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Tage nicht weniger als 4000 Bomben , Kugeln, Granaten und endlich congrcvische Raketen auf die Insurgenten nieder, derjenigen nicht zu gedenken, welche die Schiffe abschossen, und dennoch mach­ten diese geübten Leute, die ähnliche Schrecknisse nie erlebt, ja nie geahnt hatten, hungrig und erschöpft wie sie waren, drei Tage lang die brennnenden Schutthaufen der Stadt dem Feinde streitig und wichen erst vor dem unwiderstehlichen Ungestüm der wohl- disciplinirten Schweizerregimenter. Schmählich dagegen war das Verhalten der Stadl Milazzo. Der 25jährige Major Macia, ein durch Vetternschaft beförderter Officier, übergab unaufgefordert den wohl befestigten und auf 6 Monate verproviantirten Platz, als sich drei neapolitanische Dampfböte in der Ferne zeigten. Mit den Rüstungen geht es schlecht. La Mosa, ein verdienter Patriot, sammelte im Gebirge die zerstreuten Vertheidiger der Küsten­städte, aber seine Mannschaften sind wieder auseinandergelaufen, sobald sie eine Flinte erhalten hatten. Denn der Sicilianer glaubt das Ziel aller irdischen Glückseligkeit erreicht zu haben, wenn er im Besitz eines Schießgewehrs ist; hat er dies erlangt, so küm­mert er sich wenig um Kind, Freund und Vaterland , sondern macht sich bei erster Gelegenheit aus dem Staub und nach Haus. Das Parlament in Palermo bat die Bildung von sieben Lagern an verschiedenen Punkten der Insel dekretirt, aber mit der Aus­führung wird es wohl gute Weile haben. Ruggierro Settimo leitet Alles.

In Neapel ist eine allgemeine Entwaffnung angeordnet und wird unter den brutalsten Haussuchungen und Plackereien ausge­führt. Die Lazzaroni, welche sich jetzt in königliche und consti- lutionelle gespalten haben, raufen sich unter einander, wobei denn Weidlich gemordet und geplündert wird; daher sind denn einzelne Stadtguartiere, natürlich die constitutionell gesinnten vorzugsweise, förmlich in Belagerungszustand erklärt. Ferdinand hat seinen Neapolitanern einige Markt- und Wagschalgebühren erlassen, was natürlich gioja indecibile und clarnorose acclamazione erregt. Das berühmte Piedigrottafest ging diesmal sehr still vorüber. Der König fuhr zu Schiff unter bem Donner der Kanonen nach der Grotte des Pausilippo und dankte der Madonna für den Sieg seiner Truppen, d. h. für den Untergang Messina's, während die Soldaten das Volk abhielten den „geliebten Monarchen" zu sehen. Von Norden her werden starke schweizerische Nekrutcnsendungcn erwartet; es heißt auch Modena und selbst Floren; ließen die Werbetrommel wieder rühren. Wie lange wird die Eidgenossen­schaft diese fluchwürdige Schmach noch dulden?

— 30. Sept. Der bekannte Mazzini hat einen Ausruf zu Gunsten der heldenmüthigen Stadt Venedig erlassen, worin er zur Bildung einer Volkskasse auffordert, aus welcher man Venedig unterstützen könne.

Frankreich.

Paris. Der Moniteur vom 30. enthält einen kurzen Ar­tikel voll Indignation über dte vielen Angriffe, welche dw Regie­rung seit einiger Zeit von einem Theile der Presse erleiden müsse. Diese Angriffe gingen von den schlechtesten Motiven aus, erhiel­ten aber Alles in Aufregung, hemmten den Geldumlauf und stürzten Paris und damit auch die Provinz in eine unan­genehme Stellung. Die Regierung würde gewiß ihre Pflicht thun, und alle guten Bürger sollten derartigen Mittheilungen keinen Glauben schenken.

Das große politische Banket in Toulouse, welches die Veran­lassung zu den gestern geschilderten Scenen in der Deputirten- Kammer wurde, war zur Feier der Republik von 1792 veran­staltet und wurde Veranlassung zu einer sehr nachdrücklichen Manifestation zu Gunsten der rothen Republik. Schon aus dem Programm ging die Absicht einer solchen deutlich hervor, trotzdem wohnte der Municipalrath ihm bei. Bei dem Feste selbst war geradezu Alles roth, die Comitèmitglieder roth be­kleidet , die Sitze roth ausgelegt. Etwa dreitausend Per­sonen sollen an dem Feste Theil genommen haben. — Welche Folgen das rothe Gastmahl gehabt hat, weiß man noch nicht; da heute die Toulouser Post ausgeblieben ist, so fürchtet man, die Parteien in Toulouse (bie kommunistische sowohl als namentlich auch die legitimistische sind dort sehr stark vertreten) möchten heftig aneinander gerathen sein.

