constituirenden Versammlung freie Hand bleiben muß. Es wurden Gesetzentwürfe über die Verfassung selbst, die Ablösung I der Feudallasten , die Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, Verein­fachung der Verwaltung und Regelung des Jagbrechts angekün­digt. Die Vereinigung mit Coburg wurde als Wunsch, ohne Grundangabe, ausgesprochen; allein wenn die Vereinigung ganz Thüringens nicht als zweckmäßig erscheinen sollte, so sieht man für die Verschmelzung dieser beiden entlegenen Territorien ohne speciell gemeinsame Interessen ebenfalls keine Nothwendigkeit. Höchstens könnte, wenn von Frankfurt aus beschlossen würde, die Staaten unter 100,000 Einwohner verlieren ihre Selbstständig­keit, Coburg mit Gotha als selbstständig durchgeschleppt werden. Dieß wäre aber nur ein rein dynastisches Interesse. Die Haupt­frage für den Landtag wird übrigens das Kammergut bilden.

Mannheim, 16. Oct. Unsere Umstürzler hatten heute wieder einen Anlauf genommen. Es war von wem? daS blieb verschwiegen eine Bürgerversammlung angesetzt, die nichts Geringeres bezwecken sollte, als die Zurückziehung der Reichstruppen, Aufhebung des Kriegszustandes, sofortige Auf­lösung der Kammern und Wahl einer constituirenden Ver- sammlung. Zuletzt sollte in der Versammlung selbst der An­trag auf allgemeine Amnestie dem Programm angereihel wer­den. Auf den Namen der Bürgerschaft Mannheims sollte, wie schon so oft, das ganze Land in Bewegung gesetzt wer­den Sturmpetitionen in allen Orten zu Stande kommen. Das Vorhaben zerschlug sich aber an einem Polizeiverbote, und die am bezüglichen Locale aufgestellte Dienstmannschaft suchte vergebens Gelegenheit, unter dem herangekommenen wenig zahlreichen Publikum die Mannheimer Bürger heraus­zuspähen. Uebrigens wäre die präventive Maßregel vielleicht besser unterblieben; denn wie wir jetzt erfahren, rührte sich zu gleicher Zeit die auf die Freiheit im Bund mit Ordnung und Gesetz haltende Bürgerschaft, indem sie endlich den Vorsatz faßte, eine Gegendemonstration zu veranstalten. Es scheint der­selben nun lange genug auf ihren Namen gesündigt worden zu sein. Wenn dieser löbliche Vorsatz zur Ausführung kommen sollte, wird sich die politische Richtung unseres Landes bald in einem anderen Bilde zeigen. Das erwachende Selbstbewußtsein der Bürgerschaft wird hoffentlich dem nächsten derartigen Falle zu Gute kommen. Die dahier anwesenden preußischen Truppen be­gingen das Geburtsfest ihres Königs durch eine feierliche Parade, woran auch die badischen Dragoner Theil nahmen, und werden diese Festlichkeit drei Tage lang in Bällen fortsetzen.

Mainz, 18. Oct. Unsere Stadt erfreut sich seit den be­dauerlichen Augustereignissen einer tiefen Ruhe; daS Element des Hasses ist gewichen, und an dessen Stelle eine friedliche Verstän­digung getreten. Viele Fremde, welche sich entfernt, scheinen Wieder zurückkehren und den Winter hier zubringen zu wollen.

Ungarn.

