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natürlich in der gräßlichsten Bestürzung, weil er eben so sehr die Sensenmänner, als die Russen zu fürchten hat. Es bilden sich deßhalb unter Leitung der Edelleute allenthalben Freicorps (ihre Anzahl wird schon auf 14,000 Mann angegeben), welche nach Ungarn den Magyaren zu Hülfe ziehen wollen, theils aus poli­tischen Rücksichten, theils um ihr Leben sicher zu stellen. So verwirren sich von Tag zu Tag alle Verhältnisse mehr, und auf eine so grauenvolle Weise, daß wir nur mit düsterer Ahnung in die nächste Zukunft sehen.

Ueber die Bewegungen Auerspergs und Jellachichs stellt das zu Wien erscheinende Lloyd-Journal unter dem 14. folgende Ver­muthungen auf. Sollen wir über die ganze Bewegung von Jellachich und Auersperg ein Urtheil aussprechrn und ihr Ziel zu errathen suchen, so scheint es uns, als wollen beide sich des Donauüberganges, der Eine unterhalb und der Andere oberhalb der Stadt versichern, um im Falle eines unglücklich ausgehenden Kampfes sich über die Donau zurückzuziehen und mit den Truppen im Marchfelde und später mit dem Heere des Windischgrätz sich zu vereinigen. Es darf uns deßhalb nicht wundern, wenn Jella­chich heute oder morgen sich bis Klosterneuburg ausdehnt und Auersperg den Uebergang über die Donau vorbereitet. Denn es scheint, als sei es Plan, ein großes Armeecorps entweder im Marchfelde oder bei Brünn zusammenzuziehen, und dann die Ope­ration gegen Wien mit vereinten Kräften zu beginnen.

Bei der Beschreibung der Zustände in der Stadt fährt als­dann dasselbe Blatt folgendermaßen fort: Zum Staunen sind die Befestigungen in den Vorstädten und an den Linien; hier sind die Barrikaden noch von Schanzen und Gräben unterstützt; es wurden förmliche Verhaue gebildet und einzelne Punkte, welche besonders dem Angriffe ausgesetzt sind, in eine Art improvistrter Forts umgcwandelt. Die Stimmung der Bevölkerung entspricht diesen kriegerischen Rüstungen; besonders aber zeichnen sich, außer den Akademikern, die bewaffneten Arbeiter und Nationalgarden der Vorstädte aus. Es ist höchst anerkennenswerth, wie die Arbeiter die ungeheuren Strapazen des Nachtdienstes ununterbrochen schon seit fünf Tagen und fünf Nächten ertragen; wie sie in ihren dünnen Nöcken, ohne Mäntel, im Regen und Wind unverdrossen auf den Wällen auf- und abpatrouilliren, und trotz des Mangels, welchen sie nicht selten erleiden, zu keiner Drohung oder Gewaltthat schreiten, ja nicht einmal eine Forderung laut werden lassen.

Wie man derDeutsch. Ztg." aus Wien schreibt, wäre schon am 4. October der kaiserliche Hausschatz in aller Stille aus der Hauptstadt fortgeschafft worden. Dies werfe ein helles Schlaglicht auf die Ereignisse, sagt der Berichterstatter.

Die Nordbahn ist vom Reichstagsausschuß unter den Schutz des Reichstags und der edlen Bevölkerung Wiens gestellt.

Die Landleute, welche aus von Croaten besetzten Dörfern nach Wien kommen, versichern, daß diese alle ihre Lebensmittel, welche sie für ihre Person benöthigen, bezahlen, und zwar mit lauter österreichischem Papiergelde.

Anständig gekleidete Personen aus Wien dürfen die von ^Kroaten und Auerspergs Truppen besetzten Ortschaften passiren, aber sie dürfen keine Stürmer tragen und keinen weißlodigen Rock (Steirer) anhaben. Daß auch keine Gardeuniformen gern gesehen werden, versteht sich von selbst. Die deutschen Truppen haben die hinterste und von Wien entfernteste Stellung inne, während in Jnzerèdorf nur slavische Truppen cantonirt sind.

Kudlich und ein Akademiker wurden bei Stein durch das Anschlägen des Militärs gezwungen, sich gefangen zu geben, und waren 5 Stunden eingesperrt, bis Oberst Pott kam und sie freiließ.

Olm ütz, 12. Oct. Heute zieht eine öffentliche Kundmachung an den Straßenecken Aller Aufmersamkeit auf sich. Sie lautet: Nach einem so eben angelangten Schreiben des mährisch-schlesi­schen Guberniums vom 10. d. M. wird Se. Maj. der Kaiser sein Hoflag er auf einige Zeit nach Olmütz verlegen, was hiermit den Bewohnern dieser Hauptstadt zur Kenntniß gebracht wird. Merkandin, Kreishauptmann." Dadurch ist den vielfälti­gen widersprechenden Gerüchten von dem Endziele des kaiserlichen Reisezuges auf einige Zeit wenigstens Einhalt gethan. Der Kaiser sammt dem Hofstaat wird im erzbischöflichenPalaiS

absteigen, worin schon innerlich und äußerlich Vorbereitungen ge­troffen werden.