Ueber die schleswig-holsleinfche Waffen- stillstandSfraac.

111.

Nur einige Worte noch über „Einige Zweifel," welche in Nr. 126 dieser Zeilung in Beziehung auf meinen früheren Auf­satz unter II. geäußert worden sind.

Wenn der Verfasser jener Zweifel sagt: „Zn dem, was in dem Beschlusse (vom 16. Sept.) nicht zu lesen, wohl aber aus demselben zu folgern ist, wird er zu billigen sein"; so ist diese Billigung in der That Al les, was ich mit meiner weiteren Aus­führung über diesen Punkt der mehrseitig erörterten Streit­srage *) — zur möglichsten Beschwichtigung der überreizten Stim­mung gegen die Majorität der Nationalversammlung, von welcher jener Beschluß herrührt — nur bezweckt hatte, indem ich gerade nachzuweisen versucht habe, daß, nach anerkannten Interpretations- Pegeln, jene Folgerung als i n t e g r i r e n d er Bestandtheil des Beschlusses selbst, dessen unbestimmten Ausdrücken durch die unmit­telbar darauf folgende „Präcisirung" eine völlig bestimmte Deutung gegeben worden, zu betrachten sei; und wenn dadurch allerdings „nicht gesagt worden ist, welche Bestimmungen (des Waffenstill­standes) ausführbar seien," so ergiebt sich aus jener Präcisirung des Beschlusses doch mit völliger Bestimmtheit, welche Bestimmungen nicht ausführbar seien, was im praktischen Erfolge das Näm­liche ist. Neben dem ersten, bloß negativ gefaßten, Satze des Beschlusses vom 16. Sept.: die Vollziehung der noch ausführbaren Bestimmungen des Waffenstillstandes nicht länger zu hin­dern, darf man aber auch den zweiten, auf positives Handeln gerichteten, Satz nicht unberücksichtigt lassen, in welchem ausdrück­lich aus die amtlich erklärte Bereitwilligkeit der dänischen Regie­rung zu den für die Ruhe der Herzogthümer wünschenswerthen Modisicationen und Concessionen — welcher Erklärung zu miß­trauen, man damals noch keine Ursache hatte**)— Bezug genom­men wurde.

Was übrigens die nachträgliche Bemerkung zu meinem früheren Aufsatze unter II. betrifft , so mußte ich mich bei bm momentanen Auffassung des dänischen Circularschreibens, welches: mir so eben erst zur Einsicht gekommen war, nur auf eine kurzen Andeutung der verschiedenen, nunmehr einzuschlagenden, Wege be-- schränken, und wenn ich unter diesen, eventuell, auch das Mejr passive Verhalten der Nationalversammlung, bis die Schleswig- Holsteiner einer weiteren Beihülfe zur Aufrechthaltung der von ihnen bereits eingenommenen selbstständigen Stellung bedürfen würden, nannte, so war mir dabei jedoch der Gedanke völlig fremd, um des eignen Nutzens willen „die Brüder in Schleswig- Holstein gegen dänische Angriffe ihrer Thalkraft und Ausdauer und ihren eigenen Mitteln zu üb er lassen"; wohl aber konnte ich es mir denken, daß deren neu entstammter Patriotismus eine Ehre darin setzen würde, auch ohne den, ihnen während der letzten Monate nicht gar eifrig geleisteten, fremden Beistand, sich gegen erncucte Angriffe ihres Feindes so lange zu vertheidigen, bis der nicht gar ferne Winter dieselben minder gefahrdrohend machen werde. Und wirklich hat schon das bisherige so heldenmüthige Auftreten des schleswig-Holsteinischen Volkes das demselben durch jene Voraussetzung bewiesene Vertrauen vollkommen gerechtfertigt, indem daselbst mit ebensoviel Einstimmigkeit als Nachdruck von der provisorischen Regierung, der Landesversammlung und dem Oberbefehlshaber der Armee, also „von den Behörden, der bewaff- liefen Macht und der Bevölkerung", die Anerkennung der s. g., königlichen Jmmediatcommission geradezu verweigert worden ist.

B. W. Pfeiffer.

Wilhelmine von Goeddaens.

Ein Wort zum Gedächtniß.

Wieder ein edles Herz hat ausgeschlagen, eine reiche Seele diese Erde verlassen! Wilhelmine von Goeddaeus, bi; Pflegerin

*) In Ansehung der übrigen Punkte erklärt ja Hr. S. obnehin sein Einverständnis

**) Dies wird in Nr. 267 S. 3032 der Kass. allg. Ztg. als „naive Leichtgläubigkeit" bezeichnet; aber bisher war es doch Sitte, der von dem Gesandten einer Großmacht derjenigen gegenüber, bei welcher er aceredl- tirt ist, officiell ertheilten Versicherung Glauben beizumessen.