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Beilage zu Str. 129 der Neuen Hessischen Zeitung.

Waldeck. Der Trier" schen Zeitung meldet man aus West­falen, 19. Sept. : Soeben bringen Bauern aus dem benach­barten Waldickschen die Kunde hierher, daß man aus Pyrmont die Fürstin verjagt habe. Sie ist zu ihrem Schwiegervater, dem Fürsten von Bückeburg, geflohen. Der Grund dieser Aufregung ist die Verweigerung der im März gegebenen Verheißungen und der republikanische Geist, der das Ländchen ergriffen. Ein trost­loser Rechtszustand, eine schlechte Verwaltung, Armuth unter den Bauern und ein fauler Finanzzustand haben das Land entnervt und die meist freisinnige protestantische Bevölkerung niedergedrückt. Noch wartet man vergeblich auf eine freisinnige Verfassung, ob­gleich man sie auf dem Papier halte.

Pyrmont, 2 Oct. Die Lügen über die Flucht der Fürstin verdanken ihre Entstehung einer Reise, welche unsere Für­stin am 24. Sept. Früh Morgens zu ihrer Tochter der Erbprin­zeß von Bückeburg dorthin unternahm und von welcher sie noch selbigen Abend hierher zurückkehrre. Diese Reise sollaUein Veran- lassung zu dem vorerwähnten verläumderischen Aufsatze gewesen sein.

Sigmaringen, 28. Sept. Dem Begehren der Waffen­auslieferung mußte um so mehr nach gegeben werden, als schon zuvor Oberlieutenant v. Hofsteller, ein in Untersuchung befindlicher Liniei'.offizier, die Kaserne besetzt hatte. Wegen fortwährender Drohungen flüchteten sich in der Nacht vom Mittwoch auf Don­nerstag der Fürst, die ganze fürstliche Familie und die Mitglieder der Landesregierung, nachdem sie zuvor die (bereits mitgetheilte) Proklamation unterzeichnet hatten. Diese Maßregel steigert einer- scilö die Erbitterung, während sie andererseits auch dem Sicher- heitSausschusse alles Vertrauen raubte. Wir befinden uns in einem Zustande der vollkommensten Anarchie, und die Drohungen, die Stadt anzuzünden, alle Beamte und reaktionäre Bürger zu ermorden, werden so laut, daß die meisten derselben mit Frauen und Kindern sich auS der Stadt flüchten.

Den letzten Nachrichten zufolge sind nach der Revolte jdie Gemüther bedeutend abgekühlt, namentlich durch das Miß- glücken aufrührerischer Bewegungen an andern Orten und durch den Anmarsch von Reichstruppen. Allgemein wünscht man die Rückkehr des Fürsten und ein kräftigeres Auftreten der Regierung. Als die für das Fürstenthum bestimmten Reichstruppen bezeichnet derSchwäb. Merkur" ein preußisches und ein baierisches Regiment.Der Sigmaringer Ausstand," bemerkt das genannte Blatt,wie der allenburgische u. s. w. zeigen das Mißliche solcher kleinen Staaten. Hoffentlich wird die Nationalversammlung sie in die geeignete Verbindung mit größeren Staaten, deren Volksstamm sie angehören, zu bringen wissen " Nach Berichten aus Constanz vom 30. Sept, ist der Fürst von Sigmaringen mit seinem ganzen Regierungspersonal in Ueberlingen angekommen. Einige Koffer, seine wichtigsten Pa­piere enthaltend, sind alles, was er mitnehmen konnte. Zum Präsidenten der in Sigmaringen eingesetzten Republik ist der Advokat Würth (Bruder deS Hofgerichtsadvokaten in Konstanz) ernannt worden, den die öffentliche Stimme dahier als einen überspannten, keineswegs willenskräftigen Mann, wie man zu sa­gen pflegt als einenHaspel" bezeichnet. UebrigenZ seien die Bauern und die Bürgerwehr in Sigmaringen ganz gut organisirt und 2000 Mann seien entschlossen, die neue Regicrungsform aufrecht zu erhalten. Würth ist in einer keineswegs behaglichen Stellung, denn er ist von seinen Leuten mit mißtrauischen Augen bewacht. Da er bisher immer an der Spitze der Volksbewegun­gen gestanden, so wird nunmehr von Seiten der Aufständischen das Verlangen an ihn gestellt, die Suppe auch auszuessen, die er einbrocken half.

S ch l e s w. - H o l st. Der L a n d e s v e r sa m m l u n g wurde n dtt neuesten Sitzung, welcher noch der Herzog von Augusten­burg beiwohnte, von der Regierung eine provisorische Anordnung aber die Verwaltung des Ministeriums vorgelegt, wornach bis zum Abschlusse des Friedens die Besorgung der Ministerial- ünctionen den einzelnen Mitgliedern der jetzigen oder künftigen provisorischen Regierung obliegen soll. E-/ wurde ein Comitë -»wählt (Prehn, Wiggers, Th. Olshausen, Jensen, Somwer).

