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jei und die armen Soldaten hatten seit Morgens nichts gegessen. Das hält den Kaiser vermuthlich auf.

Wien, 11. Oct. Die Plänkeleien mit den Auerspergschen und den Croattn baden begonnen. Zwei ungarische Rcichtstazs- veputirte, der ungarischen Armee unter Meßaros beigegeben, er­schienen gestern Abend in dem Studentencomitè mit der Meldung, daß 30,000 Magyaren regulaire Truppen den Wienern u Hülfe kommen würden, daß diese sich nur zweimal 24 Stun­den halten möchten, und daß nur Ermattung der Truppen ihr Zintreffen bis jetzt verhindert härte. Der ephemere Ministerpräsi- vent Recsey wurde aufgehoben und in die Universität gebracht, do er vorläufig in Verwahrung bleibt. Der Gemeinde-Ans­chuß hat ringsumher Commissionen gesendet, welche den Land­sturm in der Art zu organisiren haben, daß er bei einem Angriff auf die Stadt, den feindlichen Truppen in den Rücken falle. In Mariahilf wurde ein Depot mit Munition entdeckt und der ganze Vorrath von der Nationalgarde genommen. 800 Brünner Nationalgarden sind weiter angekommen In der Abendsitzung nachten die Abgeordneten die Antwort Auersperg's zurück. Drei Stunden hatte er mit seinen Generalen Kriegsrath gehalten und ndlich erklärt, er verlasse seine Stellung nicht; man fragte ihn rach etwaigen Bedingungen und er forderte Entwaffnung des Pro- etariats und der unberechtigten Nationalgarve und Beschränkung >cr zügellosen Presse gegen das Mititair. Nebrigens habe der ommandirende General vor einem Angriffe auf sein Lager ge- varnr, indem 40,000 Männer kaum genügen würden, mit Erfolg zegen ihn zu kämpfen.

Jellachich hat folgende Erklärung abgegeben: Die Beweggründe, ne ihn zu seinem Marsche nach Wien veranlassen, sind die des Staatsdieners und Militairs, als ersterer muß er der Anarchie teuern; als Militair giebt ihm der Kanonendonner die Richtung. Sein Hauptbestreben sei die Erhaltung der Monarchie. 3on ungarischen Truppen werde er nicht verfolgt, doch werde er e mit Gewalt vertreiben, wenn sie ihn auf österreichischem Boden ngmfen. Hier auf österreichischem Boden kenne er keine croa- schen und ungarischen Truppen, sondern bloß Kaiserlich-Königliche. Interniertet Jellachich, Feldmarschall - Lieutenant." Er sagte nter andcrm auch im Verlaufe der Gespräche, er fei früher, als ie Wiener, Demokrat (!) gewesen, aber Demokratie ohne Ordnung mne er nicht, und er werde das Acußerste thun, um diese her- istellen; worauf ihm erwidert wurde, daß auch wir dann das eußerste thun werden. Um 9 Uhr wird die Sitzung geschloffen.

Hornbostl hat den Kaiser bei Hadersdorf 8 Meilen von Wien reicht. In der heutigen Reichstagszeitung bringt ein Courier n Schreiben dieses Ministers, welches dem Reichstag anzeigt, er seine Demission beim Kaiser eingereicht, weil er nicht das- nige Vertrauen zu besitzen glauben könne, das nothwendig ist, n die Verantwortung eines Ministers länger zu behalten. Als rund dieser Abdication ist die Zurückweisung der dringenden ufforderung des Ministers zu stellen, von Seiten des Kaisers, ur Zeit, wo dieser Brief des Ministers geschrieben ist, war die emission vom Kaiser noch nicht angenommen. Gestern Abends reits ward der Abgeordnete Löhner mit einer Denkschrift des Minister Kraus dem Kaiser nachgesandt. Löhner hat heute Mor- u von Brünn telegraphirt, daß er den Kaiser noch nicht aufge- nden habe und ihn sofort weiter suchen werde.

Aus das Schreiben Hornbostls ward noch einmal eine aus bgeordneten aller Provinzen bestehende Deputation dem Kaiser ichgeschickt.

Ten 11. Mittags. Heute steht Jellachich am Wiener Berge, m besten Punkt für ein Bombardement.

Dasconst. Blatt aus Böhmen" (Prag, 10. Oct.) bringt i seiner Spitze folgende, von Palazcy, Rieger, Brauner und 17 dere czechstchen Reichstagsmitgliedern unterzeichnete, Einladung: Pir gefertigten Reichstagsdeputirten ersuchen unsere parlamen- ischen Melnungsgenoßen aller im Reichstage vertretenen Länder einer Besprechung über die zur Sicherung der parlamentari- en Verhandlungsfreiheit und der ungefährdeten Existenz des con- uirenden Reichstags im Interesse der Gesammtmonarchie zu ffenden Maßregeln sich am 20. Oct. d. J. zu Brünn inMâh-

