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Neue Hessische Zeitung.

J^o 138» Sonntag, den 15. Oktober. 18-A8«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 15 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten. Deutschland.

4- Frankfurt, 13. Oct. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde der einstimmige Antrag des Aus­huffes über die vom Appellations-Gericht begehrte Untersuchung sp. Verhaftung der Abg. Zitz, Simon und Schlöffel unter dem sm Schweigen des Hauses verkündigt und vertheilt. Er lautet: Die Nationalversammlung wolle beschließen: die von dem Appel­lionsgerichte, als Kriminalgericht der freien Stadt Frankfurt, dem an das -Reichsministerium der Justiz unter dem 4. d. M. richteten Schreiben beantragte Zustimmung zur Einleitung der Versuchung gegen die Abgeordneten Zitz, Schlöffel und Simon u Trier zu ertheilen;

dagegen den von dem gedachten Gerichte nur vorsorglich ge­ilten Antrag: die Zustimmung zu der Verhaftung der genann- , Abgeordneten, wenn solche im Laufe der Untersuchung nöthig rden könnte, schon jetzt zu ertheilen, abzulehnen."

Die Versammlung ward dann wieder durch unendliche Jnter- llationen der Linken aufgehalten, bis es ihr endlich gelang, zur gesordnung zu gelangen. Es wurden nach längerer Debatte Anträge des Verfassungs-Ausschusses angenommen:

den noch nicht berathenen Theil der Grundrechte vorläufig zu- kzustellen, damit die Abschnitte über Reich und Reichsgewalt Entscheidung kommen;

denjenigen Theil der Grundrechte aber, welcher nach Schoder's trage nach der zweiten Berathung verkündet werden soll, zur usion und zur schleunigsten Vorlage eines Einführungsgesetzes den Verfassungs-Ausschuß zurückzuweisen. Endlich

für den vorgelegten Theil der Verfassung, sowie bei den Grund- >ten eine zweite Lesung zu beschließen und der Berathung, vor- altlich der Erledigung der Grundrechte, regelmäßig in der Woche Sitzungen zu widmen. Die Berathung der Verfassung soll ; nächstem Montag begonnen werden.

Endlich ging die Versammlung über den Schoder'schen An­wegen Verminderung der Civillisten zur Tagesordnung über. Der ausführliche Bericht kann wegen des Sonntags erst Mor­erscheinen.

Es geht hier das Gerücht, Rob. Blum sei heute Morgen Wien gereift, um eine Adresse der Linken an die Aula zu bringen.

Wiener Revolution. Die Beliner Nationalzeituug von gut unterrichteten Personen wissen, daß auf indireetem ;e die Nachricht eingetroffen sei, nach welcher Wien bombar- wurde und Jeliachichs Truppen sich mit den kaiserlichen in Nähe der Hauptstadt vereint hätten.

Wien, 9. Oct. Einer nicht ganz verläßlichen Nachricht zu e soll das Militair aus der Stadt Linz verjagt und die Stadt Bauern besetzt worden sein. Aus Böhmen kommen Trup- herbei, lassen sich bei Klosterneuburg über die Donau schiffen. ?n, Nationalgarden, Arbeiter und übergetrelenes Militair sind stet, eiwalten den Kampf und den Sieg. Die verschiedenen eien haben sich vereinigt, die Stadt ist ebenso zum Angreifen, ' $UI ^"theidigung bereit. 1500 steierische Freiwillige sind n sen in die Stadt Ungezogen.

W i e n. I> i e R e L o I u t i o n ] Der Bahnzug aus Wien 10. ist wiederum in Breslau nicht zur rechten Zeit einge- n und so fehlt alle weitere Kunde. Der Wiener Post'ug 9. war in Breslau am 10. October um 7 Stunden später- gewöhnlich angelangt, da derselbe 1500 Flüchtlingevon Wien nommen und deshalb der Abgang des Zuges verspätet war. Ob es Jellachich allein war, welcher Wien bedrohte und die

