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ihnen einen Washington verlieh, haben der Welt gezeigt, wie viele Vorzüge eine politische Organisation, die auf Selbstverleug­nung und brüderliche Einheit gegründet ist, vor einem System des Sonderintereffes und nationaler Zwistigkeiten besitzt. Meine Landsleute hegen die Hoffnung, daß auch Deutschland eben so gesegnet sein, und daß die Zeit kommen wirv, wo die Nachwelt den Namen Ew. kaiserl. Hoheit neben den von Washington stel­len wird, nicht sowohl wegen Lorbeeren, die auf Schlachtfeldern geerntet werden, als wegen der hohen Verdienste eines Staats­mannes, der seine Mitbürger überzeugt haben wird, ihre Uneinig­keiten und Lokalvorurtheile für immer zu begraben, und vermit­telst patriotischem und herzlichem Einverständniß eine versöhnende Regierung, öffentliche Ordnung, Achtung des Privatrechts, nebst der Freiheit des Individuums und der Unabhängigkeit der Ein­zelnstaaten zu errichten. Meine Regierung und meine Lands­leute wissen, daß es nicht Rathschläge, sondern Beispiele sind, welche allein die Aufmerksamkeit derjenigen fremden Nationen auf sie wenden, die im Begriff sind, ihr politisches System abzuändern. Deßhalb enthält sich der Amerikaner sorgfältig jeder thätigen Theilnahme an den inneren Streitigkeiten anderer Völker, welche Bezug auf ihre Regierungsform haben. Man weiß in Ameriku, daß jede rechtsgültige Institution nur dann als nützliches Beispiel dienen kann, wenn ihr friedlicher Einfluß sich bewährt hat, nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch in allen anderen Be­ziehungen , welche ein Jahrhundert charakterisiren, in welchem Wissenschaft und Tugend unumgängliche Bedingungen nationaler Größe und individuellen Wohlergehens ausmachen. Daher sind die Gefühle, deren Dollmetscher ich bin, keineswegs aus propa­gandistischen Interessen hervorgegangen, im Gegentheil sind sie aus vollkommener Hochachtung für die Staaten und Volker Deutsch­lands entstanden, für diejenigen Staaten und Völker, die durch ihren edlen Ursprung, ihre Zahl, ihre Intelligenz, ihre geographi­sche Lage und ihre Produkte verdienen, unter den ersten Nationen der Erde einen Rang einzunehmen."

Die Antwort Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs - Reichsver- wesers lautete wie folgt: „Es freut mich aufrichtig, einen Abge­sandten der amerikanischen Freistaaten bei der deutschen Central­gewalt beglaubigt zu sehen, und ich spreche dies mit dankbarer Anerkennung der freundlichen Zuvorkommenheit aus, welche Ihre Regierung hierbei bewiesen hat. Diese Zuvorkommenheit kann nur dazu beitragen, die Bande innigen Einvernehmens und war­mer Freunvschaft zwischen den Bereinigten Staaten und Deutsch­land noch fester und dauerhafter zu knüpfen. Welchen hohen Werth ich auf diese Bande lege, bedarf wohl keiner Versicherung, und das Vertrauen, mit welchem ich an deren unerschütterlichen Bestand glaube, wird noch durch die Ueberzeugung verstärkt, daß die politischen und die geistigen, wie die materiellen Interessen beider Länder der Art sind, eine Erfüllung meiner Hoffnungen zu verbürgen. Viele deutschen Stammes haben in dem gastfreien Amerika eine zweite Heimath gefunden und sind dort mit Wohl­wollen ausgenommen worden. Auch dies muß dazu beitragen, die innigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland immer mehr und mehr zu befestigen. Möge das Andenken ihres großen Washington und die segensreichen Ver­mächtnisse, welche seine Weisheit, seine seltenen Tugenden und seine uneigennützige Vaterlandsliebe Amerika hinterlassen haben, nie aufhören, unter dessen Völkern zu leben. Auch ich habe für diesen edelsten der Männer stets eine wahre Verehrung im Her­zen getragen und in ihm ein erhabenes Vorbild alles Trefflichen erkannt. Wie er, werde auch ich meinen höchsten Ruhm darin suchen, das Vertrauen, welches Deutschland in mich setzte, durch mein redliches und rastloses Streben zu rechtfertigen, meinem ge­liebten Vaterlande durch Begründung gesetzlicher Ordnung und nnerer, wie äußerer Ruhe, die Segnungen ungetrübten Friedens u sichern. Diese meine Bemühungen werden aber durch die Freundschaft der auswärtigen Mächte, und insbesondere durch jene 'er edlen amerikanischen Nation wesentlich gefördert werden. Jch 'aue fest auf dieselbe und werde Alles aufbieten, meinerseits zu eren Erhaltung beizutragen. Es ist mir in dieser Beziehung on guter Vorbedeutung, daß Sie, Herr Gesandter, gewählt wor­in sind, Ihre Regierung bei mir zu vertreten. Ihr biederer Charakter, Ihre gereifte Einsicht und Ihre bekannte Zuneigung u dem braven deutschen Volke sind bereits bewährt und haben

Ihnen schon in meinem Vaterlande die allgemeine Hochachtung erworben. Ich finde hierin eine beruhigende Bürgschaft, daß Sie aufrichtig mitwirken werden, meine und Ihrer Regierung Wünsche und Absichten nach Kräften zu fördern. Ich heiße Sie recht herzlich bei mir willkommen."

