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einem Protest gegen die eventuell eintretende Beschießung Wiens vereinigt haben. Heute hatte die Stadt schon wieder ein ruhige­res Ansehen gewonnen; die Barrikaden wurden weggeräunu und die Kaufläden, die vorzüglich am Graben stark mitgenommen sind, waren geöffnet.

Der Kaiser hat heute Nachts in Herzogenburg, einem Kloster unweit von Krems, 2 Poststationen von hier, übernachtet. Er führt eine Truppe von 6000 Man mit sich. Allgemein war und ist noch hier das Gerückt verbreitet, daß die Kremser Garden und ein Landsturm von Bauern diese Truppen des Kaisers durch Abtragung einer Straßenbrücke am Weiterrücken gehindert hätten.

Das gestern von uns erwähnte Handbillet, welches der Kaiser von Herzogenburg aus nach Wien gesendet hat, lautet folgender Maßen:Mein lieber Hornbostl, ich beauftrage Sie, sich so­gleich in mein Lager nach SieghartSkirchen (etwas südlich von Herzogenburg) zu verfügen, um meine weiteren Beschlüsse zu eon- trasigniren." Hornbostl, der das Billet der Kammer verlas, erklärte sich unter dem Beifalle derselben bereit, sogleich diesem Auftrage im Interesse der guten Sache Nachkommen zu wollen.

Die in der Abendsitzung des 8. beschlossene, von Pillersdorf verfaßte Adresse des Reichstags an den Kaiser ist in einem fast zärtlichen Tone gehalten und spricht folgende Petita aus: Der Kaiser möge 1) in seine Hauptstadt zurückkehren, 2) Jellachich seiner Würde entsetzen, 3) einvolksthümliches Ministerium ernennen.

Auch verhandelte der Reichstag über die Petition einer Preß- burger Deputation an den Reichstag, dem Banus die Ausfüh­rung des gedrohten Bombardements zu untersagen. Auf den Bericht des Wohlfahrts-Ausschusses beschloß der Reichstag, daß das österreichische Ministerium eine derartige Weisung an den Bau zu ergehen lassen habe, wodurch es diesen zugleich von der stillschweigend bewilligten Zurückname des letzten ungarischen Ma­nifestes von Seiten des Kaisers benachrichtigen könnte. Auch wurde versichert, daß der Titular-Ministerpräsident, Adam Recsey (eine ganz unstaatsmännische Individualität), seine Demission ein- gegeben habe; Se. Maj. hat in. einer auf grobem Papiere (wie es in einem Wirthshause des Weges vorgefunden wurde) geschrie­benen Antwort dieselbe angenommen, zugleich aber denselben (er ist Capitän in der ungarischen Nobelgarde) in sein Lager zu sich beordert. Der'Abgeordnete Schuselka las gestern Abend auch eine Note des Commandirenden, Grafen Auersperg, vor, welcher noch immer seine drohende Stellung am Belvedere innehält, in welcher er sich über die Verabfolgung der Aerarialwaffen aus dem kaiserlichen Zeughaus, das unter Inventar bei der Kapitulation übergeben worden, hart beschwert und die Verantwortlichkeit dessen als auch wegen der im Zeughause verübten Zerstörungen histori­scher Merkwürdigkeiten und österreichischer Trophäen auf diejenigen Abgeordneten schiebt, die mit ihm über die Uebergabe unterhandelt. Es wurde beschlossen, in einer Note ihm zu erwidern, baß die Verantwortlichkeit weder auf den Commandirenden noch auf den Abgeordneten, sondern auf den Ereignissen selbst haste.

Die erste Note, welche der M i li tair - Commandant, Graf Auersperg, an den Ministerrath zur Rechtfertigung der Concentrirung des Heeres gerichtet hatte, lautete wie folgt:

Die gestrigen Ereignisse haben mich veranlaßt, die in ver­schiedenen Kasernen zerstreuten Truppen der Garnison auf einen einzigen militairiscken Punkt zu concentriren, um selbe vor jeder weiteren Insulte oder Angriffe sicher zu stellen. Es ist dabei durchaus keine feindliche Absicht, ja es würde sehr er­wünscht fein, bei eintretender Ruhe und Beseitigung jedes weite­ren Angriffes auf daS Militair, von dem jedoch gerade in diesem Augenblicke die verschiedensten Gerüchte umhergehen, diese außer­ordentlichen Maßregeln aufzuheben und in das gewohnte Verhält­niß zurückzukehren. Ueber die stattgefundenen Feindseligkeiten von Seiten des Militairs habe ich schon zu wiederholten Malen mein Bedauern und die Versicherung ausgesprochen, daß Hierwegen die strengsten Verbote ergangen sind. Wien, den 7. Oct. 1848.

