Neue Hessische Zeitung.
J\o 139« Montag, den 16. Oktober. 1848*
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 13 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern, ilnzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet. —
Politische Nachrichten.
Deutschland.
-^-Frankfurt, 13. Oct. 96. Sitzung der D. N.-V. Sagern führt den Vorsitz. Der Austritt Nuhwandlö und >ogels von Waldenburg wird angezeigt, sowie ein Schreiben A. uge's, des Inhalts, daß er bis zum 1. Januar verhindert sei, der Nationalversammlung zu erscheinen und daher seinen Stell- rtreter inzwischen einzuberufen bitte. Auf den Antrag W igards l ihm jedoch das Bureau anzeigen, daß auf diese seine Bitte cht eingegangen werden könne, sondern daß er sich darüber zu stâren habe, ob er aus der Nationalversammlung als ausge- ieden betrachtet sein wolle oder Verlängerung seines Urlaubs chsuche. — Den Postsendungen für die Neichsbibliothek ist nach : Eröffnung des Finanzministers Portofreiheit von einer großen rzahi deutscher Staaten bewilligt. —• Für den Prioriläts- und 'titionsausschuß berichtet Fuchs über eine Petition die Pariser inigefangenen betreffend, so wie über eine, die thätliche Miß- ndlung Kurandas in Böhmen betreffend. Der Ausschuß beträgt dafür Verweisung an das Ministerium und bittet ferner zu ermächtigt zu werden, Petitionen, die zum Ressort des Mi- lcriums gehören, sofort, ohne vorgängige Berichterstattung dar- w in der Nationalversammlung an dieses zu verweisen. — Die träge werden angenommen. — Fischer von Jena schlägt für Geschäfts-Ordnungs-Ausschuß einen neuen Abstimmungsmodus Htch blau und weiße Stimmzettel, statt des Zählens der Stim- 1, vor. Der Bericht wird gedruckt und auf eine der nächsten zesordnungcn gesetzt werden. Von allgemeinerem Interesse ist er den ferneren Berichten der Ausschüsse ein Bericht des kswirthschaftlichen Ausschusses über mehrere Anträge, die Auf- ung der Spielbanken und Lotterien betreffend. Der Ausschuß ntragt die Aufhebung derselben, jedoch mit einigen Modifica- icn. Langcrfeld berichtet wegen des Antrages des hiesigen lellations-Gerichts auf Untersuchung gegen Zitz, Schlöffel und non. Der einstimmig gefaßte Antrag des Ausschusses geht in: Die Nationalversammlung wolle beschließen: die Geneh- ung zur Einleitung der Untersuchung gegen die drei Abgeord- tt zu ertheilen; dagegen den nur vorsorglich gestellten Antrag: Zustimmung zu der Verhaftung der genannten Abgeordneten, n solche im Laufe der Untersuchung nöthig werden könne, schon zu ertheilen, abzulehnen." Der Ausschuß wird die Akten, ihm mitgetheilt wurden, in die Hände des Präsidenten zurück- W damit sie auf dem Tische des Hauses niedergelegt werben. Vorsitzende verkündet hierauf, daß ihm eine Reihe von Jn- ellationen übergeben sinv, welche die Interpellanten vortra- (Fortsetzung folgt.)
Frankfurt, 13. Oct. Die österreichischen Abgeordneten durch die Ereignisse in ihrem engeren Vaterlande tief crschüt- und mehrere von ihnen haben theils Frankfurt bereits ver- 1, Ihttls stehen sie im Begriffe, in ihre Heimath abzureisen, dort zur Wiederherstellung geordneter Verhältnisse beizutragen! jni Laufe des gestrigen Tages sind die Herren Welcker M o s I e als Reichscommissaire nach Wien abgereist. Schwerhaben sie bestimmte Aufträge; sie sollen nach den Umstanden 'ln, und dann, wenn es erforderlich ist, int Namen des Neidas deutsche Interesse zu wahren suchen.
