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schläge über die Unterkunft der Truppen gemacht und ein Herr Schnitzer äußerte sehr naiv: Wenn etwa nach Reutlingen Mi- Utair zu legen beabsichtigt werde, so bedanke er sich schon zum Voraus für diese Ehre, worauf Staatsrath Römer ebenso unbefangen, nur viel vernünftiger erwiderte: Wenn die Negierung es für nöthig hält, nach Reutlingen Militair zu legen, so wird sie es thun, ungeachtet des Danks des Abgeordneten Schnitzer. Dagegen wurde dem ängstlichen Verlangen desselben Hr. Schnitzer: daß die Regierung doch jeder reactionairen Bestrebung der Beamten entgegentreten möchte, von Römer recht gern Gewährung verheißen. Uebrigeus verstehe sich das ja wohl ganz von selbst. Endlich fragte Abgeordneter Scherr die Minister, welches Verfahren sie rücksichtlich der noch immer anwesenden fremden Gesandten ein-, zuschlagen gedenke». Staatsrath Römer entgegnete hierauf, die Regierung könne ja nichts dafür, daß die Gesandten immer noch da seien; man könne ihnen doch nicht die Pässe geben und sie fortgehen heißen. Die Centralgewalt habe nur angeordnet, daß keine Gesandten abgeschickt werden, nicht, daß keine angenommen werden dürfen. — Der vaterländische Verein hat, was von diesem so äußerst demokratischen Verein sehr zu bemerken ist, eine Adresse an die Reichsminister gerichtet, welche Anerkennung und Dankbarkeit für die unerschrockene und energische Handlungsweise der Minister an den entsetzlichen Tagen des 18. und 19. Sept, ausspncht und dem Patriotismus des vaterländischen Vereins alle Ehre macht. Der Ausdruck dieser Gesinnung, bemerkte die Adresse, ist um so unverdächtiger, als gerade in Stuttgart die Stimmung gegen die Genehmigung des Waffenstillstandes überwiegend gewesen ist.
Was den berüchtigten Freischaarenzug Raus betrifft, so wiederholt sich hier dasselbe Manöver, was wir in Frankfurt erlebten, man legt sich aufs Leugnen. Wenn man politischer Fanatiker ist, dann sollte man es wenigstens nicht so machen, wie die gemeinen Jnculpaten und sich hinter solche ordinäre Schwänke verkriechen. Hr. Trotter that in der Kammer, als ob gar nichts vorgefallen wäre, er sprach von „angeblichen" Unruhen (!) Die von Rottweil und Schramberg auf Raus Aufforderung bewaffnet ausgezogenen Bürger hätten ein paar Stunden vor Stuttgart die Waffen ab legen wollen, (!!) nachdem man sie belehrt, daß man bewaffnet an einer Volksversammlung nicht Theil nehmen dürfe. Es bestehe aber kein Gesetz, welches verbiete, auf der Reise Waffen zu tragen. Dieser Darstellung schließt sich eine Erklärung der Schramberger Bürgerwehrmänner wesentlich an. Diese, die 300 Mann stark ausmarschirten und in Obernhut warben , versichern nun, sie hätten allerdings in einer Versammlung auf dem Rathhause beschlossen, den Zug bewaffnet und mit klingendem Spiel mitzumachen, aber in Schramberg und Sulz schriftlich versprochen, die Waffen einige Stunden vor Stuttgart abzulegen. (!!!) Die Aufforderung der Minister an das Volk, sich bei dem bedrohten Zustande um sie zu schaaren, habe sie in dem Vorsatz bestärkt, die Waffen mitzunehmen, sowohl zu ihrer eignen Sicherheit, als auch, um im Nothfall der Regierung zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe beizustehem (!!!!) Römer antwortete in der Kammer kurz: In welcher Absicht die Leute nach Stuttgart ziehen wollten, wird Gegenstand der Untersuchung werden.
§ Ulm. Die zu Ulm angesagte große Volksversammlung ist nur sehr schwach besucht worden und ganz ruhig vorübergegangen. Nicht einmal ein Mißtrauensvotum an die Nationalversammlung ward votirt, nur eine lobende Adresse an die Linke. Auch waren die vielen rothen Fahnen und Federn der vorher- gegangencu Versammlungen zu Eßlingen, Canstatt, Reutlingen re. gänzlich verschwunden und es wird hieran die Hoffnung geknüpft, daß dieses Blutzeichen überhaupt von deutscher Erde verschwinde.
Karlsruhe, 5. Oct. So eben kamen mit einem Enra- zug die fünf Gefangenen: Struve, Bliud, Dusar, Bauer und Trautmann, unter starker militairischer Bedeckung (in jedem Wagen einer der Gefangenen und gegen 30 Soldaten) im hiesigen Bahnhof an, um nach einem kurzen Halt in das pennsylvanische Gefängniß bei Bruchsal gebracht zu werden.
