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Beilage z u 9t r. 135 Der Neuen Hessischen Zeitung.

verlor, die dann natürlich unter dem lautesten Jubel von den Arbeitern zum Zeughause zurückgezogen wurden Zugleich wälz­ten sich nun die Massen gegen das Hofskriegsrathsgebäude, um dieses zu nehmen, was ihnen um so leichter war, da eine größtenteils aus Akademikern bestehende Schaar von Außen in dasselbe eingedrungcn war. Eine große Anzahl von gefangenen Oberofficieren, darunter General Frank, wurde von da aus in das Zeughaus abgeführt. Ein Mann vom Civil wurde mit dem Rufe „schwarzgelber Aristokrat" trotz allem Entgegenstemmen — von Garden yrißhandcll.

5 Uhr. Große Massen ziehen unter dem Rufe „Latour muß hängen" auf den Hof. Das Hofkriegsrathsgebäude wurde durch­sucht, aus welchem mit genauer Noth Bach und Wessenberg ent­kommen waren (oben war Ministerrath). Vorgefundene Schrif­ten werden herabgeworfen und in das Zeughaus überliefert. Nach längerer Weile vernimmt man das gellende Geschrei: „Wir haben ihn" und aus dem Thore des Gebäudes schleppt man den bereits kniseellen und verstümmelten Körper des Kriegsministers Latour hervor, den man hoch an einen Laternenpfahl knüpft. Ich will es unterlassen Ihnen das Bild einer Scene auszumalen, von der man mit Schauder sich abwenden muß, und die nur das in Ra­serei übergegangene Rachegefühl des Volkes zum eigenen Ergötzen aufzuführen vermochte. Wie man erzählte, war er in einem Bo­denwinkel unter einer Kiste verborgen gewesen, und wurde dort von einem Arbeiter entdeckt, der ihn, die ihm angebotene Summe verschmähend, dem Haufen überlieferte, der ihn mit Piken und Schwerter durchstach.

Sitzung des Reichstags.

Der Reichstag war indessen durch ein öffentliches Plakat (gegen 5 Uhr) einberufen. Daß dies so spät geschah, ist erklärlich, wenn man bedenkt , wie sehr hier die czechischen und die ministeriellen Interessen zusammenliefen. Der Ein­druck, den diese Kunde auf ihn machte, war ein unge­heuerer. Auf Lohners Antrag erklärte er sich für permanent und nahm die constituirende und Erecutivgewalt in seine Hand. An die Stelle Strohbachs, der dem schon früh Morgens Einlaß begehrenden deutschen Deputirten denselben verweigerte und dem deßhalb derselbe Abgeordnete den Prozeß machen zu »vollen er­klärte, wurde Viceprästdent Smolka zum Präsidenten erwählt, der Abg. Scherzer zum Nationalgardc- Commandanten ernannt. Aus Dem Schooße des Reichstages wird ferner ein Wohlfahrtsausschuß gebildet (bei welchem Schuselka) der mehrere Proklamationen an »as Volk erläßt; auch werden mehrere Deputationen entsendet; sie eine an Se. Maj., um ihn um Einsetzung eines neuen volks- hümlichen Ministeriums mit Beibehaltung Dobblhoffs und Horn- -ostls und um Zurückziehung des letzten Manifestes an die Ungarn u bitten. Der erste Punkt wird zugesagt. Eine andere an den Nilitârkommandanten Auersperg, um ihn zur Einstellung von Zeindseligkeiten zu vermögen, was dieser für den Fall, daß das Lolk die Kasernen nicht stürmen werde, verspricht; eine dritte ndlich um die Mission eines Parlamentärs beim kaiserlichen Zeug- >ause zu übernehmen, wo ein furchtbarer Kampf zwischen den Harden und der dortigen Besatzung entbrannt war. Hier blieb sie Mahnung des Reichstags fruchtlos. Das Volk stürmte hier 'vn 7 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens ohne Unterbrechung; die Kanonade, welche von beiden Seiten unterhalten wurde, glich der ines Schlachtfeldes. Von der hohen Brücke und von der Schot­enbastei und vom Salzgows aus operirte Garde und Volk auf die Zesatzungdes Zeughauses, die zur hartnäckigsten Gegenwehr allenGrund alle, weil sie zum Theil aus schwarzgelben Garden bestand, denen man lache zugeschworen hatte. Gegen 10 Uhr fing ein Theil des Innern ?euer, wurde jedoch bald gelöscht. Heute Morgen capitulirte asselbe endlich, die Waffen wurden an das Volk vertheilt. Die -tadt ist auf den Basteien stark besetzt, die Barrikaden, es sind doch uur 13 an der Zahl, noch nicht weggeräumt. Merkwürdig t, daß man niemals den Ruf: Republik hörte. Auch würd» in Angriff auf die Kammer gemacht, die ganz unbeschützt dastand, nter den Petitionen, die von der akademischen Legion an den Reichs- >g gestellt worden, waren auch solche, die Wahrung der deut- hen Interessen in Oesterreich" enthalten. Die Garden verlangten an eine Petition um Verbannung der Erzherzöge Ludwig, Franz

Karl und der Erzherzogin Sophie auf 1 Jahr aus Oesterreich. Gebe der Himmel, daß sich vom gestrigen Tage die wahre Volks­freiheit datire, doch scheinen wir nicht am Ende zu sein.