Frankfurt, 9. Okt. Der amtliche Theil der O.P.A.Ztg. enthält folgende Mittheilungen: Der österreichische Contreadmiral Sourdeau ist durch andere dringende Geschäfte verhindert, dem an ihn ergangenen Rufe, zur Bildung der deutschen Marine mitzu­wirken, zu folgen. Das Ministerium hat ungesäumt veranlaßt, daß andere erfahrene Männer des Marinefaches hier eintreffen, um mit ihnen die Frage wegen Organisirung der Marine zu bera­then. Unter Einem aber sind die Abgeordneten der Nationalver­sammlung Major Teichert und Hauptmann Moring mit dem Ma- rineingenieur Morgan nach Hamburg beordert worden, um die dort statiouirte deutsche Flotille zu inspiciren, und für das Reich zu übernehmen. — Zur Ausführung der in dem Erlasse des Reichsverwesers am 2. Oktober 1848 vorgezeichneten Maßregeln ist der OberappeUationsgerichtsrath Ludwig von Mühlenfels zum Reichskommissär für die großh. und herz, sächsischen und die reus- sischen Herzogthümer ernannt worden, und bereits dahin abge­gangen. — Nachdem der bisherige kön. sardinische Geschäftsträger bei der provisorischen Centralgewalt für Deutschland, Herr Evasio Radice, von hier abberufen wurde, hat Herr Anton Gallenza am 2. d. M. dem mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten vom Reichsverweser einstweilen beauftragten Reichsminister des Innern das Schreiben des königlich sardinischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten überreicht, welches ihn in gleicher Eigenschaft beglaubigt. Der Herr Geschäftsträger hatte sodann die Ehre, dem Reichsverweser vorgestellt zu werden.

Wien. Die „ Wiener Zeitung" vom 5. October enthält drei auf die ungarischen Verhältnisse bezügliche Erlasse des Kaisers. Der erste, vom 3. October dalirt, ernennt den Feldzeugmeister Adam, Freiherrn von Ree sey, zum ungarischen Ministerpräsi­denten mit dem Auftrage, ein neues Ministerium zu bilden; der zweite, an die Vorsteher sämmtlicher ungarischen Jurisdictionen gerichtet und vom 4. Oct. datirt, zeigt denselben an, daß „so lange, als die gestörte Ordnung und der Friede nicht zurückge­kehrt sein wird" das Königreich Ungarn unter die Kriegsgesetze gestellt ist, und weist sie an, demgemäß zu verfahren; der dritte endlich (dem vorhergehenden beigegeben) ist ein vom 3. datirtes Rescript, durch welches mit Bezugnahme auf die „großen Ungesetzlichkeiten," zu denen sich das Repräsentanten­haus durch Kossuth und seine Anhänger habe verleiten lassen, so wie insbesondere auf die Ermordung des Grafen Lamberg: 1) der Reichstag geschlossen wird, 2) alle vom Kaiser nicht sanctionirten Beschlüsse des Reichstages für ungültig erklärt wer­den, 3) Jellachich zum Generalkommandanten in Ungarn und seinen Nebenländern, sowie in Siebenbürgen, und zum kaiserl. Commissär ernannt, 4) Ungarn unter die Kriegsgesetze gestellt, und 5) die strengste Bestrafung der Mörder des Grafen Lam­berg verfügt wird. Der Schluß des Rescripts bezeichnet als Endziel der kaiserl. Politik „Einheit der Wahrung und Leitung der gemeinsamen Interessen der Gesammtmonarchie" und „gleiche Berechtigung aller Nationalitäten." Alle drei Erlasse sind von dem Freiherrn v. Recsey contrasignirt.

Wien, 5. Oct. Der Banus scheint seiner Sache gewiß. Sein Zug nach Raab, gedeckt und unbeobachtet durch die vor Ofen gelieferten Scharmützel, ist eine Kriegsoperation, die nicht getadelt werden kann. An ein Aufkommen der Ungarn ist unter diesen Umständen schwer zu glauben; selbst ein verzweifelter Kampf wird sich nur kurze Zeit noch führen lassen. Der Befehlshaber der zu Raab eingerückten Truppen des Jellachich legte der Stadt eine Contributionssteuer von 60,000 Laib Brod, 700 Eimer Wein, 600 Centnern Rindfleisch, 1200 Metzen Hafer und 30,000 fl. C. M. auf, welche, da gar keine ungarischen Truppen anwesend waren, auch sogleich geleistet wurde. Der ungarische Landsturm um Raab hat sich aufgelöst.

— Im heutigen Ministerrathe sind entschiedene Maßregeln beschlossen worden. Zur Erpeditionsarmee des Banus Jellachich werden von hiesigen Waffen etwa 30 bis 40,000 Mann nebst einer Masse von Geschütz entsendet. Ein galizisches Truppenkorps wird in Nordungarn einbrechen. Von Siebenbürgen aus wird