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Frankfurt, 1. Oct. Wie wir aus guter Quelle ver­nehmen, schreibt die OPAZtg., sind die Arbeiten des Verfassungs­ausschusses der Nationalversammlung jetzt so weit vorgerückt, daß eine Vorlage ehestens zu erwarten ist und die Beendigung des ganzen Werkes in nicht zu langer Frist in Aussicht steht.Fol­gendes haben wir darüber erfahren: Die Abschnitte vom Reich und der Reichsgewalt sind im Ausschusse durchberathen und revi- dirt und werden dem Hause vorgelegt werden, sobald die Bericht­erstattung vollendet sein wird, was in einigen Tagen der Fall sein möchte. Berathen ist gleichfalls der Entwurf über das Reichsge­richt, so daß nur noch einige Punkte der formellen Redaktion er­ledigt zu werden brauchen. Ueber den Reichstag Staatenhaus und Volkshaus wird von der Commission in wenigen Tagen eine Vorlage im Ausschuß erwartet werden dürfen, so daß dann nur noch die freilich besonders schwierige Frage über die Anord­nung der exekutiven Gewalt im Reiche übrig bleibt. Legt nun die Nationalversammlung frisch und energisch Hand ans Werk und läßt sich nicht in eine so kleinliche und. zeitraubende Diskussion ein, wie es Anfangs bei den Grundrechten der Fall war, so ist zu hoffen, daß die Deutsche Nation unter Gottes Schutz bald zur- definitiven Constituirunz ihrer Centralgewalt gelange. Der Ent­wurf über die Reichsgewalt soll sich übrigens in wesentlichen Punkten von der früher indiscreter Weise veröffentlichten Arbeit der Vorkommission unterscheiden, während in dem Abschnitt über das Reich namentlich die Bestimmungen, welche er über die Ver­bindung deutscher und nicht deutscher Länder enthält, Aufmerksam­keit erregen möchten. Für die künftige Stellung Oesterreichs zum Reich ist diese Frage von entscheidender Wichtigkeit; ihre Lösung macht eS überhaupt erst möglich, den Bau der Deutschen Verfas­sung zu vollenden.

Freiburg, 30. Sept., Abends 6'/r Uhr. In diesem Augen­blick wird Gustav Struve gefesselt und mit starker Militärbe­deckung hier eingebracht, seine Frau ebenfalls. Struve führte dieselbe am Arm. Außerdem sind noch mehrere andere Flücht­linge eingebracht worden. O. P. A.Ztg.

Freiburg, 30. Sept. Abends. So eben werden wieder gegen 30 gefangene Freischärler gebunden mit starker Militairbe- deckung hier eingebracht. Im Oberlande ist es noch immer nicht ganz ruhig; eS ziehen noch an verschiedenen Orten einzelne Haufen zerstreuter Freischaarenabtheilungen umher. Gestern Abend ist wieder badisches Militär eingerückt z heute werden Würtem­berger erwartet. Das Hauptquartier der Bundestruppen ist fort­während in Müllheim. Die Stärke des im Oberlande und dem Seekreise befindlichen Militärs beträgt etwa 10,000 Mann und 8 Kanonen.

Stuttgart, 29. Sept. Die Versammlung der Abgeord­neten der vaterländischen Vereine in Kannstadt erhob zu Be- lchlüssen: die Bewirkung einer Reinigung der Nationalversamm- sung, die Unvereinbarkeit des Fortbestehens der gegenwärtigen Staatseintheilung des Vaterlandes mit des Deutschen Volkes Größe und Wohlfahrt; die Einberufung einer constituirenden Ver­sammlung in Würtemberg, welche die neue Verfassung ohne Ver­einbarung mit der Regierung zu geben habe, mit dem Recht, die Verfassung republikanisch oder monarchisch zu ordnen. Nach den Oberamtsbezirken Hall, Balingen, Rottweil, Oberndorf, wo bewaffnete Freischaaren, zum Theil mit Zustimmung der Bürger­wehren, ganz ähnlich, wie im badischen Oberlande, hausten und gegen Stuttgart ausbrechen wollten, wird jetzt zur Entwaffnung der Bürgerwehr Militär geschickt, und die Betheiligten werden ihre Auflehnung schwer zu büßen haben. Die Führer des Auf­standes sind theils verhaftet, theils entflohen. Die Regierung entwickelt sehr energische Maßregeln. (O.P.A.Ztg.)

G. Rau von Gaildorf ist wirklich verhaftet und auf den Asberg abgeliefert worden.

München. Viel Aufsehen erregte die am 27. Plötzlich vor genommene Verhaftung der acht Comite-Mitglieder des demokra- ifchen Vereins, es sind die Doctoren der Rechte Greiner und Herrman, Advocat Riedel, Dr. med. Ringler (Redacteur der Leucht- ugeln), Buchhändler Roller, Maler Schmölze, Accessift Stunz, ' Nauendorf und Julius Knnrr. Da diese Demokraten der all- stmeinen Achtung genoffen und nach Gesinnung und Befähigung ich von ihren demokratischen Collegen der meisten anderen Städte '«deutend unterscheiden, auch nichts Gesetzwidriges begangen hat­

ten, so glaubt man den Grund ihrer Verhaftung in dem Befehle der Centralgewalt und in den Vorkommnissen anderer Orte zu finden, mit denen sie selbst hoffentlich nichts zu schaffen haben. (Die sämmtlichen Angeklagten sind am 30. Nachmittags der Haft ent­lassen. Ihre Verhaftung beruhte auf einer Mystifikation der Behörde.)

