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Freiburg, 1. Octbr. Der Gefangene Struve ist in len ersten Abendstunden mit dem regelmäßig gehenden Eisen­bahnzug von Müllheim hierher gebracht worden. Es hat sich für ihn kein geeignetes Gefängniß hier gefunden und er wurde deßhalb nach der Hauptwache, wo noch ein abgesonderter Raum unbenutzt war, gebracht. Der Transport von der Ei­senbahn nach dem Gefangenhause und von da nach der Hauptwache ging ohne Störung vorüber. Später jedoch ver­sammelten sich an 400 badische Soldaten vor dem Orte, wo Struve gefangen saß, und verlangten mit Ungestüm seine Herausgabe. Herbeigeeilte Stabsoffiziere suchten die Menge zu beschwichtigen , aber die Wuth derselben stieg von Augen­blick zu Augenblick. Endlich, nach vielen vergeblichen Vor­stellungen und nachdem die Offiziere erklärt hatten, nur über ihre Leiber würde man zu dem Gefangenen gelangen, beruhigten sich die aufgebrachten Soldaten, nachdem ihnen nachgegeben worden war, daß die demselben gewährten Bequemlichkeiten, namentlich sein Bett wieder entfernt werden und er sein Lager auf Stroh be­kommen sollte. Die Soldaten überzeugten sich von der Erfüllung der gegebenen Zusicherung und verließen dann den Ort der Auf­regung. Struve ist selbst vor seinen eigenen Wachen nicht sicher gewesen, indem sie nur auf Vorstellungen ihrer Offiziere davon abgestanden haben, ihn zu erstechen. Es ist eine auffallende Er­scheinung, daß Soldaten vom dem 4. Regimente, mit welchem Struve in seiner früheren Garnison viel in Verkehr war, seine Herausgabe, um ihn selbst zu richten, mit der äußersten Hart­näckigkeit verlangten. Um nicht zu neuen Störungen der öffent­lichen Ruhe Anlaß zu geben, ist Struve heute in aller Frühe nach Rastatt abgeführt worden.

Heinzen erklärt öffentlich, daß er an Struve's Unterneh­men keinen Theil genommen, sondern davon abgerathen habe.

Gustav Adolph Wislicenus verläßt am 15. Octobcr Europa, mit Frau und acht Kindern, um in Teras sich anzusiedeln.

Frankfurt, 2. Oct. Wir erhalten die Nachricht, daß der Abgeordnete zur Deutschen constituirenden Nationalversamm­lung, Herr Minkus, in Schlesien einer Volksversammlung prä- sidirt, in welcher er Köuigsmord gepredigt und die Ermordung Auerswald's und Lichnowsky's als ein nachahmungswürdiges Bei­spiel gerühmt haben soll. Als Erfolg wird die Ermordung eines Gensdarmen und eines Erecutors, sowie die Verhaftung des Hrn. Minkus erwähnt. fO.-P.-A-Z.)

Sigmaringen. In einer am 26. zu Sigmaringen an­geblich zur Abreise von Erecutionstruppen zusammen berufenen Volksversammlung wurde vom Volksredner, Advokat. Würth, mit Hinweisung auf die Vorgänge in Baden und Würtemberg ein Sicherheitsausschuß vorgeschlagen, welchem sich alle Bürgerwehren unbedingt zu fügen haben, und welchem die Aufgabe gemacht werden soll, den Einmarsch der Reichstruppen mit bewaffneter Hand zu verhindern. Die enorm aufgeregte Masse genehmigte die Aufstellung des Sicherheitsausschusses, welcher unter der Direction Würths aus neun Mitgliedern, entnommen aus der Gemeindebe­hörde dahier, unter Zuziehung zweier Offiziere aus dem Contiugente und eines Beamten von hier sogleich bestellt wurde. Sodann beschloß die Versamnckung nach demselben Anträge, die Waffen des Kontingents der Regierung mit dem Bedrohen abzufordern, daß sie augenblicklich mit Gewalt aus der Kaserne abgelangt würden, wenn dem Begehren nicht entsprochen würde. Wirklich begab sich eine Deputation zu der obersten Staatsgewalt, die ganze Versammlung folgte, nahm eine drohende Stellung ein, und man feuerte von Zeit zu Zeit zum Nachdruck Schüsse ab. Die Regierung mußte nachgeben, um große Excesse zu verhüten, da insbesondere zugriffslustige Zuzüge aus der Nachbarschaft anwe­send waren und kein Mittel vorhanden war, denselben zu , steuern. Nachdem die Gewehre in der Kaserne durch die Turner in Em­pfang genommen waren, verlief sich die Menge ohne weitere Exreffe, Abends 6 Uhr erschien /eine Proclamation ay das figmaringensche Volk. Darin sagt der Fürst:

