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tirten in ihrem Leben gefährdet, sie hatten sich vom Gegentheil überzeugt, sie hatten erkannt, daß die Bewegung nicht gegen De- putirte gerichtet war, worauf sie befriedigt Wien verließen, und versicherten Wien in jeder Weise zu vertrauen. — Brünn giebt die Versicherung, Wien in jeder Gefahr zu schützen. — Die Commission hat für eine kräftige Vertheidigung Sorge getragen, die Nationalgarde zur Einheit beschworen, für zahlreiche Munition und Feuerwaffen gesorgt. Es sollen über Klosterneuburg Truppen gekommen sein, um den Pulverthurm besetzt zu halten.— Goldmark liest eine Proclamation an die Einwohner Wiens. — Dilevsky interpellirt den Finanzminister, ob nichts gegen den Banus geschehen könne, da er doch mit österreichischen Truppen auf österreichischem Boden sei. — Kraus: Der Ban hält sich für einen österreichischen General, hätte ich eine Truppenmacht zu Gebote, so könnte ich eine andere Sprache dem Ban gegenüber führen, so aber muß alles behutsam ausgenommen werden. Ich werde nichts thun, ohne den Ausschuß des hohen Reichstags zu berathen. (Bravo). Vom Minister Hornbostl ist keine Nachricht eingtlaufen, wahrscheinlich weil Se. Maj. sich in Fortsetzung der Reise bfinden, doch habe Hornbostl versprochen, sogleich vom Aufenthalte Seiner Majestät Nachricht zu geben. — Von Grätz habe er eine telegraphische Nachricht erhalten, daß dort keine provisorische Regierung ernannt sei. — Borrosch: Er habe der Deputation aus Prag die Bedeutung der jetzigen Revolution dargestellt, er habe ihr gesagt, daß der Reichstag allein jetzt Vermittler zwischen Volk und Thron sein könne, daß der Reichstag mit Wien, der Stadt der Freiheit, stehen und satten müsse. (Stürmischer Beifall)' Das Gerücht hat sich verbreitet, der Kaiser sei in OUmütz, eine eben angekommene telegraphische Depesche widerlegt es.
In der Sitzung vom 10. referirte Schuselka, daß das Volk nur aus Achtung für die Befehle des Reichstags den Angriff auf das Lager Auersperg noch aufgeschoben habe, daß der Sicherheitsausschuß als Behörde, welche für die Ruhe zu sorgen habe, noch jeden friedlichen Weg zur Behebung der Gefahr versuchen müßte, daß daher der Ausschuß der bewundernswerthen und todcs- verachtenden Kampflust Einhalt thue und die letzten kategorischen Bestimmungen durch eine Deputation an den Grafen Auersperg geschickt habe. Es habe auch das Ministerium die strengen Befehle an Iellachich ergehen lassen, sich ihm unterzuordnen. Sollten diese Schritte fruchtlos sein dann werden alle vereint und mit Kraft den Feind erwarten. Es sind alle Vorbereitungen getroffen, der Landsturm wird auf ein Wort der Kammer orga- nisirt sein, die Nationalgarden bis Brünn und Grätz sind bereit der Hauptstadt zu Hülfe zu eilen. Das Reichstagssiegel, welches au den Waffendepots des Zeughauses angelegt war, wurde durch Commissarien des Reichstags abgenommen, und dem Gemeinderath aufgetragen jedem waffenfähigen Dianne Waffen zu geben. Gleichzeitig wurde aber auch beschlossen, daß keine Vertheidigungsmaß- regeln von irgend einer anderen Seite ungeordnet werden dürfen, um die Kraft nicht zu zersplittern.
Um 10 Uhr Vormittags fing die akademische Legion an, die Basteien zu besetzen, in welcher Vertheidigungsmaßregel sie gegen Nachmittag immer mehr und mehr von Nationalgarden derart unterstützt wurde, daß bis gegen Mitternacht die Bewachung der Thore und Verschanzungen der innern Stadt als ziemlich vollständig angesehen werden konnten. Die Kanonen sind so ausgestellt, um je zu zwei im Kreuzfeuer die Brücken bestreichen zu könenn. Somit wäre die innere Stadt, besonders wenn die jetzt mehr als je unzeilige Verdächtigung einzelner Abtheilungen der Nationalgarde durch zweckmäßige Maßregeln bald beseitigt wird, ziemlich gegen alle bedrohenden Angriffe geschützt.