M ü nchen, 29. Sept. DieNeue Münchener Ztg." ent­hält unter der AufschriftDeutsche Reichsgewalt" folgen- ges Dokument: Das Reichsministerium hat mit ungetheilter Be­friedigung die Erklärung des k. baier. Gesammtstaatsministeriums vom 8. Sept. 1848 empfangen, worin dasselbe die Anerkennung der Centralgewalt und die Bereitwilligkeit, den Beschließ der Na­tionalversammlung vom 28. Juni d. I. zu vollziehen, ausspricht, und beifügt, daß die k. baier. Regierung alle Kräfte aufbieten werde, um die Einheit Deutschlands in Verbindung mit dem con- stitutionell-monerchischeu Princip der Einzelnstaaten herzustellen, zu befestigen und zur friedlichen Vermittlung der widerstrebenden Interessen auf jede mögliche Weise beizutragen. Das Reichsmi­nisterium erkennt in diesen Aussprüchen eine große Bürgschaft für die Gestaltung Deutschlands zu einem großen mächtigen Reiche, es erwiedert die offene Erklärung mit der Zusicherung, daß das konstitutionell-monarchische Princip der Einzelstaaten immer ge­wahrt sein werde; das Reichsministerium ist erfreut bei der gro­ßen Aufgabe, die ihm geworden, der unterstützenden Mitwirkung der k. baierischen Regierung sicher zu sein. Frankfurt a. M., den 20. Sept. 1848. Das Reichsministerium. Schmerling. Peucker. Duckwitz. R. Mohl.

Gießen, 1. Oct. Nachdem der als Mitarbeiter des wei­land Struve'schenZuschauers" und des hiesigenJüngsten Tags" bekannt gewordene Rudolph Fendt vorgestern noch einmal eine Volksversammlung berufen und sich vor derselben in fast unglaub­lichen Jnvectiven gegen den Großherzog und seine Minister aus­gelassen hatte, erschien gestern vom Hofgericht ein Verhaftsbefehl gegen denselben, dem er sich aber bis heute durch Flucht oder Verbergung zu entziehen gewußt hat. Dagegen ward der Stu­dent A. Welcker, außer Fendt der Hauptredner auf der Volksversamm lung zu Oberohmen im Vogelsberge, heute verhaftet hier ein- gebracht. (O.-P.-A.-Z.)

Wien. Dem Gerücht, Graf v. Lamberg habe den ihm vom Kaiser übertragenen Posten abgelehnt, wird von der Allg. Oester. Ztg. widersprochen. Sie versichert, Feldmarschall Graf v. Lamberg sei mit dem von Sr. Maj. erlassenen Manifeste bereits nach Pesth abgereist, um dasselbe von dem Ministerpräsidenten Batthyany ^con- trastguiren zu lassen und sogleich dem Jellachich die weiteren Mit­theilungen in Bezug auf den ungarisch-croatischen Krieg zuzustelllen.

Wien, 29. Sept. Die heutige Sitzung des Reichstags war nur ganz kurz, indem wegen schadhaft gewordener Röhren sich ein unerträglicher Gasqualm im Saale verbreitet hatte. Die vom Finanzminister sehnlich erwartete Semestralbewilligung zur Erhebung der Steuer ist einstweilen noch nicht erfolgt. In der morgenden dürste es wegen der aufgefangenen und vom un­garischen Ministerialblatt mirgetheilten Corresponden; zwischen Je- lachich und Latour an interessanten Interpellationen nicht fehlen.

Der Constitutionsausschuß hat heute den Entwurf der Grund­rechte der österreichischen Völker und Staatsbürger veröffentlicht. Die wesentlichen Punkte sind folgende: Standesvorrechte und Adelsbezeichnungen sind abgeschafft und dürfen nicht mehr ver­liehen werden, die Todesstrafe wird abgeschafft, das Petitionsrecht ist unbeschränkt, Volksversammlungen unter freiem Himmel dürfen nur in Fällen dringender Gefahr untersagt werden, kein bewaff­netes Corps darf über politische Fragen berathen oder Beschlüsse fassen, eine Staatskirche gibt es nicht, die Civilehe wird einge- führt, die Preßfreiheit darf weder durch Censur noch durch Kau­tionen und Stempel beengt werden, die Gleichberechtigung aller Nationalitäten ist ein unveräußerliches Recht derselben, Majorate und Fideikommisse hören auf, daS Heer steht unter den bürger­lichen Gesetzen und Gerichten.

* Berlin, 30. Sept. Am 28. fand auf dem hiesigen Criminalgericht bei öffentlicher Sitzung der erste Hochverraths- Proceß seit unserer Märzrevolution seine Einleitung. Die Anklage war gegen den Literaten Cohnheim und Fernbach und zwei Buchdrucker wegen Herausgabe einesrepublikanischen Katechismus" gerichtet. Der Staatsanwalt hat gegen den