Berlin, 7. Oct. Das preußische Ministerium hat ein Circular an sämmtliche Regierungen erlassen, eine weitere Aus­führung des vom Reichsjustizminister erhaltenen. Es heißt darin:

„Insbesondere sind die Behörden darauf hinzuweisen, daß Versammlungen unter freiem Himmel, welche für die öffentliche Sicherheit und Ordnung Gefahr bringend sind, nach §. 4 der Verordnung vom 6. April d. I. nicht gestattet, daß Vereine nur zu solchen Zwecken, welche den Stafgesetzen nicht zuwiverlaufen, errichtet werden dürfen, und daß demnach Versammlungen und Vereine, welche sich selbst zu verbrecherischen und ungesetzlichen Bestrebungen bekennen, nicht zu dulden sind. Es wird erwartet, daß alle Behörden, hauptsächlich aber die Beamten, welchen die Aufrechthalrung und Vollziehung der Gesetze obliegt, zur Wahrung der gesetzlichen Ordnung überall pflichtgetreu und kräftig, und da, wo es die Unistände erfordern, mit Entschiedenheit und Selbst­aufopferung kiiischreiten werden. Die Behörden werden dabei eine feste Stütze in dem im Volke lebenden guten Sinne der Gesetzmäßigkeit und Treue finden, der auch da, wo er durch Irr­lehre verdrängt zu sein scheint, doch nur schlummert, und nirgend im Vaterlande vergeblich angerufen wird. Da aber, wo es er­forderlich ist, dürfen die Behörden sich des vollsten und wirksam­sten Schutzes des Staatsministeriums versichert halten. Diejenigen Beamten dagegen, welche aus Schwäche oder bösem Willen die­sen ihren Obliegenheiten nicht nachkommen möchten, müßten im gesetzlichen Wege so bald als möglich aus ihren Aemtern entfernt und auf diese Weise für das öffentliche Wohl unschädlich gemacht werden. Es wird erwartet, daß die königliche Regierung es auch in dieser Beziehung an der erforderlichen Aufmerksamkeit nicht wird fehlen lassen und daß Sie mit den diesfälligen Maßregeln oder Anträgen pflichtschuldig vorgehen wird. Unser Wahlspruch sei, Schutz und Förderung der gesetzlichen Freiheit, Unterdrückung der Anarchie, mag diese aus revolutionairen oder reaklionairen Bestrebungen hervorgehen. Berlin, 4. Oct. 1848. Der Mini­ster des Innern.

* Berlin, 9. Oct. Die Wiener Nachrichten drängen alles llebrige in den Hintergrund. Jedermann ist neugierig und gespannt. Vielleicht war es die hieraus hervorgehende Zerstreut­heit, welche die Centren der hiesigen Nationalversammlung heute so nachgiebig gegen die Amendements der Linken zum Jagdgesetz machte. Diese Amendements gingen sämmtlich durch. Vielleicht war es auch blos Zerstreutheit, daß einige Abgeordnete, z. B. der Herr Uhlich, heute ihre seitherigen Plätze in der Mitte ver­fehlten und sich unter die Linke setzten. Neugierde war es ver­muthlich auch, daß verschiedene Herren sehr oft und bei dem ge­ringsten Geräusche draußen an die Fenster eilten. Es war aber draußen gar Nichts vor. Die Neugierde der rechten Seite des Hauses wurde übrigens durch die vielen Blätter der fliegenden Buchhändler befriedigt, welche die Wiener Revolution in den blühendsten Farben malten und zufällig von der Gallerie auf die Tische der rechten Seite herabfielen.

*Ziegenhain, 9. Oct. Das in No. 119 dieser Blät­ter aus Ziegenhain mitgetheite Attentat auf einen dasigen BaubcaMten seitens eines Fahrbürgers bedarf, der Unbescholten­heit des Baubeamten gegenüber, der Berichtigung, daß Letzterer keiner Betrügerei, sondern der Anweisung zu geringen Lohnes beschuldigt worden ist; ferner, daß sofort eine amtliche Untersuchung gegen erwähnten Fahrbürger eingeleitet ist, deren Re­sultate demnächst veröffentlicht werden soll. — Wie man hört, ist der Er-Staatsrath Scheffer seit dem 4. d. M. in seinem Geburts­orte Treysa eingetroffen und von den Treysaern mit offenen Ar­men empfangen worden. Seine Familie hält sich schon seit län­gerer Zeit in Treysa auf.

Ungarn.

Es bestätigt sich, daß Jellachich mit 15,000 Mann seiner besten Truppen und 33 Kanonen in Wieselburg steht, auf dem direkten Wege nach Wien und nahe an der öster­reichischen Grenze. Was ihn zu dieser Bewegung veranlaßt ha­ben mag, ist noch nicht ganz klar, denn die Nachrichten aus