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fortwährend Gefangene einbringen. Vier Freischärler, welche die Waffen nicht ablegen wollten, sollen erschossen worden sein. Drei Tage lang war Müllhein: in der Gewalt der Aufständischen. An einem Tag sollen gegen 4000 Mann daselbst einguartirt gewesen sein. Die Republik hat sich ein gründlich abschreckendes Gedächtniß ge­stiftet ; die Truppen wurden überall als Befreier begrüßt.

Müllheim, 28. Sept. Heute ist hier das Standgericht, bestehend aus drei Militairpersonen und drei Mitgliedern des Hof­gerichts des Obcrrheinkreises, zusammengetreten und hat die Frage zu Händen genommen, ob Struve und Consorten standrechtlich zu behandeln seien oder nicht. DiesFrage wird erst morgen ent­schieden werden. Der Bejahung wurde besonders der Umstand entgegenstellt, daß die Publikation des Standrechts erst unterm 26. d. M. erfolgt sei, während die Verhaftung am 25. stattfand. Dagegen wurde unter Anderm in Frage gebracht, ob nicht das Benehmen des Gefangenen zur Zeit, als er gefangen hierher trans- portirt wurde, ein derartiges war, daß dadurch eine Berechtigung zur standrechtlichen Behandlung bedingt werde, oder ob diese nicht darauf gegründet werden müsse, daß Struve als der rntellcctuelle Urheber des auch jetzt noch immer in der Fortsetzung begriffenen Aufruhrs erscheine, und er nichts zu dessen Endigung gethan habe.

In Müllheim wird Struve auf dem Rathhaus streng be­wacht. Man hat ihn in Ketten gelegt. Er ist sehr niederge­schlagen und entmuthigt, seine Frau aber gefaßt. Vom repu­blikanischen Fieber scheint man jetzt im Oberlande kurirt zu sein. Die Bauern der Ilmgegend bringen selbst von ihnen gefangene Freischärler hier ein.

In Würtemberg herrscht überall Ruhe. Das Volksfest in Cannstadt hat am 28. ungestört seinen Anfang genommen, von bewaffneten Zuzügen ließ sich nichts sehen. Ucbrigens stehen drei Bataillone Infanterie, vier Kanonen und eine Cavatterieab- theilung bereit, etwaigen Ruhestörungen ju begegnen, und ein Theil der Bürgerwehr ist consignirl. In Stuttgart sollen Ver­haftungen vorgenommen werden; einige Volksredner haben sich schleu­nig aus dieser Stadt entfernt. In Tübingen entging Alexander Simon der Arrestation, Rau's Freischärler sind nach Hause zurückgekehrt; welchen Weg der Führer selbst mit seinen zwei bis drei Adjutan­ten von Balingen aus eingeschlagen, ist ungewiß. Mithin ist der aufrührerische Versuch in Würtemberg in seinem Keime erstickt; Niemand hat sich im Ernst daran beiheiligen wollen.

In Freiburg war am 28. Sept. Abends die für zuver­lässig gegebene Nachricht verbreitet, daß am Nachmittag desselben Tages der würtembergische Agitator G. Nan von Gaildorf auf auf der Flucht nach Straßburg in Offenburg verhaftet worden sei.

