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ju nichte mache, aus Furcht für das Bestehen des Thrones selbst. Das mag beschränkt sein, aber es ist ehrlich. Sehr vortrefflich war aber folgende Behauptung des Hrn. Siebert: Nicht die Republikaner haben den Thron in Frankreich gestürzt, sondern die Räthe der Krone. Auch bei uns wird das lächerliche Häuflein der Republikaner den Thron nicht stürzen.--

Riehl sprach in würdiger und jedenfalls die Sache treffender Weise vor dem Schluß für sein Amendement: Der Schwerpunkt der Staatsgewalt ist aus dem Cabinet in die Volksvertretung übergegangen. Diesen Kern der Bewegung verkennen, würde möglicherweise zu dem führen, was in Frankreich das Königthum gestürzt hat. Es komme auf einen Friedensschluß zwischen Krone und Volk an, man weise die Hand zur Versöhnung nicht zurück. Die Majorität ist für den Schluß. Die Abstimmung über das Iung-Maetze'sche Amendement: „Wir rc. verkündigen hiermit fol­gende von den Vertretern des Volkes beschloffene Verfassung" geschieht unter dem von allen Seiten der Versammlung verlangten Namensaufruf. 216 stimmen gegen, 110 für das Amendement; Einer (Cieszkowski) enthält sich der Abstimmung, 75 fehlen. Das Amendement Siebert wird hierauf gleichfalls verworfen; dagegen Las Amendement Riehl: „Wir verkünden hiermit die von den Vertretern des Volkes durch Vereinbarung mit Uns festgestellte Verfassung" unter Namensaufruf mit 284 gegen 43 (äußerste Fraktion der Linken) angenommen." (Schluß 2 Uhr.)

In der Abendsitzung der Nationalversammlung wurde dann Abgeordneter Grabow mit 231 Siimmen zum Präsidenten ge­wählt. Nächst ihm hatte Waldeck die meisten (88) Stimmen.

Was nun die das Tagesgespräch ausfüllenden Gerüchte von Lem höhnischen Empfang, den die Deputation beim König gehabt habe, betrifft, so mußte schon der Umstand diese Gerüchte als über­trieben darstellen, daß die Reichstagsverhandlungen folgenden Ta­ges so wenig Bitterkeit verriethen und zu einer so eelatanten Nie­derlage der Linken führten. Es geschah in diesen Verhandlungen Ler ganzen Geschichte keine Erwähnung, also konnte sie nicht so gar bedenklich gewesen sein. Präsident Grabow lehnte es zwar am 17., als er über die Gratulations - Ceremonie berichtete, ab, Lie Antwort des Königs mitzutheilen, da sie frei gesprochen, keine Nachschrift vorhanden sei und er Bedenken trage, eine so wichtige (?) Rede nur ungefähr zu referiren. Die Rede ist nun aber in der Spenerschen Zeitung erschienen, und steht nicht im entferntesten demjenigen gleich, was das Gerücht darüber wissen wollte. Sie ist freilich sonderbar genug gehalten; aber dem Berliner Volke selbst, welches an dergleichen Genialitäts-Ergüsse seines königlichen Freundes gewohnt ist, erscheinen sie unschädlich; und das sind sie in der That auch in einem konstitutionellen Staate, wo die Re­den der Fürsten blos Reden und nur die Reden der Minister Thaten sind.

Auf die Glückwunschrede des Kommandeurs der Bürgerwehr in welcher es hieß: „Gehoben durch die errungene Freiheit ist Ler größte Stolz der Berliner Bürgerwehr, die Feststellung der zugesagten Verfassung zu schirmen, — die gesetzliche Ordnung zu wahren. Majestät! Dieser gesunde Sinn unserer Mitbürger ist Lie sicherste Garantie für die Rechte eines Jeden, für die Rechte Ew. Majestät" erwiederte der König: „Vergessen Sie nicht, daß Sie die Waffen von Mir haben; ich hoffe ein treues und hel- Lenmüthiges Volk zu finden," und es konnte der Berliner Bür- gerwehr allerdings eine freundliche Hinweisung auf ihre Stellung nicht schaden, die sie oft genug verkennt.

Was nun den Kampf mit den Arbeitern betrifft (den wir bereits in der Mittwochs-Nummer in seinem allgemeinen Ver­laufe mittheilten), so war der Abend des 16. allerdings blutiger, als es beim Schluß unseres Berichtes den Anschein hatte. Meh­rere Abgeordnete, namentlich Waldeck, Berends, Jung und Dörk hatten sich zwischen die Kämpfenden begeben, um den Frieden zu vermitteln. Die Barrikade an der Roßstraße- und Jacobsstraßen- Ecke war nur von wenigen Männern besetzt, die auch geneigt schienen, dem Zureden nachzugeben. Die Barrikade selbst war auch nicht so gebaut, daß sie ihren Vertheidigern hinreichenden Schutz sicherte. Gegen 8 Uhr entspann sich gleichwohl an dieser Stelle der Kampf von Neuem. Ein junger Mann in schwarzem Sammtrock stand ungedeckt auf der Spitze der Barrikade, dem

