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Preußen verfolgte, auf die Sprengung der Nationalversammlung, auf die Verhinderung einer starken Einheit, welche den Feinden der Ordnung daheim natürlich ebenso ungelegen ist, als den Feinden draußen. Nicht blos, weil die Versammlung in Frankfurt nicht sofort die rothe Republik proclamirte, auch nicht etwa, weil man irgend hoffen durfte, eine andere Versammlung zu Stande zu bringen, am wenigsten eine im Sinne der rothen Republik, sondern weil es überhaupt aufBeseitigung dieser „volks­feindlichen" Volksvertretung ankam, suchte man sie zu beseitigen. Das ward schon im Juni d. I. von einzelnen Rednern des „demokratischen" Congresses unverblümt gesagt, der Versuch geschah in jenem berüchtigten Aufrufe des provisorischen Cenlral-Comilès, man hat ihn seitdem in vielen Volks- und anderen Versammlun­gen wiederholt, und die Beschlüsse von der Pfingstweive, die Ge­waltthaten vom 18. Septbr. sind nur eine zu früh ausge­brochene Knospe aus der hoffnungsvollen Saat.

Aber für den Fall, daß sich die Versammlung nicht so ge­schwind sprengen lassen sollte — hatte man sich noch ganz an­dere, bessere Mittel ausgedacht. Man ziehe ihre Verhandlungen möglichst in die Länge und während sie den Boden allmählich unter den Füßen verliert, während sie Nichts zu Stande bringt, ackere man nur den Boden allenthalben und wühle ihn fleißig um, daß er empfänglich werde für die edle republikanische Aussaat. Man halte das Volk in Athem, man überrede es von seiner Knechtschaft, von Reaction, man lasse nie den Stoff ausgehen zu tönenden Freiheitsreden, man lasse in „Volksversammlungen" wo möglich in „constituirenden" Versammlungen es über seine Staats­form „abstimmen," man bemühe sich zunächst um die Gunst der Bürgerwehr und dann mache man sich hinter die Soldaten. So bereite man den Zeitpunct vor, wo man die Nat.-Vers. gar nicht mehr hinwegzujagen braucht, wo man nicht eine, nein Hunderte von rothen Republiken und provisorischen Regierungen einrichten kann. Auch dieser Plan ist durch die Ungeschicklichkeit und Anarchie der Adepten hier und dort zu früh zur Ausführung gebracht worden. Man wäre freilich wohl mit den kleinen Hülflosen Bundesstaaten, wenn sie allein gestanden, zuerst fertig geworden. Aber das konnte nicht viel helfen, so lange man Preußen nicht untergesteckt hatte. Preußen ist nicht blos für den Bundesstaat das ersehnte Kleinod, es steckt auch der rothen Republik im Sinn. Und dann — nur in Berlin kann man praktisch werden — „dort ist die republikanische Partei am stärksten" — „dort hat man das Volk, welches bereit ist loszuschlagen, zurück gehalten, damit es seine Kräfte zu einem Schlage gegen das Königthum aufspare." „Ein Wort, es lebe die Republik, so stürzt das preußische Königs­haus." So erklärten die Bürger-Republikaner in Frankfurt auf dem Congreß und Berlin ward Residenz des Centralkomitès oder, wie es Bürger S e m m i g nannte, des Rcvolutionsausschu'sseö.

Von ganz analogen Ansichten ging die Preußische Reaktion aus. Auch ihr kam cs darauf an, der Reichsgewalt, freilich mehr von oben, die Lebensquellen abzuschneiden, sich selbst inzwischen zu conceutriren und endlich den großen Plan auszuführen, den man in Potsdam ziemlich fertig hatte; auch sie hielt Berlin für den geeignetsten Ort zur Ausführung.

Man muß es beiden Rivalen lassen, sie haben fleißig und geschickt gearbeitet und die Hülfe, die sie in der Paulskirche selbst fanden, war nicht die schlechteste. Sie waren schon recht weit gediehen, ja zwischen einem der „Volksführer" und seinen anschei­nenden Gegenfüßlern war bereits eine Verständigung eingetreten, für die Erhebung des Prinzen von Preußen, einer Art „demo- mokratischen Kaisers;" — die Sache versprach in Berlin recht gut zu gehen und die Herren, welche auf der Pfingstweide und in der Paulskirche zugleich ihrem Berufe obliegen, mochten es im Hinblick auf Berlin wohl kaum für nöthig halten, aus einer Versammlung auszuscheiden, welche ohnehin gar bald das fünfte Rad am Wagen werden sollte.

Der 25. Sept, war für Frankfurt in der That gefährlicher, als der 18., welches aus der Ausgang des Kampfes sein mochte. Auch hier ist man für dies Mal mit dem Schreck und mit der guten Lehre davon gekommen. Die Haltlosigkeit der Berliner Politik ist dabei mehr als je zu Tage getreten. Vorgestern noch hochmüthig gegen Deutschland, ist man heute sehr kleinlaut und gehorsam geworden: Hochmuth kommt vor dem Falle. Den Ro­

then ist die Gelegenheit {für dies Mal entflohen, wo sie auf die Unterstützung der Bevölkerung und auf den Vorwand einer guten Sache rechnen konnten.