ff Wien, 27. Sept. (Ultimatum der Camarilla.) Zu der gestrigen Ihnen gemachten Mittheilung, daß der F. M. Lamberg (.Divisionär in Preßburg) von Sr. Maj. zum Militär- und Civilgouverneur von Ungarn mit dem Oberbefehl der sämmtlichen ungarischen und kroatischen Truppen ernannt worden, ist noch die der Einsetzung des bisherigen judex curiae Ungarns, des Grafen Mailath in die provisorische Palati- nalwürde hinzuzufügen. Erzherzog Stephan will, wie wir vernehmen, 1 Jahr lang von den Staatsgeschäften zurückgezogen leben. Höchst merkwürdig ist ein in wenigen Exemplaren noch vorhandenesan die Völker Ungarns" erlassenes kaiser­liches Manifest, das vom 25. September datirt ist und abermals keine Contrasignatur eines verantwortlichen Ministers trägt. In demselben wird Graf von Lamberg einerseits als Befehlshaber sämmtlicher in Ungarn befindlichen Truppen und bewaffneter Corps, andererseits als außerordentlicher kaiserlicher Commissär bezeichnet, dem alle Civil- und Militärautoritäten zur Herstel­lung der Waffenruhe und zur Erzielung einer die pragmatische Sanction zur Basis habenden Aus­gleichung der innern Zwistigkeiten zwischen den ungarischen und nicht ungarischen Staaten sich unterzuordnen haben. Es wird darin auch auf die militärischen Maaßnahmen hingewiesen, die von der mährischen Grenze aus zur Unterdrückung des in den nördlichen Comitaten ausgebrochenen Ausstandes der Slaven un­ternommen würden. Das Manifest ist gestern von der Staats­buchdruckerei in großen Ballen nach Ungarn geschafft worden. Der Effect desselben ist der, daß jetzt nicht nur die Magyaren,

sondern auch die Slaven über Verrath der Camarilla schreien. Letztere behaupten, daß sich der Ban den Befehlen S. M. gegenwärtig nicht nie hx fügen werde. Wie uns heule aus glaubwürdigster Quelle mitgetheilt wurde, soll der Graf L a m b e r g noch a n st e h e n , den ihm ohne Contrafig - natur übertragenen Posten anz »nehmen. In der gestrigen Reichstagssitzung setzte der Exminister Schwarzer sich auf die linke Seite. Wien ist vollkommen ruhig. (Neber die Reichstagsverhandllingkn haben wir keine Berichte, weil die Jour­nalisten, denen man den Eintritt im Donferenzsaal der Abgeord- neten versperrt hat, sämmtlich protestirend das Haus verlassen'chabcn.)

Frankreich.

Paris, 27. Septbr. In der heutigen Sitzung wurde der Duvergier de Hauranne'sche Antrag auf zwei Kammern mit enormer Mehrheit, 530 gegen 289 Stimmen verworfen.

Ernennungen x.

Die Hauptleute von Humbert und Reccius vom Leibgarderegi­ment sind zu etatsmäßigen Majors, ersterer im 2. Jnf.-Regiment und letzterer im Leibgarderegiment; die Hauptleute von Bnttlar und von Apell vom 1. Jnf.-Regiment (Kurfürst) zum Leibgarderegiment, der Hauptmann Engelhardt aggregirt dem 2. Jnf.-Regiment als Com­pagnie -Chef zum 1. Jnf.-Regiment (Kurfürst) , und der Hauptmann Schindler vom 3. Jnf.-Regiment zum 1. Jnf.-Regiment (Kurfürst) ver­setzt; der Hauptmann Henkel, Führer der 2. Garnisons-Compagnie, zum Hauptmann und Compagnic-Ches im 3. Jnf.-Regiment, und die Seconde-Lieutenants Junck vom 2., und Schotten vom 3. Jnf.-Regi­ment, zu Premier-Lieutenants, ersterer im 1. Jnf.-Regiment (Kurfürst) und letzterer im 3. Jnf.-Regiment, ernannt.

Tagesordnung für die Stände-Sitzung

Kassel, den 3. Oktbr., Morgens 9 Uhr.

1) Fortgesetzte Berathung des Entwurfs eines Bürgerwehrgesetzes.

2) Berathung des Berichts des Verf.-Anssch. über die Mittheilung des Kriegsministers, die Beeidigung der Offiziere und Soldaten auf die Verfassung betreffend.

3) Bericht desselben Anssch., über den Antrag des Herrn Vietor, wegen Aufhebung des §. 107 der Verfass-Urk., bezüglich auf das Mini­sterium des Auswärtigen.

4) Desgl., über den Antr. des Herrn Henkel, die Aufhebung des §. 111 der Verfaff.-Nrk. betreffend.