Sämmtliche ungarische Blätter sprechen sich jetzt für die Re­publik aus, in dem Falle,daß auch Oesterreich die republika­nische Regierungsform an die Stelle der monarchischen setze." Sollte jedoch, wie es wahrscheinlicher ist, die Monarchie in Oesterreich und Ungarn fortbestehen, so wird dem König durch einen neuen Verfasfungsartikel jederlei königliche Rechtsübung während der jedesmaligen Abwesenheit von Ungarn benommen werden. Als künftigen Palatin und königlichen Statthalter be­zeichnet man den Kronprinzen Franz Joseph. Auch der General Dietrich wurde gestern hier gefangen eingebracht. Die Bauern haben ihn bei Szolnok festgenommen. Das Oberhaus hat auf Verlangen des Repräsentantenhauses eine aus 32 Mit­gliedern bestehende Commission als obersten Gerichtshof eingesetzt, um über den des Hochverraths angeklagten Feldzeugmeister Adam Recsei, welcher das famose kaiserliche Manifest vom 3. October als ge­setzwidrig ernannter ungarischer Ministerpräsident contrasignirte, ab- zuurtheilen. Ofen wird seit gestern auch von der Wiener Seite her stark verschanzt. Die Rekrutirungen und Kriegsrüstungen überhaupt werden aufs Eifrigste betrieben. Das Repräsen­tantenhaus hat eben ein Dekret erlassen, welches alles ungarische Militair aus Italien und den anderen österreichischen Provinzen zurückberuft. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß das pa­triotische ungarische Militair sich auchmit Waffengewalt durch­brechen werde."

Frankreich.

Paris, 16. Das neue Kabinet hat heute, am entscheiden­den Tage, Gnade gefunden vor den Augen der Nationalversamm­lung. Es beginnt mit einer Majorität, welche unter der Form einer Bewilligung von 100,000 Frs. geheimer Fonds ihr Vertrauens­votum ertheilt und sein Programm angenommen hat. Unter 820 830 Anwesenden stimmten 570 für und nur 155 gegen das Ministerium; die übrigen Hundert hatten sich der Abstimmung enthalten. Das neue Kabinet beginnt also mit einer Majorität von über 400 Stimmen, was mehr als genug ist, um bis zu der nahe bevorstehenden Präsidentenwahl seine Eristenz zu verbürgen. Die Entscheidung ist rascher erfolgt, als man fast erwarten konnte. Vorlegung des Ministerprogramms durch Dufaure, Erplicationen Cavaignac's, der zurückgetretenen Minister und des Polizeipräfec- ten, Erklärungen der Linken (Landricks, Portalis, Ledru Rollin's, Taschereau's), Unterstützungsreden der Rechten (Bedeau's), endlich die eigentliche Ministerrede Dufaure's für Alles hatte die eine Sitzung Raum, ein Beweis, daß die Diskussion ohne lange Un­terbrechungen geführt ward. Sie war lebhaft, doch nicht stür­misch. Um 6 Uhr war die Abstimmung schon erfolgt.

Der Inhalt des ministeriellen Programms läßt sich mit we­nigen Worten angeben. Das Kabinet bekennt sich aufrichtig zur Republik und bezeichnet es als seine Hauptaufgabe, das Ver­trauen und den Glauben an sie allgemein zu machen, dadurch, daß es auch den noch Schwankenden und Zweifelnden durch die That beweist, daß die Republik mit der Achtung aller wohler­worbenen Rechte vereinbar ist.Wir erklären hiermit," sagte Dufaure,daß wir zwei Regierungssystcme für Frankreich zugleich nicht begreifen. Frankreich hat vor acht Monaten die Republik pro- clamirt; es hat sich ohne Gewaltsamkeit unter diese Regierungsform gestellt, diese erhabene Staatseinrichtung, welche hochherzig und offen den Grundsatz der Volkssouverainctät, die Gleichheit der Rechte und Pflichten Verwirklicht und die Grundsätze der Brüder­lichkeit, welche schon vor 18 Jahrhunderten das Christenthum aufstellte, zu Thaten übergehen läßt. Es wäre verbrecherisch, die Grundsätze verkennen zu wollen, die sich an der Spitze der neuen Verfassung eingeschrieben befinden. Welche Pflicht ist leichter, als ein Land nach den Grundsätzen der Freiheit zu verwalten? Wer in unseren Tagen könnte an der Gleichheit zweifeln? (Gut! zur Linken.) Wir sind überzeugt, daß die gegenwärtige Schwäche der Regierung aus der allgemeinen Besorgniß und Beunruhigung her­rührt. Man muß daher dem Volke begreiflich machen, daß eine Revolution keineswegs einen fortlaufend ruhestörenden Charakter der Gesellschaft bedingt; man muß ihm zeigen, daß sich die repu­blikanische Regierungsform wohl mür Ler Achtung aller erworbe-