Neue Hessische Zeitung.
M III.
Mittwoch, den 18. October.
1848.
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben« )er Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 13 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern- Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet. —
Politische Nachrichten.
Deutschland.
Frankfurt, 16. Oct. In der heutigen Neichsver- ammlung, deren Bericht wir ausnahmsweise erst morgen liefern werden, ward, nachdem eine Menge neuer Interpellationen gestellt, nb eine Menge aller vom Minister des Innern beantwortet, uch von Bogt und Genossen verschiedene dringliche Anträge ver- ebens gestellt worden waren, endlich zur Tagesordnung überge- angen. Ueber den 1. und 3. Gegenstand (die Skandäler) wurde ir dieses Mal und in der Erwartung, daß dergleichen nicht wie- er vorkommen werde, zur Tagesordnung übergegangen. Die beehrte Untersuchung gegen die drei Angeklagten wurde mit 245 'gen 140 Stimmen gestattet.
Aus der Beantwortung der Interpellationen heben wir heute e wichtigste, Oesterreich betreffende, heraus: Die Interpellation ogt's, Mar eck's, Eisenmann's und Forst er's, über das Verhältniß zwischen Oesterreich und Ungarn und die neuesten Ergnisse in Wien angehend, so habe das Ministerium, sobald die reignisse in Wien hier bekannt geworden seien, in einem hohen rade die Wichtigkeit derselben erkannt, da dieselben nicht nur ein 13 nahe verwandtes Volk, sondern auch ein Volk betreffen, lches dem deutschen Blindesstaate angehöre, und jenen Ereig- ffkn die Rücksichten angedeihen lassen, die die Wichtigkeit dersel- il in Anspruch nehme. Das Ministerium habe, ohne sich weiter er die Leiter der Bewegung und die Richtung derselben einzu- sen, gemeint, daß es die erste Aufgabe der Centralgewalt sei, en Bürgerkrieg, der sich entzündet habe, sobald als möglich zu ■nbigen und die sich entgegenstehenden Interessen auf friedlichem ege auszugleichen. Das einzige Mittel dafür sei die unverzüg- -e Bestellung von Reichskommissarieu gewesen, die sich an Ort d Stelle von der Lage der Dinge unterrichten und darnach die sprechenden Maßregeln ergreifen sollten. Aus dem Inhalte der llmacht der beiden Reichskominissäre werde die Versammlung nehmen, welche Aufgabe denselben geworden sei.
Die Vollmacht lautet: Die Vorfälle in Wien und der aus entstandene Bürgerkrieg fordern die Centralgewalt ge- ß des Gesetzes vom 28. Juni §. 2 auf, ihre Pflicht zu illcn. Sie ernennt daher die Herren rc. Welcker und rc.
>sle hiermit als Reichskominissäre für alle österreichischen Ge- tstheile des deutschen Bundesstaates und bevollmächtigt dieselben, e zur Beendigung des Bürgerkriegs, zur Unterstützung der Ge- e und Herstellung des öffentlichen Friedens erforderlichen Bor- rungen zu treffen; zu dem Ende mit den verantwortlichen inistern und nach Lage der Umstände mit dem constituirenden ichstage entsprechenden Falls die zur Durchführung des vor- .'ichneten Zweckes erforderlichen Anordnungen zu erlassen; weß- b Civil- und Militärbehörden angewiesen sind, den Verfügun- der beiden Kommissäre unverzüglich Folge zu leisten. Auch werden die beiden Kommissäre ermächtigt, Special - Kom- iäre für einzelne Fälle oder bestimmte Gebiete zu bestimmen
1 "üt der erforderlichen Vollmacht zu versehen." Die Ver- Mlung werde hieraus ersehen, daß er auf die Frage, ob be- 3 Reichstruppen nach Wien abgesendet seien, mit einem Nein vorten könne. Das Ministerium habe dazu noch keinen Anlaß nden; allein die Vollmacht autorisire die Kommissäre wenn ich von der Nothwendigkeit der Reichstruppen überzeugt hät- dazu, solche herbeizuziehen. Auf diese Weise würden 'die Hstruppen eher zu We kommen können, als wenn sie erst hier aus beordert würden. So lange cs noch nicht bestimmt nach welcher Seite hin Gesetzwidrigkeiten stattgefunden hätten, von hier aus nichts entschieden werden können.
K Frankfurt, 16. Oct. Abends. Stach so eben einge- troffener Nachricht aus Wien, soll die Stadt nach 24 stündigem Kampf im Besitz der Truppen sein.