Karlsruhe, 6. Ort. Gestern Abend um 10 Uhr bewegte sich ein militairischer Zug mit Fackeln und Musik durch die Lange Straße nach der Waldhornsstraße, wo sich die Woh- nung deS Präsidenten des Kriegsministeriums befindet: cs war
eine Serenade, welche dem General Hoffmann zur Begrüßung seiner Rückkehr aus dem Oberlande und zur Feier des Sieges bei Staufen von dem gesummten Officiercorps der Residenzstadt gebracht wurde. Wie bekannt, standen bei Staufen kaum 700 Mann, jedoch wohldisciplinirte und militairisch geübte Truppen, die dabei zum ersten Male die Feuerprobe bestanden, einem an Zahl vierfach überlegenen Feinde entgegen. General Hoffmann selbst, sich überall persönlich aussetzend, leitete zu Fuß an der Spitze seiner Truppen den Angriff auf die Barrikaden und das Rathhaus ; an einer der Barrikaden räumte er mit eigener Hand die obersten Balken weg. Augenzeugen erzählen, daß er unzählige Male hätte getroffen werden müssen, wenn nicht die Jusur- genten, wahrscheinlich in Folge zu starker Ladung, ihn stets übcr- schossen hätten.
L. Eschwege, 6 Oct. Die Stadt Eschwege wurde in diesen Tagen durch Demonstrationen wider die Wittwe des Kaufmanns W. gewaltig in Allarm gesetzt. Daß solche Drohungen gegen eine hilflose Frau, welche das Geschäft ihres verstorbenen Mannes fortführt und einen gesetzlich erlaubten, rechtlichen Handel treibt, welche in der Nothzeit 1846 auf 1817 den Armen zu Liebe die bedeutendsten Opfer brachte, und welche endlich ihrer ehrenhaften Gesinnung wegen die allgemeinste Achtung verdient, laut werden konnten, — das ist ein trauriges Zeichen unsrer Zeit! Ich glaube aber zur Ehre der Eschweger, daß diese Drohungen wider Person und Eigenthum aus der gemeinsten Volkshefe hervorgegangen sind und hoffe, daß die Bürgerwehr vorkommenden Falls mehr Energie, mehr Muth und Sinn für Zucht und Ordnung an den Tag legen wird, als sie solches bei den letzten, gegen einen israelitischen Mitbürger gerichteten, betrübenden Ruhestörungen leider gethan har.
W. in KurHessen, 6. Okt. Wie in Volksversammlungen der politisch ungebildete Haufe mißbraucht werden kann und wie wenig der Geist, der eine Volksversammlung beherrschen soll, verstanden wird, davon berichte ich ein ohnlängst dahier erlebtes Pröbchen. Ein fein wolleiider Volksmanu trug in einer Volksversammlung eine genau nach Henkels und der Hersfelder Proklamationen abgefaßte Petition um Wahlreform vor, wogegen ein anderer auftrat und wider die censusfreie Wahl, sowie wider direktes Wählen ankämpste und versprach, in nächster Versammlung eine diesen Grundansichten entsprechende Petition vorzulegen. Jnmittelst hatte der erstbezeichnete Volksmann mit einigen Genossen eine Anzahl Unterschriften seiner von ihm entworfenen Petition bereits zu erlangen gewußt rind als acht Tag, später von dem zweiten Redner seine versprochene, ganz im ent gegengesetzten Sinne abgefaßte Petition in der Volksversammlung vorgetragen wurde, erklärte das anwesende Volk ein- mü thig, — sie würden auch diese Petition sofort .unterschreiben wenn sie die andere nichts bereits unterzeichnet hätten, denn briDi Petitionen seien ja sehr schön! — Landstände und Ministerien mögen daraus entnehmen, in welcher Weise derartige Petitionier — und wären es selbst Fuldaer Rtesenpetitionen — die Volks stimme enthalten.
Schweiz
Der Berner Verfassungs-Freund meldet: Bern, 2. Oct Der Gesandte Deutschlands, Herr Raveaur, ist gestern wieder i Bern angelangt, mit einer Note bezüglich der Ereignisse in Ba den. Am Schlüsse derselben werden die gegen die Schwei; ; treffenden Maßregeln von der Reichsgewalt vorbehalten. Ein ganz gleichlautende Note soll von Frankfurt auch an die franze fische Regierung abgegangen sein.
Großbritannien.
London, 3. Oct. Die königliche Familie ist von Aberdei über Perth nach London gegangen und hier bereits eiiigetroffc
Von der Unternehmung unter Capitän Roß hat man Brie erhalten, datirt 29. Juni, Wallfischinsel: die Mannschaft ist wo auf, obgleich sie in einer grimmen Kälte lebt. Rings um das Sch befinden sich berghohe Eisberge, und da keine Dunkelheit eintri weiß man auf dem Schiff nie, wann es Nacht ist. Am 1. I: sollte die Fahrt zur Aufsuchung Capitän Franklins die Meeren weiter hinauf gehen. Daß Capitän Franklin denselben Weg eine schlagen hatte, den jetzt Capitän Noß nahm, wußte man sicher; m hatte den Namen seines Schiffe» auf den Felsen geschrieben gesund.
Beilci