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Beilage zu 9t r. 126 der Neuen H e sfisch en Zeitung.

von einer Unterhandlung keine Rede sein könne. „Erst werde Ungarn seine Feinde besiegen und dann die Rechnung machen." Von dem Hiereintreffen des Erz­herzogs Stephan und dessen Abreise nach Wien ward keine Notiz genommen. Hierauf verwandelte sich das Haus in ein geheimes Comité und saß bis 9 Uhr Abends zusammen. Jetzt wurde dem wackern Helden von „Perlaß" dem patriotischen General Ernest von Kirsch, ein überaus glänzender Fackelzug dargebracht. Die­ser einzige ungarische General, auf welchen man sich verlassen kann, wird das Oberkommando über die gegen Jellachich aufge­stellten Streiter übernehmen. Er ist von Haus aus einer der reichsten Grundbesitzer des Landes und hat den alten ungarischen Stolz gegen die „schwäbische Dynastie" ererbt. Wie die Dinge sich gestalten, gehen iiichl nur die Ungarn, sondern auch die Habsburger einem Kampf auf Leben und Tod entgegen.

Italien

Messina, 13. September. Ungeachtet des durch den engli­schen und französischen Admiral vermittelten Waffenstillstands oder vielleicht noch vor seinem Bekanntwerden haben mehrere Städte sich der neapolitanischen Regierung wieder unterworfen. Catania hat das erste Beispiel gegeben, Grigenti ist gefolgt, auch Lipari hat seine Unterwerfung erklärt. Eine im Auftrage des neapoli- tanischen Oberbefehlshabers erlassene Bekanntniachung sichert mit Ausnahme der Führer des Aufstandes eine vollständige Amnestie zu. Messina soll ein Freihafen werden. Das Unglück von Mes­sina scheint leider das Selbstvertrauen der Sicilianer gebrochen zu haben und wie es scheint, ist wenig Aussicht vorhanden, daß Palermo einem ernsten Angriff der Neapolitaner wiederstehen würde.

Rom, 13. Sept. Ciceruachio hat bei dem Staatssckre- tariat officiell, d. i. in eigner Person, die Meldung gemacht, daß er seiner bisherigen Stellung als Tribun des Volkes entsage. Der Nothstand Roms, das Darniederliegen alles Verkehrs hat diesem innerlich unverdorbenen Bürgersmann die Augen geöffnet. Er soll offenherzig genug gewesen sein, um zu bekennen, daß er sich wohl habe mißbrauchen lassen, daß er aber jetzt einsehe, wie Ruhe und Ordnung vor allem nöthig seien. Durch dieses Geständniß wird mancher Tadel vertilgt, der in der letzten Zeit seinen Cha­rakter zu beflecken drohte. Sein Beispiel kann bei dem Einfluß, den er in manchen Kreisen übt, nicht fruchtlos bleiben und ge­währt eine Bürgschaft mehr für das Fortbestehen der Ruhe.

In Mailand nichts wesentlich Neues, als daß mit dem Canton Tessin die Postverbindung, wie überhaupt jeglicher Ver­kehr, aufgehoben ist. Sonst herrscht hier noch immer die lange, dumpfe politische Schwüle. An allen Thoren und auf den Haupt­plätzen Kanonen und stampfende Gewehre, in den Straßen Husaren- und Grenadierpatrouillkn, finstere Mienen der schwarzbärtigen Ita­liener, der Adel und die Reichen noch immer abwesend, kein Han­del, kein geselliger Verkehr. Ein leidiger, drückender Aufenhalt!

Der Aufstand in Livorno scheint zu Ende zu sein. Ein Tagesbesehl des Großherzogs entläßt die Nationalgarden, die zur Vertheidigung der Regierung nach Pisa geeilt waren. Nach Be­richten aus Modena haben die toskanischen Truppen Fiviziano und die übrigen Plätze des modenesischen Gebiets, welche die tos­kanische Regierung übernommen hatte, geräumt. Es wird dort österreichisches Militair erwartet. 5000 Mann Oesterreicher sollen als Observationskorps gegen die Gränze von Toskana aufgestellt werden.

Frankreich.

Parrs, 26. Sept. Auf Befehl des Kriegsministers wurde diesen Morgen eine bedeutende Masse Munition aus Vincennes in die ^tnbt geschafft und unter die Truppen vertheilt. Das 6. Bataillon der Mobilgarde hat den linken Tuilerienflügel (Rue de Rohan) verlassen und sich nach Ruel begeben, wo sich das bo- napartistische Fieber am Heftigsten zeigt. Zahlreiche Emissäre haben den dortigen Bauern vorgelogen, daß der „Prinz" mit zwei Milliarden baaren Geldes aus London käme, die er auf den Altar des Vaterlandes niederlegen würde und wodurch sie (die Bauern) zwei Jahre von allen Abgaben verschont bleiben sollten. Auf diese Weise wird ihr Enthusiasmus für den „demo- kratlschen Kaiser" erklärlich. In Moneteau (bei Aurerre) riß die Polizei folgeuden Volksaufruf von den Mauern: „Franzosen!