Die provisorische Regierung hat an den General von Bonin ein Dankschreiben erlassen, in welchem derselbe ersucht wird, den rit­

terlichen Vertheidigern des schlesw.-holst. Landes und des deut­schen Rechtes ihren Dank auszusprechen, namentlich aber den kön. preuß. Herren Officieren, »reiche bei den schlesw.-holst. Truppen stehen, ihrer Dankbarkeit und Hochachtung ;u versichern. Die prov. Regierung ersucht den General ferner, den Herren Officie- ren mitzutheilen, wie sehr sie es bedauere, daß in neuerer Zeit einzelne Ereignisse eine Verstimmung bei den Herren Offizieren hervorzurufen geeignet sein konnten; die provisorische Regierung bittet die Herren sich davon überzeugt zu halten, daß das Land nicht weniger als die provisorische Regierung solche vereinzelt stehende, höchst tadelnswerthe Verunglimpfungen mißbilligt.

Ungarn

Pestb, 29. Oct. Koffuth war an diesem Tage aus Szol- nok, von wo er 12,000 Landstürmer ankündigte , zurückgekehrt, und hatte in der Reichslagssitzung durch seine Redekraft seine Anhänger aufs Höchste fanalisirt. Das kaiserl. Manifest, welches F.-M -L. Graf Lamberg überbrachte, wurde verworfen, nicht zur gesetzlichen Publication zugelassen, uns durch Kossuth eine provi­sorische Regierung von 6 Mitgliedern ernannt. Gr. Bathvany hat seine Stelle niedergelegt und Bay sollte dieselbe übernehmen. Unter solchen Umständen war der F.-M.-L. Gr. Lamberg in Pesth eingetroffen. Jetzt drängten sich die durch Kossuth aufgereizten Volksmassen durch die Straßen, um den unglücklichen kaiserlichen Kommissar Gr. Lamberg zu suchen. Er begab sich nach Ofen in das Generalcoinmando-Gebäude, und flüchtete sich von dort in Civilkleidern nach Pestb zurück. In das Generalcommando - Ge­bäude war die rasende Menge eingedrungen, hup hatte alle Schriften theils weggeschleppt, theils zerrissen unb gräuliche Ver­wüstungen angerichtet. Gr. Lamberg eilte unerkannt über die Brücke gegen Pesth zurück, allein ein Wiener Freiwilliger mit einem Sturmhut, schrie der wüthenden Menge zu:Hier ist der kaiserl. Verräther! Haut ihn nieder!" Gr. Lamberg zeigte ver­geblich seinen k. Geleitsbrief. Er wurde mit Sensen und Hacken zusammengehauen. Zur Ehre der Bürgerschaft in Pesth muß man sagen, daß sie über diese That aufs Höchste entrüstet und entsetzt ist. Mit Abscheu wandten sich alle redlichen Bürger von dieser Schreckenscene ab. Kossuth steht nun an der Spitze der neuen Regierung. Unterdessen rückt der Banus nnaufhalsam vor, und man hörte schon Kanonendonner, der von Velencze her dröhnte unb zu tausend Gerüchten Anlaß gab, als sei der Banus geschlagen und habe schon um einen Waffenstillstand nachgesucht. Es sollen aber nur Johann - Dragoner von den Hussaren zurück­gedrängt worden sein. Die Magyaren behaupten, sie hätte»! 80,000 Mann auf den Beinen; aber wo sind sie?

Zwischen Ungarn und Jellachich ward am 30. ein Waffen­stillstand auf 24 Stunden abgeschlossen.

Donaufürstenthümer

In Bukarest zwang, in Wien eingelaufenen Nachrichten zufolge, ein Volksaufstand den Metropoliten, den russischen Pro- tektoriatsbrief auf offenem Platze zu verbrennen und die neue romanische Constitution einzusegnen.

Italien-

Aus Venedig berichtet der Brief eines Deutschen vom Sept., welcher trotz der hermetischen Absperrung doch seinen Weg in die Heimath gesunden hat, daß auch die Venizianer ihre game Hoffnung auf Deutschlands Uneinigkeit setzen, denn ihre Erwar­tungen von französischer Hülse lebe nur so lange, wie die Ge­rüchte, die mit dem Tage kommen und gehen. Am 12. Sept, war das Volk noch voll Selbstvertrauen, unb die prov. Regierung genoß unbedingtes Ansehen. Ihre strengsten Befehle wurden pünktlich befolgt; ohne Murren, wenn auch nicht ohne heimliche Seufzer ward das Silberzeug ausgeliefert, wurden Millionen für freiwillige Anleihen bezahlt, wurden Wäsche und Bekleidung für die fremden Truppen beschafft. Der Deutschenhaß! ist unermeßlich; es ist Niemandem ju rathen öffentlich Deutsch zu sprechen, und bisweilen bringt schon eine Deutsche Gesichtsbildung Gefahr.

Auf S i c i l i e n sieht es nicht minder traurig aus als im Norden. Die heldenmüthige Vertheidigung Messinas tritt immer glänzender hervor, je mehr Berichte wir über die Katastrophe der unglücklichen Stadt erhalten. Die Citadelle schleuderte an einem