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H. Juni und freier Wahl des Volkes das einzige legale constitu- tionelle Organ der Einigung zwischen dem constitutionellen Monarchen und dem souveränen Volke zur Wahrung der un- verkümmerten Volks frei heit und des erblichen ThroneS.
4) Der Reichstag, bestehend aus den freien Vertretern freier Völker, wird keinem Abgeordneten einen moralischen Zwang zum Bleiben auserlegen.
5) Der Reichstag wird auf dem constitutionellen Boden fest beharren, um von ihm aus, mit constitutionellen legalen Maß- aegeln, das Vaterland, die Volksfreiheit und den erblichen Thron zu wahren.
6) Der Reichstag fordert alle mit oder ohne Urlaub abwesenden Mitglieder auf, sich binnen längstens 14 Tage von heute ab im Reichstage einzusinden.
Ziemlich sicheren Berichten zufolge soll Jellachich nach Steiermark gedrängt worden sein und 26,000 Mann Ungarn im Rücken haben.
Der Kaiser hat Schönbrunn verlassen nnd sich nach St. Pölten bei Linz begeben. Sein in der Kammer deponirtes Manifest, „er wolle Wien von einer Fraction befreien, welche die Freiheit unrerdrückte", wollte keiner der Minister contrasigniren, weshalb die Kammer sofort einen Dank votirte und zugleich sich anschickte, den Beschluß zur Ausführung zu bringen, daß der Feldmarschall Radetzky unter einen Civil-Gouverneur gestellt würde.
Unter vielen gefallenen höheren Offizieren befand sich auch der General Breda.
Als ein Augenzeuge des Aufstandes Wien am 7. um 5 Uhr Abends verließ, wimmelte die Stadt von Bewaffneten, da auch aus der Umgegend zahlreiche bewaffnete Schaaren zuzogen. Man rechnet sicher auf die Hülfe der Ungarn, und ist entschlossen, dem Heere, welches der Kaiser und die slavische Partei gegen Wien führen wird, Widerstand zu leisten. Ob eine Aussöhnung mit dem Kaiserhause, das sich ganz den Slaven in die Arme gewor- sen hat, noch durch ein zeitiges Resigniren möglich, ist sehr fraglich. Der Ruf: „es lebe die Republik!" ist übrigens, wie schon bemerkt, an diesem Tage in Wien nicht gehört worden.
Die Aufregung der vergangenen Tage, durch Jellachichs Briefwechsel und den Staatsstreich des Hofes hervorgerufen, war noch gesteigert durch den Abzug eines italienischen Regimentes, das mit schwerem Herzen und unter lautem Murren am 5. abziehen mußte, um den Croatcn Hülfe zu leisten; — der beabsichtigte Abzug der deutschen Garden gab den Ausschlag. Wir lassen jetzt die lebendige Schilderung folgen, wleche der ff Eorrespondent der Weser- Zeitung über die Vorgänge vom 6. und 7. liefert: Es ist 9 Uhr. Die slavischen Kürassiere und ein Theil andere Infanterie einerseits und Garden, Studenten, wie das mit diesen fraternisirende Militair andererseits stehen sich ruhig einander gegenüber; man erwartet, daß der Kriegsminister nachgeben werde. Letztere werden gegenüber der Garde und der akademischen Legion aufgepflanzt. -Es wird geloben, die Artilleristen halten die brennende Lunten in der Hand. In dem Augenblicke, wo die Pioniers auf Kähnen in die Donau zu jenem Brückenjoche zu fahren suchen, der abgetragen ist, und vom jenseitigen Ufer mit Salven begrüßt werden, stürzt ein ganz wehrloser Haufe größtentheils aus Arbeitern der Gisenbahnwcrkstätte bestehend, auf die Artillerie los, die nach ganz kurzem Wiederstande den Rücken kehrt und schleppen die Kanonen mit flch, von welchen 2 über den Damm hinaufgezogen werden, während die unten vernagelt und in die Donau versenkt werden. Dies geschieht unter dem größten Feuer, das von dem polnischen Regiment gegen den Damm zu eröffnet wird und ziemlich vielen Schaden, mehr aber noch Verwirrung unter das neugierige Volk daselbst bringt. Viel« stürzten hier ins Wasser oder fielen in die Gräben. Oben entspann sich ein äußerst hartnäckiges Treffen, das aber dem Militair bedeutend mehr Opfer als den National - Garden kostete. General Breda fällt durch einen Schuß, sein Adjutant wird stark verwundet; viele Polen decken entweder todt oder verwundet den Boden. Die Garden und die mit ihnen nun vereinigten Grenadiere gehen in Sturm vor, und drängen die polnische Jnfan- fanterie zu einer Flucht gegen den Augarten zu. Die Kürassiere, die noch einmal anzusprengen wagen, werden durch einen Kartätschenschuß aus der erbeuteten Kanone ebenfalls mit Hinterlassung vieler Todten und Verwundeten zum raschesten Rückzüge gezwungen.
