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Drucker eine Strafe von 17 Jahren Festungsarrest Beantragt. Die republikanischen Vertheidiger der Angeklagten stellten dagegen die eigenthümliche Behauptung auf, Hochverrath sei in Preußen jetzt gar nicht mehr strafbar. Der eine Vertheidiger machte den Dop- pelschluß: entweder freisprechen oder nach den alten Gesetzen in einer Kuhhaut zum Galgen schleifen, von unten auf rädern und die Körper aufs Rad flechten. Die Vertheidiger wurden gestern von den Freunden der Angeklagten durch ein musikalisches Ständchen geehrt. — Hr. von Rönne ist vom jetzigen Ministerium als Gesandter für Washington bestätigt und wird baldigst seine Reise antreten.
Die Central-Abtheilung der Nationalversammlung über die Berathung der Verfassung bat den Artikel über .die Adelsrechte in folgender Fassung angenommen: „Alle Preußen sind vor dem Gesetz gleich. Es giebt im Staate weder Standesunterschiede noch Standesvorrechte, noch einen besonderen Adelsstand." Außerdem ist zugleich zu Protokoll erklärt worden: „daß selbstredend hiernach Adelstitel nicht mehr verliehen, und nicht mehr aberkannt werden."
Die neue Berliner Zeitung berichtet über die Sitzung des demokratischen Fraucuvcrcins vom 27.: In der Sitzung hatten sich 50 bis 60 Damen eingefunden. Es wurde zunächst eine Kundgebung des Breslauer demokratischen Frauenvereins vorgelesen, um den Anwesenden zu zeigen, daß der Berliner demokratische Frauenverein nicht allein dastünde , dann wurde über den Namen „demokratisch" debattirt und die Frage gestellt, ob dieser Name wohl für einen Frauenverein Lassend sei. Demokratie bedeute „Volksherrschaft," sie aber, die Frauen Berlins, wären weit entfernt, herrschen zu wollen. Bei der Abstimmung, ob der Name beizubehalten, erhoben zwei Damen ihre Hände, bei der Gegenprobe that es nur eine (die andern strickten). Man nahm deshalb an, die Majorität sei für die Beibehaltung des Namens. Hierauf kam die Frage zur Diskussion, wie man das Loos der Arbeiterinnen für Fabriken erleichtern könne, namentlich der Näherinnen, die häufig nicht mehr als zwei Groschen verdienen, indem die Vermittlerinnen der Arbeit den Hauptgewinn zögen. Man schlug eine Petition an die Fabrikanten vor, des Inhalts, daß dieselben die Arbeiten den Arbeiterinnen unmittelbar liefern und zahlen möchten. Bei der Abstimmung darüber erhoben sich die Hände eben so schüchtern als bei der ersten Abstimmung. Die vielen anwesenden Herren waren sehr discret und enthielten sich des lauten Gelächters, wozu die schüchterne Taubennatur der anwesenden Damen außerordentlich reizte. Hierauf machte die Präsidentin die versammelten Frauen aufmerksam auf die Aussicht, daß cs bald blutige Köpfe setzen würde; die Demokratinnen, denen es obliegen würde, die blutigen Köpfe zu verbinden, möchten aber im Voraus Charpie zupfen, damit es ihnen nicht erginge, wie den thörichten Jungfrauen. Diesem Vorschläge folgte von Seiten der Herren ein schaltendes Händeklatschen. Die meisten der demokratischen Damen waren nämlich bereits über die erste Blüthe der jungfräulichen Jahre hinaus. Hierauf entstand eine Pause. Endlich ließ sich die Klingel hören und dieselbe Rednerin trat vor: „Meine Herren!" sagte sie, sich zu dem männlichen Theile der Versammlung wen- dend, „es ist Revolution unter uns ausgebrochen ; ein großer Theil der Damen will sich in Gegenwart der Herren nicht an der Debatte betheiligen und ersucht die Herren, sich zu entfernen. Auch jetzt bewiesen die Herren die bereits gezeigte Discretion und entfernten sich, ohne daß cs nöthig war, irgend eine Gewalt anzuwenden, mit ihnen ging natürlich auch der Referent.
Einen nicht weniger interessanten Beitrag zur Tagesgeschichte liefert die Kreuz-Zeitung. Sie bespricht heute den Linden-Klub und beschreibt den dortigen Geschäftsgang folgendermaßen: „Es wird einer von den Anwesenden oder Vorübergehenden — gewöhnlich sucht man sich einen Bärtigen, doch in Ermangelung dessen muß wohl auch ein Bartloser herhalten, — festgehalten, umzingelt, gestoßen und so lange maltraitirt, bis er nach dem Willen der, ihn unter dem Ruf: „Buddelmeyer eine Rede halten" verfolgenden Menge sich dazu versteht, einige Worte an sie zu richten. Von dem Eindruck dieser Rede hängt es nun freilich noch ab, ob sie ihn als Reactionair noch länger verfolgen, oder mit Beifallgeklatsch laufen lassen. Volkes Stimme! Gottes Stimme!
