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W. GaffH, 15. October. (Studentencongrcß zu Eisenach.) So bedeutungsvoll wir auch die Versammlung der Abgeordneten der deutschen Studentenschaften, sowohl in Beziehung auf die Re­form der Universitäten, als auch für das Leben der Studirenden selbst gehalten, so einflußreich wir auch die Verbrüderung der aus allen Theilen unseres Vaterlandes hcrbeigeeiltcn Jugend selbst für die politische Bewegung der Gegenwart genannt haben und es dürfte diese Verbrüderung der deutschen Jugend wohl nicht das schwächste Bindemittel sein, die zerrissenen Theile Deutschlands dauernd aneinander zu fesseln, sowie auch die demokratische Be­wegung, jetzt nur zu oft angegriffen wegen der Persönlichkeit derer, die ihr huldigen, durch ihren Hauch, den Hauch der begei­stertsten Vaterlandsliebe zu adeln: angesichts der großen poli­tischen Ereignisse hielten wir einen Bericht obiger Versammlung für die Leser Ihres Blattes von zu geringem Interesse und unter- ließen es deshalb, einen solchen zu liefern, so sehr auch andere Blätter Falsches und Mangelhaftes berichteten. Nun wir aber in den letzten Nummern Ihrer Zeitung eine Abhandlung über die Jenaer Docentenversammlung finden, dürfte cs nicht ganz uner­sprießlich sein, dieser auch einen über die Eisenacher Studenten­versammlung gegenüber zu halten, besonders um die Abweichun­gen in den Ansichten der Lehrenden von denen der Lernenden hervorzuheben und zu motiviren.

Im Ganzen genommen sind die Beschlüsse der Docenten-Ver- sammlung befriedigender ausgefallen, als wir von einer so zusam­mengesetzten Versammlung erwartet hatten. Wir waren schon ge­faßt darauf, die wenigsten unserer frühern Wartburgbeschlüsse, das Werk einer übersprudelnden Phantasie, wie man sie wohl zuweilen zu nennen pflegte, realisirt zu sehn und fühlten schon den Vorge­schmack der Entgegnungen, welche in der Regel der Erfahrene dem Unerfahrenen, der Lehrer dem Schüler, das Alter der Jugend macht, dierasch fertig mit dem Wort", die Uebergänge des Alten zu dem Neuen nicht vermittelt, sondern schroff in die neue Ge­staltung der Dinge hinüberspringt. Um so mehr freut es uns jetzt von unsern Docenten, viele unsrer Bedürfnisse richtig em- pfunden, viele unserer Wünsche gewürdigt zu sehen; und wir müssen gestehn, daß wir jetzt die besten Hoffnungen von der Ein­führung einer Reform hegen, die so ziemlich alle Universitätsan- gehörige befriedigen wird. Bedauern müssen wir aber, daß die Herren Professoren sich nicht die Zeit genommen haben um die ganze Reformfrage zu erledigen, statt uns mit der Beendi­gung der Vorarbeiten auf die nächstes Jahr stattfindende Ver­sammlung zu vertrösten, von wo aus die Vorarbeiten dann der Nationalversammlung zur Vollendung übergeben würden, die auch im Zögern bekanntlich nicht ganz unerfahren ist.

Nicht vertreten waren in Eisenach (hierbei haben die Zeitungen am meisten gelogen) Berlin, welches seine Zustimmungen zu den Beschlüssen der Majorität vorausmeldete und nur wegen der poli­tischen Aufregung in Berlin die Betheiligung versagen zu müssen glaubte; Freiburg und Erlangen, welche leider die Einladung nicht erhalten hatten und endlich Jena. In letzterer Universität, so ging wenigstens das Gerücht, vereinigten sich, wie Nadcwitz und Arnold Ruge, wieder einmal die beiden Ertreme zu einem Ziele. Die radikale Partei sah in einer Versammlung specifi­sche r Studenten zu viel Reaktionäres, und die konservative Partei war von der allzugroßen Freisinnigkeit der Beschlüsse schon vorher überzeugt.

Die Beschlüsse, betreffend die Organisation der einzelnen Stu­dentenschaften , übergehen wir als von zu geringem Interesse für alle Nichtstudirende. Die Majorität von Halle's Deputirten er­klärte im Lauf dieser Versammlung ihren Austritt wegen der be­schließenden Kraft, welche die bei weitem größte Anzahl der deut­schen Studirenden dem Gesammtausschusse gegeben hatte. Sie motivirten denselben mit inhaltsleeren Phrasen über die gefährdete Einheit und Eintracht des deutschen Studententhums.

