Neue Hessische Zeitung.
J\'o r^h Freitag, den 6. October. x 1818«
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 15 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet. —
Politische Nachrichten.
Deutschland.
VKassel, 3. Oct. Auf allerhöchste Entschließung ist genehmigt worden, daß von Seiten des Ministeriums des Innern eine Kirchen-Kommission zur Vorbereitung der Reform einer Verfassung der evangelischen Kirche in Kurhessen niedergesetzt werde. Zu Mitgliedern dieser Kommission sind ernannt worden: Die Professoren der Theologie Rettberg, Henke und Gildemeister, der Professor des Kirchenrechts Röstel aus Marburg; die Consistorial- räthe Emmel zu Hanau, Asbrand zu Kassel, Merle zu Marburg; die Metropolitane Faber zu Hochstädt, Hoffmann zu Homberg, Meyer zu Nenndorf; die Pfarrer Kraushaar, Meyer, Martin und Heppe aus Kassel, Willich zu Seckback und Koch von Hesserode. Als Regierungscommissare sind ernannt: Herr Regierungsrath Sezekorn und Regierungsassessor Wigand von hier. Die Sitzungen werden am 10. d. M. beginnen. — Zur nächsten Aufgabe ist der Kommission gestellt 1) der Entwurf eines einer wahrhaften Repräsentation der Kirche entsprechenden Wahlgesetzes zum Zwecke der Beschickung einer constituirenden Synode, 2) der Entwurf einer Geschäftsordnung für die demnächst zu berufende Synode, 3) ein Gutachten über die Stellung der kirchlichen Repräsentation zur Staatsgewalt, bzw. über den Umfang der Rechte, welche der in ihrer Synode vertretenen Kirche einzuräumen sind.
-f Kassel, 5. Oct. In einem neuerlichen Artikel des Frankfurter Deutschen Journals finden wir die Ansicht ausgedrückt, als sei der Vorstand des Ministeriums des Innern, Herr Staatsrath Eberhard, hinsichtlich der Wahl re form im Gesammtstaatsmini- sterium auf Hindernisse gestoßen. Wir können aber versichern, daß das ganze Staatsministerium von der Nothwendigkeit einer durchgreifenden Wahlreform durchdrungen ist und daß namentlich für die Beibehaltung irgend einer Art von Adels- oder sonstigen bevorzugten Vertretung — sich auch nicht eine Stimme erhoben hat. — Sicherem Vernehmen nach ist die kurhessische Gesandtschaft in Paris zurückberufen worden; auch soll an das Reichs- ministerum das Ansinnen gestellt werden, die jüngeren Diplomaten des Kurfürstentbums wo möglich bei den Reichsgesandtschaften in geeigneter Weise zu verwenden.
Frankfurt a. M. 28. Sept. Man versichert, sagt die A. A. Ztg., die standrechtliche Untersuchung habe ergeben, daß der Plan zu dem Bau der Barrikaden schon acht Tage vor dem Ausbruch des Aufstandes gemacht worden. Dies vorausgesetzt, würde der Zweck des Aufstandes durch die Fortführung der Untersuchung sich dahin herausstellen, daß die Sprengung des Parlaments schon vor der Abstimmung über die schleswig-holsteinische Frage in der Absicht der Aufständischen gelegen hat. — Als ob über diesen längst offen ausgesprochenen Plan noch irgend ein Zweifel wäre!
Frankfurt a. M. 29. Sept. Der Augsb. Attg. wird Folgendes geschrieben: Hr. Heckscher ist heute auf seinen neuen Posten nach Turin abgereist. Es wird dort gegenwärtig in der italienischen Angelegenheit thätig sein. Sie wissen, daß die Deutsche Eentralgewalt sich vorbehalten hat, an der Vermittlung Theil zu nehmen, wenn überhaupt eine solche eintritt. Sollte es sich bestätigen, was einige Zeitungen melden, daß Preußen in dieser * Sache als eigne Großmacht eine besondere politische Thätigkeit entwickeln wolle, so können sie voraussetzen, daß das Reichsmini- stenunl sich seine Stellung nicht wird beeinträchtigen lassen.