Repertoire des Kurfürstlichen Kostheaters.

Dienstag, 3. Okt. Der reiche Mann, oder: die Wasserkur. Ori- ginal-Lustsp. in 4 Akten von Dr. C- Töpfer.

Donnerstag, 5. Okt. Die Vorleserin, Schausp. in 2Akten nach Bayard von C W. Koch. Hierauf: Die Entführung, Lustsp. in 3 Akten von J. F. Jünger.

Sonnabend, 7. Okt. Fidelio, Oper in 2 Akten nach dem Franz, von Bernard. Musik von L. von Beethoven. Hierauf Tanz.

Sonntag, 3. Okt. Wallensteins Tod, Trauersp. in 5Akten, von Schiller.

Handels- und Börsennachrichten.

Frankfurt, 30. Sept. Kur Hessen: Fr. Wilh. N. V. Certi- ficate 43% B. 43'/. G.; Vierzig -Th. Loose 25% B. 25% G. Oesterreich: 5 pCt. Metall. 74% P. 74 G.; 4 pCt. M. 60% P. G.; 2% pCt. M. 39'/* P. 39 G.; Bankact. 1200 P. 1190®.; 250 fl. Loose 81'/, P. 81 G.: 500 fl. Loose 120 P. 119'/, G.; 4'/, pCt. Bethm. Obligat. 687, P. 67-/, G ; 4pCt. Bethm. Obliq. 61 P. 60 G. Preußen: Staatsschuldsch. 3'/, pCt. 74% P. 74'/. G.; Prâmiensch. 88 P. 87% G.; Köln-Aachen. E. A. P. G.: Küln-Mind. D. A. 767* P. 75% G. Baiern: 3'/,pCt. Oblig. 77 P. 76'/. G.; Ludw. Kan. Act. P. ®.; Ludw. Berb. Act. 69 B- 68/* G H. Darmstadt: 50fl. Loose 60'/. P. G-; 25 fl. Loose 207, P- 20 G.; 37, VGL Oblig. 75 P. 74'/, ®.; 4pCt. Oblig. 83% P. 83'/. ®. Baden: 3%vG. Oblig. 73/* P. 73'/. G.; 50fl. Loose 45 P. - G.; 35 fl. Loose 26'/. P. 257, ®- Würtemberg: 3'/, pCt. Oblig. 76'/. P. 75/* G.; 4'/, pCt. neue Oblig. 927, P- 92 G. Nassau: 3'/, pCt. Oblig. 80'/, P. 80 G.: 25 fl. Locsse 20'/, P- 20 G. Frankfurt: 3 pCt. Oblig. 78 P. G.; 3'/, pCt. Oblig. v. 1839. 90 P. G.; 3'/, vCt. Obl. v. 1846. 85/* P. 85'/. G.; Taunusbahn- Act. 277P. 273 G. Holland: 3'/, pCt. Jnteqr. 45'/, $ 457, G.; ; 4 PCt. Oblig. P. 69'/, G.; 3'/, Synd. P. 69'/, G. Spanien: 5 pCt. Activsch. P. G.; 3 pCt. Innere Sch. 18*/, P. 18% ®. Portugal: 3 pCt. Cons L. St. â 12 fl P- ®. Polen: 200 fl. Loose - P. 92 G.; 4 pCt. Oblig. über 500 fl. 67'/, P. 67 ®. Rußland: 4 pCt. in R. fl. 2. b. Grun L 6. - P- 78 G.; 4 pCt. dsgl. b. Stiegl. & C. - P. 78 G. Sardinien: 36 Fr. Loose b. Bethm. 257, P. 25 ®. Goldcours : Pistolen 9 fl. 56 kr.; Pr. Friedrichsd'or 9 fl.' 57 kr.; holl. 10 fl. St. 10 fl. 4 kr.; 20 Fr. St. 9 fl. 38 kr.; Engl. Sov. 12 fl. 2 kr.; Randduc. 5 fl. 36 kr. Wechs-Disc. 2.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker, Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Cassel.