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^hixrsch und Carrière (aus Gießen), das Plenum sämmt­licher akademischen Lehrer mit Hinzuziehung von Studirenden zur eigentlich souveränen Behörde machte, und ihm das Wahlrecht für alle in dem Antrag näher bezeichneten Geschäfts-Commissionen zu- erkannte. Uebrigens wurden tiefe Anträge nicht in ihren Einzel­heiten zur Abstimmung gebracht, und der Referent der Augsb. Zeitung ist in der Mittheilung der angeblich bejahten mit Thiersch's Anträgen übereinstimmenden einzelnen Fragen in einem auffallen­den Irrthum. Die erste vom Präsidenten gestellte Frage: Soll ein corpus academicum, bestehend aus sämmtlichen Docenten, zu gewissen Zeiten zusammenkommen, um allgemeine akademische Angelegenheiten zu berathen und Anträge an die akademischen Be­hörden zu bringen? wurde fast einstimmig, die zweite, ob dieses Plenum auch Anträge an die Regierung machen dürfe, mit nicht starker Majorität bejaht; für die Wahl des Rectors durch dieses Plenum sprach sich eine bedeutende Majorität aus. Ueber die vierte Frage: Soll dem Plenum die Wahl der gejammten Ver- wallungs-Commissionen aus der Mitte der Ordinarien zustehen? prachen sich in namentlicher Abstimmung 37 bejahend, 36 ver­einend aus. Die Zusammensetzung und der Geschäftskreis neser Commissionen im Einzelnen wurde nicht zur Abstimmung gebracht, dagegen noch beschlossen, daß das Plenum bei Angelegen- leiten, welche die Studirenden unmittelbar betreffen, durch eine Deputation derselben mit Stimmrecht verstärkt werden, und daß ie Sitzungen des Plenums in der Regel öffentlich sein sollten. )as Resultat der Abstimmung über die vierte Frage mußte selbst iach dem Gang der Discussion Verwunderung erregen, und es i rar wohl nicht Allen, welche sich bejahend erklärt hatten, deutlich ewesen, daß, wenn dieser Beschluß zur Ausführung käme, damit !licht nur, wie sie gewollt hatten, die Alleinherrschaft der Ordinä­ren gebrochen sein würde, sondern das Heft der Universitäts-Ver- oaltung einer Körperschaft in die Hände käme, deren einzelne Bestandtheile bei einer wesentlich verschiedenen Stellung zur Uni- ersität doch in keinem festen numerischen Verhältniß zu einander ehen können (da die Zahl der Privatdocenten nicht beschränkt :), ja daß gerade den Privatdoeenten wenigstens an den größe- n Universitäten wegen ihrer Ueberzahl die höchste Gewalt ge­ben würde. Das Gefühl der mit den Conseguenzen dieses Be- fluffes verknüpften Gefahr sprach sich auch aus in dem nach- äglich kingebrachten, aber nicht weiter berücksichtigten Antrag eines kitglieds der Majorität, Köstlin von Tübingen, auf Verschär- ng der Habilitationsbedingungen und Scheidung der Pnvaldo- iten in zwei Klassen, blos habilitirte und durch Leistungen be- ihrte. Zur vollständigen Würdigung des Stimmenverhältnisses

Bezug auf jene Frage muß übrigens bemerkt werden, daß der äsident, der sich der Abstimmung enthalten hatte, nachträglich n mit dem Vangerow'schen Antrag übereinstimmenden Minori- èvotum der 36 als 37ster beitrat, sowie daß jener Majorität ch die 9 Wiener Deputaten angehörten, von denen 2 gar nicht aiversitätslehrer waren, die übrigen aber auch bei den wesentlich ab- ichenden Verhältnissen der dortigen Universität kaum ein leben- es Bewußtsein von dem Organismus der deutschen Universi- en gerade in diesem Punkte haben konnten. Die beiden Ver- ter der Bonner Ordinarien traten übrigens dem Vangerow'schen 'tum mit der Erweiterung bei, daß sie nicht blos einer Depu- on der Ertraordinarien, sondern allen Erlraordinarien den theil an den corporativen Rechten der Universität zugesprochen sen wollten. (Schluß folgt.)

W i e n. Der Todesmuth der Wiener Garden zeigte sich im glän­zen Licht bei der Erstürmung des Zeughauses, da sie in der un- stigsten Position gegenüber den bombenfesten und mit Schuß- ern versehenen Mauern operirten; nur eine kleine Barrikaden- live^r hatten sie zum Schutze ihrer 2 Geschütze errichtet, ße, noch gestern Nachmittags in der Wipplinger Straße vor- wn gewesene Blutlachen, zeugen von bedeutenden Opfern. Man jeden Augenblick Koffer, Kleider und Reise-Etuis tragen, die tigen Familien angehören, und deren gibt es sehr viele. Ein rst interessantes aber turbulentes Bild gibt die Universität, dem man die vielen, dieselben zu einer Festung umstaltenden ikaden, die durch Kanonen geschützt sind, überpilgert, gelangt auf einen Platz, der von den verschiedenartigsten Gestalten lostümen wimmelt, Akademiker, Garden, Soldaten und Arbei­