"Kassel, 17.'Oet. Zufolge des gestrigen Scandales der sogenannten Volksversammlung — in dieser s g. Volksversammlung hatte sich fast Niemand vom eigentlichen Volke Ungesunden; die Anwesenden, Lehrjungen, Schulknaben, bekannte Müssiggänger rc. haben wie gewöhnlich einen furchtbaren Lärm gemacht, vas Präsidium, die einzelnen Redner verhöhnt und unterbrochen rc. und endlich mit souveräner Machtvollkommenheit den Antrag des Hrn. Heise über einen nicht auf der Tagesordnung stehenden Gegenstand zum Beschlusse erhoben, wonach das Volkscomite, gefolgt vom ganzen „Volke", eine Sturmpetition an das Ministerium um sofortige Zurücknahme des von diesem den Ständen vorgelegten Wahlgesetzes überbringen sollte — hat sich das Volkscomite aufgelöst und folgende Bekanntmachung durch Plakat erlassen:
„Die gestrige Volksversammlung hat durch mehrere ihrer Beschlüsse, welche unserer vollsten Ueberzeugung nach mit dem wahren Gemeinwohl überhaupt und mit dem gesetzlichen Petitionsrechte insbesondere gänzlich unvereinbar sind, die Ansicht zur Gewißheit erhoben, daß die große Mehrzahl unserer Mitbürger, von welchen die Wahl des Volkscomitès ausgegangen ist, an den Volksversammlungen sich dermalen nicht mehr betheiligt. Außer Stande, durch Vollziehung zufälliger Beschlüsse einer scheinbaren Majorität zu Werkzeugen fremdartiger Ansichten und Bestrebungen zu dienen, müssen wir demnach den uns ertheilten Auftrag als erloschen betrachten. Indem wir demgemäß unser Mandat niederlegen, erklären wir hiermit kraft unseres einmüthigen Beschlusses das - Volkscomito für aufgelöst. Cassel, am 17. October 1848. Die unterzeichneten Mitglieder des bisherigen Volkscomitès. Alsberg, M. Biermann, Bomm, Eggena, Fehrenberg, Hahndorf, R. Har- nier, Hartwig, C. Herbold, Lüken, Meyer, Muhm, Fr. Oetker, Pfaff, Pfister, Philippi, SaUmann, Scheurmann, v. Waitz."
Die Haufen, welche sich heute gegen Morgen versammelt hatten , um unter Vorantritt des Volkscomites ihre Sturmpetition anzubringen, zogen hiernach unverrichteter Dinge wieder heim. Dem Vernehmen nach haben sich dann Nachmittags die Mitglieder des demokratischen Vereins iviebrr versammelt und nachdem sie auf die Mitglieder des Volkscomitès ganz entsetzlich geschimpft, die Sturmpetition, wie sie gleich hätten thun sollen, ihrerseits abgtben lassen. Doch befürchten wir nicht, daß dieser „Sturm" sonderlichen Schaden anrichten wird. Es war nur ein Wind, freilich ein recht häßlicher Wind.
j- Kassel, am 17. Oct. Gestern ist vom kurfürstl. Ober- Hofmarschall-Amte rücksichtlich des Besuchs des Museums und der Bildergallerie Folgendes verfügt und veröffentlicht worden : „Vom 18. Oktober d. I. an ist 1) die Bildergallerie an jedem Mittwoch, mit Ausschluß der Feiertage, dem Besuche des Publikums geöffnet und zwar von 10 bis 12 Uhr. Jedem anständig Gekleideten ist an diesem Tage der Eintritt ohne Weiteres gestattet. Kinder unter 10 Jahren können gar nicht, Unerwachsene aber nur in Begleitung älterer Personen zugelassen werden. 2) Das Museum ist an jedem Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Der Besuch ist jedoch nur gegen Einlaßkarten gestattet, welche auf vorangegangene, beim Museums-Inspektor zu machende Meldungen ebendaselbst verabfolgt werden." Damit ist zur Beseitigung des bisherigen Mißstandes Einiges, aber noch lange nicht Alles geschehen. Namentlich fehlt noch die Gestattung des Copirens rc. Hoffen wir, daß baldigst die nöthigen Ergänzungen erfolgen!
f Kassel, 18. Oct. Sicherm Vernehmen nach ist ein Gesetzentwurf zur Aufhebung des §. 107 der Verf.-Urk. bezüglich des „obersten Militärchefs" vorgelegt worden.