Wien, 10. Oct. Die Parteien stehen sich gegenüber seden Augenblick kann der Kampf beginnen. Wien ist in höchsten Kampfeswuth. Stündlich kommen neue Schaaren Steyermark, Brünn, vom Lande, die Provinzialen versichern
Wien ihres Beistandes — was der Camarilla gewiß sehr unerwartet ist. Auf der andern Seite bezeugt Auersperg nicht die mindeste Lust, den peremptorischen Forderungen des Reichstags Folge zu leisten und seine starke Stellung zu verlassen, von welcher aus er großes Unglück über die Stadt bringen kann. Dabei bezeugen sich seine Soldaten gegen jeden bewaffneten National- Gardisten over Legionair, der in ihre Nähe kommt, höchst feindselig. Entwaffnungen, Verhaftungen, Mißhandlungen sollen vorgekommen sein, ja man hat 2 Akademiker und 2 Legionairs erdrosselt im Kanal gefunden. Jellachich steht nahe vor Wien, vom Stephansthurme aus kann man die zerlumpten Kroaten und die blutdürstigen Nothmäntel (Sereözaner) sich beschauen; den Reichstagsdeputirten (a Prato) hat er eine sehr verdächtige, ausweichende Antwort gegeben. — Unter diesen Umständen ist man, wie es scheint, entschlossen, den Angriff nicht blos zu empfangen, sondern ihm zuvorzukommen. Die akadem. Legion will den Jellachich angreifen; das räuberische, zerlumpte, gar nicht besonders disciplinirte Gesindel des Kroatenchefs dürfte an dieser Schaar begeisterter Jünglinge, einen nicht zu verachtenden Gegner finden. Die akadem. Legion ist nahezu 6000 Mann stark, die Studenten haben seit März nicht studirt, sondern exerciert, sie sind voll Kraft und Enthusiasmus, von deutschen Soldaten und Officieren unterstützt, sie könnten es schon mit besseren Truppen aufnehmen, als diese entkräfteten, in voller Flucht befindlichen Kroaten sind. Außerdem aber wurde Messaros mit 15000 Ungarn stündlich in Wien zur Unterstützung erwartet.
Uebr^ens ist der Fortgang der Begebenheiten am besten aus den Verhandlungen des Reichstags zu entnehmen, unser gestriger Bericht über diese Verhandlungen umfaßte noch die Mittagssitzung vom 9. October — Abendsitzung vom 9. Oct. (6*/2 Uhr.) Schuselka, als Referent der Sicherheitscommission: Auf die Zuschrift an den command. General Auersperg ist die Antwort zugtkommen: daß ihm vom Heranrücken des Bans nichts bekannt sei, und daß eben diese Besorgnisse ihn um so mehr nöthigen seine feste Stellung zu behalten, damit seine Truppen nicht gefährdet werden. Er versichert, keine Feindseligkeiten im Sinne zu haben. — Wir haben dem Commandanten wieder geschrieben, weil die Bevölkerung doch von seiner Stellung etwas fürchtet, daß die Besorgnisse gesteigert werden durch das wirkliche Herannahen des Bans und wir haben ihn dringend aufgefordert unter schwerer Verantwortlichkeit alles zur Ruhe beizutragen, und daß das N. G. Obercommando gezwungen sei, die Garden zu consigniren und daß keine feindliche Absicht dem zu Grunde liege, sondern daß es zur Beruhigung der Bevölkerung geschehe.
— Der Deputirte Prato kam von seiner Mission an Jellachich zurück. Er fand ihn in Schwadorf (2 Stunden von Wien), wo auf den Höhen die Vorposten stehen in bunter Tracht und Waffen. Er kam ungehindert ins Dorf, das einen friedlichen Anblick gewährte. Ein Officier führte den Deputirten ins Schloß. Der Bau war von mehreren Officieren umgeben, las die Legitimation und erklärte, daß er in Betreff Ungarn's vom Reichstage keine Zuschrift empfangen habe, allerdings aber im Betreff der Gesamintmonarchie. Nachdem Jellachich den Brief des Ministers Kraus (welcher die Antwort des Kaisers an die Reichsdeputation enthielt) aufmerksam gelesen, erklärte er, „keinen andern Wunsch zu haben, als die Gesammtintereffen der Monarchie zu fördern, darum er auch sich und die ©einigen dem Kaiser zuführe." Die Truppen sind ungeregelte Mannschaften, mit einzelnen Corps regu- lairer Truppen untermischt. Der Zustand derselben ist sehr schlecht. Das Dorf war friedlich. Alle gingen ihrer Beschäftigung nach. Eine Deputation aus Prag war angekommen, es hatte sich das Gerücht verbreitet, Wien sei Republik und die czechischcn Depu-