Graf Auersperg, Feldmarschall-Lieutenant. Uebrigens theilte der Abg. Schuselka als Berichterstatter des Wohlfahrtsausschusses der Kammer mit, daß der Ausschuß es als eine Pflicht der Menschlichkeit angesehen habe, das Militair auf dem Belvedere mit Brot zu unterstützen, und habe die Transpor- tirung desselben zur Dämpfung der Mißstimmung der academi-

schen Legion übertragen, welche sich diesem Werke freudig unter­zogen habe. Derselbe Abgeordnete verlas hierauf eine Ergeben- Heitsadresse des Studentenausschusses, in welcher dieser im Namen der akademischen Legion erklärt, daß diese bereit sei, den Reichs­tag und alle seine Mitglieder, welcher Partei sie auch angehören möchten, mit ihrem Blute zu vertheidigen. ^Großer Beisall der Kammer.)

In seiner Schilderung der gegenwärtigen Lage sagte Schu­selka , man habe schon für den heutigen Tag sich schönen Hoff­nungen hingegeben, da hätten Nachrichten und Gerüchte wieder schwere Besorgnisse gebracht. Ein Conduetcur aus Bruck Häm versichert, daß Jellachich bereits mit angeblich 30,000 Mann ein, gerückt und ein Lager in Trautmannsdorf aufzuschlagen gedenke während die Ungarn mit 5000 Mann bereits in Wieselburg (( Meilen von Bruck) ständen. Der Ausschuß habe sich mit bei Anzeige dessen an den Commandanten Auersperg gewendet uni ihm aufgetragen, seine drohende Stellung zu verlassen, wenn nich das Schlimmste zu befürchten sein sollte, und sich mit der Ratio nalgarde und der akademischen Legion zu verbinden. (Du Antwort sei noch nicht erfolgt.) Der Ausschuß habe auch einer Eilboten an Se. Maj. den Kaiser entsendet, um diesem die drin gende Bitte ans Herz zu legen, Jellackich das weitere Vorrücket und einen etwaigen Angriff aus Wien zu untersagen; ein Mit glied der Kammer, al Prato, habe sich selbst zum Ban begeber um ihm die letzte Resolution des Monarchen, (worunter die still schweigend eingewilligte Zurücknahme jenes Manifestes) mitzu theilen. Sodann zeigte Schuselka der Kammer an, daß der Abc Scherzer sich für unfähig erklärt habe, wegen Mangels an milita rischem Talente in der gegenwärtigen kritischen Lage das Natic nalgarden-Obercommando zu führen, und daß der Ausschuß da: selbe dem Bezirkschef Brauner, gewesenem Hauptmann, übe: tragen habe.

Eine Adresse der Bauern aller Ortschaften des Marchfeldc an den Reichstag, die derselbe Abgeordnete verlas, erregt gros freudige Sensation. Sie lautete dem Wesen nach wie folg! Wir Unterzeichnete der Ortschaften des Marchfeldes, erkläre nachdem wir uns alle genau unterrichtet haben, unsern Brüoe, in Wien, daß wir jeden Augenblick bereit sind, ihnen mit unser Leben und Blute beizuspringen. Wir wissen, was wir den Wi nern zu verdanken haben, wir hätten keinen Reichstag, der in die Robot nachgelassen hätte. Das Blutvergießen muß einm aufhören. Da wir erfahren, daß die Verräther zum jn-eit Male wieder den Kaiser entführt haben, so können wir dies mehr geduldig zugeben. Auf den ersten Wink sind wir bet nach Wien zu kommen. Die Soldatenherrschaft muß ein Er nehmen. Die falschen Rathgeber werden wir fortjagen. Gl Chormsky (Gouverneur in Oberösterreich) hat uns aufgesorve nach Ungarn milzuziehen, wir haben ihm aber gesagt, daß nid dort, sondern and erswo unser Feind sei."

Das Abschiedsmanistst des Kaisers, welches derselbe vor p ner Abfahrt aus Schönbrunn zurückgelassen hat, lautet wörtl wie folgt:Ich habe alle Wünsche meines Volkes zu erfüll gesucht. Was ein Herrscher an Güte und Vertrauen seinen Bi kern erweisen kann, habe ick mit Freuden erschöpft, und dm die Konstitution die Selbstständigkeit, die Kraft und den Wol stand zu erhöhen gesucht. Obwohl mich die Gewaltthat des 1 Mai aus der Burg meiner Väter vertrieb, bin ich doch müde geworden zu geben und zu gewähren. Auf der breitest Grundlage des Wahlrechtes ist ein Reichstag berufen Word« um in Uebereinstimmung mit Mir die Konstitution zu entwerft Ich bin in die Hauptstadt zurückgekehrt, ohne eine andere Garant zu verlangen, als das Rechtsgcsühl und die Dankbarkeit Meß Völker. Allein eine geringe Anzahl Jrregeführter bedroht die Hoffn: jedes Vaterlandsfreundes mit Vernichtung. Die Anarchie hat Aeußerstes vollbracht. Wien ist mit Mord und Brand erfüll Mein Kriegsminister, den schon sein Greisenalter hätte schü sollen, hat unter den Händen meuchelmörderischer Kotten gern Ich vertraue auf Gott und mein gutes Recht, und verlasse Hauptstadt, um Mittel zu finden, dem unterjochten Volke Hr zu bringen. Wer Oesterreich, wer die Freiheit liebt, schaare ' um seinen Kaiser."

Prag, 9. Oct. Man spricht viel von einer Deputation