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fein Geld beschaffe, werde er seine Gewalt in die Hände des Volks zurückgeben müssen. Man fand das Triumvirat doch annehmbarer als Anarchie und Kommunismus. Die Tendenz der Venetianischen Clubbs (Cercoli veneliani), ursprünglich eine rein republikanische, hat neuerdings hier und dort eine Beimischung kommunistischer Bestrebungen erhalten. Der Aufruf Venedigs an alte Städte Italiens, wegen einer monatlichen Beisteuer von 1 Million Franken, scheint noch kein Resultat geliefert zu haben. Joseph Mazzini hat ihn neuerdings auch bei den italienischen Flüchtlingen im Auslande wiederholt und jeden für einen feigen Verräther des Vaterlandes erklärt, der in eine deshalb zu bildende Volkskasse seinen Beitrag nicht zahlt. Mazzini hält ihnen das Beispiel der Nepealrente im armen Irland vor. In Paris ist bei der Fürstin Belgiojoso ein Zweigbureau errichtet.
Turin. 27. Sept. Die hiesigen Zeitungen berichten von ernsten Unruhen, die in Alessandria und Valenza unter dem pie- montesischen Militär ausgebrochen sind. Das Nähere ist noch nicht bekannt.
Kirchenstaat. Die „Allgemeine Zeitung" schreibt aus Rom vom 20. Sept.: Der Nuntius beim österreichischen Hofe hat Instruktionen von hier aus erhalten, die ihn ermächtigen, an den italienischen Friedens-Unterhandlungen, von denen man erwartet, daß sie in Wien geführt werden, im Namen der Curie Theil zu nehmen. Wie aus guter Ouelle verlautet, sollen es dieselben sein, mit denen Consalvi 1815 nach Wien ging. — Rosst beginnen nachgerade selbst die radikalen Blätter zu loben, während die konservativen mit Begeisterung von seinen Talenten reden. Alle Berichte stimmen darin überein, daß er sich mit dem Papste auf sehr klare Bedingungen geeinigt habe. Cardinal Soglia rühmt das gute Einverständniß, welches zwischen ihm und dem Minister des Innern obwalte.
Die piemontesische Zeitung behauptet, in Sicilieu sei der Waffenstillstand abgelaufen unb die Feindseligkeiten hätten von neuem begonnen. Die Messwesen, verstärkt durch viele tausend Palermitaner and andere Sikilianer, hätten Messina überrumpelt, an den Truppen reichliche Rache genommen und sie gezwungen, sich in die Forts zurückzuziehcn. Auch auS Malazzo seien die königlichen Truppen wieder verjagt worden; doch scheinen diese beiden Nachrichten bis jetzt wenig zuverlässig.
Großbritannien.
London, 30. Sept. Heute um 5 Uhr verurteilte der Criminalhof die Chartistenführer Dowling, Lacy, Fay und Cuffey zu lebenslänglicher Deportation. Die Strenge dieses Urtheils machte großes Aufsehen.
London, 30. Sept. In Clonmel hat am 28. das Zeuge nverhör in dem irischen Hochv errath sprczeg begonnen O'Brien antwortete auf die Frage, ob er sich für schuldig oder nicht schuldig erkläre, mit lauter Stimme: „Nicht schuldig."
Frankreich.
Paris, 28. Sept. Es hat sich hier ein Verein gebildet, dessen Mitglieder sich verpflichten, jeden Prätendenten mit Gewalt aus dem Wege zu räumen. Ich erwähne dieses Umstandes bloß darum, weil er ein grelles Licht wirkt auf die immer mehr über= handnehmende Verwirrung aller sittlichen Begriffe. Die jesuitische Maxime, der Zweck Heilige das Mittel, ist übrigens unter dem deutschen Radikalismus noch weit verbreiteter als unter dem französischen. Mir schaudert, wenn ich die Niederträchtigkeit in den heiligen Namen der Freiheit sich Hüllen sehe. Merkwürdig genug hat in Deutschland bereits die Verbrüderung des Socia- lismus mit dem religiösen Fanatismus begonnen, und eine zweite Auflage der Münstcrischen Wiedertäufer gehört nicht unter die Unmöglichkeiten.
Paris, 1. Oct. Der Moniteur enthält heute eine vergleichende Uebersicht der Erträge der Schiffs-Ein- und Ausfuhr während der ersten acht Monate der Jahre 1846, 1847 und 1848. Es geht daraus hervor, daß dieselben 1846 der Staatskasse 100,555,074; 1847 88,991,359; in diesem Jahre nur 54,092,446 Franken eintrugen.
* Paris, 3. Oct. Der Bruch zwischen Cavaignac und der rothen Republik scheint vollständig. Ledru Rollins gestrige Rede läßt darüber nicht den geringsten Zweifel.— „.. .Die Demokratie
verabscheut den Krieg, aber er ist unvermeidlich. Die europäischen Negierungssysteme können neben der Republik nicht bestehen. Die unterjochten Völker können dem Emporwachsen der französischen Republik nicht zusehen, ohne sich dieselbe Staatsform zu geben. Dieses wissen die Könige. Deshalb werden sie, um ihr Leben in der Heimath zu retten, zu uns kommen, um die Republik zu lösten . . . ." Das ist ungefähr der Hauptinhalt der Ledru-Rol- linschni Rede. — Kann es etwas Komischeres geben, als diese Eitelkeit, sich für beneidet zu halten, in einem Augenblick, wo man von der ganzen Welt recht sehr bedauert wird? Und dann: die Könige werden kommen, uns zu tödten und unsere Freiheit. Was für Könige meint denn eigentlich der Hr. Le-dru-Rollin? Die Homerischen Könige oder die Könige aus dem Morgenlande oder etwa gar die z^chachbrettkönige der Lieu zeit, welche nur vertheidigt werden, aber Niemanden angreifen? Ei, Hr. Ledru-Roliin! Wer wird sich wohl jetzt noch vor Königen furchten? Das ist nicht zeitgemäß, nicht republikanisch gedacht.
Alle Blätter beschäftigen sich heute mit der Ledru Rollmscheu Rede. Das ist stark! —
Die Aufregung wegen der neulichen Scenen dauert in der Nationalversammlung und außerhalb derselben fort. Haben sich die Deputirten doch sogar Sonntags versammelt, um deßhalb zu st. . kern. Verschiedene Paukereien wurden contrabht. Draußen sind die ordentlichen und reputirlichen Bürgersleute, les honnétcs geus, wüthend, daß man sogar einen von ihren Deputirten, Mr. Denjoy, von der Tribüne heruntergeworfen bat. Sie sind deshalb sogar unter die Arbeiter gegangen und wollen mit diesen irgend eine kühne That verrichten. Gruppen von Wohlgekleideten tind Lumpen, von Freunden und Feinden, aber Alle durch die gemeinsame Unzufriedenheit verbunden, wurden gestern von den Soldaten auseinander getrieben.
F t u d? t V t c i s c.
Kassel. Am 7. October
1848.
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Handels- und Börfeunachrichten.
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Repertoire des Kurfürstlichen Koftheatero.
Sonntag, 8. Okt. Wallensteins Tod, Trauersp. in 5 Akten, von Schiller.
Ertra-Beilage
VerantN'ortlicher Herausgeber: Fr. Oetker, — Redaktion: Fr, Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Castel.