Nachdem ihr von Neuem die Tyrannei verjagt habt, die uns im Juli 1830 betrog, lasset ihr Euch von einer Tyrannei täuschen, die noch viel heuchlerischer ist. Statt Eines Königs, der uns aussog, haben wir deren Mehrere, die sich auf unsere Kosten mästen. Greifen wir zu den Waffen, zerreißen wir unsere Fes­seln und erheben wir den Mann, der für uns paßt. Der Mann ist Ludwig Napoleon Bonaparte."

Die Regierung ist entschlossen, keine Demonstration zu dulden, die auch nur im Entferntesten die Absicht einer Gründung des berüchtigten demokratischen Kaiserthums znm Zwecke haben könnte. Cavaignac äußerte in seiner trocknen Weise zu einigen Repräsen­tanten, „daß er die Napoleoniden sammt und sonders (es sitzen bekanntlich vier Vettern in der Versammlung) einpacken und nach Amerika überschiffen lassen würde, wenn sie sich zu Ruhestörungen verleiten ließen."

Von Raspail waren gestern Riesenplakate angeschlagen, die aus dem Kerker von Vincennes datirt sind und mit den Worten beginnt: !„Raspail's Dank an die Pariser Wähler!" Die Polizei riß sie sogleich ab.

Die Departements-Kommlssarien, deren Schöpfung neulich beinahe das Kabinet gestürzt hätten, und die man aus dem Felde geschlagen zu haben meinte, werden, wie es heißt, nun doch ihre Jnspektions- und Propagandareisen antreten. Ihre Zahl ist je­doch nicht mehr auf 26, sondern nur auf 14 festgesetzt.

In der Polizeipräfektur arbeitet man in diesem Augenblick dle Pläne zum Bau dreier kolossaler Arbeiterhallen aus, deren Zweck darin besteht, das alte Herbergswesen zu ersetzen und arbeitslosen Gesellen und Taglöhnern zum Versammlungsort zu dienen, wo sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenseitig täglich einfinden. Die Hallen werden gedeckt sein und sollen außer zu den Arbeirer- geschäften auch noch zu gewerblichen Lehrkursen dienen, welche Staatsprofefforen daselbst halten.

Paris, 28. Sept. Der Mouiteur widerlegt das von Lon­doner Blättern gegebene Gerücht, wonach die Republik ein neues Anleihen von 12 Mill. Pf. St. in London negociiren sollte.

Das Kriegsgericht hat den Comm. Constantin von der An­klage der Theilnahme an dem Junianfstand freigesprochen, ihn jedoch zu 3monatlicher Haft und Dienstentlassung verurtheilt, da er sich während des Kampfes nicht auf seinem Posten eingefunden hatte. Constantin war selbst zu einem der Richter über die Juni­insurgenten ernannt worden, als er auf jene Anklage hin verhaftet ward. Mehrere seiner Neffen waren unter den Insurgenten.

Die „Presse" will Briefe aus Port-au-Prince erhalten. Haben, wonach die Ruhe aufHayti wieder vollkommen hergestellt wäre.

Vierzig oder fünfzig Communisten, Anhänger Cabets, wollen sich nächstens in Havre auf dem Bremer Schiff Victoria nach Neworleans einschiffen. Cabet ist selbst nach Havre gegangen, jedoch nur um die Einschiffung zu leiten, nicht um seine Schüler nach dem gelobten Lande Jkarien zu begleiten.

Grofibritannien.

London, 26. Sept. Der irische Staatsproceß in Clonmell schreitet langsam vor. Wie gegen Smith O'Brien hat die Grand Jury auch gegen Meagher und andere am Aufstand Betheiligte die Anklage zugelassen. An Ort und Stelle findet der Prozeß gerade kein großes Interesse; der Gerichtssaal ist zuweilen ziem­lich leer. Die Regierung scheint Clonmell als den Sitz der Spe­cialkommission hauptsächlich deshalb gewählt zu haben, weil sie von der Gentry in Tipperary kein durch Furcht oder Sympathie für den Aufstand influencirtes Verbiet zu befürchten glaubt. Der Plan der Vertheidiger der Angeklagten besteht, wie es heißt, darin, durchzuführen, wie die Whigs während der Reformbe­wegung nichts anderes gethan hätten, als Jungirland, nnb daß nur der Sieg ihrer Sache sie vor der Anklage auf Hochverrath geschützt hätte. Deshalb hat O'Briens Vertheidiger auch Lord J. Russel als Zeugen citirt, doch heißt es jetzt, er werde von dem Verlangen abstehen. Die Mehrheit der englischen Presse ist mit der langweiligen gerichtlichen Procedur gegen die Angeklagten sehr unzufrieden. Sie haben den Krieg gepredigt, einen wahren Vernichtungskrieg gegen das britische Heer wie den britischen Staat, besser also, wenn ein Kriegsgericht rasch über sie abge- urtheilt hätte. Ueberhaupt fängt man an, sich des großen Auf-