Die Deutsche Eiche ist von den Stürmen dieser Tage nicht entwurzelt, möchte sie dadurch befestigt worden sein. Möchten die Reichsminister bedenken, daß ihnen jetzt die Gelegenheit gege­ben ist, das Versäumte rasch und kräftig nachzuholen.

Frankfurt braucht jetzt am wenigsten nach Berlin zu schauen. Berlin sieht sich genöthigt, nach Frankfurt zu blicken, nach Frank­furt wenden sich wiederum aller Augen: der Augenblick war nie für Deutschland günstiger als jetzt. Die Nationalversammlung aber wird es hoffentlich beherzigen, daß die Feinde dieses Mal ohne das Verdienst der Nationalversammlung, lediglich durch die eigne Schlechtigkeit unterlagen, — sie unterlagen, weil sie noch zu früh kamen; möge jetzt die Versammlung nicht zu spät kommen.

Politische Nachrichten. Deutschland.

-r- Frankfurt, 3. Okt. 90. Sitzung der D.-R.-V. Ri esse r spricht, ehe er der Einladung des Vorsitzenden, seinen Platz neben ihm einzunehmen, folgt, einige Worte des Dankes und das Versprechen treuer Pflichterfüllung aus. Hr. Feßler (Bregenz) zeigt seinen Austritt an. — Neue Beiträge zur Deut­schen Flotte werden verkündet, darunter auch 820 Thlr. nebst mehreren Schmucksachen aus Rinteln durch Hrn. Gymnasiallehrer Meurer eingesandt. — Teichert und Schleusing zeigen 2 Berichte des Ausschusses für die Wehrangelegenheiten über meh­rere Petitionen, die sich auf Bildung der Bürgerwehr, auch einer „Studentenwehr" beziehen, an. Die Anträge des Ausschusses gehen theils auf motivirte, theils auf einfache Tagesordnung. Leue zeigt einen Bericht des Gesetzgebungsausschusses über den Antrag von Schaffrath und Genossen, betreffend die Aufhebung des Belagerungszustandes, an. Der Antrag geht aus Uebergang zur Tagesordnung. Wichmann beantragt, zu §. 42 der Gesetzordnung einen Zusatz zu machen; „Jedoch ist bei den im §. 32 bezeichneten Fällen') die namentliche Abstimmung ausgeschlossen." Die Begründung der Dringlichkeit des Antrages wurde mit 162 gegen 140 Stimmen zugelassen. — Nachdem Wichmann und Sch ne er für und Venedey gegen die Dringlichkeit des An­trages gesprochen hatten, wurde derselbe mit 169 gegen 162 Stimmen für nicht dringlich erklärt und an den Ausschuß für die Gesetzordnung verwiesen. — Es wird zur Tagesorduung — Diskussion der §§. 27. 28. 29 des Art. VII der Grund­rechte — übergegangen. Simson übernimmt den Vorsitz. M. Mo hl spricht sich, nachdem er sich gegen einige Amendements erklärt hat, für den Antrag des volkswirthschaftlichen Ausschusses aus: Jeder Unterthänigkeils- und Hörigkeits-Verband hört für immer auf. Ohne Entschädigung sind aufgehoben: 1) die Patri­monialgerichtsbarkeit, die grundherrliche Polizei, sowie alle andern, einem Grundstück oder einer Person zuständigen Hoheitsrechte und Privilegien; 2) die aus diesen Rechten fließenden Befugnisse, Eremtionen und Abgaben jeder Art; 3) die aus dem gründ- und schutzherrlichen Verbände herstammenden persönlichen Leistungen und Abgaben; 4) die Jagdgerechtigkeit auf fremdem Grund und Boden. Die mit den vorstehend aufgehobenen Befugnissen zusam­menhängenden Gegenleistungen der Berechtigten hören gleichzeitig auf. — §. Alle übrigen unzweifelhaft auf Grund und Boden haftenden Abgaben und Leistungen, desgleichen alle ländlichen Ser- vitäten, soweit sie nicht zur Benutzung des berechtigten Grund­stückes unerläßlich nothwendig sind, sind ablösbar, ohne Rücksicht auf die Person und das Verhältniß des Berechtigten oder des Verpflichteten. Hierzu möge man den Zusatz machen: „insofern die Gesetzgebung der Einzelstaaten nicht eine unentgeltliche Auf­hebung des einen oder anderen Rechtes für gut findet."'— Die Jagdrechte und andere Leistungen für Jagdzwecke sollen ebenfalls ohne Entschädigung aufgehoben werden. — Ziegert unterstützt

*) 1. Bei Anträgen , welche nur die formelle Geschâftsbehandlnng betreffen. 2. Wenn die Versammlung einen Antrag ssür sehr bringen», oder 3. für nicht hinreichend.bedeutend erklärt.