Frankfurt. Ein, wie es scheint, wohlunterrichteter Corre- spondcnt der A. A. Zeitg. knüpfte an die auch in anderen Blättern erwähnte Circular-Note der Central-Gewalt an die Einzel- Regierungen seine politischen Betrachtungen an. In dieser Note sei, mit Beiseitelassung Oesterreichs, welchem man seine besonderen
Gesandten nach wie vor belassen wolle, an die übrigen Staaten, namentlich an Preußen das Ansinnen gestellt worden, ihre Gesandten zurück zu berufen. So lange aber nicht an die Stelle Les Provisoriums eine definitive Reichs-Regierung getreten, so lange die Macht factisch in die Hände einer Versammlung gelegt sei, welche zum Drittheil aus Oesterreichern bestehe, könne man von Preußen nicht verlangen, sich von dieser Macht vertreten zu lassen, deren Hauptbestandtheil sich noch besonders vertreten finde. Faule Fische das! So mag Preußen sich um so mehr der Cen- tralgewalt anschließen und ihr helfen mit Oesterreich fertig zu werden. Es kommt ja überhaupt nicht darauf an, wer am meisten bei der deutschen Einheit Profit oder Einbuße hat, sondern es kommt eben nur auf die deutschen Einheit an. — Uebrigens ist es nicht wahr, was die Reichsgewalt sagt, der alte Jahn habe sich den Bart abfchnciven lassen. Jahn hat bekanntlich eine „Schwanenrede" drucken lassen, welche die A. A. Ztg. mittheilt, und worin er beschreibt, wie es in Malpartus, Reinekes Burg, hergeht und welchen Plan darin die „Ränker und Stänker, die Wähler und Wiegler" ausgeheckt. „Da ward ausgemacht, vor Allem den deutschen Reichstag hinzuhalten, auf Nebendinge zu führen, daß er die Hauptsache aus den Augen verliere, beim Volke mißliebig erscheine, als unfähig und böswillig. Die Presse sollte ihn überall schlecht machen, seine einzelnen Mitglieder verdächtigen, andere mit dem Volke verhetzen, und dieses durch jegliches Mittel gegen Weiber und Kinder zu Schrecknissen reizen. So sollten Abgeordnete verscheucht werden, die man durch Andersartige zu ersetzen vermeinte. Die Minister sollten überall durch stete Angriffe geärgert, durch unzeitige maßlose Zwischenfragen gevrängt, als Nichtsthuer, Nichtskönner, Nichtswoller der Verachtung preisgegeben werden. Würden die Staaten regierungslos — um so besser. Auf jegliche Art und Weise müßte versucht werden, die Reichsgewalt mit den mächtigeren Staaten zu entzweien, hier durch Uebergriffe zur Einheit, dort durch Pflege des Sonderthums. Schlüge dieses im Großen fehl, und hielten, wie löblich und recht, ReichSgenossen, Regierungen und Reichsgewalt fest an einander, so müßte ein europäischer Krieg entzündet werden. Wenn dann das Reichsheer an den Grenzen, so mache man im Innern Kehraus und kurze Wirthschaft, das Heer würve wohl hinterher genehmigen und sich dem neuen Willen fügen. Das ist die Weisheit deS Höllengarten, wo der mord- und brandrothe Hahn kräht." — So spricht der alte Jahn — er ist gut unterrichtet. —
Frankfurt, 3. Oct. Wir erfahren aus sicherer Quelle sagt die O. P. A Ztg., daß der Reichsgesandte, Abgeordnete Welcker, in wenigen Tagen schon von seiner Sendung zurück hier ein« treffen wird. Seine Mission ist vollständig erfüllt und ein schwedischer Gesandter an den Reichsverweser wird ihm bald Nachfolgen. — Ebenso ist, wie wir hören, von Kopenhagen die Nachricht eingetroffen, daß, wie vorauszusehen war, der dänische Hof nicht allein bereit ist, einen Gesandten des Reichsverwesers zu empfangen, sondern auch sofort ein eigenes Dampfboot nach Son- derbnrg gesendet hat, um Herrn Banks von dort nach Kopenhagen abzuholen.
Frankfurt. Auf Requisition der Reichsregierung sind von Darmstadt zwei und von Baden drei Richter nach Frankfurt com- mittirt worden zur Untersuchung des Attentats vom 18. Septbr.
Auf Requisition der Reichsregierung, schreibt die „Freiburger Zeitung", sendet das badische Ministerium drei Richter nach Frankfurt, zur Untersuchung des Attentates gegen die Reichsversamm- lung, welches mit anderen republikanischen Bewegungen in Deutschland im Zusammenhänge steht. — Der Commandant von Hü- ningen, General Cavaignac (Bruder des Rathspräsidenten), hat dem Befehlshaber der Truppen im Oberlande die Anzeige gemacht,