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her Masse derer, die nun einmal nicht selbst denken mögen, schnelle und allgemeine Verbreitung gefunden. So sei die eine Hälfte demoralisirt, die andere in feiger Angst von der Sehnsucht nach Reaktion erfüllt worden. Dieses Treiben der Presse dauere noch in diesem Augenblicke fort und jetzt unter dem Einflüsse des Schreckens dürfe man es nicht einmal wagen, die wahrhaften Zustande Wiens in ihrer Trostlosigkeit zu schildern. Die handgreiflichsten Lügen würden verbreitet und machten den Weg durch alle Zeitungen. Zur möglichsten Berichtigung thue es Noth, auch einige wahre Daten zu lie­fern. Zunächst verweilt Referent einen Augenblick bei der Ermordung La­tours. (Diese That läßt allerdings in ihrem haarsträubenden De­tail Alles, was die französische Revolution in ihren wildesten Tagen leistete, hinter sich zurück und wirft ein grauenvolles Schlag­licht auf die sittlichen Zustande im Volke. Der hochbetagte, mit tausend Verdiensten geschmückte, von Allen die ihn kannten ge­liebte Greis ward, am Pfahle hängend, von einem entsetzlichen Reigen entmenschter Weiber umtanzt, die mit dem von der Brust abwärts entblößten Körper ein scheußliches Spiel trieben--) „Die näheren Umstände seines Mordes, bemerkt Referent, sind so grauenvoll, so unmenschlich, daß selbst unsere liberalsten Blät­ter, darüber hinweggehend, sich scheuen, das von ihnen aufgeregte Volk damit bekannt zu machen. Eine solche Schandthat, für welche man übrigens dem Volke gegenüber einen sonderbaren Aus­druck „schreckliche Selbsthülfe" nimmt. — Selbsthülfe! — „Als eine in ihrer Art beinahe nicht minder zu verdammende Schand­that muß die Verführung der Armee bezeichnet werden: einer Ar­mee, deren Treue den Feinden der Ordnung und Gesetzmäßigkeit schon lange ein Dorn im Auge und deren Zerstörung ihre beson­dere Sorge war. Und welcher Mittel bediente man sich dazu? Wein, Geld und Weiber! Von wem? Von Seiten einer Provinz, deren Treue bisher ihr Stolz war und mit Recht sein konnte; durch wen? durch eine übermüthige, unüberlegte Jugend und durch ihre übrigen Werkzeuge, deren Gewinnung wieder dieselben Mit­tel kostete." — „Es ist gelungen, doch nicht so, wie es die Blätter, welche nur allein in Wien schreiben dürfen, darstellen. Nicht zwei Cürassirregimenter, nicht einige Grcnadierbataillons und Infanterie vergaßen ihren Eid, sondern die Schaar österreichischer Krieger, welche in Wien ihre Pflicht vergaß (es ist notorisch, daß die Mannschaft großtentheils in trunkenem Zustande war, als sie sich gegen den Nordbahnhof in Marsch setzte), beschränkt sich auf ungefähr den dritten Theil eines 700 Mann starken Grenadier- bataillons , wovon bis heute aber schon der größte Theil den be­gangenen Fehltritt schwer bereuend, sich wieder bei der Fahne einfand, so daß nur ein kleiner Rest von circa 50 Mann noch hier ist, nicht aber um zu kämpfen, sondern um auf der Aula fortwährend im trunkenen Zustande erhalten zu werden, welche Be­schäftigung höchstens durch triumphartiges Herumführen der irrege­leiteten treulosen Soldaten in der Stadt unterbrochen wird. — Ebenso unwahr sind alle Nachrichten von den Zuzügen der Bau­ern aus dem Marchfeld und den 1500 Schützen aus Steyermark; die Bauern des Marchfeldes, welche im gewöhnlichen täglichen Verkehr Lebensmittel in die Stadt brachten, empfingen dort Waf­fen, mit denen sie jedoch in ihre Heimath zurückkehrten, um ihr Hab und Gut gegen etwaige Angriffe der Proletarier zu verthei­digen. — Der Zuzug aus Steyermark beschränkt sich aber auf 90, sage: neunzig Schützen und Studenten unter dem gleich nach den Märztagen in Gratz aufgetretenen Wühler Dr. Emperger. Eine wei­tere schändliche Lüge, deren Ausstreuung man sich sehr angelegen sein ließ, war es, daß der Kaiser auf der Flucht von Wien von den Bauern auf seiner Reiseroute angehalten und nach Wien zu- rückgebracht worden sei; denn schon bei Purkersdorf, eine Post von Wien entfernt, und von da weiter hätten sich die Wiener Bewegungsmänner leicht überzeugen können, daß Wien nicht Oe­sterreich ist; denn schon da haben die Bauern, ebenso wie auf der ganzen Route durch Oesterreich, weit davon, mit manchem Ge­lehrten in Wien die Abreise des Kaisers aus seiner allerdings un­ruhigen Residenz zu tadeln, dieselbe vielmehr als vollkommen recht erkannt und find vor ihrem, unter dem Schutze treuer Soldaten fliehenden Monarchen, seinen Segen erbittend, auf die Kniee ge­fallen! Sonderbar, auch diese Thatsache fand ich in keinem Wie­ner Journale."—Was wäre von der braven Armee des treuen Banus noch übrig, wären alle die Siege wahr, welche die Magyaren