11'/r Uhr. Einer großen int größten Galoppe anfahrenden Reihe von Fiakern, die größtentheils mit Verwundeten gefüllt sind, folgen Massen einzelner Gruppen, die unter dem Rufe „zu den Waffen" durch die Jägerzeile in die Stadt sich ergießen, wo ein panischer Schrecken bereits herrscht, der alle Läden und Lokalitäten schließen macht. Ein wunderlicher geschlossener Zug von Garden, Grenadieren, Studierenden, Arbeitern mit den seltensten Eisenwerkzeugen folgt nach. Unendlicher Jubel schallt aus den Kehlen derselben. Hoch auf einer Stange wird der Generalshut als Siegestrophäe getragen. Nicht lange hierauf folgt ein zweiter Zug, die erbeuteten 2 Kanonen sammt Pulverwagen mit sich führend. An der rothen Thurmihorbrücke machten nun Garden und Grenadiere Posto, da man erwartet, daß das Militär über die Taborstraße zu in die Stadt werde vorzudringen suchen. Die Wälle der Stadt findet man bereits von Garden besetzt, die ihre Musketen Stück an Stück gedrängt herunter blicken lassen und aus vollem Halse der einziehenden Siegerschaar zujauchzen.
1V2 Uhr. Die größte Bewegung herrscht in der Stadt. Ein gienmm der Garden nach ihren Sammelplätzen. Die Allarmtrommeln wirbeln ohne Unterlast. Von den Vorstadtthürmen her vernimmt man Stürmen. Der Universitätsplatz nimmt wieder das Aussehen des 26. März. Barrikaden sind noch keine errichtet : Die Arbeiter aus den Vorstädten mit langen Spießen, Brecheisen, Stangen, Schaufeln und andren Werkzeugen concen- triren sich am Universitätsplatze.
ls/4 Uhr. Das Hofkriegsrathsgebäude, das kaiserl. Zeughaus wird stark mit Militär besetzt. Die Artillerie steht mit brennenden Lunten bei den Kanonen. Die Allarmirung und das Stürmen dauert fort. Von der Taborstraße her werden Schüsse vernommen, es wurde hier wirklich ein Angriff gemacht, aber wieder zurückgeschlagen. Aus dem bürgerlichen Zeughause her führt man Kanonen auf die Rothenthurmthorbastei.
2 Uhr. Vom Stephansplatze her schallt ein starkes Pelotonfeuer entgegen. Die einherstürzende Menge mit blassen Gesichtern schreit, „Um Gotteswillen Bürger gegen Bürger." Dies ist wirklich der Fall. Die als äußerst radikal geltenden Wiener Garden werden schon in der Kärntnerstraße, mehr aber noch aus allen Häusern des Stephansplatzes, ja aus den Fenstern des alten Domes mit einem Kugelregen empfangen. Die schwarz-gelben Kärntnergarden sind es. Die Wiener Garden schießen nun in die Fenster aller dieser Häuser zurück. Akademiker, vermischt mit Garden und Arbeitern, stürzen aus der benachbarten Studentenstraße zu Hülfe und erstürmen die Stephanskirche, werden aber auch hier aus allen Nischen beschossen. Der Boden der Kirche deckt sich mit Blutlachen. Eine solche findet sich grabe vor einem Altare. Die gefangenen Schwarzgelben werden mißhandelt. Diese Scene ruft Barrikaden hervor am Lugeck (an dem Stephansplatz), dicht unter den Tuchlauben und an den Universitätsplatz herum. Vom erstürmten Stephansthurme herab summt die dumpfe Feuerglocke.
2% Uhr Nachmittags. Vom Hofe herab über den Graben zieht das Pioniercorps mit schwerem Geschütze, und stellt sich iu der engen Straße auf, die den Graben mit dem Stephansplatze verbindet. Es währt nicht lange, die Pioniere geben eine starke Decharge, die Kanonen spielen. Die Garden erwidern und drängen das Militair zurück. Eine Kanone muß von diesen in dem Seitengäßchen des Grabens der Spiegelgaffe im Stich gelassen werden. Die Garden folgen ihm kühn nach und treiben es längs der breiten und offenen Straße, trotz aller gegen sie gerichteten Kartätschenschüsse (die aber größtentheils die Mauern treffen) bis in den Hof hin. Man hört zugleich auf anderen Seiten feuern.
3 Uhr Nachmittags. Die in die Flucht geschlagenen Pioniere ziehen sich gegen die Hauptwache, vor dem Hofkriegsrathsgebäude zu den daselbst aufgestellten Grenadieren hin. Die durch die Vog- nergasse nacheilenden Garden werden hier mit Kanonen und wohl genährten Kleingewehrfeuersalven empfangen. Dies veranlaßt bit bei dem bürgerlichen Zeughause, dem Hofkriegsrathsgebâude quet gegenüber ausgestellten Garden gegen die Wache anzustürmen. Einen lange anhaltenden Kampf setzte es hier ab. Das Militair zog aber hier auch den Kürzern und wurde über die Freiunc derartig zum Schottenthore hinausgeschlagen, daß es alle Kanoner
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