1 zuverlässig einzufinden." Dasconst. Bl. a. B." selbst int, die Wiener hätten eS zu arg getrieben; cs müsse ernstlich

gegen diesen Unfug eingeschritten werden, wobei leider wohlein Stück Freiheit verloren gehen werde." Die Polen und Ruthner sind übrigens dem Beispiele der Czechen nicht gefolgt, sondern auf dem Reichstage geblieben. In Prag selbst hält es die deutsche Bevölkerung mit der Wiener Linken, die slavische mit der Rech­ten und stellt die Wiener Revolution als eine magyarisch-frank­furter Wühlerei dar, und das Stadtcollegium, ganz aus Czechen bestehend, fließt jetzt von Loyalitätsbetheurungen über. Von Prag, dessen Garnison noch kürzlich 17,000 Mann betrug, gehen jetzt so starke Truppensendungen südwärts, vaß nur 7 Bataillone zurückbleiben; die Nationalgarde wird wieder den Wachtdienst über­nehmen. Die Aufregung unter den Czechen und Deutschen ist fortwährend im Steigen.

Berlin. Die Breslauer Zeitung theilt als ein Gerücht mit, daß (am 11. Abends) die Eisenbahnschienen bis in einer Entfernung von 5 Meilen von Wien demolirt seien, daß Auers­perg im Verein mit Jellachich und Windischgrätz Wien bombardire, daß Feuer aber von den Basteien der Stadt lebhaft erwiedert werde. Die Stadt soll an mehreren Orten in Flammen stehen.

Die Berliner Zeitungshalle behauptet unter dem 14.: Der Kaiser ist in Ollmütz in Begleitung von 4000 Mann Kavallerie angekommen, wohin auch Windischgrätz, Wessenberg und Jellachich berufen worden. Nach deren Ankunft wurde entschieden, daß aus sämmtlichen Provinzen die Truppen auf Wien marschiren sollen, wo man deren Ankunft gegen den 13. d. erivartet, und soll ein Cartell mit Rußland des Inhalts abgeschloffen sein, daß, falls nach dem Ausrücken der gaUizischen Regimenter in Gallizien selbst Unruhen ausbrechen sollten, auf Requisition der österreichischen Regierung eine beliebige Anzahl Russen über die Grenze gehen und daselbst unter Kommando eines österreichischen Generals ge­stellt werden sollten.

Ungarn

Pesth, 7. Oct. In der gestrigen Abendsitzung berichtete der Deputirte Johann Balogh, welcher als Courier aus dem Lager bei Tatz gekommen, daß die Avantgarde des unter General Roth's Anführung stehenden Truppenkorps sich am 5. Oct. den Unsrigen nach dem ersten Angriff auf Gnade oder Ungnade ergeben. Diese Avantgarde bildet den Kerntrupp des ganzen Corps und zählte 1586 gediente Grenzer. Der Gen. Roth schickte hierauf den Gen. Philippovich als Parlementär in unser Lager. Der Depu­tirte Moritz Perzel, welcher als Oberst unsere Armee bei Tatz befehligt, verlangte eine unbedingte Unterwerfung und ließ dem General Roth 6 Stunden Bedenkzeit, mit der Bemerkung, daß, wenn bis dahin die unbedingte Unterwerfung nicht erfolgt, der Angriff sofort geschehen und die Generäle Roth und Philippovich mit ihrem Kopfe büßen werden. So weit die Couriernachricht. Der Courier brachte auch die kaiserliche Fahne der gefangenen Avantgarde als Trophäe mit. Sie wurde dem Museum über­geben. Die kriegsgefangenen 1586 Grenzer sind schon heute früh per Dampfschiff hier eingetroffen. Sie sind von der hiesigen Be­völkerung sehr freundlich ausgenommen und mit Brot und Wein tractirt worden.

Nachmittags P/2 Uhr. In der eben geschloffenen Sitzung des Repräsentantenhauses wurde ein königl. Rescript, von einem gewissen Recsey (Capitainlieutent der ungarischen Leibgarde in Wien) als Ministerpräsidenten contrasignirt, verlesen, in welchem Jellachich an der Stelle des Grafen Lamberg zum'nigl. Com- miffar über Ungarn und die Nebenländer ernannt, der Landtag aber für aufgelöst erklärt wird. Das Haus erklärte dieses Res­cript für eine lächerliche Komödie. Es kennt keinen Minister- Präsidenten Recsey. Der ungarische Ministerpräsident muß dem Gesetze gemäß in Ofen - Pesth wohnen. Kossuth, welcher gestern Abends von seiner Reise zurückkam und heute in der Sitzung er­schien, wurde mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt. Er erzählte, daß 50,000 Mann ihm folgen, und daß es nur eines Wortes des Hauses bedürfe, und es werde 300,000 Mann unter den Waffen haben.

Vier Escadrons des ungarischen Husarenregiments Wilhelmi sind aus ihren Stadionen in Galizien durchgebrochen und gestern hier eingetroffen. Die Zahl der Freiwilligen, welche von allen Seiten täglich scharenweise herbeieilen, ist groß. Außerdem hat derungarische Washington", Kossuth, 35,000 Männer, darunter