über ihn errungen haben sollen? Und doch steht er, nicht mit 2000 zerlumptem, zusammengerafftem Gesindel, sondern mit 12000 Mann kampflustiger kernhafter Truppen, vor Wien und erwartet in wenigen Tagen seine Verstärkung auf mehr als 30,000 Mann. Alle diese Siege, von denen wohl Niemand etwas wissen kann, weil noch gar kein Gefecht zwischen dem Banus und den Ma­gyaren stattgefunden, bilden eine der unverschämtesten Lügen der neuern Zeit, obwohl diese Nachricht die Runde durch eine Menge Wiener Journale gefunden hat. Wahrscheinlich finden es jedoch dieselben überflüssig, diese Unwahrheiten zu widerrufen, weil der Allarm durch alle Straßen Wiens geschlagen wurde, als man von den Thürmen aus die Avantgarde des Banus anrücken sah. Man könnte versucht werden, den Muth des Banus nach den ihm von den Magyaren beigebrachten gänzlichen Niederlagen zu be­wundern, daß er auf der Flucht mit seinen feigen Horden so ruhig zwischen zwei fürchterliche Feinde sich wagt, zwischen die heldenmüthige akademische Wiener Legion und das von Kos- suth decretirte Heer von 300,000 Mann.

Eine Lüge ist es, wenn man behauptet, daß der größte Theil der Einwohner Wiens sich nach jener Freiheit sehnt, welche man jetzt dort genießt; die „Wiener Zeitung" mag darauf antworten, wenn sie es darf, oder vielmehr, wenn sie es wagt. — Es ist unwahr, daß die dermaligen Vertheidiger Wiens die Mittel zu einer kräftigen Vertheidigung besitzen, denn sie baben das kaiser­liche Zeughaus wohl größtentheils geplündert, ja sogar die dort aufbewahrten Trophäen, aus den früheren ruhmvollen Kriegen des Vaterlandes, verschleppt; ja man genießt hier sogar den komischen Anblick, viele Mitglieder der akademischen Legion mit den im Zeug­hause aufbewahrt gewesenen Cürassen gepanzert durch die Gassen Wiens umhersteigen zu sehen; indeß zu dem von dort auf die Wälle transpor- tirten schweren Geschütze fehlt ihnen die Munition: denn es ist glückli­cherweise gelungen, sämmtliche Munitions- und Pulvervorräthe von der sogenannten Türkenschanze, aus den Depots auf der Seiler­stadt und im Wiener Stöckel zu retten, und wie bekannt enthal­ten die Casernen keine Munitionsvorräthe, da die Mannschaft die beihabenden Patronen (60 per Mann) in der Patrontasche bei sich führt; auch ist die Wiener Nationalgarde weit davon, in ihrer ganzen Stärke die Sache des Proletariats und der akade­mischen Legion zu vertreten, denn nur etwa 30 Compagnien der­selben sind als verführt zu bezeichnen; die gesammte National­garde der Stadt und der größte Theil jener der Vorstädte sehnt sich nach Ruhe, nach einem gesetzmäßigen Zustande, in welchem Sinne auch die wichtigsten Gebäude und Etablissements in der Stadt, wie die Nationalbank, die Staatsschuldenkasse, die Spar­kasse u. s. w. von ihr bewacht werden. Die Antwort des BanuS an den Reichstag ist beinahe wie ein delphischer Orakelspruch, indeß selbst für den Fall, als unsere Jugend, unterstützt von ihren Freunden und Brüvern Arbeitern, es auf eine, wenn auch noch so kurze Vertheidigung ankommen lassen sollte, und dadurch die gerechte Wuth der Armee, in welcher der feste Entschluß be­steht, den schändlichen Mord ihres Ministers und den Schandfleck, welchen man ihr durch Verführung Einzelner beigebracht hat, zu rächen, noch steigern würde, wollen die wenigen durch ihre Ver­hältnisse hier Zurückgehaltenen sich sogar nach dem Einrücken der Truppen sehnen, denn dann erst dürfte die Gefahr des Proletariats in der Stadt als beseitigt und die seit dem März wohl ausge­sprochene und angerühmte, von den Wienern aber bisher noch nicht genossene, Freiheit in Wien wirklich zu finden sein."

Man sieht, unter dem Einflüsse welcher Stimmung und wel­cher politischen Ansichten der Mann geschrieben hat. Das darf aber nicht hindern, uns auf das Thatsächliche seiner Angaben auf­merksam zu machen. — Uebrigens hatte sich am 16. bis Mittags 2 Uhr nichts wesentlich verändert. Die Ungarn, heißt es, bleiben aus, man weiß nicht warum? Die Stimmung ist sehr gedrückt.

WCassel, 15. Oct. (Studentencongreß in Eisenach) (Fort­setzung.) Wir kommen zum zweiten Punkt, die Honorare betref­fend. Die Jenaer Versammlung hat sich fast einstimmig gegen — die Eisenacher fast einstimmig für Abschaffung derselben, aber wie wir sogleich hinzufügen, für eine modificirte Abschaffung, wo­durch weder „das Institut der Privatdocenten untergraben, noch die Freiheit der akademischen Lehrer gefährdet wird," ausgesprochen. Fast sollte man meinen, wenn man diese großartige Dissonanz in

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