ter mit einander fraternisiren, ein Summen und eine Bewegung, wie die Bienen vor ihrem Korbe. Die Hallen, in welcher früher die freilich sehr unfruchtbaren österreichischen Musen wohnten, stellen die Räume einer Kaserne mit dem dieselbe charakterisiren- ten Leben dar. Ich war eben zugegen, als ein Linienoffizier seine Dienste der Universität anbot, der Jubel, mit dem er empfangen wurde, war ein ungeheurer. Die Soldaten wählten sich ihre An­führer durch Stimmen selbst. Man meldete daselbst auch, daß deutsches, in der Umgebung stehendes Militair zur Universität über­zugehen suche. Eine List ist hier nicht leicht denkbar. Die Uni­versität verlassend begegnete ich einer Schaar von Grätzer Studi- renden, die mit ihrer Landesfahne und dem deutschen Band auf der Brust unter ungeheurem Jubel durch die Stadt zogen. Sie machten die Mittheilung, daß sie nur die Vorhut eines nachfol­genden größeren Körpers seien, und daß das ganze unlängst von hier abmarschirte Freiwilligenkorps ebenfalls schon auf dem An­märsche begriffen sei. Bauerngarden der Umgebung fanden sich schon gestern hier ein, jedoch nicht so zahlreich, als man hätte vermuthen sollen.

Wien. In der Umgebung sammelt sich von allen Seiten Militair, und es ist, wenn ein Schlag gegen die Stadt erfolgt, das Gräßlichste zu fürchten. Die Hofpartei hat nur bei den Reichen auf Sympathie zu rechnen, allein die ganze übrige Be­völkerung ist durch und durch radikalisirt. Die schrecklichen Fehler der bisherigen Minister haben den Radikalen die Massen zugewen­det. Die Majestät des Thrones ist unter dem Volk verschwunden und man hörte beinahe nichts als Verwünschungen gegen die kai­serliche Familie, nur der Kaiser für seine Person findet noch Gnade. Indeß ist auch für die Republik, wie ausdrücklich bestätigr wird, noch kein Boden vorhanden. Die Radikalen, schreibt ein Berliner Blatt, haben bei dem Aufstand die Erfahrung machen müssen, daß das WortRepublik" bei den Massen noch nicht proclamirt werden darf.

Unter den Gefallenen vom Militair ist der General Breda; er fiel an dem Damm des Tabors, der Oberstlieutenant Carl Klein von Nassau Infanterie Nr. 15, der Rittmeister Puthon von Mengen-Kürassier; außer diesen befinden sich bis jetzt als notorisch bekannt 8 Offiziere, Hauptleute und Subalterne unter den Todten. Von Civil befinden sich von bekannten Namen der Possendichter Friedrich Kaiser unter den Gefallenen (soll noch leben), ferner der Rationalgarde-Hauptmann Pressel (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Reichsdeputirten), der Nationalgarden-Hauptmann Hardt vom Wimmer-Viertel, der in der Stephanskirche am Hoch­altar fiel, (ein anderer Bericht nennt den Hrn. Joseph Mayer als am Hochaltar gefallen); unter den Verwundeten sind die Schriftsteller Niederhuber, Ludwig August Frankl; auch der talent­volle Maler Willi Beck, Bruder des Dichters Karl Beck, wird vermißt.

Latour wollte sich vom Hofkriegsgebäude im Momente des Sturmes in die anstoßende Kirche flüchten. Der Schlüssel war aber nirgends zu finden und er wurde im vierten Stock unter den Registraturklsten verstxckt aufgefunten.

Ueber die Abreise des Kaisers erfährt man, daß mehrere Reichstags-Deputirte, unter denen sich auch Schwarzer befand, vorgestern Abend die Entfernung des Erzherzogs Fran; Karl und seiner Gemahlin, mit so ernsthaften Anspielungen auf den eben vollbrachten Mord des Grafen Latour, in Schönbrunn verlangt hatten, daß der Entschluß des Kaisers schnell gefaßt war. Er verließ mit der kaiserl. Familie gestern früh um 8 Uhr Schön­brunn, und man vermuthet, daß der Hof sich vorläufig nach Persenbeug gewendet habe.

Das von der academischen Legion eroberte Zeughaus ist seit gestern ausgeleert. Ueber 36,000 Gewehre, viele tausend Pistolen und eine Unzahl der schönsten Waffen sind an die Arbeiter ver­theilt worden. Man kann sich daher denken, in welcher schreck­lichen Lage wir uns befinden. (Späteren Nachrichten zufolge sollen die Waffen allen denjenigen, welche nicht zur Nationalgarde ge­hörten, wieder abgenommen sein. Auf diese Weise seien bereits am 8. 800 Gewehre ins Zeughaus wieder abgeliefert worden.

Wien, 9. Oct. Die Stadt ist ruhig und heiter wie sonst. (?) Die Arbeiter benehmen sich vortrefflich. Es herrscht Einheit und Entschlossenheit. Das Volk verlangt das im Belve-