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sich Baron Puchner an der Spitze wallachischer Truppencorps in Bewegung setzen. Raab ist von den Kroaten besetzt: aber auch Wieselburg ( 10 Meilen von Wien), wo zuverlässigen Vernehmen nach Jellachich mit seinem Stabe sich befindet. Die kroatische Armee hat daher eine gänzliche Schwenkung gemacht und operirt jetzt an der Wien-Ofener Straße längs den Ufern der Donau. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir den von Jellachich befolgten Operationsplan dahin beuten, daß er seinen Rücken vollkommen decken, mit Proviant reichlick) versehen (Wieselburg ist der Hauptstapelplatz für ungarisches Getreide) und mit verstärkter Kraft einen unfehlbaren Schlag gegen Budapest aus- führen will. So viel ist klar, daß ihm seine letzte Position nicht behagte, während er eine eigentliche Schlacht beharrlich vermied.
Von Pefth sind bis zur Stunde noch immer keine directen Nachrichten eingelaufen. Der 48stündige Waffenstillstand war am Morgen des 4. bereits abgelaufen. Privatbriefe aus Pesth, schildern die dortigen Zustände auf das schrecklichste, bringen aber keine Nachrichten aus dem Lager selbst. Alle Häuser und Läden sind geschlossen, von einem Verkehr ist keine Rede. Die ganze mannbare Bevölkerung legt die Waffen gar nicht aus der Hand. Alles, was deutsch ist, sucht sich, wenn es gelingt, zu flüchten. Die Dampfschifffahrt ist nun ganz unterbrochen worden.
* W i e n, 7. Okt. Der Kampf der Schwarzgelben mit den Schwarzrothgoldnen, der Slawisch-österreichischen mit den Deutschen, der Camarilla mit dem Volke ist dnrch die ungarischen Ereignisse und durch die offenen kaiserlichen Manifeste zum Ausbruche gebracht worden. Er hat 24 Stunden gedauert, Ströme Blures gekostet und mit dem Sieg der vereinigten deutschen und ungarischen Sache in Wien geendet. Der Kriegsminister ist ermordet, die Czechen aus dem Reichstag sind meist abge- reist und der Kaiser ist entflohen, nachdem er ein drohendes Manifest hinterlassen. Aber die gemessenen Beschlüsse des Reichstags, welcher den Kaiser nicht aufgibt, und die Haltung der Kämpfer, welche fast nur den Mittelständen anzugehören scheinen, auch nachdem Siege, zeigt uns, daß in dieser Revolution die Besonnenheit und der bewußte politische Zweck nicht in der Kampfwuth unterging, daß es eine rein politische und wenn man von dem traurigen Schicksal Latours absieht, eine der nobelsten Revolutionen war, welche bis jetzt vorgenommen sind. Wir können uns irren, aber dieses Urtheil stützt sich auf das bis jetzt bekannt Gewordene, sowie auf die eigenthümliche verhängnisvolle Lage Oesterreichs. Durch den Staatsstreich gegen Ungarn (ein Befehl ohne Contrasignatur, welchem Camarilla und das obere Soldatenthum Folge leisteten, hatte der Hof die Revolution begonnen. Die Bevölkerung und auch die Soldaten waren sich dessen bewußt.
Die Nationalgarde hat den Abmarsch der Grenadierbataillone gehindert und diese sind zur Nationalgarde übergegangen.
Das geschah am 6. Morgens. Um 10 Uhr standen sich akademische Legion (in einer gewagten, aber entscheidenden Stellung auf dem Eisenbahndamm)', Nationalgarde und eine geringe Zahl Arbeiter einer Seits und die Nassauer Infanterie anderer Seits entgegen. Die Arbeiter nahmen 4 Kanonen, der Kampf begann von Neuem und endete mit der Niederlage der Truppen General Bredy fiel. In der Stadt entbrannte der Kampf zwischen Deutschgesinnten und schwarzgelben Nationalgarden. Die letzteren unterlagen. Drei Compagnien Pioniere mit 4 Kanonen wurden trotz des furchtbarsten Kartätschenfeuers überwunden und gefangen abgeführt. Um 6 Uhr bemächtigte sich das Volk des Kriegsgebäudes und der dort befindlichen Kanonen, ergriff den Kriegsminister Latour und ermordete ihn trotz der Abwehr dnrch einige Depu- tirte, durch Legionairs und Nationalgarden. „Das Volk verlangte eine Sühnung für das viele unnöthig vergossene Blut.,, Die in der Wohnung des Kriegsministers Vorgefundenen Papiere wurden von der Menge in Beschlag genommen und auf die Universität gebracht.
Von 6'/2 Uhr Abends bis zum anderen Morgen dauerte der Sturm des Zeughauses, es wurde von kaiserlichen Soldaten und schwarzgelben Nationalgarden wüthend vertheidigt; die Besatzung beherrschte die Renngasse durch ein anhaltendes Kartätschenfeuer. Doch auch das Volk hatte Kanonen herbeigefühlt und von 2 Seiten Bresche geschossen, der Kampf wurde mit furchtbarer Erbitterung geführt.