An der March bei Theben sollen die Ungarn, im Marchfelde der Bauernlandsturm sicherem Vernehmen nach bereit stehen; um den Wienern auf den ersten Ruf zu Hülfe zu ziehen. Das Cen- tral-Comitè der demokratischen Vereine lud die Studentenschaft ein, einen Deputaten aus ihrer Mitte in dasselbe zu schicken. Diesen verführerischen Syrenenlockungen gab der Studentenausschuß die vortreffliche Antwort, er sei ein selbstständiger berathender Körper, der schlechterdings nie Theilnehmer irgend eines Clubs sein könne, und nur mit dem Nationalgarde-Oberkommando Verbindung und natürlichen Zusammenhang habe. Der Stuben- len-Ausschuß verkennt nämlich nicht, wie kein politisch Vernünftiger,
die Uebergriffe deS Central - Comites , und nimmt es ungünstig auf, daß dieser Club sich allein die jüngste Bewegung zuschreibe, und aus eigener Machtvollkommenheit den Landsturm aufzubictcn sich herausnehme. Es will im Gegentheil letzteren, gleich jedem gesetzlich Denkenden, nur unter den Reichstag allein gestellt wissen, und erkennt nur den Ober-Commandanten der Garde als den erecutiven Lenker desselben. Diesen Grundsatz beurkundet der Studenten-Ausschuß dadurch, daß er einen Antrag an das Ober- Commando stellte, durch reitende Landboten, oder wie immer, dem Flachlande anzukünden, daß der Landsturm nur auf die Signale, die cs vom Stephansthuline aus geben würde, und sonst auf kein anderes Aufgebot zu achten habe. Gleichzeitig macht der Studenten-Ausschuß das Ober-Commando aufmerksam, so schnell als möglich die nöthigen Materialien zu diesem Signale (am Tage Rauchsäulen, Nachts Raketen) auf dem Thurme bereit zu halten, und bietet die Glieder der akademischen Legion als Wächter daselbst an. Dieses Benehmen der akademischen Jugend zeigt nicht blos Sinn für wahre Freiheit, sondern auch für Achtung der gesetzlichen Gewalten, die man in solchen Augen- , blicken nicht hoch genug schätzen kann.
In der heutigen Reichstagssitzung wurde berichtet, daß man wiederum einen Commissair an Auersperg geschickt habe, mit der peremptorischen Weisung, in die Kasernen zurückzukehren und seine Stellung aufzugeben. Das Ministerium sandte eine Depesche an Iellachich, in der es sich feierlich verwahrt, Wien zum Schauplatze des ungarisch-croatischen Krieges zu machen. Um Einheit in die Vertheidigungsmaßregeln zu bringen, wurden dem Gemeinde- rath und Oberkommando die nöthigen Vollmachten gegeben. — Die Abendsitzung beginnt um 6 Uhr.
Durch einen glücklichen Zufall ist heute Nacht eine groß Sendung Munition und Waffen, sowie heute Mittag 8000 Gewehre , welche Windischgrätz an Iellachich sandte, in die Hând der Wiener gerathen. Sie wurden im Triumph ins bürgerlich Zeughaus geführt. Einer der Fuhrleute hatte den Frachtbrie nämlich verloren, als man auf der Wiener Hauptstraße heut Nacht die Rüstungen für Iellachich fortbringen wollte.
7V4 Uhr Abends. Man beleuchtet die Stadt zur Sicherheit Die Aufregung ist entsetzlich und Alles flüchtet sich.
In der Stadt sollen an 100,000 Bewaffnete vorhanden seit
Die Proclamation des Reichstags an die Wiener lautet An die Bewohner Wiens. Mitbürger! Verschie dene aufregende Gerüchte durchirren die Stadt, erhitzen die Ge mutter und erfüllen die Bewohner mit einer Acngstlichkeit un Bangigkeit, die mit der besonnenen männlichen Haltung, mit der taktvollen Benehmen, wodurch die Bewohner Wiens sich biöhi auszeichneten, im Widerspruche steht. Man befürchtet Ueberfäll übertreibt jedes Ereigniß und vergrößert auf diese Weise eine @i fahr, die vor der Hand nur als Wahrscheinlichkeit erscheint. - Sicherer und officieller Nachricht zufolge, die der Reichstags-Aw schuß gestern Abend erhalten hat, ist Baron Iellachich mit bc läufig 2000 Mann gemischter Truppen, welche ganz ermattet m nicht im besten Zustande waren, in Schwadorf angekommen. - Der Reichstag wird mit derselben Sorgfalt, mit derselben Energ wie bisher, auch fortan das Interesse der Gesammt-Monarch! des Thrones, so wie das der Stadt Wien wahren; der Ausschu desselben hat im Einverständnisse mit dem Ministerium das Obe Kommando der Nationalgarde beauftragt, alle Mittel zur Be' theidigung bei etwaigem Angriffe in Bereitschaft zu halten. - Bewohner Wiens! im Namen des Vaterlandes, der Freiheit in Eures eigenen Wohls beschwören wir Euch, nicht leichtgläub auf die vielfachen lügenhaften Gerüchte zu hören, sondern d eigenen erprobten Kraft und den getroffenen Maßregeln zu vc trauen. — Wien, am 10. October 1848. Vom konstituirend Reichstage. Smolka, erster Vice-Präsident. Carl Wise Schriftführer.
Der Kaiser führte seinen Entschluß nicht aus, nach Perst beug zu gehen. Seine Eskorte leidet Mangel an Allem. K« Proviant, keine Fourage. Der Kaiser kam erst Abends nc- Sieghartskirchen, welches nur zwei Poststationen von Wien c sernt ist; als der Zug eintraf, war gar nichts vorbereitet. 5 Kaiser ließ der Mannschaft zwei Eimer Wein verabfolgen, z> Ochsen sollten geschlachtet werden. Darüber ging die Nacht v