Wir wenden uns nun zur Reformfrage der Universitäten und halten uns dabei an den in den vorigen Nummern dieses Blattes enthaltenen Bericht des Jenaer Universitätencongresses (cf. Nro. 136). Da müssen wir denn allerdings gleich Anfangs bei der Frage über die bei der Lehrfreiheit zuzulassenden Modifikationen mit der dortigen Minorität unsern einstimmigen Dissens zu Protokoll geben. Also nur über verwandte Fächer soll ein habi-

litirter Docent seine Vorlesungen erstrecken dürfen?! Und in zwei­felhaften sollen die betreffenden Facultäten entscheiden? d. h. mit andern Worten, die unnatürliche und unvernünftige Facultäten- sonderung aufrecht erhalten, möglicherweise sie noch verschönern! Glücklich wenigstens die in der philosophischen Fakultät Habili- tirten! denn diese nimmt alle von den übrigen vier Fakultäten verlassenen Lehrgegenstände unter ihrem allerdings Viel umfas­senden Protectormantel auf und gewährt ziemlich freien Spiel­raum. Oder soll ein Docent auch nicht einmal innerhalb seiner Facultät sich frei bewegen dürfen? Nun wahrhaftig, wir können es nicht absehen, welcher Zweck und wie derselbe durch eine Be­schränkung erreicht wird. Verdächtigen ist zwar unsere Sache nicht, aber wir müssen gestehen, es kommt uns vor, als fürchtete man mit Unrecht die freie Concurrenz auch in der Wissenschaft, wie man sie in den Gewerben zwar gerade nicht von Seiten der Professoren mit Recht fürchtet. Denn was die Befähi­gung anbetrifft, von der uns ein vorhergehendes Eramen vielleicht überzeugen soll, so müssen wir gestehen, daß wir die Autorisation eines Docenten von Seiten einer Facultät ebensowenig für einen hinreichenden Prüsstcin halten, daß der, welcher ihn führt, ein ge­lehrter Mann fei. Wenn man wieder, väterlicher Sorgfalt voll, die Jugend beschützen will, daß keine verderbliche Saat in ihren empfänglichen Schooß gestreut werde, wohlan, so möge man aus demselben Grunde die Presse bewachen, die dasselbe zu erreichen vermag. Wir sind zwar auch überzeugt, daß die wahre Freiheit nur da gedeiht, wo jenseits derselben Schranken gezogen wer­den ; Beschränkungen der Freiheit selbst hassen wir, mögen sie von einer Regierung oder einer Universitätsbehörde kommen. Die Uni­versitätsbehörde hat dafür zu sorgen, daß kein Fach verwaist fei, sie hat auch das Recht, einen Docenten, der für ein bestimmtes Fach habilitirt ist, zu zwingen, Vorlesungen über dasselbe zu hal­ten, eben damit es nicht herrenlos ist; aber, wenn es ein Docent mit seinem Pflichtgefühl vereinigen kann, wenn es ihn treibt, auch über andere Dinge die Jugend zu belehren, so gebe man dem Drange seines Geistes Freiheit! Das ist unsere Ansicht!

(Fortsetzung folgt.)

Wien, 12. Oct. Das Journal des vsterr. Lloyd giebt unterm 12. d. folgende Schilderung des Kriegsschauplatzes der Parteien: Von der Höhe des ehrwürdigen Stephan übersieht man jene Schaaren, die in weitem Kreise uns umlagern: Ru- thenen, Massuren, Russniaken und Polen aus Gali­zien, Deutsche und Czech en aus Böhmen und ehrliche Alt- österreicher bilden die Truppen, welche im Lager am Belvedert standen, lind sich jetzt theils gegen das Dorf Simmering zur Donau hin, theils gegen die Südbahn zurückgezogen haben; im weiteren Kreise aber, ton Klein-Reusiedl an über Himberg bis nach Mödling zur Brühl und den Abhängen des Wiener Waldes schwärmen die beweglichen Schaaren des Banus Jellachich: Illyrier mit ihren rothen Mützen, die Rothmäntler (die Ser^ schauer), Croaten, zahlreiche Grenzer, und dazwischen CavalleN! und Artillerie der kaiserlichen Armee; auf der andern Seite bei Donau, bei Süßenbrünn, liegt ein wallachisches Regiment, mit wissen nicht, woher gekommen und wohin bestimmt; einzelne jer streute Pionier - und Reiter-Abtheilungen, und auf der Rout nach Ungarn hin jenes Bataillon Jta liän er, welches am 5. Oct hätte von Wien gen Pesth ziehen sollen, und dessen Obers Ferrari von seinen eigenen Offerieren unter meuterischen Drohun gen gezwungen wurde, gestern seine Abdankung zu unterzeichnen Im Hintergründe aber gen Osten hin am rechten Ufer der Donau zeigt sich schon, drohend für die Einen, sehnsuchtsvoll erwarte und freudig begrüßt von den Andern, die He er macht de: Magyaren. Es ist, als habe die ganze Monarchie sich großes militärisches Rendez-vous unter den Mauern der Haupt stadt gegeben, um das Schauspiel der massenhaften Volksbewegung mit scharfem Auge und blanker Waffe zu beobachten und z> überwachen.

Dies ist in allgemeinen Umrissen ein Bild von dem Aeußcri unserer Lage; schwieriger ist es, das innere Getriebe der Bewegung kennen zu lernen und darzulegen.

Die Fäden der ganzen Bewegung, insofern sie nicht gan ohne Leitung und nur instinctartig revolutionär ist, eoncentrirei sich in verschiedenen Brennpunkten, welche sind: 1) Der Reichs