Um 7 Uhr Morgens hat sich dann die Besatzung unter der Bedingung ergeben, daß das Zeughaus von academischer und Nationalgarde besetzt würde und dies geschah. Das waffenlose Volk wurde sofort bewaffnet; viele Todte, deren Zahl bis jetzt noch nicht genau angegeben werden kann, fielen als Opfer des zwecklosen Kampfes. Die im Zeughaus befindlich gewesene Na- lionalgarde, gegen welche die Wuth des Volkes am heftigsten war, ist durch einen unbewachten unterirdischen Gang beni sicheren Verderben entkommen.
Der Reichstag hatte sich inzwischen versammelt und da der Präsident Strohbach (ein Czeche) die Zusammenberufung verweigerte, den Vicepräsidenten Smolka zum Vorsitzenden ernannt und sich für permanent erklärt. Um 7 Uhr Abends ward eine De- putation an den Kaiser geschickt, welche Zurücknahme der Manifeste, Entlassung der Minister bis auf Doblhof und Hornbostl und Amnestie verlangte. Um 7*/2 Uhr ernannte der Reichstag den Abgeordneten Scherzer zum Oberkommandanten von Wien und befahl dem Militair-Kommandeur, sich zurückzuzieheu. In dieser Steigerung drängten sich die Schritte des Reichstags.
Am 7. 10 Uhr Morgens wird gemeldet, daß der Kaiser fein Schloß zu Schönbrunn verlassen habe; wird eine Commission ernannt , welche die Wahrheit dieser Nachricht zu untersuchen hat.
11 */2 Uhr. Der Minister Kraus meldet, daß eine Procla- mation des Kaisers zurückgeblieben sei, in welcher dieser ausspricht, daß er Wien, wegen dessen Hang zum Aufruhr, verlasse und von einem andern Punkte aus die geeigneten Maßregeln treffen werde. Er, Kraus, habe die Contrasignatur als inconstitutionell, weigern müssen. Wird beschlossen, daß der Reichstag die consti- tuirende und erecutive Gewalt übernehme und Commissaire mit diesem Erlaß in die Provinzen sende.
Postschluß. Ganz Wien ist bewaffnet und eine übriggebliebene Aufregung abgerechnet, ruhig.
Gestern und heute die Börse geschlossen.
Berlin, 7. Oct. Ein Gerücht, das schon vor längerer Zeit einmal Tagesgespräch war, ist jetzt von Neuem aufgetaucht. Uns ist die Wiederholung desselben aus einer Ouelle zugegangen, deren Lauterkeit jeden Zweifel an der Begründung ausschließt. Es sollen allen Ernstes diplomatische Unterhandlungen schweben, welche die Uebertragung der deutschen Kaiserkrone an den König von Preußen unter der Bedingung einer Theilung der p r e u- sischen Monarchie in drei von einander völlig zu sondirende Dynastien bezwecken. Die Theilung wird in der Weise projectirt, daß Pommern, Preußen und Posen dem Prinzen von Preußen, und Rheinland und Westfalen dem Sohne des Prinzen Karl als getrennte Königreiche überlassen werden sollen. Die übrigen Provinzen bleiben als Königreich Preußen unter dem gegenwärtigen Könige vereinigt, der mit dieser verminderten Macht im Besitz der deutschen Kaiserkrone den übrigen Staaten Deutschlands geringere Besorgnisse einflößen mürbe, als sich bei Gelegenheit der bisherigen Verhandlungen kund gegeben haben. Wir müssen zwar jedem überlassen, hiervon so viel oder so wenig er will, zu glauben, wir wiederholen indeß die völlige Glaubwürdigkeit unserer Quelle. — Auf den 27. October ist der Zusammentritt der Oppositions- Mitglieder der verschiedenen constituirenden Versammlungen Deutschlands hier in Berlin zur Berathung der Schritte wegen der Constituirung eines neuen deutschen Parlaments angefetzt. Die Conferenz wird drei Tage dauern.
Berlin, 8. Oct. Der Polizeipräsident bat in dem Placat i des „demokratischen Bürgerwehrvereiiis" vom 5. Oct., worin gegen die Ausführung des Bürgerwehrgesetzes protestirt und das Volk aufgesordert wurde, sich der Majorität der Nationalversammlung zu widersetzen, die Aufforderung zum Aufruhr gefunden und gegen den Verein dem Staatsanwalt eine Denunciation übergeben. Die Voruntersuchung soll bereits im Gange und zunächst gegen den Vorsitzenden des Vereins, einen Herrn Meyer eingeleitet sein.
Die Stellung des Ministeriums Pfuel zu Den Parteien ist ungleich schwieriger als die seiner Vorgänger. Während es von den Radikalen als das Ministerium der „Restauration" und der bewaffneten Reaction angefeindet wird, hat es sich bei der ulrra- conservativen Partei keines größeren Beifalls zn erfreuen, als die beiden Kabinette des Hrn. Hansemann. Der „Neuen Preußischen Zeitung" scheint es „leider nur zu ernst gemeint zu sein," wenn