furchtbare Aufregung am 9. Abends hervorrief, ist doch sehr zwei­felhaft. Jellachich ist auf dem Rückzüge vor der ungarischen Hauptarmee, wie aus den neuesten Pesther Briefen erhellt. Aber es ist nur zu wahrscheinlich, daß Jellachich in Verbindung mit dem Grafen Auersperg gegen Wien operiren, daß die mächtige Reactionspartei den lange beabsichtigten Schlag gegen die rebel­lische Hauptstadt, jetzt nothgedrungen ausführen und das furcht­bare Spiel um Sein oder Nichtsein des Kaiserstaatcs eröffnen will. Auch Fürst Windischgrätz hat, wie eine Prager Zeitung vom 9. und ein Brief in der Börsen-Halle meldet, Ordre erhal­ten, mit seinem Armeecorps gegen Wien vorzurücken. Ein Ba­taillon Jäger war bereits abmarschirt, und es sollte bis zum 12. die ganze Garnison von Prag aufbrechen. Man erwartete ein paar andere Regimenter zum Ersatz, blieb aber ungewiß, ob solche zum Schutze der Stadt hinreichen würden.

Fürst Windischgrätz, hieß es in Prag, sei zum Ober-Comman­danten einer gegen Wien operirenden Armee ernannt und F.-M.-L. Fürst Reuß, Commandant der mährischen Truppen und der Ban Jellachich seien unter seinen Befehl gestellt. Wahrscheinlich ge­nug : die militalrische Hofpartei, welche sich auf das Slaventhum gegen den Andrang der deutschen Revolution stützen will, ruft alle ihre Führer zusammen.

Indessen halten der Wiener Reichstag und das Wiener Volk stark und fest gerüstet zusammen.

Der Reichstag hat beschlossen, sein Manifest in 100,000 Eremplaren zu verbreiten, alle Gubernien, Kreisämter, Militair- chefs und die sonstigen betreffenden Behörden, so wie alle Re­dactionen mit der Veröffentlichung derselben zu beauftragen. An den Militaircommandanten Auersperg wurde die Weisung erlassen, daß er das bei Belvedere concentrirte Militair entweder in den Kasernen, wie sonst zu vertheilen oder gänzlich von der Stadt Wien zu entfernen habe. Dieser Commandant erklärte hierauf, daß sich das Militair passiv verhalten werde, daß er sich und die ihm untergebenen Truppen unter den Befehl des Reichstages stelle, auf die strengste Mannszucht sehen wolle und daß die Concen- trirung keinen anderen Zweck gehabt, als Angriffen auf das Militair, von welchen die verschiedensten Gerüchte verlauten, in geziemender Weise zu begegnen. Die herrschende Stimmung der Wiener Bevölkerung zeigt Muth und Kampfeslust; das Volk ist bereit die erkämpften Güter bis auf ben letzten Blutstropfen zu vertheidigen; aus allen Theilen der Provinzen kommen Deputationen mit Versicherungen der Sympathien und Käm­pfer mit Waffen und Todesverachtung. Von den Truppen aus der Umgebung schlägt sich ein beträchtlicher Theil auf die Seite des Volkes; ein Oberlieutenant von Heß Infanterie kommt auf die Aula, bittet um Bedeckung durch Nationalgarde und akademische Legion, um den Einmarsch eines Bataillons, das zum Volke stehen will, zu bewerkstelligen. Von Jedlersee her haben sich Deutschmeister (Infanterie) anmelden lassen, ihre Hülfe und ihren Zuzug versprochen. Die Arbeiter, die nun bewaff­net sind und deren Redlichkeit in Europa ohne Beispiel, harren des Kampfes. Das Sludentencomito in Permanenz. Der neue Gemeinderath ist in Activität getreten und hat heute in einem Aufrufe an die Bevölkerung Wiens seine volkstümlichsten Absichten erklärt. Der Reichstag hat heute seine Permanenz auf­gehoben und sie der um 10 Glieder verstärkten Sicherheitscom- mission übergeben: er hat jedoch beschlossen, beim ersten Allarm­schlag zusammenzutreten.

Die Nacht verging heute unter großer Aufregung der Massen, da man fortwährend von militairischen Bewegungen wissen wollte. Das Studentenkomitö soll deßhalb äußerst thätig gewesen sein und die hier anwesenden fremden Gesandten sollen sich bereits zu