Berlin. In der Sitzung der Nationalversammlung vom 29. stellte der Abgeordnete d'Ester den Antrag: 1) bie hohe National
versammlung wolle beschließen, das hohe Staatsministerium zu ersuchen, die sofortige Aufhebung der von General Kaiser und Oberst Engels zu Köln getroffenen Maßregeln, wodurch die gesetzlich garantirten Grundrechte des preußischen Volkes verletzt worden sind, zu veranlassen. 2) Da nach dem vorliegenden Thatbestand kein Grund zum Belagerungszustand vorhanden ist, denselben sofort aufzuheben. 3) Den General Kaiser und Oberst Engels wegen Verletzung der Grundrechte der preußischen Nation zur Verantwortung zu ziehen. Da die Abstimmung über die Dringlichkeit deö Antrags ein Resultat von 207 gegen 143 Stimmen lieferte, wurde sofort zur Diskussion geschritten. d'Ester motivirte seinen Antrag durch den Beweis, daß die Grundrechte des Volks nicht suspendirt werden dürfen, und daß dies durch den Commandanten geschehen sei. Der Abgeordnete Unruh ergriff das Wort, um dem Antragsteller das, was sich von selbst versteht, zuzugeben, er erinnerte ihn aber daran, daß die Grundrechte des Volks von den Aufrührern de facto aufgehoben seien, daß die Grundrechte des Volks durch den Belagerungszustand nicht suspendirt wurden, weil sie bereits durch die Aufrührer suspendirt waren. Nach vielem Hin- und Herreden, aus welchem wir die Bemerkung verschiedener Herren, daß darüber, ob der Commandant seine Instruction überschritten habe oder nicht, die Akten noch nicht vollständig ausgenommen feien, hervorbeben , wurde der Antrag von Parisius: In Erwägung, daß sich die Versammlung noch nicht im Stande befindet, die kölner Ereignisse klar zu überschauen und in Erwartung, daß das Ministerium nicht anstehen wird, bei einer Fortdauer des Belagerungszustandes durch die Mittheilung der erforderlichen Vorlagen die Enderschließung der Versammlung herbeizuführen, geht die Versammlung zur Tagesordnung über mit 186 gegen 169 Stimmen angenommen.
Die Einstellung der Prozesse behufs Regulirung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse und Dienstablehnungen kam in der Sitzung der Nationalversammlung vom 30. Sept, zur Berathung. Nach dem Bericht der Central-Abtheilung über den darauf bezüglichen Eintrag des Abgeordneten Honow wurde §. 31 — „ auf den Antrag auch nur eines TheilnehmerS werden alle Verhandlungen über die Regulirung der gutsherrlich unb bäuerlichen Verhältnisse und über die Ablösung der Dienste, Natural und Geldabgabeu , in denen der Receß noch nicht bestätigt ist, sistirt;" mit Einstimmigkeit, mit dem Amendement des Abgeordneten Moritz, „auch alle bei der Generaleommission und den Gerichten schwebenden Processe über Mühlenabgaben" mit großer Stimmenmehrheit angenommen.
Berlin, 29. Sept. Temme's Interpellation über das Gesetz wegen Abschaffung der Todesstrafe ist zu Boden gefallen; der Justizminister, der gestern noch die Verzögerung der Publikation desselben mit einer Hinweisung auf die Frankfurter Berathungen beschönigte, hat dem Antragsteller heute erklärt, eine absichtliche Vertagung der Publikation werde nicht beabsichtigt; es seien nur noch einige Hindernisse im Staatsministerium zu beseitigen. Es scheint also diesmal guter Rath über Nacht gekommen zu fein.
— Syndikus Banks und der Abg. Stedtmann verkehren hier viel nicht bloß mit den hiesigen Staatsmännern, sondern auch mit den Landtagsmitgliedern, namentlich mit Rodbertus, . der bekanntlich auf Montag eine Interpellation wegen der schleswig-holsteinischen Angelegenheit angekündigt hat.
* Berlin. In der Sitzung der Nationalversammlung vom
2. Oetober ist auf den Vorschlag der Präsidial - Conferenz beschlossen worden, fortan tägliche Sitzungen zu halten und davon zwei in der Woche der Verfassungsberathung zu widmen.
Köln. Ein jeder wirkliche Demokrat muß cs tief beklagen, wenn die Organe, welche sich dafür ausgeben, demokratische Bildung und demokratische Staatsformen zu verbreiten und zu entwickeln, die Grundbedingungen derselben verkennend, ihr Hans immer von Neuem vergeblich auf den Sand zu bauen bestrebt sind. So beharrt die Berliner Zeitungshalle fort und fort in einer leeren Polemik gegen Dinge, welche ein Mal unabänderlich nothwendig sind. Nachdem in Köln die Ruhe nur mit Noth wieder hergcstellt worden ist, beklagt sie die Herrschaft der „Bajonette". Sie deklamirt: „so sehr mißtraut Ihr eurer eigenen Sache, so sehr beweiset Ihr, daß Ihr selber schon innerlich keinen
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