unablässigen Feuer einer starken Abtheilung Scharfschützen ausge­setzt. Er stürzte, von 5 oder 6 Kugeln durchbohrt. Einige von den Scharfschützen hatten sich in die Häuser begeben und feuerten aus den Fenstern auf die Arbeiter. So gelang es, nachdem von beiden Seiten zahlreiche Opfer gefallen waren, die Barrikade zu erstürmen. Von der Bürgerwehr werden als gefallen nahmhaft gemacht: der Bürgerwehr-Major Vogel, ein bei dem Volke sehr beliebter Mann, der bei der Erstürmung das Kommando hatte. Wie allgemein behauptet wird, ist die Kugel, die ihn getroffen hat, aus den Reihen der hinter ihm feuernden Mannschaften gekom­men, ferner: der Vergolder Schneider. Die Arbeiter hoben nach Been­digung des blutigen Aktes die Leichen der Ihrigen aufBahren und tru­gen fit von Fackeln geleitet unter Grabgesängen durch die Straßen. Bei dieser Gelegenheit gab sich in dem Volke ein Zug der Milde und der Versöhnlichkeit kund, den wir nicht vorenthalten zu dürfen glauben. Man wollte zeigen, daß der Groll gegen den gefallenen Feind den Tod desselben nicht überdauere. Arbeiter nahmen die Leiche des Scharfschützen Schneider auf ihre Schultern und trugen sie unter denselben Feierlichkeiten, wie die ihrer gefallenen Mit­kämpfer nach dem Schloß.

Andere Barrikaden, die in derselben Gegend der Stadt er­richtet waren, scheinen nicht angegriffen worden zu sein. Es waren deren in der Dresdenerstraße, an der Jannowitzbrücke und an anderen Orten.

Der Sicherheits-Ausschuß, welcher im Schloß zusammenge­treten war, hatte bereits den Beschluß gefaßt, das Militär zu reguiriren. Der Commandeur der Bürgerwehr, Major Rimpler, that indeß entschieden Einspruch dagegen, und endlich gelang es der Vermittlung der Abg. Temme und Elsner, die Reguisition rückgängig zu machen. Dagegen hatte man !die Constabler zur Unterstützung der Bürgerwehr herangezogen und mit Feuergewehren bewaffnet. Der Constabler-Hauptmann Holbein, der sich schon in früheren Stellungen als Mitglied der Stadtverordnetenversamm­lung und als Hauptmann in der Bürgerwehr allgemein unbeliebt gemacht hatte, wurde nebst Einigen aus seinem Corps tödtlich - getroffen. —

Der Anlaß zu dem Conflict war so geringfügig und schien zu den furchtbaren Folgen so wenig im Verhältniß zu stehen, daß man sich der Ueberzeugung nicht zu erwehren vermochte, der Streit sei geflissentlich und zu fremden Zwecken angefacht worden. Auf beiden Seiten gewann die Ansicht Raum, eine Partei bezwecke, die Bürgerwehr zu ermüden, und das Heranziehen des Militairs nothwendig zu machen. Ein mehrfach genannter Mann, der sich besonders durch seine Agitationen unter der Landwehr zu Gunsten des Prinzen von Preußen bemerklich gemacht hat, soll unter den Arbeitern das Feuer vorzugsweise geschürt haben. Es wird ferner erzählt, daß ein Herr mit einem gefälschten Schreiben des Bürgerwehrkommandeurs versehen, das Einschreiten des Militairs zu bewirken versucht haben soll. Die Fälschung soll sofort ent­deckt und der Präsentant des Schreibens, der sich von Bülow nannte, zur Haft gebracht sein.

Etwa um 10 Uhr trat Regeuwetter ein und dies mochte mit dazu beigetragen haben, daß die Ruhe nicht weiter gestört wurde. Heute früh versammelten sich die Arbeiter zu Tausenden vor dem Echtes. Thore auf dem Köpnicker Felde. Einflußreiche Per­sonen traten vermittelnd dazwischen und versuchten Alles, was zu einer Wiederholung der gestrigen Vorgänge hätte Anlaß geben können, vorzubeugen. Etwa um 12 Uhr zogen ungefähr 2000 Arbeiter, in Abtheilungen gesondert, unter Vorantragen von Fah­nen, nach dem Gensdarmeriemarkt. Sie stellten sich vor der großen Freitreppe des Schauspielhauses auf, um eine Antwort auf ihre der Nationalversammlung überreichte Petition zu erwarten. Der Abg. Berends trat unter sie, versprach, daß die Nationalversamm­lung Alles thun werde, um ihnen Recht zu schaffen und bewog sie, sich in Ruhe zu entfernen. Ueber die Petition wird morgen in der Versammlung Bericht erstattet werden.

Verschiedene Plakate des Bürgerwehrcommando's und der demokratischen Vereine ermahnen heute zur Ruhe und zur Ver­söhnung. Das Regenwetter, das seit heute Mittag ununterbrochen und heftig anhält, wird diesen Ermahnungen mehr als alles An­dere Nachdruck geben.

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