Wenn ich Urteil solchen auf gesetzlichem Wege an mich ge­brachten Begehren zu entsprechen geneigt gewesen wäre, so liegt doch in der Androhung von Gewaltanwendung offener Aufruhr gegen dieStaatsregierung. Der vom Volke auf diese Weise gegen meine Regierung bethätigten Gewalt bin ich zu weichen genöthigt,

und ich halte es mit Ehre und Pflicht eines Regenten nicht mehr vereinbarlich, neben einer revolutionairen Behörde und unter dem Einflüsse absoluter Gewalt zu regieren. Ich begebe mich daher mit meiner Regierung ins Ausland, ich thue diesen Schritt mit dem tiefsten, von der reinsten Volksliebe in mir erzeugten Schmer- zensgefühle; ich bedauere die gutgesinnten und ordnungsliebenden Bürger, die ich auf kurze Zeit ohne genügenden Rechtsschutz lassen muß; ich thue diesen Schritt mit dem Bewußtsein, daß ich durch meine aufopfernde Sorge für des Volkes Wohl von demselben zu erwarten berechtigt war, daß ein derartiges Loos nicht über mich komme. Von diesem Vorgänge setze ich unverweilt den für solche Fälle schon bevollmächtigten Kommissar der Deutschen Cen­tralgewalt in Kenntniß, damit er durch die ihm zu Gebote ste­henden Mittel den durch frevelhafte Hand in meinem Land ge­störten Rechtszustaud wieder Herstelle. Meinen Civil- und Mi- litairbeamten und insbesondere auch meinem Militaircontingente ertheile ich hiermit die bestimmte Weisung, sich in allen Beziehun­gen nach den bestehenden Landesgesetzen zu richten, auch keinen anderen, als meinen gesetzlich noch bestehenden Behörden und so­fort den Anordnungen des von mir angerufenen Reichscommissärs Folge zu leisten. Für die unversehrte Erhaltung der öffentlichen Kassen mache ich die betreffenden Gemeinden verantwortlich. Hier­mit habe ich gethan , was Pflicht und Ehre mir geboten und zum Richter meiner Handlungen rufe ich alle diejenigen auf, de­nen Recht und Ordnung noch heilig sind. Karl A nton. Mock v. Bannwarth, v. Sallwurk. Dopfer.

Wien, 30. Sept. Es heißt, daß der vom Kaiser zum Kommissär für Ungarn ernannte Graf Lainberg bei seiner Ankunst in Pest ermordet sei. In Verbindung mit dieser That bringt man einen Beschluß des ungarischen Landtags, daß Jeder, der einen kaiserlichen, nicht mit Contrasignatur versehenen Befehl vollziehe, als Landesverräther zu betrachten sei. Ein Techniker soll den kaiserlichen Kommissar erstochen und bann noch gräßlich verstümmelt haben.

Wien. Von den in unserem gestrigen Blatte erwähnten Briefe Jellachichs an Latour sind am merkwürdigsten ein Schrei­ben Jellachichs an den Kriegsminister Latour aus dem Haupt­quartiere Killity am Platensee, vom 23. September, in welchem er ihm für empfangene Gelder dankt und um weitere 600,000 Gulden Münze bittet, die er sehr benöthige, um der Sache Oester­reichs den Sieg zu verschaffen; zweitens ein durch das k. k. Platzcommando in Wien zu befördernder Brief Jellachichs an den Baron Franz Kulmer in Wien, worin Jellachich bittet, der Kaiser möge nur recht schnell das Manifest zur Einstellung der Feindseligkeiten erlassen, damit das fatale trop tard nicht eintrete. Auch beklagt er sich, daß man dem Versprechen, ihn kräftig mit Brückenequipage und 12pfünd. Batlerie-Cavalleriegeschütze zu unter- stützen, noch nicht nachgekommen; er erklärte, daß er abgehalten wurde, eine Zusammenkunft mit dem Palatinos zu haben. Mit dieser Stelle stehen übrigens Nachrichten vom Erzherzog Palatinus im Einklang, hiernach habe derselbe sich zu einer Besprechung mit dem Banus auf neutralem Gebiete mitten auf dem Platten­see verabredetermaßen eingefunden, der Bauus sei aber von seinen Offizieren zurückgehalten worden. Darauf sei der Erzherzog Stephan nach Schönbrunn gereist, um die Zustände in ihrem wahren Lichte zu schildern,

Wien, 30. Sept. Ueber eine Interpellation des Abgeord­neten Borrosch gab in der heutigen Reichstggssitzung der Minister­präsident Wessenberg die hochwichtige Erklärung ab, daß die öster­reichische Regierung fest entschlossen sei, den Frieden in Ungarn mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln und zugleich auf der Grundlage der Gleichstellung aller Nationalitäten herzustellen« Diese Aeußerung ward von der Majorität der Kammer, nament­lich von der slavischen Partei, mit rauschendstem Beifall begrüßt. Damit wäre denn der Grundsatz der österreichischen Intervention ausgesprochen. Borrosch interpellirte noch den Kriegsminister. in Betreff der vom Közlöny mitgetheilten aufgefangenen Bviefe; Die­ser eriviberte, mehrmals habe sich Jellachich wegen Zumittelung von Waffen, Montur 0. dgl, an ihn gewendet, jedoch im Privat­wege stets den Bescheid erhalten, so lange die Regierung Ungarns auf legalem Boden stehe, könne von solcher Unterstützung nicht

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