Prag, 14. Oct. Heute Morgen wurde die alte Uni» versitätsfahne, welche bei der Erstürmung der Aula in den Pfingsttagen weggenommen war, von dem Bürgermeister Wank» der akademischen Legion feierlich wieder übergeben. Unter Sla­warufen ward das ursprünglich deutsche Banner auf das alt- städtische Rathhaus geleitet. Die Prager Stuventen haben den Wienern ihre Sympathien schlecht vergolten; sie verbünden sich mit czechischen Rechten, welche sich alle Mühe giebt ihnen Jella­chich und die Erzherzogin Sophie als die ächten Freunve der Freiheit darzustellen.

Ungarn

Pesth, 10. Oct. So ist es denn endlich wahr geworden, was seit lange der Wunsch und die Hoffnung eines jeden Ma­gyaren war. Das Corps des General Roth hat sich ergeben. Er selbst, sowie General Phillipowich, 57 Offiziere und 7500 Grânzer sind gefangen, 12 Kanonen, 4 Fahnen erobert worden. Man kann sich denken, welchen Jubel diese Nachricht im Repräsentantenhause erregte. Doch vergaß man der Zukunft nicht. Kossuth wurde mit unumschränkten Vollmachten zum Präsidenten des Sicherheits-Ausschusses ernannt.

Auch im Süden sind die Kroaten unglücklich: das irreguläre Corps des Grafen Nugent hat bei Kaniza trotz seiner Tapferkeit eine Schlappe erlitten, und mußte sich nach Legrab zurückziehen. Es wurde von einer weit überlegenen Anzahl magyarischer Trup­pen überfallen und mußte, durch das schlechte Terrain in Nach­theil gestellt, 2 Mörser dem Feinde überlassen, der nebstdem noch 60 Mann gefangen nahm. Neue Verstärkungen (3000 Mann) gingen am 8. von Agram zur Drauarmee ab und Bogowih, der Commandant der Drauarmee, wird bald 15,000 Mann beisam­men haben, mit welchen er angriffsweise verfahren wird.

* Kassel, 19. Oct. Abends. Schon wieder laufen die bestimmtesten Nachrichten über die Einnahme Wiens durch Win­dischgrätz dahier ein. Man begreift nicht, woher diese Unglücks­vögel ihre raschen Flügel nehmen und ob sie die Freude oder der Schmerz so leicht beschwingt hat. In jedem Falle scheinen es blos die geschwinden Kinder der Phantasie zu sein, denen wir in dieser ernsten Zeit nicht so leicht folgen dürfen. Was die Wiener Ereignisse selbst betrifft, so schien es uns in der Spannung des Augenblickes nicht wohlgethan, dem Urtheil unserer Leser und den Ereignissen selbst vorzugreifen durch Betrachtungen, welche für die Begebenheiten selbst ohne Werth, doch nur der Zukunft ange­hören können und jetzt vielleicht ungelesen den Raum für die Erzählung hinwegnehmen würden. Wir begnügen uns für heute mit der Versicherung, daß wir in der Wiener Katastrophe noch ganz etwas Anderes erblicken, als den wüsten Aufruhr. Wie trübe und verderblich auch die Gewässer sein mögen, die sich hier ergießen und nur zu sehr zur Oberfläche drängen, immerhin dür­fen wir nicht vergessen, daß es der Strom eines unabwendbaren Verhängnisses ist, das über Oesterreich jetzt hereinbricht. Wir haben sehr triftige Gründe anzunehmen, daß das Interesse Deutsch­lands, von welchem uns das Interesse der Freiheit ganz unzer­trennlich scheint den Sieg der deutschen Sache in Oesterreich fordert. Und wenn sie jetzt, was gar nicht unwahrscheinlich ist, dort unter­läge, so würde sie sich doch immer wieder erheben müssen und nur zu immer neuem Bürgerkriege führen. Deshalb haben wir die günstigen Berichte, welche uns über den Helvenmuth, die Stärke, die Mäßigung der Wiener Bevölkerung und über die Sympathien in den Provinzen vorlagen, gern mitgetheilt, weil sie uns erwünscht waren. Um so weniger dürfen wir besorgen, miß­verstanden zu werden, wenn wir mit der Gewissenhaftigkeit, deren sich die erzählende Presse nicht entscblagen darf, auch einmal den Bericht eines Wiener Korrespondenten der O-P-A-Ztg. anführen, welcher ganz anders lautet, als die bisher mitgetheilten:

Der Berichterstatter mißt den maßlosen Ausschweifungen der Wiener Presse seit den Märztagen den größten Theil der Schuld an all dem seither eingetretenen Mißgeschicke bei. Die Lügen und Unverschämtheiten dieser Presse, welche allerdings jeden Glauben übersteigen und die man selbst lesen muß, die niedrigen Leidenschaften, die dort gepredigt wurden, hätten zufolge eines Naturgesetzes unter